Südsee Weltreise zu den Traumstränden

Merian.de: Sie sind seit Juli 2011 auf Reisen. Wissen Sie noch, wann genau Sie auf die Idee einer Weltreise kamen?
Dennis Fink: Vor rund zwei Jahren, als ich begann, gierig alle erdenklichen Reiseblogs und Diskussionsforen im Internet zu lesen. Ich war fasziniert von dem Gedanken, frei um die Welt zu reisen, heute nicht zu wissen, wo ich morgen sein werde – für einige Zeit aus unserer Gesellschaft auszusteigen. 

Sie haben Ihr altes Leben fast komplett aufgelöst, Job und Wohnung gekündigt, Hab und Gut verkauft. Fiel die Entscheidung leicht?
Die Idee, eine Auszeit vom Job zu nehmen, um mir den Traum einer Südseereise inklusive Australien und Neuseeland zu erfüllen, hatte ich schon länger. Hierfür reichen die üblichen drei Wochen am Stück einfach nicht aus. Die Entscheidung, konsequent alles aufzugeben, fiel mir allerdings schwer. Zu tief verankert saß die Angst, später vielleicht ohne Job da zu stehen. Der Auslöser für die endgültige Entscheidung war wohl, dass innerhalb kürzester Zeit meine Großeltern und zwei Freunde verstarben. Plötzlich sah ich das größere Ganze. Das Leben kann so schnell vorüber sein. Wir sollten uns unsere Träume jetzt erfüllen und nicht auf einen Zeitpunkt warten, den wir vielleicht niemals erleben werden.

Wie lange haben Sie auf diesen Trip gespart?
Genau 18 Monate. Die Entscheidung fiel Neujahr 2010. Von diesem Tag an habe ich jeden Cent zur Seite gelegt, der mir irgendwo über den Weg gerollt ist. Ich habe um die 500 Artikel im Internet verkauft und bin jeglichem Konsum aus dem Weg gegangen. Allein durch den Umzug in ein 1-Zimmer-Appartement konnte ich 400 Euro pro Monat an Miete einsparen. Seitdem ist mir bewusst, für welchen Unsinn wir unser Geld zum Fenster rauswerfen. Ich habe Dinge verkauft, die ich nie genutzt habe; Klamotten in die Altkleidersammlung gebracht, die ich niemals getragen habe. 

Wie viel Geld sollte man für einen Trip wie Ihren ungefähr auf der hohen Kante haben?
25.000 Euro sollten es meiner Meinung nach schon sein, um nicht auf jeglichen Spaß verzichten zu müssen. Es geht letztendlich eben auch nicht nur darum von A nach B zu reisen, sondern etwas zu erleben. Vor allem Touren und sportliche Aktivitäten fressen ein riesen Loch ins Budget. Ich habe allerdings Backpacker getroffen, die tatsächlich mit nicht mehr als 2.000 Euro losgezogen sind. Die haben in Australien mit dem Work- & Travelvisum gearbeitet und so den Rest ihrer Reise finanziert. 

Welche Stationen haben Sie bereits hinter sich? 
Ich habe in Thailand mit Koh Samui, Koh Phangan und Koh Tao begonnen, drei wunderschöne Inseln, die ich sehr empfehlen kann. Dann ging es weiter Richtung Malaysia. Kuala Lumpur ist eine unglaublich beeindruckende Stadt und Singapur ist eines der Highlights meiner Reise. Das gleiche gilt für Bali. Vor allem wegen der Gastfreundlichkeit der Menschen. In Indonesien ist Gili Trawangan einfach traumhaft, relaxed und einzigartig. Es folgten Lembongan Island und Lombok, bevor ich mir dann mit den Cook Islands und Französisch Polynesien meinen großen Südseetraum erfüllt habe. 

