Ostasien Eine Reise durch China, Japan und Südkorea

MERIAN.de: Seit Oktober bereisen Sie China, Südkorea und Japan - nicht ganz typische Reiseländer für Individualtouristen. Warum gerade diese Länder?  
Aileen S.: Zum einen, weil ich das Reisen liebe. Außerdem war ich nach Ende meiner Schulzeit nicht sicher, wo und vor allem was ich studieren wollte. Es sollte daher eine Orientierungsreise sein, eine Selbstfindungsreise durch Länder, die mich aufgrund ihrer Kultur, ihrer Geschichte und ihrer Sprachen interessieren.

Sie kennen sich bereits erstaunlich gut mit japanischen Riten aus, wie man in Ihrem Blog lesen kann. Haben Sie eine besondere Beziehung zu Asien?
Seit einigen Jahren interessiere ich mich für den asiatischen Raum - die Sprachen, Bräuche, das alltägliche Leben, die Menschen und vor allem für ihre - einem "Westler" vielleicht seltsam scheinende - Denkweise. Seit zwei Jahren lerne ich japanisch, koreanisch seit einem halben Jahr, und mein Freund und Reisebegleiter durch China und die USA ist ein Chinese - deshalb auch die drei Länder China, Südkorea und Japan.

Woher haben Sie all das Wissen rund um die japanische Kultur?
Im Sommer 2010 hatte ich die Ehre, einen einmonatigen Schüleraustausch auf einer japanischen Schule in Tokio zu machen. Während des Austausches bin ich bei Gastfamilien untergekommen, die mir rund um Sitten und Sprache aktiv sowie passiv sehr viel beigebracht haben, was man vielleicht nie aus Büchern beziehungsweise dem Internet lernen könnte. Trotzdem fehlt es noch an jeder Menge Wissen, wie mir immer wieder bewusst wird. Es ist einfach eine komplett andere Kultur.

Viele Japan-Reisende fühlen sich oft vollkommen verloren aufgrund von sprachlichen aber auch kulturellen Verständigungsproblemen. Haben auch Sie Situationen erlebt, die Sie nicht einsortieren konnten?
Ich wusste relativ genau, was mich erwartete, da ich das Land bereits kenne. Vom Prinzip her würde ich aber sagen: Auf die Kultur muss man sich einfach einlassen. Das ist wie mit dem Oktoberfest in München. Entweder man ist von dem Treiben total schockiert oder man feiert mit. Kulturelle Offenheit ist aber auf jeden Fall nicht fehl am Platz. Sprachliche Verständigungsprobleme gibt es natürlich. Aber die Japaner sind ein unheimlich hilfsbereites Volk. Wenn man einen Funken Interesse an ihnen und ihrer Kultur zeigt, helfen sie einem so gut wie immer.

Reisen Sie allein?
Es war mir wichtig, diese Reise nicht alleine anzutreten. Meine Reisebegleitung für China und die USA ist mein Freund. Durch Südkorea und Japan war ich mit einer sehr guten Freundin unterwegs. Zwischendurch hatten wir immer wieder Besuch: Meine beste Freundin kam nach Seoul für zehn Tage und Freunde meines Freundes für eine Woche nach Japan. 

Fast alle China-Reisenden haben Angst, das Dinge auf ihrem Teller landen, die nicht unseren Essgewohnheiten entsprechen. Haben Sie schon einmal etwas serviert bekommen, das Sie nicht essen mochten?
Von Hühnerkrallen über Schweinenasen wurde mir tatsächlich vieles angeboten, aber nie wirklich allzu exotisches. Die meisten Menschen, mit denen wir gemeinsam beim Essen waren, kannten den europäischen Essensstil dank längerer Auslands-Aufenthalte und haben mir die chinesische Küche sehr geschickt und wahnsinnig geschmackvoll präsentiert.

Wie bestellt man in einem Restaurant? Reicht Ihr Chinesisch aus?
Mein Freund spricht fließend Mandarin. Daher konnte ich mich auf seine Hinweise verlassen: "Das würde ich essen und das da...keine Ahnung was das ist, also lieber nicht."

Welches Reiseziel hat Sie bislang am meisten begeistert?
Kyoto in Japan hat mich vollkommen fasziniert. Wir waren zwar nur knapp eine Woche in der ehemaligen Kaiserstadt Japans, aber es war eine der schönsten Wochen der Reise. Die Stadt versprüht noch den Flair des alten Japans und ist voll mit Tempeln, Schreinen und kleinen Gassen mit traditionellen japanischen Häusern. Meiner Meinung nach ein definitives Must-do für jeden, der Japan wirklich gesehen haben will.

