© Einar Aslaksen/MUNCH
Sehenswürdigkeiten

Oslos neue Ufer: 4 Architektur-Juwele in der norwegischen Hauptstadt

Es ist ein seltenes städtebauliches Kunststück: Norwegens Hauptstadt ist seit der Jahrtausendwende an seinen Fjord gerückt, hat eine Architektur-Ikone nach der anderen wachsen lassen und ein großes Stück Lebensqualität gewonnen.

Text Tinka Dippel

Sie fügt sich so organisch ins Bild, als sei sie vor langer Zeit ans Fjordufer gespült worden. Oslos Oper erinnert an eine dicke Eisscholle. Ihr Dach aus weißem Marmor erhebt sich langsam ansteigend vom Boden, scharenweise spazieren Menschen hinauf zum höchsten Punkt, genießen den weiten Blick über die Bucht. Sie sehen ein gläsernes Kunstwerk von Monica Bonvicini, das in Sichtweite auf dem Fjordwasser tanzt, einen Strand, an dem Kinder spielen, und einen ziemlich wuchtigen Bau, der sich gleich nebenan selbstbewusst über das Geschehen beugt: das neue Munch-Museum.

Das alles ist nicht nur wegen der starken optischen Wirkung bemerkenswert, sondern auch deshalb, weil es all das vor 20 Jahren noch nicht gab. Und weil sich in Oslo nicht nur der einstige Containerhafen gewandelt hat, sondern ein Stück weit der Charakter der ganzen Stadt. Die Stadt hat Wälder und Berge wie den Holmenkollen mit der berühmten Skisprungschanze im Rücken – dass sie den Fjord vor den Füßen hat, wurde bis vor wenigen Jahren höchstens im Hochsommer spürbar, wenn ihre Bewohnenden auf die Fjordinseln Hovedøya und Gressholmen ausschwärmten. Die beiden zentralen Buchten Pipervika und Bjørvika aber waren industriell geprägt. 

Heute sprießen architektonische Juwele am Ufer Oslos aus dem Boden. Wir stellen die vier beeindruckendsten vor. 

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Munch-Museum: 13 Etagen voller Kunst

Munch-Museum in Oslo © Didrick Stenersen/VisitOSLO
Ein 58 Meter hohes Statement: Mit dem 2021 eröffneten Munch-Museum hat die Stadt ihren berühmten Künstler direkt an den Fjord und mitten ins neue Viertel Bjørvika geholt.

Mehr als 26.000 Quadratmeter auf 13 Etagen: Das im Oktober 2021 eröffnete Munch-Museum bietet so viel Raum für einen einzigen Künstler wie nur sehr wenige auf der Welt. Und es zeigt sowohl den bekannten Edvard Munch (1863-1944) und sein berühmtes Gemälde „Der Schrei“ als auch selten gesehene Seiten seines Œuvres. 

Ein Erlebnis ist ein in hellen Farben strahlendes, großformatiges Werk namens „Die Sonne“, für dessen Einzug die Fassade geöffnet werden musste. Südlich des Museums wurde eine Landzunge verlängert und nach Munchs Schwester Inger benannt. Dort kniet seit Sommer 2022 die neun Meter hohe Bronzeskulptur „The Mother“ der britischen Künstlerin Tracey Emin. 

Tipp: ein Abendessen im Bistro Tolvte in der zwölften Etage des Museums – und dann ein Cocktail in der Bar „Kranen“ im Dachgeschoss mit Terrasse. Beide gewähren einen  unschlagbaren Blick auf Oper und Fjord. 

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Die Oper: Ein Traum aus Marmor und Glas

Opernhaus in Oslo © Didrick Stenersen
Oslos Opernhaus wurde vom Architekturbüro Snøhetta entworfen und erinnert an eine Eisscholle.