Sie haben sich für Ziele entschieden, die viele Rucksackreisende niemals ansteuern: Bora Bora, Aitutaki und Maupiti - typische Honeymoon-Orte. Warum?
Bora Bora war schon immer mein großer Traum und die Südsee das Hauptziel meiner Reise. Ich wollte nicht einfach nur um die Welt reisen, sondern einen Schwerpunkt definieren, einen Höhepunkt. Während der Planungsphase stieß ich in Foren immer wieder auf eine Insel namens Aitutaki. Als ich dann die Luftaufnahme der Lagune im Internet sah, war für mich klar: Da muss ich hin!  Aitutaki und Rarotonga auf den Cooks sind der absolute Geheimtipp und haben mir regelrecht den Atem geraubt. Bora Bora und Maupiti, sind mit Aitutaki definitiv das Schönste, was ich jemals gesehen habe. So ursprünglich, so relaxed. Was mir mit Stränden und der Lagune optisch geboten wurde, ist mit Worten nicht zu beschreiben.

Jetzt mal ehrlich: Wird es nach einiger Zeit an diesen Traumstränden nicht langweilig?
Diese Frage wurde mir bereits öfter gestellt, und ich kann sie mit einem ganz klaren Nein beantworten. Meine Route habe ich von Strand zu Strand und Trauminsel zu Trauminsel geplant. Das wahre Urlaubsfeeling kommt bei mir erst am Strand auf. Mal die Seele baumeln lassen, Stress abbauen und alles herum vergessen. Das gelingt mir am besten unter Palmen mit einem Cocktail in der Hand und verdammt weißem Sand unter den Füßen - während hinter mir ein paar Jungs die Ukulele spielen.

Anders gefragt: Was macht man den lieben, langen Tag im Paradies? 
Wer glaubt, es werde auf Weltreise jemals langweilig, der täuscht gewaltig. In der Südsee sind auf jeder Insel ein Lagunencruise mit Schnorcheltour und Strandbarbeque Pflichtprogramm. Auf den Cook Islands war ich mit dem Kanu unterwegs, um die Inseln zu erkunden. Aitutaki ist eine gute Kite-Surf-Location. Indonesien und Australien sind Surfparadiese, hier sollte man unbedingt aufs Brett steigen. Über dem Great Barrier Reef lässt es sich hervorragend aus dem Flugzeug springen und aufs Riff zugleiten. Auf Thailands Inseln kann man sich zwischen dem Sonnenbaden im Muay Thai verausgaben, auf Koh Phangan habe ich mir beim Thai Boxen schöne blaue Flecken geholt. Und: Die touristischeren Gegenden in Thailand und Bali bieten die wildesten und besten Partys der Welt. Und natürlich: Menschen treffen! Unerwartet viel Zeit geht für den Austausch mit anderen Reisenden drauf. Jeder hat seine Story zu erzählen, eine interessanter als die andere.  

Haben Sie vor lauter Honeymoon-Optik noch den Blick für das Schöne? Kann man diese Idylle wirklich jeden Tag genießen?
Es nutzt sich niemals ab. Ich habe jeden Tag aufs Neue meinen eigenen Augen nicht trauen wollen, als ich die unfassbar schönen Strände auf den Cooks oder Französisch Polynesien vor der Nase hatte. Die Farben wirken so irreal, der Sand ist unglaublich fein, die gesamte Kulisse ist einfach nur atemberaubend. Die Fidschis, Tonga, Samoa, die Tuamotus, die Solomonen, Neu-Kaledonien, Vanuatu, Kiribati sind alles noch Inseln, die ich bereisen möchte. Und schließlich "ende" auch ich irgendwann als Honeymooner, spätestens dann möchte ich wieder die Ukulele hören.

Haben Sie eine Lieblingsinsel? 
Es gibt zwei Inseln, zu denen ich ein ganz besonderes Verhältnis habe: Mallorca und Bali. Mallorca wegen der wunderschönen Buchten und Strände, fernab vom Ballermann. Bali wegen der Exotik und einzigartig freundlichen Menschen. Beide Inseln vereinen alles, was für mich zu einem gelungenen Trip gehört: Schöne Strände, eine gute Infrastruktur, die Möglichkeit eine Zeit in absoluter Abgeschiedenheit zu verbringen oder aber ausgiebig zu feiern, Wassersport, Sightseeing und hervorragendes Essen.