Der schönste Schrein in Kyoto ist für mich der Fushimi-Inari-Schrein (伏見稲荷). Er ist berühmt für die tausenden roten Torbögen, die sich auf den Bergwanderweg hinter dem Schrein entlangreihen, und durch die man in einer zweistündigen Wanderung den Wald und die Natur, sowie die Aussicht über die Gegend genießen kann. Begeistert hat mich auch eine lokale Spezialität Kyotos: Yatsuhashi (八ッ橋), das sind kleine mit roten Bohnen-Erdbeeren-Schokolade-Kirschblüten-Pürree gefüllte Klebreisteigtäschchen, die man fast überall kaufen kann.

Gab es auch Orte, die Sie so schnell wie möglich wieder verlassen wollten?
Busan in Südkorea hat mich enttäuscht. Nach der aufgeweckten Hauptstadt Seoul und der wunderschönen Landschaft der Insel Jeju konnte Busan als Hafenstadt nicht mithalten. Man hatte uns Busan als wichtige touristische Sehenswürdigkeit angepriesen, aber interessant fanden wir es dort nicht. Hier glaubte ich, meine Reisezeit zu verschwenden.

Am Drei Schluchten Damm.
Eileen Sallinger
Am Drei Schluchten Damm.
Gibt es eine Begegnung, die Sie nicht so schnell vergessen werden?
Auf der Yangtze-Fluss-Fahrt in China war eine geführte Bustour um den Drei-Schluchten-Damm inbegriffen. Unser Tourguide erzählte viel über das Projekt, das um die 55 Milliarden US-Dollar gekostet haben soll. Und dass 1,4 Millionen Menschen für den Bau des Damms umgesiedelt wurden. Zwar mit einer Abfindung, aber um ihre Lebensgrundlage, den Ackerbau, wurden sie beraubt. Auch unser Tourguide und seine Familie haben ihre Heimat verloren. Und dann erzählte er, dass er dieses Jahr noch auf Befehl seiner Mutter heiraten muss. Mit Anfang 30 sei er schon viel zu spät dran. Es gäbe große Events, bei denen jeder Heiratswillige ein Plakat aufhängt mit Informationen über ihn: Alter, Einkommen, Arbeitgeber, ob er eine eigene Wohnung oder Haus habe, Verfügbarkeit eines eigenen Wagens ... praktisch alles. Man verkauft sich und seine Habe in die Ehe.

Er hat alles mir sehr viel Humor vorgetragen, den bitteren Unterton konnte man aber nicht überhören. Am Ende der Führung hat er gebeten, dass wir nicht ihm, sondern dem Busfahrer unser Trinkgeld geben sollten, weil der zum Überleben auf dieses Geld angewiesen sei. Diese zwei Stunden haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Vor allem, weil unser Führer wusste, dass diese Informationen nicht für Touristen-Ohren bestimmt waren - alles andere als legal. Er bewegte sich auf sehr dünnem Eis.

Gab es andere unvergessliche Momente? 
Die Kälte in Seoul während der Wintermonate. Als Reisender ist man auch im Winter öfter draußen unterwegs und die kalten Winde, die schneesturmartigen Niederschläge und die Eiseskälte haben uns Mitte Dezember bis Mitte Januar jedes mal aufs Neue schockiert. Obwohl uns alle gewarnt hatten, wie kalt Seoul im Winter sei, waren wir alle überrumpelt.  

Was sollte ein Reisender in diesen Ländern unbedingt gesehen oder gemacht haben? 
In China muss man "Die drei Schluchten" besuchen, die Steingärten von Suzhou sehen und Pekingente essen. In Südkorea den Ort Jeju-do mit dem Fahrrad erkunden. Und in Seoul mit Freunden in einer Makgeolli-Bar aus dem traditionellen Makgeolligeschirr trinken. In Japan unbedingt nach Kyoto fahren, einmal die Rush Hour in Shinjuku in Tokyo erleben und Okonomiyaki, ein typisch japanisches Gericht, essen gehen. Und in den USA darf ein Trip mit dem Auto auf dem Pacific Coast Highway zwischen San Francisco und Los Angeles mit dem Auto nicht fehlen.  

Im Moment reisen Sie durch die USA. Was machen Sie, sobald Sie zurück in der Heimat sind?
Studieren. Wahrscheinlich zunächst Japanologie, dann Koreanologie an der Universität Wien. Die nächste Japan-Südkorea-Reise ist auch schon in Planung.

Autor:
Eva Karnowski