West-Kanada Historische Provinz Alberta

Lust auf eine Zeitreise ins späte 19. Jahrhundert? In der kanadischen Provinz Alberta finden sich inmitten spektakulärer Natur zwei Luxushotels, die eine gemeinsame Geschichte verbindet: Ohne die Eisenbahn wären sie nie das geworden, was sie heute sind.

So ähnlich muss es sich schon 1888 angefühlt haben. Damals, als die Canadian Pacific Railway durch die Rocky Mountains nach Banff zuckelte, zwischen gewaltigen Felsen hindurch schnaufte und vorbei an glitzernden Flüssen und blühenden Bergblumen fuhr. Vielleicht waren damals wie heute am Weg Grizzlys zu sehen, Schwarzbären und die Elche mit ihren mächtigen Geweihen. In den 120 Jahren seither hat die Eisenbahn ihre Struktur und ihren Namen geändert. Auf den Touristenstrecken rollt jetzt der Rocky Mountaineer, aber sein Job ist immer noch der gleiche: das Befördern von Fahrgästen in östlicher oder westlicher Richtung durch Kanada, je nach Ticket. Auf denselben Routen wie anno dazumal.

Legendäre Schlosshotels in den Rockys

Zu den Zielen der Bahn gehören heute immer noch zwei legendäre Schlosshotels mitten in der Einsamkeit der westkanadischen Rockys, rund 800 Kilometer östlich von Vancouver. Chateau Banff Springs ist das eine, ein um 1920 errichteter Prachtbau mit Erkern, Zinnen und Balkonen, wie sie ansonsten nur in Schottland anzutreffen sind. Wie ein Solitär thront das Chateau inmitten einer großartigen Gebirgslandschaft mit massiven Bergkuppen und endlos sich ergießenden Wäldern. Im Gegensatz dazu ist das Chateau Lake Louise weniger verziert und erscheint daher nicht ganz so pompös, wenngleich das, seit 1925 als Hotel fungierende, Schloss genauso als Luxusrefugium zu bezeichnen ist. Es mutet ähnlich verwunschen an wie seine ältere Schwester, denn es liegt einsam direkt am unfasslichen Bergsee Lake Louise auf 1750 Höhenmetern. Dahinter ragt steil das 3500 Meter hohe Victoria-Massiv empor.

Ideengeber für die beiden 5-Sterne-Herbergen fernab der westkanadischen Großstädte Vancouver, Calgary und Edmonton war William Cornelius Van Horne. Der damalige General Manager von Canadian Pacific Railway, ein US-Amerikaner übrigens, ließ beide Hotels zunächst als eher unauffällige Schweizer Chalets errichten - erst 1888 Banff, dann 1890 Lake Louise. Weil er damit aber die reichen und schönen Kanadier auf den Geschmack für die Bergwelt im Sommer (und später auch im Winter) brachte, dachte der geschäftstüchtige, aus Frankfort, Illinois, stammende Van Horne um: "Wenn die Traumberge nicht zu den Menschen kommen können, müssen die Menschen zu ihnen kommen." Aus den Chalets wurden flugs Traumschlösser, die sich als durchschlagender Erfolg entpuppten. Denn, natürlich, die Gäste kamen mit der Bahn, der Bahn von Van Horne in die Traumwelt in den Bergen.

Wandern, Biken, Kajaken und Schneespaß

Heutzutage reist man überwiegend fliegend oder auf vier Rädern rollend hier an. Die bevorzugten Outdoor-Aktivitäten heißen Wandern, Biken, Reiten, Kajaken und Golfspielen im Sommer, im Winter dann Skifahren, Hundeschlittenfahren und Schneeschuhwandern. Und doch will mancher ab und an einfach nur die Naturkulisse und die Höhenluft in dieser Bergwelt mit ihrem pompösen Auftritt auf sich wirken lassen - was beide Hotels selbstredend auch im Winter in beheizten Außenpools ermöglichen. Im Inneren erwartet die Gäste gehobener Fünf-Sterne-Luxus, selbstredend inklusive moderner Spas.

Direkt am Chateau Banff Springs liegt zudem ein imposant in die Bergkulisse eingelassener, schwer zu spielender Golfplatz, der nicht nur den Gästen des Hauses mit seinen fast 800 (!) Zimmern offen steht. Das gleiche gilt für die zehn Restaurants, in denen seit 35 Jahren der Schweizer Chef Martin Luthi exzellente Speisen kredenzt. Seinen Namen erhielt das Chateau Banff Springs übrigens von den mineralhaltigen Quellen gleich in der Nähe. Diese hatten die Stoney-Indianer, die First Nations der Gegend, einst entdeckt und den Eisenbahnpionieren gezeigt. Zehn Minuten sind es mit dem Auto nach Banff, das 8300 Einwohner, gut 50 Hotels und rund 5400 Gästebetten zählt.

Im Vergleich zu Banff ist Lake Louise gerade mal ein Weiler. Eine Handvoll zwischen den Bäumen versteckte Lodges finden sich hier, aber keine Villen, und direkt am See liegt Chateau Lake Louise - das war's, und das bleibt auch so. Jedenfalls gibt dies das, die National Parks schützende, Footprint-Prinzip vor. Chateau Lake Louise verfügt über sechs ausgezeichnete Restaurants, der schiere Wahnsinn aber ist der atemberaubende Blick von der Lake View Lounge - über den derzeit tief verschneiten und im Sommer tief türkisen See hinweg auf die dahinter sich türmenden Felsmassive. Eine Aussicht, wie man sie schon vor mehr als hundert Jahren genauso bewundern konnte, damals, als die Canadian Pacific Railway sich erstmals ihren Weg durch die Rocky Mountains hoch nach Lake Louise bahnte.

Banff - das sollten Sie wissen

Wer im Zug zu den Schlosshotels Banff Springs und Lake Louise reisen möchte, bucht Sonderfahrten bei Canadian Pacific Railway. Am schnellsten ist die Anreise per Flugzeug - von Vancouver über Calgary etwa mit Air Canada. Von Calgary geht es per Bus oder Mietwagen weiter - bis Banff 130, bis Lake Louise 180 Kilometer. Die beiden Orte sind 55 Kilometer voneinander entfernt und mit dem Rest der Welt über den vierspurigen Parkway 93 verbunden. Die Berge heißen hier auch Alberta Rockys und konnten urwüchsig bleiben, da Banff National Park und nördlich Jasper National Park seit über 100 Jahren geschütztes Gebiet sind - auf knapp 20.000 Quadratkilometern - und heute noch dazu Unesco-Welterbe.

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Autor:
Ulrike Wirtz