Norwegen Skifahren mit Gottes Segen

Skigebiet Trysil in Norwegen.

Wild stäuben die Schneeflocken hinter Gordon Logemann auf, als er die schwarze Piste Nr. 70 hinunterdüst. Im rasanten Tempo schwingt der 41-Jährige gekonnt nach rechts und links bis er nur noch als kleiner dunkler Punkt in dem gleißenden Weiß zu sehen ist. So oft es ihm sein Beruf erlaubt, ist der Pfarrer von Trysil auf Skiern zu finden - mindestens jedoch zweimal die Woche. "Ich schreibe meine Predigten meist erst abends, dann, wenn die Lifte geschlossen sind." Heute muss er sich aber beeilen, der Gottesdienst am Sonntag ist noch nicht vorbereitet. Der gebürtige Niedersachse, der seit 2008 mit Frau und Kindern in dem kleinen norwegischen Ort lebt, überlegt einen Augenblick. "Ach, eine Abfahrt geht noch." So viel Zeit muss sein, und schon sitzt er wieder im Sechser-Sessellift und ist auf dem Weg hinauf zum Gipfel.

Trysil ist Norwegens größtes Skigebiet. Mitten in der leicht hügeligen, nadelwaldbedeckten Landschaft erhebt sich der 1132 Meter hohe Trysilfjellet, von dessen Gipfel man einen grandiosen Ausblick hat - an klaren Tagen bis zum Felsmassiv der berühmten Rondane-Berge. "Was mir beim Skifahren hier so gut gefällt, ist diese Weite zu sehen, und die frische Luft zu spüren", sagt Gordon Logemann und macht sich bereit für seine letzte Abfahrt des Tages. Diese erfordert Mut, und auf jeden Fall Können, denn die schwarze Piste Nr. 75 neigt sich im 45 Grad-Winkel Richtung Tal - steil, um nicht zu sagen: sehr steil. Ein prüfender Blick, und schon ist der Pfarrer im Abhang verschwunden.

Drei Mal in der Woche ist "late night skiing"

Zu drei Seiten des Trysilfjellet erstreckt sich das abwechslungsreiche Areal für Wintersportler. Nur zweieinhalb Stunden nordöstlich von Oslo gelegen, kurz vor der schwedischen Grenze, wurde in Trysil 1967 die erste Liftanlage in Betrieb genommen. Von morgens um neun Uhr bis in den späten Nachmittag hinein bringen heute 31 Sessel-, Schlepp- und Tellerlifte die Wintersportler zu 66 Abfahrten. Wem das noch nicht genug ist, der kann dienstags, freitags und sonntags beim sogenannten "late night skiing" bis 20 Uhr unter Flutlicht weiterwedeln.

Skigebiet Trysil in Norwegen.
C.H./Visitnorway.com
66 Abfahrten stehen den Wintersportlern in Trysil zur Verfügung.
Den Gästen soll es in Trysil an nichts fehlen. Zufriedenheit hat oberste Priorität, und so gibt es neben einem kostenlosen Skibus und Einkehrmöglichkeiten von der Waffelstube bis zum urigen Restaurant mit norwegischen Spezialitäten, während der Wintersaison auch eine Zwei-Stufen-Schneegarantie. Vom 15. November bis kurz vor Weihnachten werden den Skifahrern mindestens acht Kilometer befahrbare Pisten mit einem Höhenunterschied von 620 Metern zugesichert. Anschließend, bis zum Saisonende am 27. April 2014, sind es sogar 20 Kilometer geöffnete Pisten. Kann dies aufgrund der Wetterlage nicht eingehalten werden, sind Übernachtung, Skischule, Skiverleih und Skipass kostenfrei zu stornieren.

Das Aushängeschild des Skigebietes ist seine Familienfreundlichkeit. Neben speziellen Bereichen, wie zum Beispiel einem Märchenwald, werden täglich Aktivitäten für die "Kleinen" angeboten, die im Skipass mit inbegriffen sind - Kinder bis sieben Jahre fahren sowieso gratis, einzige Voraussetzung: Sie müssen einen Helm tragen. Doch auch die "Großen" kommen auf ihre Kosten - bei Waldabfahrten und in den vier Snowparks mit Rampen, Hindernissen und Schanzen. Ein Höhepunkt ist zudem das "early morning skiing", das ab Mitte Februar mittwochs und samstags von sieben bis neun Uhr morgens stattfindet. 100 Skifahrer haben dann nach vorheriger Anmeldung fünf frisch präparierte schwarze Abfahrten zwei Stunden lang ganz für sich. In einer gemütlichen Blockhütte können sich die Frühaufsteher zwischendurch mit einem Frühstück stärken.

Trysilfjellet in Norwegen.
Ute foto/Visitnorway.com
Fantastischer Weitblick vom 1132 Meter hohen Trysilfjellet.
Langsam verschwindet die Morgenröte und die Sonne strahlt immer kräftiger vom blauen Himmel. Der Weitblick ist übewältigend. Aber es ist windig, so sehr, dass nicht alle Lifte geöffnet haben - dafür liegt die baumlose Kuppe des Trysilfjellet zu exponiert. Auch Gordon Logemann ist an diesem Morgen wieder im Skigebiet unterwegs. Er hat seinen Sohn gerade zur Schule gebracht und Zeit für ein paar Läufe. Erst heute nachmittag muss er zurück in der Kirche sein, um ein Paar zu trauen. Und bis dahin werden die Schneeflocken hinter dem Pfarrer von Trysil aufstäuben - wenn er in gekonnten Schwüngen die Pisten hinunterdüst.

Wissenswertes zu Trysil

Anreise: Wer aus Deutschland nicht mit dem eigenen Auto anreist (mit der Fähre von Kiel nach Oslo), sondern in Oslo landet, kann bequem einen der öffentlichen Express-Busse nehmen, die den Flughafen und Trysil miteinander verbinden.

Skistar/PR
1967 wurde in Trysil der erste Lift in Betrieb genommen.
Unterkunft: Direkt im Skigebiet gibt es zwei Hotels, das Park Inn Trysil Mountain Resort und das Radisson Blu Resort Trysil. Für Familien eignen sich die gemütlichen Selbstversorger-Hütten.

Skipass: Der Skipass für einen Tag kostet umgerechnet 47 Euro, für eine Woche 230 Euro.

Mehr Info: Mehr über Trysil und das Skigebiet unter www.skistar.com oder www.visitnorway.de

Autor

Susanna Bloß