Karibik Antillen: Umweltbewusstsein wächst

Die Pitons auf der Karibikinsel St. Lucia

Eines vorweg: Tourismus ist für die Antillen der wichtigste Wirtschaftszweig. Es wäre blauäugig zu glauben, dies bliebe ohne Folgen für die sensiblen Ökosysteme der Inseln. Landschaftsverbrauch durch Hotels und Golfplätze, Emissionen durch Fernflug und Klimaanlagen, Abfall und Abwasser - jeder Besucher hinterlässt Spuren. Doch das Bewusstsein für die Umwelt wächst. Sowohl bei Reisenden wie bei "Bereisten". "Sustainability", Nachhaltigkeit, heißt das neue Zauberwort. Sicher ist längst nicht alles grün, was mit dem Etikett Öko glänzen möchte. Aber warum sollte sich der politisch korrekte Trend nicht auch rechnen dürfen? Wegbereiter ist zweifellos St. Lucia, die Insel mit den spektakulärsten Naturschätzen: 13 Prozentder Fläche stehen hier als National Rainforest unter Schutz, die Gegend um Soufrière und die Pitons ist sogar Unesco-Welterbe. Ein ähnliches Potenzial hat Grenada, wobei hier der Wiederaufbau der Landwirtschaft nach den Wirbelstürmen von 2004 und 2005 im Vordergrund steht. Schwerer tut sich das dicht besiedelte Barbados, wo von ursprünglicher Naturlandschaft nicht viel übrig blieb.

 

ÜBERNACHTEN

Fond Doux Estate
Wohnen wie die Plantagenfürsten: Zehn wunderschön eingerichtete Cottages liegen verstreut auf dem Areal einer Kakaoplantage aus dem 19. Jh. Alles ist aus Holz, statt Air Condition gibt es Deckenventilatoren, und einfach jedes Detail stimmt. Die Häuschen für bis zu fünf Gäste haben große Balkone oder Veranden mit Blick ins Grüne, es gibt drei kleine Swimmingpools, zwei Restaurants und ein Spa, das ausschließlich einheimische Naturprodukte verwendet. Die Besitzer Lyton und Eroline Lamontagne legen Wert darauf, dass auch in den beiden Restaurants möglichst organisch angebautes Obst und Gemüse aus eigenem Anbau auf den Tisch kommt. Wer mag, kann beim Ernten und Verarbeiten der Kakaobohnen Hand anlegen - wie Prinz Charles und Lady Camilla bei ihrer Stippvisite 2008.

St. Lucia, Soufrière • www.fonddouxestate.com • 10 Cottages • €€€€

La Segesse Nature Center
Auf der stillen Seite Grenadas gelegen, ist das ehemalige Herrenhaus heute ein ideales Stranddomizil für naturverbundene Urlauber. Eingerahmt ist der dunkelsandige Hausstrand von Mangroven, Wald und Bachmündungen. Man kann die naturbelassene Umgebung zu Fuß erkunden, direkt vor der Haustür zu Schnorchel- und Tauchtouren aufbrechen oder einfach nur faulenzen und warten, was Küchenchefin Cecilia aus dem Fang des Tages zaubert.

Grenada, St. David’s • www.lasegesse.com • 12 Zimmer • €€€

SeaUGuesthouse
Die deutsche Reisejournalisten Uschi Wetzel hat schon viele Strände gesehen. Aber in die unverbaute Atlantikseite von Barbados verliebte sie sich spontan. Ihr kleines Hotel an der weiten Tent Bay baute sie im typisch barbadischen Stil aus tropischen Harthölzern. Die Zimmer und Suiten sind offen, luftig und hell, auf den Veranden sind Hängematten gespannt. Zum Meer sind es rund 100 m, zum Schwimmen ist das Wasser jedoch meist zu unruhig. Jeden Abend gibt es ein dreigängiges kreolisches Menü; alle Zutaten stammen von der Insel. Tipp: Die Suiten im zweiten Stock haben den schönsten Blick auf den weiten Ozean.

Barbados, Tent Bay, Bathsheba • www.seaubarbados.com • 7 Zimmer und Suiten • €€

 

ESSEN UND TRINKEN

Emerald’s Restaurant
Das Luxushotel Anse Chastenet hat, wovon andere nur träumen können: eine eigene biologisch kontrollierte Landwirtschaft. Auf der hauseigenen Plantage Anse Mamin werden Bananen, Avocados, Guaven, Papayas, Kokosnüsse, Tamarinden und Zitrusfrüchte angebaut. Im vegetarischen Restaurant Emerald’s werden Früchte und Gemüse angemessen zelebriert, angereichert mit Tofu und leckerem Ziegenkäse.

St. Lucia, Soufrière, Anse Chastenet  • www.ansechastenet.com • €€€

Belmont Estate
Die Plantage, auf der vor allem Muskatnuss, Kakao und Obst amgebaut werden, kann zuerst im Rahmen einer Führung besucht werden, bevor das karibische Mittagsbuffet eröffnet wird: Huhn, Lamm, Fisch, Gemüse - alles frisch und ökologisch korrekt angebaut, aufgezogen und gefischt.

