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Natur

Tosende Naturwunder: 9 faszinierende Wasserfälle in Norwegen

Sie stürzen tosend bis zu mehrere hundert Meter in die Tiefe und gehören zugleich zu den beliebtesten Fotomotiven des Landes: Norwegens Wasserfälle. Wir zeigen Ihnen die neun schönsten.

Text Milena Härich
Datum 19.10.2023

Norwegen: Das steht für bezaubernde Naturlandschaften mit atemberaubenden Fjorden und weitläufigen, ursprünglichen Nationalparks. Gleichzeitig ist Norwegen das Land der Wasserfälle: Gleich zehn der 30 höchsten Kaskaden weltweit finden sich im skandinavischen Herzensland. Und als der höchste europäische Wasserfall wird oft der norwegische Mardalsfossen mit 645 Metern Höhe genannt.

Weltbekannt sind auch die „Sieben Schwestern“, die in den Geirangerfjord stürzen, oder der Vøringsfossen in der Nähe des Hardangerfjords. Beide ziehen regelmäßig etliche Tourist:innen an, die die Faszination der norwegischen Wasserfälle mit eigenen Augen sehen wollen. 

Merian verrät Ihnen die neun faszinierendsten Wasserfälle in Norwegen – und wo sie zu finden sind.

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Vøringsfossen: Weltberühmte Kaskade mit Panoramabrücke

Vøringsfossen in Norwegen © IMAGO/Panthermedia
Spektakulär und traumhaft schön: der Vøringsfossen nördlich vom Hardangerfjord.

Nordöstlich vom weltberühmten Hardangerfjord stürzt der Vøringsfossen auf mehr als 180 Metern in die Tiefe. Reisende verbinden einen Besuch der spektakulären Kaskade gerne mit einem Roadtrip auf der norwegischen Landschaftsroute Hardangervidda, die Oslo und Bergen miteinander verbindet. Eine besonders gute Aussicht auf das tosende Naturwunder haben Besucher:innen vom Aussichtsplateau des „Hotel Fossli“, das direkt an den Wasserfall angrenzt. Der Blick fällt dann auf das wunderschöne Måbødalen-Tal, in dessen Tiefen sich das Wasser des Vøringsfossen ergießt. Ein fantastisches Bild, das dafür verantwortlich ist, dass dieser Wasserfall zu den bekanntesten Natursehenswürdigkeiten in Norwegen gehört. 

Besonders spektakulär: Über den Vøringsfossen führt seit 2020 eine rund 50 Meter lange Brücke. Wer sich traut, die Panoramabrücke zu betreten, kann sich über einen noch besseren Ausblick direkt auf die tosenden Wasserkaskaden freuen. Auch ein Rundwanderweg führt um den Wasserfall herum. 

Wann kann ich den Vøringsfossen besuchen?

Sowohl die Aussichtsplattform des Hotels als auch die Brücke sind im tiefen Winter bei Eis und Schnee nicht sicher, daher wird die Anlage meist auch zwischen November und Ende März geschlossen, der Besuch des Wasserfalls ist dann nicht mehr erlaubt.  

Am schönsten ist der Vøringsfossen – wie alle anderen Wasserfälle in Norwegen – ohnehin im Frühling und im frühen Sommer, denn dann ist der Schnee auf den Gipfeln und Hochebenen weitestgehend geschmolzen und das Wasser fließt in rauen Mengen in die zu Füßen liegenden Täler und Schluchten. 

Hinzu kommt, dass die Wassermengen des Vøringsfossen für die Stromproduktion eingespeist werden. Normalerweise befördert der Wasserfall außerordentliche Mengen ins Måbødalen-Tal – die Stromgewinnung führt jedoch dazu, dass die sichtbare Wassermenge erheblich eingeschränkt ist. Zwischen Juni und September wird die Wassermenge des Vøringsfossen aus touristischen Gründen auf die natürliche Durchflussmenge von etwa zwölf Kubikmetern pro Sekunde erhöht. In den restlichen Monaten ist das Naturschauspiel hier nicht annähernd so spektakulär.

