Gotthard © STS
Natur

Kunst und Natur mit dem Gotthard-Express

In der ersten Klasse mit dem Panoramazug von Lugano nach Flüelen, dann mit dem Boot über den Vierwaldstättersee nach Luzern: Hier zeigt sich die Schweiz binnen weniger Stunden von ihren allerschönsten Seiten.

Lugano ist eine überraschende Stadt – gleichzeitig malerisch und modern. Die City mit ihrer vielfältigen Kulturszene ist zugleich das drittwichtigste Finanzzentrum des Landes, und während die Banker sich um die Depots ihrer Kunden kümmern, schlendern Besucher durch den Parco Ciani am Ufer des Luganersees, wo im Frühling die Tulpen und Magnolien blühen. Den Schwerpunkt der Kulturszene bildet das LAC, das Lugano Arte e Cultura, und wer nur ein paar Stunden Zeit hat, um die kreative Energie der Stadt zu spüren, der schaut sich im LAC das MASI an, das Museo d'Arte della Svizzera Italiana, mit Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert und auf zeitgenössischen Arbeiten.

Bezauberndes Bellinzona

Dann ist es Zeit für den Zug: entweder den Bernina-Express nach St. Moritz oder den Gotthard Panorama Express, das große Reiseerlebnis zwischen Lugano und Luzern. Der Zug fährt zunächst nach Bellinzona, der Hauptstadt des Kantons Tessin: Ihr Bild wird geprägt durch die Piazza Collegiata mit ihrem Kopfsteinpflaster vor historischen Häusern mit schmiedeeisernen Balkonen, unweit vom dreistöckigen Palazzo del Comune mit seinem hübschen Innenhof. Doch die eigentliche Sensation sind die drei mittelalterlichen Burgen der Stadt, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören: Am höchsten liegt das Castello di Sasso Corbaro, doch das Castelgrande bestimmt mit seinen zwei Türmen, fast 30 Meter hoch, die Silhouette von Bellinzona. Vom Castello di Montebello kann man sogar bis zum etwa 50 Kilometer entfernten Lago Maggiore schauen.

Vor 140 Jahren aus dem Stein geschlagen

Etwa fünf Jahrhunderte später erschufen Menschen unweit von Bellinzona ein anderes, vielleicht noch imposanteres Bauwerk: Am 22. Mai 1882 wurde der Gotthardtunnel von Airolo nach Göschenen eröffnet – mit seiner Länge von 15 Kilometern war er damals der längste Eisenbahntunnel der Erde. Heute fährt der Gotthard Panorama Express durch diesen Tunnel nach Norden in Richtung Luzern, vorbei am Urner Reusstal, eingefasst von den riesigen Bergen der Urschweiz.

Barockkirche von Wassen

Gotthard © Nora Bibel

Unterwegs fesselt die Barockkirche von Wassen aus dem Jahr 1734 den Blick: Sie ist während der Fahrt dreimal aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen. Denn durch zwei Kehrtunnel überwindet der Zug auf kurzer Strecke mehrere Hundert Höhenmeter und überquert dreimal den Fluss Meienreuss, auf unterschiedlichen Höhen und auf verschiedenen Seiten der Kirche. Dadurch wurde die Kirche zum Symbol für die Ingenieurskunst der Gotthardbahn.

Der komfortable Erste-Klasse-Zug erreicht sein Ziel in Flüelen am südlichen Ende des Vierwaldstättersees. Von dort bringen Schiffe die Passagiere über den See, um den sich grüne Hügel und hohe Bergmassive mit beschneiten Gipfeln erheben, nach Luzern.

Was Picassos Freundin sammelte

Viele Besucher beginnen ihre Erforschung der Stadt mit einem Spaziergang durch die Altstadt zur Kapellbrücke aus dem 14. Jahrhundert mit ihrem überdachten Steg und dem achteckigen Turm. Sie liegt nur gute hundert Meter entfernt von einer der großen kulturellen Attraktionen Luzerns: der Sammlung Rosengart, angelegt von der Kunsthändlerin Angela Rosengart. Die 89-Jährige war eine Freundin Pablo Picassos und hat der Stadt Luzern eine großzügige Sammlung von rund 200 Exponaten überlassen, darunter Arbeiten von Künstlern wie Paul Klee, Wassily Kandinsky, Paul Cézanne und Claude Monet.

Zu den Bergen ist es hier nie weit

Einen tollen Rundumblick, auch auf den Vierwaldstättersee, hat man vom Gipfel der Rigi mit ihren 1798 Metern Höhe, und aufregend wird's bei der Fahrt aufs Stanserhorn bei Luzern: Seit 1893 fahren offene Holzwaggons den Berg hinauf, ab einer Zwischenstation führt eine Seilbahn mit doppelstöckigen Kabinen weiter – das Dach der Kabine ist begehbar und das Gefühl, durch die Luft zu schweben, ist einzigartig. Der 3062 Meter hohe Titlis hat sogar eine Seilbahn mit Kabinen, die sich um 360 Grad drehen: Völlig angebracht in einer Landschaft, die begeistert, wohin man auch schaut.

Gotthard Panorama Express in Zahlen:

Länge: 182 Kilometer, Zeit: ca. 5:30 Stunden

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