Grenada, St. Patrick’s, Belmont • www.belmontestate.net • So−Fr 8−16 Uhr, Lunch ab 12 Uhr, Dinner nur mit Reservierung ab 10 Personen • €€

 

EINKAUFEN

Arawak Islands Ltd.
Alles rund um die Gewürze Grenadas: Naturkosmetika, Seifen, Lotionen, Öle und Parfüms aus Muskat, Vanille, Nelken, Kokosnuss oder Zimt – alles liebevoll handgemacht. Dazu gibt es eine reiche Auswahl von Küchengewürzen und scharfen Soßen, ganz ohne künstliche Zusätze. Allein schon Erlebnis für alle Sinne: Der Sitz des kleinen Unternehmens, wo Besucher bei Herstellung und Verpackung der Produkte zusehen dürfen.

Grenada, St. George’s, Frequente Industrial Park • www.arawak-islands.com

Grenada Chocolate Company
Die Schokoladen aus organisch-biologischem Kakaoanbau bringen es auf einen Kakaoanteil von bis zu 82 Prozent - kein Wunder, dass die Tafeln auch bei tropischen Temperaturen nicht gleich schmelzen. Das komplexe und beinahe fruchtige Aroma des Endprodukts ist nicht zu vergleichen mit Industrieware aus dem Supermarkt. Die kleine Fabrik ist für Besucher geöffnet; Mitarbeiter erklären gern den Verarbeitungsprozess. Probieren und einkaufen ist erwünscht.

Grenada, St. Patrick’s, Hermitage • www.grenadachocolate.com

 

AKTIVITÄTEN

Fregate Islands und Maria Islands
Vor der wenig besiedelten Ostküste St. Lucias lassen sich in den Sommermonaten auf den unter Naturschutz stehenden Fregate Islands große Kolonien von Fregattvögeln beobachten. Die eleganten Flugakrobaten haben eine Flügelspannweite von bis zu zwei Meter. Auch auf den vor dem Südkap gelegenen Maria Islands können Bird Watcher ihrem Hobby nachgehen; außerdem leben auf den ariden Flecken endemische (ungiftige) Schlangen, Geckos und eine prächtig gefärbte Eidechsenart.

St. Lucia, Castries, St. Lucia National Trust • www.slunatrust.org

Heritage Tours
Der Zusammenschluss einheimischer Veranstalter und Hoteliers mit kultureller und ökologischer Ausrichtung bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Tages- und Halbtagestouren rund um die Insel an. Besonders lohnend: "Turtle Watch" an der Grand Anse Bay, die nächtliche Beobachtung der riesigen, bis zu 700 Kilogramm schweren Lederschildkröten, die hier von März bis August zur Eiablage an Land kommen. Im Fond Latisab Creole Park gibt es interessante Einblicke in kreolisches Bio-Essen, z. B. in die Herstellung von Kassawabrot aus Maniok, das Kochen von Macamboublättern oder das Fangen von Flusskrebsen. Ein anderes Highlight: die schweißtreibende Besteigung des Gros Piton in Begleitung eines Führers aus der Rasta-Gemeinde Fond Gens Libre.

St. Lucia, Castries, La Clery, Heritage Tours • www.heritagetoursstlucia.org

National Rainforest
Sieben recht gut markierte Wanderwege erschließen den Regenwald von St. Lucia: Der vielleicht schönste ist der Barre de l’Isle Trail. Der beschilderte Startpunkt liegt direkt an der Straße von Castries nach Dennery, ca. 30 Autominuten von Castries entfernt. Die knapp dreistündige Wanderung (hin und zurück) durch üppige Tropenvegetation ist einfach, der Blick zum 950 Meter hohen Mount Gimie vom Aussichtspunkt Morne La Cambe phänomenal. Viel Glück braucht man, um dem Wappentier der Insel zu begegnen: Der endemische blau-grüne St. Lucia-Papagei macht sich im grünen Dickicht rar. Für die meisten anderen Wanderungen sollte man ortskundige Führer engagieren.

St. Lucia, Forestry Department • www.slumaffe.org

Sunday Hike
Die geführten Sonntagswanderungen im Hinterland von Barbados sind seit 1983 eine feste Einrichtung. Ehrenamtliche Guides des National Trust kennen die Insel wie ihren eigenen Vorgarten und haben unterwegs immer gute Storys auf Lager. Die rund dreistündigen Touren sind in vier Schwierigkeitsstufen eingeteilt, los geht es immer um 6 Uhr früh und um 15.30 Uhr. In Vollmondnächten findet zusätzlich ein Moonlight Hike statt (Taschenlampe mitnehmen!). Jeden Sonntag wird ein anderer Rundkurs angeboten - langweilig wird es also nie. Der Sunday Hike ist kostenlos, Spenden für den National Trust sind jedoch willkommen.

Barbados, Wildey, Wildey House, Barbados National Trust • www.trust.funbarbados.com

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Dieser Text von Robert Möginger ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Barbados und Kleine Antillen".
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