Toronto Islands Die Idylle der Großstadt

Wer eine Auszeit vom Stadtleben braucht, der ist auf den Toronto Islands genau richtig. Abseits von Lärm und Hektik können Sie auf der kleinen Inselgruppe im Ontariosee eine andere Seite der kanadischen Großstadt kennenlernen: die Ruhe und Idylle Torontos.

Toronto Islands

Unsere Highlights auf den Toronto Islands

Toronto Islands: Idylle im Ontariosee

“Kopf einziehen”, brüllt der Insulaner über das Tuckern des Schiffsmotors hinweg, als wir unter der Brücke hindurchgleiten. Dem Pärchen, das oben steht und verwundert auf den Bootsnamen zeigt - “Captain Hook” in chinesischen Schriftzeichen - nickt er kurz zu, dann biegen wir in die Lagune ein. 

Mit dem Boot auf die Toronto Islands
Wir sind nicht im südchinesischen Meer unterwegs, sondern auf den Kanälen Toronto Islands, einer kleinen Inselgruppe gerade mal 15 Minuten von Downtown Toronto entfernt. Unser Skipper, Manuel Cappel, stammt aus Deutschland, lebt aber seit 60 Jahren auf den Inseln. “Ich bin ein Insulaner. So nennen sie uns in Toronto”, hatte er uns zuvor beim Frühstück im Island Cafe voller Stolz erzählt.

Knapp 600 Insulaner leben in 250 meist bunt gestrichenen Häusern das ganze Jahr über auf den Inseln. Wäre es nach der Stadtverwaltung Torontos gegangen, würde es keine Einwohner mehr auf den Inseln geben: in den 50er Jahren fing diese an, Anwohner umzusiedeln und Häuser und Hotels abzureißen. Der Plan: die Toronto Islands sollten eine Parklandschaft werden. Doch die Insulaner wehrten sich mit Petitionen und Protesten: 1993 erhielten sie dann schließlich das Recht, ihre Häuser für 99 Jahre zu pachten. “Es war ein langer Kampf”, erzählt Cappel. “Jahrelang galten wir als Querulanten, als Hausbesetzer. Das hat uns zusammengeschweißt. Wir sind eher eine große Familie, als bloße Nachbarn. Hier wohnen sehr reiche und ziemlich arme Menschen, Künstler, Anwälte, Aussteiger und Ärzte Tür an Tür. Das gibt es so in keiner anderen Nachbarschaft Torontos.”

"Gibraltar Point Lighthouse" - Die älteste Sehenswürdigkeit Torontos

Gibraltar Point Lighthouse
Cappel steuert die “Captain Hook” auf einen Steg am Gibraltar Point zu. Hier steht der Leuchtturm, dessen ehrenamtlicher Wärter er ist: 1808 aus Natursteinen erbaut und eines der ältesten Gebäude Torontos. Schon der erste Leuchtturmwärter war ein Deutscher, John Paul Radelmüller. Der allerdings fand ein grausiges Ende: zwei britische Soldaten schlugen ihn tot, nachdem er ihnen nichts mehr von seinem selbstgebrauten Bier ausschenken wollte. Sein Geist soll noch heute herumspuken, aber Cappel glaubt nicht an Geister: “Das hat die letzte Leuchtturmwärterin, Mrs. Dodds, der Presse erzählt, als der Leuchtturm in den 50er Jahren außer Betrieb genommen werden sollte.” Inzwischen erfüllt der Leuchtturm keinerlei Funktion mehr. Bäume, höher als der Turm, verdecken ihn, und sein Licht schaltet Cappel nur noch gelegentlich ein, wenn er Besucher auf den Turm führt.

Besuchern zeigt er dann auch die Artscape Studios, zu Fuß nur zwei Minuten vom Leuchtturm entfernt. “Als Kind bin ich in dem Gebäude zur Schule gegangen”, erinnert sich Cappel. “Heute gebe ich hier Künstlern Unterricht im Schweißen und baue Lastenfahrräder. Die sind praktisch, denn auf den Inseln darf man nicht mit dem Auto fahren.”

Drei Monate dauert es, bis ein Cappel’s Custom Cart fertig ist. Ein langwieriger Prozess, in dessen Pausen Cappel im umgebauten Schulbus hinter seiner Werkstatt entspannt. “Dies ist meine ‘Man Cave’”, lacht er, während er ein Dosenbier aus dem Kühlschrank holt. Gerade hat er einen weiteren Bus ersteigert, seinen Dritten: “Ich bin Sammler: Busse, Boote, Bikes. Auf den Inseln braucht man ein Hobby, ansonsten ist nicht viel los.” Wer ins Kino oder Theater möchte oder shoppen will, der muss mit der Fähre in die Stadt. Wer hingegen Ruhe sucht, der findet sie auf den Inseln.

Strand von Hanlan's Point - Sommer auf den Toronto Islands

Strand von Hanlan’s Point
Nur in den Sommermonaten, vor allem an den Wochenenden, wird es voll”, sagt Cappel. “Touristen, die mit ihren Kindern den Vergnügungspark Centreville besuchen, Städter, die zum Joggen, Radfahren oder Schwimmen kommen, und Nacktbader, die am Strand von Hanlan’s Point blank ziehen.” Ab Oktober, wenn der Vergnügungspark schließt, sind die Wege und Brücken dann oft menschenleer. Im Winter legt sich mit dem ersten Schnee eine Decke über die Inseln, die Dank fehlender Abgase bis zur Schmelze blütenweiß bleibt. “Ich möchte nirgendwo anders leben”, ist sich Cappel sicher. “Ein Inselidyll direkt neben einer Metropole: das ist einmalig auf der Welt!”

Die Toronto Islands auf dem Ontariosee: Lernen Sie abseits von Lärm und Hektik eine ganz andere Seite der kanadischen Großstadt kennen.

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