Wallis Anthamatten-Trio und die Leidenschaft Wandern

 Monte Rosagletscher.

Das Anthamatten-Trio ist in Zermatt bekannt wie drei bunte Hunde– wenn man es mal zu Gesicht bekommt. Denn Samuel, Simon und Martin sind häufiger in der Felswand zu finden als auf der Dorfstraße. MERIAN sprach mit Samuel.

MERIAN: Drei Brüder, eine Passion – liegt bei Ihnen das Bergsteigen in der Familie, oder liegt es einfach nah, wenn man inmitten von Viertausendern aufwächst?

SAMUEL ANTHAMATTEN: Unsere Eltern sind jedenfalls keine Bergführer, wenn Sie das meinen – die beiden haben sogar Höhenangst. Aber mein Bruder Simon hat mit zehn, elf Jahren angefangen, an einer Kletterwand neben dem Haus zu trainieren, bis er merkte, dass das Seil zwei Enden hat. Da brauchte er einen Sicherungspartner. So kamen Martin und ich dazu und waren bald ebenso begeistert.

MERIAN: Machen Sie sich beim Klettern denn nicht ständig Konkurrenz?

SAMUEL ANTHAMATTEN: O nein, am Berg hat man für solche Spielchen keine Zeit. Da kommt es darauf an, ein gutes Team zu sein. Gerade in Momenten, in denen es riskant wird.

MERIAN: Die gibt es sicherlich immer wieder. Gleichzeitig wächst die Erfahrung. Wird man mit zunehmender Routine auch mal leichtsinnig oder eher noch respektvoller gegenüber der Natur?


SAMUEL ANTHAMATTEN: Unbedingt respektvoller. Die Momente, in denen man droht, die Kontrolle zu verlieren, das sind die wertvollsten Erfahrungen, an denen wächst man. Und je älter ich werde, desto klarer wird mir der Wert des Lebens. Beweisen muss ich mir schon lange nichts mehr.

MERIAN: Käme ein Leben ohne Berge für Sie infrage?

SAMUEL ANTHAMATTEN: Nie. Es ist für mich ein großes Privileg, mich so frei in der Natur zu bewegen, ich würde sogar sagen, es ist ein Teil von mir, der Sinn meines Lebens. Wenn ich länger in der Stadt sein muss, dann spüre ich: Ich bin einfach nicht ich selbst.

MERIAN: Bietet das Wallis Ihnen überhaupt noch neue Herausforderungen, oder müssen Sie die in Übersee suchen?

SAMUEL ANTHAMATTEN: So aufregend Reisen in die USA und den Himalaja sind, mein Lieblingsberg ist und bleibt das Matterhorn. Ich habe zwar die vier Grate der Nord- und Südwand bestiegen, aber mir bleiben noch genügend Routen übrig. Andere Viertausender im Wallis sind auch sehr reizvoll: etwa das Monte-Rosa-Massiv, der Weißhorn und die Dent Blanche.

Zur Person

Samuel Anthamatten ist Bergführer, Diplom-Skilehrer und Zimmermann. Aber am meisten zieht es den heimatverbundenen Globetrotter in die Berge. An der Nordwand des Matterhorns wurde sogar eine Kletterroute nach ihm und seinem Bruder Simon benannt: die Anthamatten-Route.

Monte Rosa

Das Gebirgsmassiv hat seinen Namen nicht etwa von der besonderen Färbung, sondern vom frankoprovenzalischen Wort "Rouese" – Gletscher. Mit 4634 Metern ist die Dufourspitze der höchste Punkt der Schweiz und des deutschen Sprachraums.

 Bikevergnuegen vor dem imposanten Weißhorn in der Region Crans-Montana.
Christian Perret/ swiss-image.ch
Bikevergnügen vor dem imposanten Weißhorn in der Region Crans-Montana.
Dent Blanche

Ein Berg wie von einem Ingenieur konstruiert: Seine vier Grate verlaufen exakt in die Haupt-Himmelsrichtungen, der Nordgrat gilt unter Kletterern als extrem anspruchsvoll. Mit 4357 Metern auf Platz 16 der Viertausender im Wallis.

Dent Blanche
Walter Schmitz
Dent Blanche
Weißhorn

Die ebenmäßige Pyramide ist mit ihren 4505 Metern zwar höher als das Matterhorn, aber weniger bekannt. Eine Herausforderung ist der Gipfel allemal: Oben erinnert ein Metallkreuz an den Bergsteiger Franz Lochmatter, der 1933 dort abstürzte.

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Autor:
Verena Carl