Gab es ein Erlebnis, das Sie niemals vergessen werden?
Furchteinflößend war, als mir bei einem Tauchgang auf den Gilli Islands in 32 Metern Tiefe die Luft unerwartet früh ausging. Irgendetwas stimmte mit meinem Sauerstofftank nicht. Ich geriet derart in Panik, dass ich viel zu schnell auftauchte. Am Strand bin ich kollabiert und wurde sechs Stunden mit Sauerstoff versorgt. Nach drei Tagen normalisierte sich mein Zustand. Besonders berührt wiederum hat mich mein Geburtstag in Thailand. Liebe Menschen, die ich zwei Tage zuvor nicht einmal kannte, cancelten ihre Weiterreisetickets - um mit mir zu feiern. Als um Mitternacht die Liveband "Happy Birthday" anstimmte und mindestens 200 Backpacker im Pub mitsangen, war ich wirklich gerührt. Allein für diese Freundschaften hat sich das Reisen gelohnt.

In Ihrem Blog schreiben Sie, Reisen sei "purer Egoismus", haben Sie sich deshalb entschieden, allein zu reisen?
Nein, es gibt viele Möglichkeiten zu reisen. Als Paar ist Reisen auch ein Erlebnis, genauso wie mit guten Freunden. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass der Erlebnisfaktor als Alleinreisender am größten ist. Einsam auf einer Mayapyramide in Yucatan, in einer Hütte im Gebirge Vietnams, im Kajak in der Lagune von Aitutaki; allein habe ich die schönsten und intensivsten Momente meines Lebens gehabt. Und letztendlich geht es darum, Menschen zu treffen, Reisende oder die lokale Bevölkerung. Als Alleinreisender ist man anderen gegenüber viel aufgeschlossener und lernt definitiv mehr Menschen kennen. 

Vermissen Sie etwas? 
Selbstverständlich vermisse ich meine Familie und Freunde. Gerade wenn man krank ist, fühlt man sich sehr einsam. Doch dank Facebook und Skype ist der Kontakt zur Heimat keine große Sache mehr. Vollkornbrot ist etwas, was ich vermisse. Mir fällt kein Land ein, in dem es Vollkornbrot nach unserer Definition gibt. Ansonsten fehlt mir rein gar nichts. Man braucht relativ wenig, um glücklich zu sein, wenn man an einem schönen Ort von netten Menschen umgeben ist. Der Sportwagen, das neuste Handy und die coolsten Klamotten: auf Reisen haben sie keinen Wert. 

Wissen Sie schon, was Sie nach der Rückkehr von Ihrem alten Leben wieder aufnehmen werden?
Gute Frage. Wahrscheinlich nichts, außer meinen Freunden. Ein neuer Job muss her und eine neue Wohnung. Aber darüber mache ich mir Gedanken, wenn ich wieder zurück bin.

Haben Sie noch einen Tipp, den Sie allen (Welt-)Reisenden mit auf den Weg geben möchten?
Ja, nicht so sehr auf Tipps von anderen zu hören. Zumindest, was die Route anbelangt. Die vermeintlich schönsten und häufig angepriesenen Orte der Welt waren mit die größten Enttäuschungen. Inseln, die niemand auch nur mit einer Silbe erwähnt, waren dagegen wahre Paradiese. Ich kann nur raten einfach alles auszuprobieren, Risiken einzugehen und nicht so sehr an Plänen festzuhalten. Dann entstehen die unvergesslichsten Momente, die schönsten Überraschungen und die wertvollsten Begegnungen. Kurz: Go with the flow!

Mehr Südseefeeling, Traumstrände ud Tipps für Unterkünfte auf den Inseln in dem Blog von Dennis Fink: lookinforjonny.com

Autor:
Marie-Christine Tiemann