2

Traumhaft schön: Der sagenumwobene Kjosfossen

Kjosfossen, Wasserfall in Norwegen, mit Regenbogen © IMAGO/Pond5 Images
Der sagenumwobene Kjosfossen zieht insbesondere Fahrgäste der Flåmbahn an.

Der Kjosfossen in der Gemeinde Aurland ist ein Highlight am Rande der berühmten Flåmbahn-Strecke. Einst führte die Flåmbahn nur am Kjosfossen vorbei; bereits seit 1951 gibt es eine Haltestelle mit bester Panoramasicht, an der etliche Fahrgäste aussteigen, um die Kaskaden des Wasserfalls zu bestaunen. Sie ergießen sich mit einer Fallhöhe von rund 225 Metern brausend und donnernd ins Tal. 

In den Sommermonaten können Passagier:innen bei der Einfahrt mit der Flåmbahn an dieser Haltestelle etwas Besonderes erleben: Schauspieler:innen, die als Huldras – Naturgeister der skandinavischen Mythologie – auftreten, führen einen Tanz vor. Die Legende besagt, dass die Huldras in diesem Gebiet leben und potentielle Verehrer mit ihrer Schönheit verführen wollen. 

Da die Flåmbahn häufig als eine der schönsten Zugreisen der Welt betitelt wird und zahlreiche Tourist:innen anzieht, ist auch der Kjosfossen eine vielbesuchte Sehenswürdigkeit in Norwegen. Interessierte können ihn aber auch im Rahmen einer Fjordfahrt besuchen, beispielsweise über „fjordtours“. 

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Seven Sisters Waterfall: Sehenswürdigkeit im Geirangerfjord

Seven Sisters Waterfall am Geirangerfjord © IMAGO/agefotostock
Der Seven Sisters Waterfall ergießt sich in den weltberühmten Geirangerfjord.

Wie der Name schon sagt, besteht der Seven Sisters Waterfall (Norwegisch: De Syv Søstrene) insgesamt aus sieben benachbarten Wasserfällen. Sie fließen ins Gewässer des weltberühmten Geirangerfjords, zwischen Geiranger und Hellesylt. Die „Sieben Schwestern“ zählen aufgrund ihrer beeindruckenden Schönheit zu den bekanntesten Wasserfällen in Skandinavien und sind ein Highlight besonders für Fotograf:innen, die bei einer Boots- oder Schifffahrt durch den Geirangerfjord hier vorbeikommen.

Die höchste der sieben Kaskaden hat eine freie Fallhöhe von 250 Metern. Je nach Witterungsbedingungen sind alle sieben Wasserfälle mehr oder weniger gut zu sehen – bei Nebel oder starkem Regen kann es durchaus vorkommen, dass nur ein Teil des Seven Sisters Waterfalls erspäht werden kann. Auch dieses Konglomerat an Wasserfällen ist zwischen Mai und Juli am beeindruckendsten, wenn der umliegende Schnee größtenteils geschmolzen ist und sich in ebenfalls herabstürzendes Wasser verwandelt hat. 

Der Name des Wasserfalls rührt von einer Legende. Sie besagt, dass die sieben Kaskaden unverheiratete Schwestern symbolisieren, die hier einst gelebt haben, und der gegenüberliegende Wasserfall – der „The Suitor“ – den Verehrer, der lange, aber erfolglos versuchte, eine der Schwestern zur Frau zu nehmen.

4

Faszinierende Wasserfälle in Norwegen: Der Vettisfossen

Vettisfossen stürzt in die Tiefe © IMAGO/Panthermedia
Der Vettisfossen ist der höchste frei fallende und nicht regulierte Wasserfall in Nordeuropa.

Weiter südlich, in der Kommune Årdal im Nationalpark Jotunheimen, stürzt der Vettisfossen in die Tiefe – und zwar auf 275 Metern. Er steht seit dem Jahr 1924 unter Landschaftsschutz und gilt als der höchste frei fallende, nicht regulierte Wasserfall in Nordeuropa. Mit dem Pkw kommen Besucher:innen bis nach Hjelle; von hier aus sind es sieben Kilometer Fußweg zum Vettisfossen. 

