Italien Toskana: Ein "grüner Schlüssel"

In Italien und ganz besonders in der Toskana ist ein bewusster Umgang mit der Natur schon lange kein Fremdwort mehr. So verleiht die 1987 ins Leben gerufene Umweltstiftung FEE (Foundation for Environmental Education mit Sitz in Rom) all jenen Einrichtungen den "Grünen Schlüssel" als Umweltzertifikat, die sich für einen nachhaltigen Tourismus einsetzen.

Mit der "Blauen Flagge" wiederum wurden im Jahr 2009 allein 16 Strände der Toskana für ihre hervorragende Wasserqualität ausgezeichnet. Auch wächst die Zahl der kleinen Läden und Märkte, die Produkte aus biologischem Anbau anbieten. Und immer häufiger weisen um die Gesundheit ihrer Gäste besorgte Hotelbetriebe darauf hin, dass Elektrosmog oder die Verwendung giftiger Farbstoffe bei ihnen tabu ist. Und nicht genug damit! Im Agriturismo, wie auf dem Landgut San Lorenzo, legt man inzwischen erfolgreich Teiche an, in denen ein symbiotisches Zusammenspiel von Wasserpflanzen, Kleinstlebewesen und Mikroorganismen für ein Badevergnügen ganz ohne chemische Zusätze, ohne tränende Augen und ohne lästigen Chlorgeruch sorgt.

ÜBERNACHTEN

Bio Agriturismo Il Cerreto
In Montegemoli führen Paola und Carlo Bovi Brinio einen biodynamischen Hof, bestehend aus einem alten Turm (1700) mit zwei angebauten Bauernhäusern und einer ehemaligen Schule. Zimmer und Apartments sind nach Kriterien des Biohauses restauriert; Möbel und Betten wurden mit ungiftigen Farben behandelt und räumlich so angeordnet, dass sie dem Wohlbefinden der Gäste zuträglich sind. Die Energiegewinnung wird zum Teil durch Solarzellen gedeckt. Das Wasser des Schwimmbads, eigentlich ein Bio-See mit wunderbarem Ökosystem, wird auf natürliche Weise von Wasserpflanzen gereinigt, gefiltert und fließt dann in einen mit Schilf bedeckten Regenerations-See ab. Durch Kies, Sand und Zeolith nochmals gefiltert, wird es wieder zurückgepumpt. Im Restaurant wird mit eigenen Produkten auch vegetarisch gekocht. Paola plant den Anbau von Heilpflanzen. Der Safran, ein Gewürz mit verblüffenden Eigenschaften, interessiert sie besonders, da er seit der Antike im Raum San Gimignano und Volterra angebaut wurde. Info: Pomarance, Loc. Cerreto • Tel. 05886/42 13 • 5 Zimmer • €

Poderi Arcangelo
Gesunde Ferien auf dem Bauernhof und nebenbei auch Teil dieser Hofgemeinschaft werden: Im ehemaligen Heuboden des Gutshofs "Casa Bio" hat Familie Mora unter Berücksichtigung natürlicher und ökologischer Materialien drei Zimmer und eine Suite ausgebaut. Die Betten sind aus Eukalyptusholz, ohne Verwendung von Metall oder synthetischen Klebstoffen. Die Räume sind nach Feng Shui gestaltet. Harmonisch bleiben die Ferientage auch deshalb, weil hier elektromagnetische Felder neutralisiert werden. Überlieferungen zufolge war hier einmal ein Kloster, in dem aus Certaldo vertriebene Kranke und Bedürftige von Mönchen versorgt und aufgenommen wurden. Vier Bauernhäuser umfasst das Dorf, und alle sind von besonderem Reiz: Panoramablicke, Schwimmbäder, beste Ausstattung mit toskanischen Materialien. Für schmackhafte landestypische Gerichte sorgt in der Küche Maria, die qualitätsvollen Weine des biologischen Anbaus kommen aus dem eigenen Keller. Die Weine und die Produkte der Fattoria können verkostet und erworben werden. Info: San Gimignano, Loc. Capezzano • Tel. 0577944404 • 3 Zimmer, 1 Suite • €

Podere San Lorenzo
Nicht versteckt und nicht am Ende der Welt, sondern in ländlicher Umgebung im Herzen der Toskana ist dieser Natur-Badespaß im Landgut San Lorenzo zu haben: ideal für begeisterte Naturschwimmer, die sich einmal nicht für das Meer entschieden haben. Baden ganz ohne chemische Zusätze, ohne tränende Augen, ohne Chlorgeruch, und auch sonst reizen keine giftigen Substanzen die Haut! Ein symbiotisches Zusammenspiel von Wasserpflanzen, Kleinstlebewesen und Mikroorganismen ist die Basis für dieses biologische Nass, das sauberer ist als es europäische Normen vorschreiben. Festgestellt hat das immerhin die Universität Pisa. Das Podere San Lorenzo mit Bauernhaus, Ställen und einer alten Bäckerei entwickelte sich im Lauf vieler Generationen um die kleine romanische Kirche.

