La Ville Rose: Die besten Tipps für Toulouse

Bescheidenheit ist eigentlich eine angenehme Eigenschaft. Aber in Toulouse wirkt sie fehl am Platz. Als „La Ville Rose“ bezeichnet sich die Stadt an der Garonne. Dabei taucht das Nachmittagslicht die Backsteinfassaden nicht in ein zart-zurückhaltendes Rosarot, sondern in ein leuchtendes Orange-Rot. Passt ja auch viel besser zur strahlenden Hauptstadt Okzitaniens. Auf halbem Weg zwischen Mittelmeer und Atlantik, mit den Pyrenäen in Sichtweite, trifft südeuropäische Lebenslust auf wissenschaftlichen Elan, eine dynamische Wirtschaftsmetropole auf jahrtausendealte Geschichte. Und beides fließt ganz selbstverständlich zusammen.
Etwa, wenn am Kai vor der streng klassizistischen Basilika Notre Dame de la Daurade Studenten aus aller Welt ihre Füße in den Fluss baumeln lassen und ein fröhliches Kauderwelsch aus Englisch, Französisch und deinem halben Dutzend anderer Sprachen durch die Luft schwirrt. Oder am Abend, wenn in der Altstadt Kellner ihre Tabletts über kopfsteingepflasterte Straßen balancieren, und die Tischgäste ihr angeregtes Gespräch über Zukunftstechnologien und -märkte dann gern für ein andächtiges „Aah“ und „Ooh“ unterbrechen.
Wir nehmen Sie mit nach Toulouse – und verraten, wo es am schönsten ist.
Abflug! Luftfahrtzentrum Toulouse

In keiner anderen europäischen Stadt arbeiten mehr Angestellte und Wissenschaftler der Luft- und Raumfahrttechnik als in Toulouse. Allein beim Giganten Airbus sind es 27.000, dazu kommt ein Geflecht aus 400 größeren und kleinen Firmen. Das prägt: Während andere Städte ihr Selbstverständnis immer noch in erster Linie aus Geschichte, Kultur und Tradition ziehen, hat Toulouse sein Portfolio längst erweitert.
Seit 25 Jahren weist eine 55 Meter hohe Replik der Ariane-5-Rakete den Weg in die Cité de l’espace. Diese „Weltraumstadt“ ist eine Mischung aus Erlebnispark und Wissenschaftsmuseum und mit 6,8 Millionen Besucher bisher eine der Hauptattraktionen. Mit einer begehbaren Raumstation, IMAX-Kino, Planetarium und 4.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche gehört der Weltraumpark zu den Toulouse-Klassikern. Die Workshops und Shows machen komplexe physikalische Phänomene verständlich. Wer es gegenständlicher mag, bewundert echtes Mars- und Mondgestein.
Auf den Spuren der Luftfahrtgeschichte
Im Südosten, am ehemaligen Flughafen, hat die Stadt ihr erlebnisorientiertes Portfolio erweitert: Während in La Halle de la Machine die beweglichen Riesenfiguren der Theaterkompagnie La Machine bewundert und auf der ehemaligen Startpiste regelmäßig ausgeführt werden, huldigt L’Envol des Pionniers direkt gegenüber den französischen Flugzeugpionieren, die über ein paar Ecken den Weg für Airbus mit vorbereitet haben. Im Norden der Stadt, unweit des Hauptsitzes des europäischen Flugzeugherstellers, können Flugbegeisterte im Luftfahrtmuseum aeroscopia in einer echten Concorde Platz nehmen oder ins Innere einer A330 kraxeln. Auch Werksführungen sind möglich.
Die Altstadt von Toulouse

Toulouse ist nicht erst seit der Moderne eine Ingenieurstadt. Bereits im Mittelalter beeindruckte die dem Stadtmärtyrer Saint Sernin geweihte Basilika die Pilger auf dem Jakobsweg, die hier Zwischenstation machten. Die Kirche mit den doppelten Seitenschiffen und dem 21 Meter hohen Gewölbe ist einer der größten romanischen Sakralbauten Europas. Von der historischen Bedeutung der Stadt zeugt auch der Jakobiner-Konvent.
Toulouse war eines der Zentren des vom Papst mit dem Kampf gegen die Katharer beauftragten Dominikanerordens. Die Klosterkirche mit der schlichten Backsteinfassade und dem erhabenen Palmetten-Pfeiler im Innern illustriert architektonisch die Strenge der Glaubensbrüder. Sehr viel heiterer und entspannter geht es auf dem Place du Capitole zu, dem weitläufigen, von Arkaden umringten Platz vor der 135 Meter langen Fassade des Rathauses. Auf der anderen Seite des Gebäudes, an der Place de Gaulle, befindet sich das Tourismusamt der Stadt.
Kunst und Kultur an der Garonne

