Dominikanische Republik Zigarren - Besuch einer Tabakplantage

Auf den Hochebenen der Dominikanischen Republik befinden sich Tabakplantagen. Die Zigarren gelten als mild im Geschmack. Unsere Autorin war vor Ort.

Wenn der Bodennebel die Stauden der Tabakpflanzen empor kriecht und die Morgensonne die Tautropfen auf dem feinen Blattwerk glitzern lässt, lächelt Klaas Pieter Kelner zufrieden. Dann steckt sich der 24-jährige erst einmal eine Zigarre an und genießt die Ruhe. Kurze Zeit später durchdringen knackende Geräusche die Stille. Die Erntearbeiter beginnen mit dem Pflücken der Blätter im Valle del Cibao, einem Tal, das im Norden der Dominikanischen Republik liegt. Stengel knacken, ein Rhythmus entsteht – für Kelner Heimatmelodie. Als viertes der sechs Kinder von Hendrik "Henke" Kelner, Master-Blender für die Davidoff-Zigarren, ist er auf den familieneigenen Tabakplantagen groß geworden. Er streift sich mit der Hand durch die dunklen Locken und bändigt sie danach sogleich mit dem Panamahut, den er als Schutz gegen die heiße dominikanische Sonne trägt.

Schon als Junge spielte er in den Feldern Verstecken, fuhr Skateboard in den Produktionshallen. Das Handwerk hat er von der Pike auf erlernt. "Viele Mitarbeiter kennen mich seit meiner Geburt. Sie hatten es nicht immer leicht mit mir“, sagt Kelner und schmunzelt. "Musste ich mich in den Dreck knien oder eine schwere Kiste anheben, kam mir anfangs immer jemand zur Hilfe." Ein Jahr lang durchlief er alle Stationen der Produktion. Seine Eltern unterstützten ihn dabei, auch wenn es Mutter Elena schrecklich fand, dass er immer so verdreckt nach Hause kam. Mit 18 entschied sich Kelner bereits dafür, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Er studierte Betriebswirtschaft in Florida – eine gute Vorbereitung auf die Unternehmensführung. Danach zog es ihn wieder auf die Felder.

Mannshoch wachsen die Tabakpflanzen in den Wintermonaten zwischen Februar und April. Sie wurden in 52 Gewächshäusern als Setzlinge heran gezüchtet. Das Saatgut stammt aus dem eigenen Haus – nur die größten und schwersten Samen der prächtigsten Pflanzen schaffen es auf die Felder. Neben Olor, einer Tabaksorte, die in der Dominikanischen Republik heimisch ist, nutzt Davidoff zwei weitere – San Vicente und Piloto aus Kuba, die Anfang der 1960er Jahre in der Dominikanischen Republik kultiviert wurden. Wann der Tabak reif für die Ernte ist, sieht Kelner sofort. Er nimmt einen Zug seiner Zigarre und deutet auf die Pflanzen. "Die Blätter verändern ihre Haltung. Sie wölben sich leicht nach unten zum Boden, als würden sie sich verneigen", sagt er. Von jeder Pflanze werden immer nur zwei gleichzeitig abgeerntet. Die oberen haben den höchsten Nikotin-Gehalt, die am Boden den geringsten. Profis unterteilen sie in vier verschiedene Klassen – von mild bis intensiv.

In den "Ranchos", den rotbraunen Strohscheunen inmitten der Plantagen, werden die Tabakblätter aufgefädelt und in Bündeln kopfüber zum Trocknen aufgehängt, bevor die besten Anwärter für die jeweilige Sorte aussortiert und gelagert werden. Die Ernte dauert im Schnitt 35 Tage, dann beginnt die Produktion. Die Blätter werden getrocknet und fermentiert – anschließend müssen sie reifen, je nach Tabaksorte und Bestimmung unterschiedlich lang. Erlesene Sorten brauchen bis zu zehn Jahre, bevor sie in ihre endgültige Form gerollt werden.

Getrocknete Tabakblätter in einer Zigarrenfabrik in der Dominikanischen Republik.
Jessica Mintelowsky
Die Tabakblätter werden mehrfach getrocknet und fermentiert, bevor sie reifen.
Es ist warm in den Hallen der Villa Gonzalez, fast schwül. Über dem ein oder anderen Kopf eines "Torcedors", eines Zigarrenrollers, steigt ein Rauchwölkchen auf. Nicht ohne Stolz führt Kelner Junior durch die Manufaktur nahe der Großstadt Santiago de los Caballeros und zeigt die verschiedenen Arbeitsprozesse. Dass die "Torcedors" hier paffen, ist gern gesehen – schließlich kann der Genuss der exquisiten Zigarren nur förderlich sein für die Kunst des Rollens. In langen Reihen sitzen sie an ihren Tischen und bündeln, ziehen, rollen und verkleben die feinen Blätter mit geschickten Händen. Begleitet werden sie dabei vom stetigen Klacken des Geräts, mit dem sie die Zigarren zurecht schneiden, bevor diese in ihre "Capa" – den Zigarren-Smoking – gehüllt werden.

Woran erkennt man eine gute Zigarre?

Fertig
Jessica Mintelowsky
Fertig "komponierte" Zigarren von Davidoff
Bis zu 500 Zigarren schafft ein erfahrener "Torcedor" am Tag. Es sei schwierig und darum eine hohe Kunst, so Kelner, trotz schwankender Wetterbedingungen Zigarren einer bestimmten Serie jedes Jahr wieder auf den Punkt genau zu "komponieren", um den Zigarrenliebhaber, nicht zu enttäuschen. Woran man eine gute Zigarre erkennt? Vater und Sohn sind sich in diesem Punkt einig. Schon der erste Eindruck sei entscheidend. Hat das Deckblatt, die "Capa", einen edlen Schimmer? Sind die Blattadern fein und schlank? Ist der Kopf (das Mundstück) gut gemacht? Verströmt sie einen aromatischen Geruch? Eine gute Zigarre ist – genauso wie ein guter Champagner – das Ergebnis eines Meisterhandwerks.

Klaas Pieter Kelner pafft die letzten Züge seiner Zigarre. Fragt man ihn heute, ob er sich einen anderen Job vorstellen könne, dann schüttelt er nur lächelnd den Kopf. Für ihn gibt es nichts Schöneres, als über die Familienfelder zu blicken, die sich vor der Gebirgskette Cordillera Central erstrecken.

Autor

Jessica Mintelowsky