Sizilien Das Weingut von Simply Red Sänger Mick Hucknall

MERIAN.de: Herr Hucknall, Sie haben sich ein Weingut direkt am Hang eines aktiven Vulkans gekauft. Wie wahnsinnig sind Sie eigentlich?

Hucknall: Es handelt sich allenfalls um eine Form sehr kontrollierten Wahnsinns. Denn wir haben unsere Rebstöcke auf drei Grundstücke rund um den Ätna verteilt. Sollte der Vulkan ausbrechen, ist es also höchst unwahrscheinlich, dass alle auf einmal in der Lava untergehen. Außerdem weist die Seite des Ätnas, an der unser Wein wächst, nur wenig vulkanische Aktivitäten auf. Aber, natürlich, es bleibt ein Risiko.

MERIAN.de: Weshalb gehen Sie dieses Risiko ein?

Hucknall: Sizilien ist leider noch immer eine sehr unterentwickelte Region. Unter anderem wegen den bekannten Problemen mit der Mafia. Die Leute, mit denen ich auf meinem Weingut zusammenarbeite und die alle aus der Region kommen, wollen das ändern. Mein Team besteht aus guten Leuten und möchte dabei helfen, Sizilien mit legalen Geschäftspraktiken in eine moderne Ära zu überführen. Meine Leute wollen mehr Transparenz und Ehrlichkeit. Dafür bewundere ich sie und deshalb unterstütze ich sie. Ich gebe den Leuten mit meinen Mitteln lediglich die Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen und aus den Ruinen der Misswirtschaft wiederaufzustehen.

MERIAN.de: Hatten Sie schon mal Kontakt mit der Cosa Nostra?

Hucknall: Tatsächlich ist es hier wie in diesen Hollywood-Filmen, die wir alle kennen. Fast jeder behauptet, dass die Cosa Nostra gar nicht existiert. Und tatsächlich ist mir bislang auch noch kein Mafioso begegnet. Ein Grund dafür könnte allerdings sein, dass ich finanziell unabhängig bin und mich zur Finanzierung meines Vorhabens nicht mit sizilianischen Behörden oder Banken herumschlagen musste.

MERIAN.de: Sie sprechen sehr leidenschaftlich von Ihrem Engagement auf Sizilien, fast könnte man meinen, Sie hätten nicht die Spur eines geschäftlichen Interesses …

Hucknall: Es ist sowohl Leidenschaft als auch Geschäft, wobei die Leidenschaft überwiegt. Würde ich das Ganze aus rein wirtschaftlicher Perspektive betrachten, müsste ich mein Geld in etwas anderes investieren. Mit einem Weingut kann man - und das auch nur mit sehr viel Glück - frühestens nach etwa sieben Jahren Gewinne einfahren. Insofern muss man wirklich ein großer Weinliebhaber sein, um solch ein Projekt wie Il Cantante anzugehen.

MERIAN.de: Welches Ziel verfolgt der große Weinliebhaber Mick Hucknall mit Il Cantante?

Hucknall: Die Welt ist voller Chardonnay, Merlot und Cabernet Sauvignon. Rebsorten, die jeder kennt, aber kaum einer weiß, was für großartige Trauben am Ätna wachsen. Wir wollen das ändern. Für unsere Weine verwenden wir rein sizilianische Gewächse. Für den Weißwein keltern wir Caricante, Minnella und Grecanico. Der Rote besteht aus Nerello Mascalese und Nerello Cappuccio. Wir machen Wein, den sonst keiner macht und der eine große Tradition besitzt: In der Antike haben schon die Griechen auf dem Ätna Wein angebaut - und ihn dort auch gleich genossen.

MERIAN.de: Mit dem einheimischen Önologen Salvo Foti haben Sie sich einen angesehenen Weinexperten als Partner ins Team geholt. Wie sieht Ihre Zusammenarbeit aus?

Hucknall: Wir haben uns 1999 kennengelernt. Aber gerade jetzt erblüht unsere Partnerschaft richtig, denn Salvo möchte in Zukunft exklusiv mit mir zusammenarbeiten. Das ist natürlich ein großes Kompliment für mich, das ich dadurch beantworte, dass ich ihm alle kreativen Freiheiten lasse, die er braucht, um einen guten Wein zu machen. Er wird von mir behandelt wie ein Superstar. Das macht den Unterschied. Die anderen Winzer haben ihn immer nur als einen schlichten Erfüllungsgehilfen betrachtet.

MERIAN.de: Inwieweit kommt es Ihrem Weingut zugute, dass Sie ein berühmter Popstar sind?

Hucknall: Was das Weingut betrifft, habe ich merkwürdigerweise immer versucht, meine Berühmtheit nicht ins Spiel zu bringen. So lehne ich beispielsweise Interviews ab, wenn es nur um das Thema "Stars und ihre Weine" geht. Das Schöne ist, dass wir in der Weinwelt großes Interesse mit unseren Produkten erzeugen, ohne dabei die Promikarte spielen zu müssen. Es wäre auch ziemlich gedankenlos, sich nur auf den VIP-Status zu verlassen. Ich rede gerne über Wein und Sizilien, weniger gern aber über meine Prominenz.

MERIAN.de: Dann lassen Sie uns über Sizilien sprechen. Was mögen Sie an dieser Insel?

Hucknall: Natürlich kann man viel über die Geschichte Siziliens sprechen oder über die schönen Strände. Für mich ist Sizilien aber in erster Linie immer der Ätna. Dieser besondere Ort ist für Westeuropäer und speziell für einen Jungen von den britischen Inseln einfach unglaublich exotisch. Dieser Vulkan hat so viel zu bieten. Zur Vendemmia, der Weinlese Mitte September, ist der Ätna meist sehr aktiv. Der Berg fängt dann abends an, richtig zu glühen. Das ist schon eine sehr spezielle Atmosphäre und eine einzigartige Erfahrung.

MERIAN.de: Wie viel Zeit verbringen Sie im Jahr auf Sizilien?

Hucknall: Ich bin mit meiner Familie etwa dreimal im Jahr auf dem Weingut. Wir versuchen immer, bei der Vendemmia dabei zu sein. Hoffentlich schaffen wir das auch dieses Jahr, denn ich habe mit der Abschiedstournee von Simply Red jede Menge zu tun. Das könnte tatsächlich knapp werden.

Interview: Denis Krah

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