Umgeben von Olivenbäumen, deren Früchte das "Grüne Gold" von außergewöhnlicher Reinheit und Geschmack erzeugen, da man keine Pestizide verwendet. Obst und Gemüse stammen ebenfalls aus eigenem Anbau. Eine toskanische "cena" kann so zu den besonderen Kirchenschätzen gehören, wenn sie in den heiligen Mauern eingenommen wird. In der vor dem Jahr 1300 errichteten und stilgerecht restaurierten kleinen Franziskanerkirche kann man dies bei Kerzenschein erleben: Es ist der Speiseraum des Anwesens. Ein Picknick am Waldesrand, an einer sprudelnden Quelle oder am Feuchtbiotop mit blühenden Seerosen ist für Spaziergänger Erholung pur. Abwechslung versprechen Reiten, Radfahren und Kochkurse. Info: Volterra, Loc. Strada, Via Allori, 80 • Tel. 058839080 • 9 Wohnungen • €

Villa Maya
Die Villa zählt zu den wenigen Hotels in der Toskana, die nach rein ökologischen Gesichtspunkten renoviert wurde. Bei Familie Diolaiti gehört der Elektrosmog nun der Vergangenheit an. Wo Strom fließt, entsteht ein Magnetfeld. Das gesamte Anwesen ist entstört, und beim Renovieren wurden ausschließlich ungiftige Farben benutzt. Wohlfühlen durch einen besseren Schlaf ist ein wichtiges Kriterium. Dottore Moreno Diolaiti führt in der Villa regelmäßig Konferenzen über diese Thematiken durch. Die Zimmer sind im Haupthaus geräumig und mit Antiquitäten ausgestattet. Zum Frühstücken trifft man sich in der antiken Küche, die "tisaneria", das Tee- und Kaffeehaus im Garten, lädt zum Verweilen ein. Info: Latignano di Cascina, Via Piccina, 12 • Tel. 050780112 • 20 Zimmer, 1 Apartment • €

ESSEN UND TRINKEN

BioBistrot
Seit Februar 2008 verköstigen Federico und seine Frau Maria Cristina ihre Gäste mit vegetarischen Gerichten im ersten BioBistrot in Florenz. Selbst im Familienbetrieb auf dem Land aufgewachsen, wo sie heute ein erstklassiges Olivenöl herstellen, das im Lokal verwendet wird, haben beide schnell erkannt, wie wichtig der persönliche Kontakt zu den Produzenten ist. Zu wissen, aus welchem biodynamischen Hof Getreide und Pasta kommen, die Käserei zu kennen und auch, wo deren Schafe und Ziegen weiden, ist für sie oberstes Gebot. Nun wollen sie aus ihrer eigenen Produktion Brot, Gebäck, Säfte und auch Bier anbieten. Auf Dosen, Schachteln und Verpackungen aller Art sowie Flaschen versucht man zu verzichten. Dienstags und freitags wird das Lokal zum Treffpunkt der Gruppe GAS (Gruppo di aquisto solidale), das sind solidarische Einkaufsgruppen. Info: Florenz, Via Pacini, 45/47 (Zona Viale Redi/S. Jacopino) • Tel. 0553597 04 • Mo-Fr 11-23, Sa 19-23 Uhr • €

EINKAUFEN

Azienda agricola podere Le Fornaci
Marco, Gabriele und Elisa beanspruchen für sich, in ihrem kleinen Familienbetrieb eine ganz besondere Qualität herzustellen, was viele ihrer Kunden auch bestätigen. Im Jahr 2000 begannen sie auf einem Hof in der Nähe von Greve in Chianti. Die heute auf etwa 60 Schafe angewachsene Herde wird unter strengen biologischen Gesichtspunkten aufgezogen und ausschließlich homöopathisch behandelt. Für den Verkauf ihrer Produkte sorgen sie selbst: Sie stehen auf verschiedenen Biomärkten der Region, und natürlich kann man den köstlichen Pecorino auch auf dem Hof erwerben. Etliche namhafte Restaurants servieren ihren Gästen die vorzüglichen "caprino fresco", "crosta fiorita", "lattiche bianche", "toma classica" oder die "ricotta". Info: Greve in Chianti, Via di Citille, 74 • Tel. 0558546010 • Besichtigung mit Verköstigung für Gruppen ab 6 Pers.

AKTIVITÄTEN

Padule di Fucecchio
Über 200 Vogelarten machen auf ihrem Weg vom Tyrrhenischen Meer ins Inland am Padule di Fucecchio halt. Das Sumpfgebiet ist ein Refugium für zahlreiche seltene Pflanzenarten, die anderswo längst ausgestorben sind. Durch die besondere geografische Lage treffen hier mediterranes und kontinentales Klima aufeinander: ein Eldorado für Ornithologen, Botaniker und Naturfotografen. 1800 Hektar groß ist der Sumpf, davon sind 200 Hektar Naturschutzgebiet. Das Forschungs- und Dokumentationszentrum in Castel martini organisiert jedes Jahr ab März geführte Wandertouren durch den Padule. Auf einem historischen Rundweg gibt es in Massarella aus Schilfrohr geflochtene Körbe und beim Canale Capannone ein Tabakhaus, in dem früher Tabakblätter getrocknet wurden, zu besichtigen. Beste Besuchszeit ist von März bis Anfang Juni. Im ortsansässigen Museo Civico (Fucecchio, Piazza Vittorio Veneto, 27, Mi-Fr 10-13, Sa, So 10-13, 16-19 Uhr) wird die Entwicklung des Padule nachgezeichnet.

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Dieser Text von Birgit Müller ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Toskana".

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