Kein Wunder, dass Toulouse beständig wächst. Etwa 20.000 Neubürger kommen jährlich dazu. So viele Menschen brauchen Platz. Den finden sie inzwischen vor allem auf der anderen Garonne-Seite, gegenüber der Altstadt. Jahrhundertelang war das etwas tiefer liegende Ufer allem vorbehalten, was schmutzt und stinkt und lärmt: Hospitälern, Schlachthöfen, Gerbereien und Kasernen. Seit einem guten Jahrzehnt entwickelt sich das Viertel rasant. Der ehemalige Schlachthof ist heute das Les Abattoirs Musée, eine sehenswerte Kunsthalle. Und die Munitionsfabrik, die dem Viertel La Cartoucherie den Namen gab, verwandelt sich zum Kunst- und Kulturzentrum.
Weitere Tipps für Toulouse
Mit einem übersichtlichen Stadtkern, dem Fluss Garonne, guten Fluganbindungen und vielen Sehenswürdigkeiten eignet sich Toulouse bestens für einen Citytrip. Hier finden Sie Tipps für Cafés, Restaurants und Hotels
Restaurants und Cafés
Molette
Kein Wunder, dass man sich hier schon nach ein paar Minuten wie zu Hause fühlt. Das schnuckelige Altstadtrestaurant Molette hat gerade mal acht Tische, von jedem sieht man das Wirtspaar in trauter Harmonie in der offenen Küche werkeln. Serviert werden drei wechselnde Menüs, die Zutaten stammen alle aus der Region und natürlich ist alles hausgemacht – vom knusprigen Sauerteigbrot bis zum Nachtisch!
Monsieur Georges
Serrano-Schinken, frittierte Garnelen und Kroketten: Die Nähe zu Spanien sieht man der Speisekarte an! Aber auch französische Spezialitäten serviert Monsieur Georges im Tapas-Format, zum Probieren, Teilen oder Sich-gegenseitig-vom-Teller-Stibitzen. Dazu gibt es von der großen Terrasse einen Premiumblick auf das Treiben an einem der schönsten Altstadtplätze.
L’Air de famille
Der Besuch lohnt schon wegen der hübsch nostalgischen Keramikbilder an den Wänden und dem charmant dudelnden Plattenspieler. In Erinnerung bleibt L’Air de famille vor allem wegen der exzellenten, raffiniert zubereiteten französischen Küche. Serviert wird, was auf der Menütafel steht. Dafür ist die Auswahl beim Wein umso größer.
Grand Café Le Florida
Seit 1874 ist diese Brasserie das erste Haus am Platz – und dafür gibt es viele gute Gründe: von den Logenplätzen unter den Arkaden über das spektakuläre Art-Déco-Glasdach bis zu den ungewöhnlichen, aber köstlichen Eiskreationen von Philippe Faur – etwa Trüffeleis. Ohne einen Besuch im Grand Café Le Florida ist der Toulouse-Besuch nicht perfekt.
Hotels in Toulouse
Hotel du Grand Balcon
Wer mag, kann den Höhenflug quasi im Schlaf fortsetzen. Das noble Hotel du Grand Balcon an der Place du Capitole beherbergte einst die französischen Flugzeugpioniere. Das Zimmer 23, in dem einst Antoine Saint Exupéry nächtigte, ist original erhalten.
Villa du Taur
Mit nur zwölf Zimmern genießen Gäste im Boutique-Hotel Villa du Taur eine entspannte Atmosphäre. Ganz in der Nähe des Place du Capitole und der Basilika Saint-Sernin wurde das Backsteinhaus modern und freundlich ausgestaltet. Auf der Terrasse frühstückt es sich besonders gut.
Mercure Toulouse Sant-Georges
Zentral und komfortabel logiert man im Mercure Toulouse Centre Saint-Georges mit netter Bar in der Lobby und kleinem Pool auf einer Zwischenetage. Auch größere Familienzimmer sind buchbar.