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Sehenswürdigkeiten

Grasse: Tipps für die Parfümhauptstadt

Grasse im Hinterland der Côte d’Azur gilt als Parfümhauptstadt der Welt. Das liegt an Duftpflanzen wie dem Jasmin, die hier in herausragender Qualität wachsen. Und an einer gewachsenen Tradition, die gepflegt und gelebt wird – mit frühmorgendlicher Blütenernte und parfümierten Altstadtgassen.

Text Antonia Aust
Fotos Antonia Aust

Grasse liegt im Hinterland der französischen Riviera, zwischen dem Mittelmeer und dem südlichen Ausläufer der Seealpen. Die Stadt wird manchmal auch als „Balkon der Côte d’Azur“ bezeichnet, von ihr aus kann man bis zur Küstenlinie von Cannes blicken. Wie ein natürliches Amphitheater liegt sie in den umliegenden Hügeln, dadurch herrscht in Grasse und Umgebung ein besonderes Mikroklima. 

Es ist wie beim Wein: Klima, Wasser und Boden wirken sich auf das Aroma der Pflanzen aus. Hier sind die Bedingungen ideal für den Anbau einiger empfindlicher Pflanzen, darunter Jasmin, Tuberose und Rosa centifolia, in Frankreich auch „Mairose” genannt. Die Parfümherstellung hat hier eine jahrhundertelange Tradition. Von mit Rosenwasser und Orangenblüten verfeinerten Delikatessen, über Parfüm­-Workshops bis zu blumig dekorierten Parkhäusern: Grasse zelebriert seine wohlriechende Tradition in allen erdenklichen Facetten und macht den Besuch der Stadt zu einem Erlebnis für alle Sinne

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Prägend für die Stadt und ihre Parfüms: Die Mairose

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Es ist vor allem die Mairose, die Parfümeur:innen in Grasse seit Generationen inspiriert. Wie der Name sagt, blüht sie im Mai, das Bild der Stadt prägt sie aber den ganzen Sommer lang. Ihr zu Ehren richtet Grasse jedes Jahr die „Expo Rose“ aus, eine Rosenausstellung mit großem Kulturprogramm. In der Altstadt mit ihren Palais aus dem 18. und 19. Jahrhundert wird dann Rosenduft versprüht, und bunte Liegestühle laden zu siestes parfumées ein, zu parfümierten Mittagspausen. Auch die Dekoration der engen Altstadtgassen ist von der Mairose inspiriert: Pinkfarbene Regenschirme sind in einigen Metern Höhe über Straßen und Wege gespannt und tauchen das Leben in ein rosa Licht. 

Einzigartige Duft-Tradition in Grasse

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Auch der berühmte Duft Chanel N°5 entstand in dieser Region, Mairosen und Jasmin aus Grasse sind elementare Bestandteile der Parfüm­-Legende. Die großen Blumenplantagen blühen heute längst in Billiganbau-Ländern. Die Parfümeur:innen und kleine Felder aber sind in und um Grasse geblieben. Und gerade sind die feinen Essenzen von Jasmin, Mairose und Tuberose wieder äußerst beliebt. 

Große Labels wie Dior, Lancôme und Chanel besinnen sich auf die exklusive Qualität der Blumen aus Grasse. Gemeinsam mit der lokalen Verwaltung fördern sie sogar den Anbau von Duftpflanzen in der Region. Mindestens 10.000 Menschen in oder um Grasse arbeiten direkt oder indirekt für die großen Parfümhersteller:innen – ungefähr jeder fünfte. Als Parfümhauptstadt hat Grasse ein Alleinstellungsmerkmal in der Region, das ist auch für Tourist:innen interessant. Im November 2018 wurde die Parfümkunst von Grasse von der UNESCO zum Imm ateriellen Weltkulturerbe erklärt. 

Grasse hat neben faszinierenden Duftnoten aber noch mehr zu bieten: Kultur, Kulinarik und Altstadt-Charme zum Beispiel. 

Kulturelle Hotspots in Grasse: Besondere Museen

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Wer in Grasse unterwegs ist, sollte sich das Musée d’Art et d’Histoire de Provence (MAHP) nicht entgehen lassen. Denn eine Schau ist allein schon das Gebäude: das einstige Palais des Marquis de Clapiers-Cabris. Drinnen zeigt und erzählt das sehenswerte Museum, wie man in dieser Gegend einst lebte und sich einrichtete – anhand von Gemälden, Keramiken und Möbeln. 

Das Musée International de la Parfumerie (MIP) ist ebenfalls einen ausgiebigen Besuch wert. Hier lernen Sie, was Marie Antoinette, ägyptische Mumien und Coco Chanel gemeinsam hatten: Alle hatten mit Parfüm zu tun. Und alle spielen eine Rolle im Internationalen Parfüm-Museum. Etwa zehn Kilometer außerhalb des Stadtkerns gelegen, aber nicht minder faszinierend sind die Gärten des Museums. Dort werden die wichtigsten Parfümpflanzen kultiviert und seltene Sorten erhalten. Gleichzeitig ist der mehr als zwei Hektar große Bereich Brut- und Rückzugsgebiet für Vögel und Insekten. Das Museum ist ganzjährig geöffnet, die Gärten von Ende März bis Mitte November.

Maison Venturini: Erlesene Kulinarik in Grasse

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Die Fougassette de Grasse ist eine Art Fladenbrot aus Hefeteig, das mit Orangenblütenwasser „parfümiert“ wird. Die kleine Bäckerei „Maison Venturini“ backt das duftende Gebäck schon seit hundert Jahren. Von dort sind es nur zwei Minuten zu Fuß bis zum Place aux Aires, dem zentralen Platz der historischen Altstadt. Sie können dort sehr schön draußen sitzen. Und sich im Office du Tourisme weitere Informationen zur Stadt holen.

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1000 Flowers: Kleine Parfümerie in der Altstadt

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Am Place aux Aires liegt auch die kleine Parfümerie „1000 Flowers“. Die feinen Duftkreationen und ätherischen Öle orientieren sich an traditionellen Rohstoffen aus der Region. Die Parfüms kann man auch online kaufen.

Eigene Kreationen im Parfüm-Workshop entwickeln

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Wer sich einmal selbst als „Nase“ versuchen möchte, kann einen Parfüm-Workshop besuchen und hinterher seine eigene Kreation mit nach Hause nehmen. In den Kursen lernt man die Grundregeln der Duft-Komposition und kann seine liebsten Basis-, Herz- und Kopfnoten zu einem individuellen Parfüm zusammenstellen. Angeleitet wird in verschiedenen Sprachen. Die Formeln werden gespeichert für eventuelle Nachbestellungen. Die drei großen Parfümerien Molinard, Galimard und Fragonard bieten jeweils eigene Workshops an, die etwa zwei Stunden dauern, Intensivkurse dauern etwa zwei Tage.

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