242 Meter lang und 110 Meter breit ist das Werk des norwegisch-amerikanischen Architekturbüros Snøhetta, das auch die Norwegische Botschaft in Berlin und die Bibliothek von Alexandria entworfen hat. Das Besondere am Opernhaus in Oslo sind seine Offenheit und seine Begehbarkeit; eine breite Rampe führt auf die Dachlandschaft aus weißem Carrara-Marmor. Die Werkstätten, zum Beispiel für Kostüme, sind von außen einsehbar. Die Ikone der Fjordstadt ist die Spielstätte der Norwegischen Oper, auf ihren drei Bühnen werden aber auch Ballett und Konzerte aufgeführt.

Und sie birgt hochkarätige Kunst: Der Lichtkunst-Star Olafur Eliasson hat etwa den Toilettenbereich gestaltet, die Amerikanerin Pae White den großen Bühnenvorhang, die Italienerin Monica Bonvicini „She Lies“, jene Skulptur, die in Sichtweite der Oper auf einem Ponton in der Bucht schwimmt und an einen kleinen Eisberg erinnert. Im Erdgeschoss der Oper gibt es eine Brasserie mit tollem Blick auf den Fjord. 

Unser Tipp: das im April 2022 eröffnete, auf Seafood spezialisierte Gourmet-Restaurant „Havsmak“, dessen Menü samt Weinbegleitung sehr zu empfehlen ist – und das samstags auch auf einen Champagner-Brunch mit Austern einlädt.

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Deichman Bjørvika: Die wohl schönste Bibliothek in Norwegen

Deichman Bjørvika, Future Library von Katie Paterson © Erik Thallaug/Fotoleute
Deichman Bjørvika, die Zentrale der Osloer Bibliotheken, ist eines der modernsten und innovativsten Bücher- und Ideenhäuser Europas.

Eines der herausragenden Beispiele dafür, wie Bibliotheken mit der Zeit gehen, ist das 2020 eröffnete, neue Haupthaus des 1785 gegründeten Deichman-Bibliotheksverbands. Von der Bibel aus dem 13. Jahrhundert über Aufnahmestudios bis zu 3-D-Druckern: Das sich nach oben auffächernde Gebäude ist eine gigantische Kultur-Schatzkiste.

Jede der lichtdurchfluteten Ebenen ist je nach Zielgruppe anders gestaltet; es gibt Bühnen, jede Menge Kunstwerke, tolle Ausblicke und versteckte Rückzugsräume. Insgesamt bietet Deichman Bjørvika rund 18.000 Quadratmeter Denk- und Kreativraum, das Atrium erstreckt sich über sechs Etagen. 

Merian-Tipp: die von der schottischen Künstlerin Katie Paterson gestaltete „Future Library“, ein versteckter, höhlenartiger Raum, in dem jedes Jahr ein:e Autor:in (darunter Margaret Atwood und Karl Ove Knausgård) einen Text hinterlegt, der erst 2114 veröffentlicht wird – 100 Jahre nach Beginn des Bibliothek-Baus. Für das dann benötigte Papier wurden in der Nordmark 1.000 Bäume gepflanzt. 

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Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design: Neuzugang am Wasser

Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design in Oslo © Børre Høstland/Das Nationalmuseum
Das Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design wurde von Architekt Klaus Schuwerk entworfen.

Der jüngste Neuzugang am Wasser, eröffnet im Sommer 2022, ist das größte Kunstmuseum Skandinaviens. Das 130 Meter lange Gebäude bietet auf zwei Etagen Platz für 86 Ausstellungsräume, in denen mehr als 6.000 Objekte zu sehen sind, die ältesten aus der Antike, die jüngsten aus der Gegenwart. 

Die Sammlung des Hauses umfasst insgesamt um die 400.000 Objekte: Gemälde, Skulpturen, Glas, Keramik, Alltagsgegenstände und Architektur-Entwürfe. Der rote Faden ist chronologisch – teilweise mit Brüchen, die ganz verschiedene Epochen in Bezug setzen. Ob der Flachbau mit heller Naturstein-Fassade des deutschen Architekten Klaus Schuwerk gut gelungen ist, da scheiden sich die Geister. Unbestritten ist: Ein Besuch, inklusive Dachterrasse, lohnt sich sehr. 

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