Die Wanderung ist wunderschön und nicht allzu anstrengend; nur der letzte Abschnitt zum oberen Ende des Wasserfalls erfordert einiges an Kondition. Wer es nach oben schafft, wird mit einem unvergleichlichen Ausblick belohnt: Der Vettisfossen rauscht über eine steile Felswand in der Senkrechten in die Tiefe. Gespeist wird er übrigens vom Flusssystem Morka-Koldedøla und dem Fluss Utla. 

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Der Zwillingswasserfall: Låtefossen

Låtefossen, Zwillingswasserfall in Norwegen © IMAGO/ingimage
Hier zu sehen: der Låtefossen, ein zweigeteiltes Naturwunder in Norwegen.

Wohl kein anderer Wasserfall in Norwegen hat so viel Wiedererkennungswert wie der Låtefossen, der sich als zweigeteiltes Naturwunder ins Odda-Tal im Vestland ergießt und dessen Ausfluss von einer hübschen Steinbrücke überspannt wird. Beide Wasserfälle, der Låtefossen und der Skarsfossen, werden unter dem Oberbegriff Låtefossen gefasst und fließen vom See Lotevatnet ab. 

Interessant: Bereits im 19. Jahrhundert war der Zwillingswasserfall eine beliebte Touristenattraktion. Überwiegend deutsche und englische Gäste pilgerten damals noch per Pferdekutsche durchs Odda-Tal an den Fuß des Låtefossen. Heute ist der Wasserfall bestens mit dem Auto zu erreichen: Er liegt direkt an der Hauptstraße 13, zwischen Odda und Rødal. Außerdem lockt ein Wanderweg an der Südseite des Wasserfalls mit zauberhaften Aussichten.

6

Mardalsfossen: Der höchste Wasserfall Europas?

Mardalsfossen, Wasserfall in Norwegen © IMAGO/Pond5 Images
Der Mardalsfossen lässt sich auf einer halbstündigen Wanderung bestens erkunden.

Der Mardalsfossen galt mit seiner Gesamtlänge von 645 Metern lange Zeit als höchster Wasserfall Europas. Dabei fließen die Wasserkaskaden des ebenfalls norwegischen Vinnufossen viel tiefer – 860 Meter. Was die freie Fallhöhe betrifft, liegt aber definitiv der Mardalsfossen, der vom See Mardalstjønna gespeist wird, vorne: Er rauscht senkrecht und in freiem Fall 297 Meter tief ins Eikesdalen hinab. 

Sie können ihn bei einer 30-minütigen Wanderung aus der besten Perspektive beobachten: Der Wanderweg führt von Eikesdalen direkt zum Fuß des Mardalsfossen. Doch Vorsicht: Nehmen Sie unbedingt regenfeste Kleidung mit; der Mardalsfossen sprüht aufgrund seiner tosenden Wasserkraft viel Wasser bis ans Ufer. 

Auch dieser Wasserfall wird seit 1970 reguliert und für die Gewinnung von Energie genutzt. Zwischen dem 20. Juni und dem 20. August wird die Regulierung ausgesetzt, sodass Besucher:innen den Wasserfall in seiner Gänze bestaunen können. 

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Der Quell der Jugend: Tvindefossen

Tvindefossen, Wasserfall in Norwegen © IMAGO/Pond5 Images
Der Tvindefossen fließt über mehrere Ebenen ins Tal hinab.

Viel beschaulicher, aber nicht minder schön ist der Tvindefossen, der direkt an der Europastraße E16 liegt und sich daher wunderbar als Zwischenstopp auf einem Roadtrip durch Norwegen anbietet. Er entspringt dem Fluss Strandaelvi, ist nur rund 110 Meter hoch und ergießt sich in Kaskaden auf verschiedenen Ebenen – die höchste davon misst eine Fallhöhe von 85 Metern.

