Elsass Kunst und Croissants in Colmar

Hübsch verzierte Häuschen, krumme Gassen, Blumenkübel auf Kopfsteinpflaster - Colmars Altstadt könnte glatt einem Bilderbuch entsprungen sein. Aber, und das macht das Städtchen so reizvoll, ein Ausflug erschöpft sich nicht im Bewundern des Idylls, sondern Colmar im Elsass bietet große Kultur. Auch wenn Sie nur für ein paar Stunden in der Stadt sind, das Unterlinden-Museum (November bis April dienstags geschlossen) sollten Sie sich nicht entgehen lassen, denn hier steht der Isenheimer Altar (1512-1516) des Malers Mathis Gothart Nithart genannt Grünewald und des Bildschnitzers Niklaus von Hagenau.

Er ist das Glanzstück in dem ehemaligen Kloster. Der große Wandelaltar mit aufklappbaren Flügeln besteht aus bemalten Tafeln und einem geschnitzten Mittelschrein. Die Motive begeistern durch intensive Farben und groteske Formen. In geschlossenem Zustand zeigt er eine der ergreifendsten Kreuzigungsdarstellungen der Kunstgeschichte. Die Sammlung umfasst außerdem Gemälde und Skulpturen aus dem späten Mittelalter und der Renaissance.

Auf dem Kirchenvorplatz von Colmar laden Bäckereien zu einer Pause ein

Und es gibt noch mehr zu entdecken: Nicht weit entfernt steht das sogenannte Kopfhaus (Maison des Têtes) von 1609, dessen Renaissance-Fassade 106 steinerne Masken und Köpfe zieren. Über die Rue des Boulangers geht es zur gotischen Dominikanerkirche. Sie hält einen Schatz bereit: das Tafelbild "Madonna im Rosenhag" (1473) von Martin Schongauer. Auf dem Kirchenvorplatz laden Bänke und Bäckereien zu einer Pause ein. Mit etwas Glück findet ein Flohmarkt statt, während man genüsslich in ein Croissant oder Eclair beißt. Im Süden des Platzes liegt die mächtige, gotische Stiftskirche Sankt Martin. Nur die filigrane Turmbekrönung fällt aus dem Rahmen: Sie wurde erst 1575 nach einem Brand errichtet. Mittlerweile ist der Renaissance-Helm ein Wahrzeichen der Stadt.

In der Rue des Marchands liegt das Bartholdi-Museum im Geburtshaus des Bildhauers Frédéric Auguste Bartholdi (1834-1904), der die New Yorker Freiheitsstatue schuf. Weiter geht es zum Alten Kaufhaus (Koifhus), einst Zollamt und Warenlager. Hier tagten die Mitglieder des 1354 gegründeten Zehnstädtebunds, einem Bund zehn freier Elsässer Reichsstädte. Von hier aus führt die Rue des Tanneurs ins Gerberviertel mit vorbildlich restaurierten Fachwerkhäusern. Sie sind besonders schmal und hoch gebaut, damit durch die luftigen Dächer die Tierhäute schnell trocknen konnten. Elsässische Spezialitäten wie Gugelhupf gibt es in der nahen Markthalle direkt am Fluss Lauch. Durch Gassen mit urigen Gaststätten kommt man am Wasser entlang zum romantischsten Fleck der Stadt: "Klein-Venedig" mit dem Pont Saint-Pierre. Bei schönem Wetter sollte man diese Ecke Colmars unbedingt per Boot erkunden.