Bern Paul Klee - Engel für Bern

Sohn Felix hielt Paul Klee 1921 beim Malen seines

"Diesseits bin ich gar nicht fassbar", steht auf der Bronzeplatte, die im Schosshaldenfriedhof Bern das Grab von Paul Klee bedeckt. Der Satz ist Teil eines Gedichts, das Klee 1920 geschrieben hat und das gut zu diesem Ausnahmekünstler passt. Kubistisch, expressionistisch, surrealistisch, symbolistisch: Sein umfangreiches Lebenswerk ist zu vielfältig, als dass man es auf einen Nenner bringen könnte. Immer wieder bevölkern eigenartige, filigrane Wesen seine Werke. Manchmal zeigen sie Klees Humor – und immer seine große Lust am Experimentieren.

Das wissen auch die Experten des Zentrums Paul Klee, vor zehn Jahren am Rande von Bern eröffnet. In dem wellenartigen Gebäude des Stararchitekten Renzo Piano kümmern sie sich um gut 4000 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen – die bedeutendste Klee-Sammlung weltweit. Und weil der Künstler für seine neuen Techniken gern mit sehr lichtempfindlichen Farben, Papieren und Tinten gearbeitet hat, hängen regelmäßig andere Bilder an den Ausstellungswänden.

Vom Zentrum Paul Klee ist es nur ein kleiner Spaziergang zum Grab des Künstlers. Klees Leben ist von größeren Sprüngen geprägt. 1879 kommt er in Münchenbuchsee bei Bern auf die Welt, ein Jahr später zieht die Familie ganz nach Bern. Zum Studium reist er nach München, kommt danach zurück, um 1906 wieder nach München zu ziehen. Dort lernt er neben seiner späteren Ehefrau Lily auch Wassily Kandinsky, Franz Marc und die anderen Künstler der avantgardistischen Gruppe "Der Blaue Reiter" kennen. Kandinsky wird zum Freund, beide lehren in den 1920er Jahren am Bauhaus, zuerst in Weimar, dann in Dessau, wo sie ein Meisterhaus bewohnen. Im Juli 1931 wird Klee Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Zwei Jahre später verliert er den Lehrstuhl, weil er unter den Nationalsozialisten als "entarteter Künstler" gilt. So kehrt er zurück nach Bern. 1936 erkrankt er an der schweren Autoimmunkrankheit
Sklerodermie und stirbt vier Jahre später. Bis zum Schluss hat er intensiv gearbeitet. Von seiner Auseinandersetzung mit dem Tod erzählen die Wesen, die sein Spätwerk bevölkern: Es sind Engel.

Weitere Infos zu Paul Klee:

Das Zentrum Paul Klee ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet. www.zpk.org

Autor

Jonas Morgenthaler