Marrakesch Ab ins Getümmel

Stundenlang streifte MERIAN-Redakteur Jonas Morgenthaler durch die Gassen von Marrakesch. Dabei fand er immer wieder seinen Weg – und wachsende Freude am Feilschen. An diesen zehn Orten hat es ihm am besten gefallen.

Ein Platz voller Leben und Energie: der Jemaa el Fna in Marrakesch
  1. Jemaa el Fna
    Die Energie des Platzes hat mich sofort gepackt. Tipp: vorher ein paar Münzen abzählen, die dann für den Abend reichen müssen. Meiner begann mit einem Orangensaft für fünfzig Cent und endete mit einem Konzert für zwei Euro. Der Spieler einer elektrisch verstärkten Violine und fünf wahnwitzige Trommler freuten sich darüber, dass ich kein Handyfoto machen, sondern einfach zuhören wollte – und boten mir einen Hocker an.
  2. Koutoubia
    Die Moschee ist Wahrzeichen, Orientierungspunkt und religiöses Zentrum der Stadt. Rund 20.000 Gläubige finden in ihrem riesigen Gebetssaal Platz. Nichtmuslime haben keinen Zutritt, doch auch von außen beeindruckt das Gebäude aus dem 12. Jahrhundert, vor allem sein 77 Meter hohes Minarett.
  3. Straßenküchen
    Gefüllte Pfannkuchen, die Linsensuppe Harira, honigsüßes Gebäck: In unzähligen kleinen Garküchen wird gebrutzelt, gebacken und oft sehr gut gegessen. Setzen Sie sich zu den Einheimischen. Oder buchen Sie bei »Marrakech Food Tours« eine Streetfood-Tour: Für rund 60 Euro geht es zu mehreren authentischen Küchen, etwa einem Lokal mit starkem Frauenteam, das Tajines, Gerichte aus dem Lehmtopf, kocht und damit viele Händler in den Souks verköstigt.
  4. Souks
    Die Farben der Souks: Die bunten Märkte von Marrakesch sind ein Spektakel für alle Sinne.
    Die nach Handwerk und Ware unterteilten Märkte sind ein Spektakel für alle Sinne, auch ganz ohne Shoppinglaune. Irgendwann kauft man dann doch etwas, in meinem Fall waren es mehrere Ledertaschen. Aber Vorsicht: Schnuppern Sie vor dem Kauf, schlecht gegerbtes Leder riecht übel. Tipp: Die Waren und Preise der weit hinten in den Souks versteckten Händler sind oft besser. Wundern Sie sich dort nicht über wenige Kunden, viele Geschäfte betreiben auch Großhandel.
  5. Die Medina
    Man biegt einmal von der belebten Hauptachse ab, läuft ein paar Meter und steht plötzlich vor einer Wand, umgeben von Stille: Endstation. Siebzig Prozent aller Wege in der Medina sollen Sackgassen sein, heißt es. Gerade dieses unergründbare Gassengewirr macht die Altstadt faszinierend. Lassen Sie sich ruhig treiben, man findet immer zurück, im Zweifel per Smartphone. Bestens erholen kann man sich danach in einem der Lokale mit Dachterrasse wie der »Kosybar« am Place des Ferblantiers.
  6. Jardin Majorelle
    Die kobaltblauen Akzente in Form eines Pavillons und Wasserbassins sind das besondere Merkmal des exotischen Gartens, den der Maler Jacques Majorelle ab 1923 anlegte und der knapp 60 Jahre später von Yves Saint Laurent und seinem Partner Pierre Bergé gekauft wurde. Er ist zauberhaft, aber oft überlaufen. Besuchen Sie nebenan auch das Musée Yves Saint Laurent, das viele Kreationen des Modedesigners zeigt.
  7. Paläste
    Farbenfrohe Mosaiken, kunstvolle Holzschnitzereien, riesige symmetrische Höfe: Die alten Paläste sind die prächtigsten Gebäude der Stadt. Besonders groß und opulent ist die Architektur im Bahia-Palast. Jenseits von Mauern, Decken und Portalen gibt es dort aber wenig zu besichtigen. Anders im mit viel Feingefühl restaurierten Dar El Bacha: Dort zeigt das »Musée des Conuences« Teile einer Sammlung von Kunsthandwerk aus aller Welt, von der Amerikanerin Patti Birch (1923-2007) zusammengetragen und dem marokkanischen Staat vererbt.
  8. Gueliz
    Die von den Franzosen gegründete Neustadt wirkt auf den ersten Blick wenig einladend. Doch auch dort gibt es viel zu entdecken: in der Patisserie »Al Jawda« etwa feine marokkanische Kekse, in der Galerie von David Bloch spannende Kunst. Einige Art-déco-Fassaden zeugen noch von der Kolonialzeit. Und in den Bars und Clubs sind die Nächte lang.
  9. Riads
    Die alten Stadthäuser sind weder hell noch besonders geräumig, dennoch sollten Sie unbedingt in einem einchecken. Denn als Unterkünfte haben sie oft einen sehr persönlichen Charme und sind liebevoll eingerichtet. Mich selbst hat der Zufall in den Riad »Charme d’Orient« im Kasbah-Viertel verschlagen, der von einer hilfsbereiten Französin geführt wird – mit Hauspapagei im Hof und gutem Frühstück auf der Dachterrasse.
  10. Saadier-Gräber
    Die kleine Anlage wurde 1917 von den Franzosen wiederentdeckt und beeindruckt mit reich geschmückten Königsgräbern aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Deren Präsentation ist wenig informativ. Kommen Sie mit einem Guide, um mehr zu erfahren.

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