Der Tvindefossen trägt viele Namen: So wird er häufig auch „Tvinnefossen“ oder „Trollafossen“ genannt. Er zählt zu den beliebtesten Naturattraktionen Norwegens, was sich mitunter durch die umliegende Infrastruktur erklären lässt. Im näheren Umfeld befinden sich ein Campingplatz und ein Souvenirshop; die Gegend zwischen Vinje und Reppen war aufgrund ihrer Lage an der Europastraße schon immer gut besucht. 

Auch um den Tvindefossen rankt sich eine Legende: Angeblich enthält das tosende Wasser das Elixier der ewigen Jugend. Ein weiterer Grund also, weshalb der Wasserfall viele Gäste anzieht: Nicht nur Abergläubische kommen hierher, um sich eine Flasche des verjüngenden Wassers abzufüllen. 

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Die schönsten Wasserfälle in Norwegen: Der Steinsdalsfossen

Steinsdalsfossen mit Spazierweg, Wasserfall in Norwegen © IMAGO/agefotostock
Hinter dem Steinsdalsfossen befindet sich ein kurzer Spazierweg – grandiose Aussicht inklusive.

Einer der meistbesuchten und -fotografierten Wasserfälle von Norwegen ist der Steinsdalsfossen, der mit einer Besonderheit daherkommt: Besucher:innen haben die Möglichkeit, zwischen dem Wasserfall und der dahinter liegenden Felswand entlang zu gehen – und das, ohne nass zu werden. Eine Treppe führt zur Aussichtsplattform, die gleichzeitig eine Art Spazierweg ist. Ein weiteres Aussichtsplateau gewährt eine andere, seitliche Perspektive auf den Steinsdalsfossen. Besonders schön ist die Umgebung: eine Mischung aus ursprünglicher Natur und, in einiger Entfernung, einer Siedlung aus typisch skandinavischen Häusern. 

Der Steinsdalsfossen misst nur eine Höhe von rund 50 Metern, doch die vielfältigen Möglichkeiten, ihn aus der Nähe zu bewundern, machen ihn zu einer Hauptsehenswürdigkeit in Norwegen. Weil die Landschaftsroute Hardanger am Steindalsfossen vorbeiführt, ist er oft eine Zwischenetappe auf der Reise durch Norwegen. Der Wasserfall gehört zu einem Fluss namens Fosselva, der wiederum aus dem See Myklavatn entspringt.

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Langfossen: Spektakuläre Kulisse an der Westküste

Langfossen, Wasserfall an der Europastraße E134, Norwegen © IMAGO/agefotostock
Der Langfossen fließt unter der Fahrbahn der E134 hindurch.

Atemberaubend schön ist die Sicht auf den Langfossen, der in unmittelbarer Nachbarschaft zur E134 tost und dessen Kaskaden aus Wasser unter der Europastraße hindurch abfließen. Mit einer Höhe von 612 Metern ist er einer der höchsten Wasserfälle in Norwegen; immer wieder wird er sogar als der schönste Wasserfall der Welt betitelt. Über mehrere Stufen hinweg ergießt er sich in den Åkrafjord. 

Wer hier mit dem Pkw vorbeifährt, hat das Gefühl, den Wasserfall berühren zu können, so nah wirkt er. Je nach Wetter kann die Gischt sich auch auf die Straße und die vorbeifahrenden Autos legen; bei offenem Fenster können Fahrer:in und Beifahrer:in durchaus nass werden. 

Am Fuß des Langfossen gibt es einen Parkplatz. Von hier aus lässt es sich bis zum Plateau des Wasserfalls wandern. Die Strecke voller Geröll ist recht fordernd, doch der Aufstieg lohnt: Auch von hier oben ist der Blick auf den Wasserfall faszinierend. Der Panoramablick reicht außerdem bis über den Åkrafjord und den Gletscher Folgefonna. Der Wanderweg ist durch ein rotes „T“ gekennzeichnet und sehr leicht zu finden. 

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