Usbekistan

Wissenswertes über Usbekistan

Das Land erstreckt sich vom 200 Meter hohen wüstenhaften Ustjurt-Plateau im Westen über den Aralsee bis zum Ferganatal im Osten. Mehr als zwei Drittel des Landes werden von der Wüste Kysylkum ("roter Sand") eingenommen, die von tiefen Senken durchzogen und von bis zu 900 Meter hohen Bergmassiven überragt wird. Im Süden schließt sich der Nordteil der Wüste Karakum ("schwarzer Sand") an die Kysylkum an. Im Osten greifen Ausläufer des Alai und Tian Shan, die das vom Syrdarja durchflossene Ferganatal umschließen, ins Land. Die Gipfel des Gissargebirges im Südosten erreichen Höhen über 4000 Meter.

Ackerbau ist nur in den Oasen und auf den weiten Bewässerungsflächen in den Tälern von Amudarja, Syrdarja und Serawschan möglich. Die massive Wasserentnahme führt allerdings zu einer rasch fortschreitenden Austrocknung und Versalzung des Aralsees. Nur noch in sehr niederschlagsreichen Jahren erreicht der Amudarja das einst fischreiche Binnenmeer.

Das Klima Usbekistans ist kontinental und sehr trocken. Die in den Wintermonaten fallenden, spärlichen Niederschläge schwanken in den Wüsten zwischen 60 und 150 mm jährlich, nur im Hochgebirge fallen bis zu 1000 mm. Die Winter sind kurz und kalt, die Sommer lang und heiß bei mittleren Temperaturen um 30 Grad.

Etwa drei Viertel der Einwohner sind Usbeken; mit jeweils etwa fünf Prozent stellen Russen und Tadschiken die größten nationalen Minderheiten. Einen Sonderstatus genießen die etwa 450.000 mit den Kasachen verwandten Karakalpaken. Ihr Siedlungsgebiet südlich des Aralsees wurde 1932 zur Autonomen Republik erklärt.

Usbekistan gehört zu den bevölkerungsreichsten mittelasiatischen Staaten. Die Hauptstadt Taschkent ist mit mehr als zwei Millionen Einwohnern die größte Stadt Zentralasiens. Dank eines gut ausgebauten Bildungswesens sind weniger als fünf Prozent der Bevölkerung Analphabeten.

Usbekistan ist nach der inzwischen revidierten Verfassung von 1992 eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt ist der für sieben Jahre direkt gewählte Präsident, der über weitreichende Vollmachten verfügt. Eine einmalige direkte Wiederwahl ist zulässig. Der Präsident ernennt das Kabinett und den Ministerpräsidenten. Die Ernennung muss vom Parlament bestätigt werden. Das Zweikammerparlament besteht aus der Gesetzgebenden Kammer mit 120 für fünf Jahre gewählten Abgeordneten und dem Senat mit hundert Mitgliedern, von denen 84 aus den Regionalparlamenten entsandt und 16 vom Präsidenten ernannt werden. Wichtige Parteien sind die Liberaldemokratische Partei, die Volksdemokratische Partei (die frühere Kommunistische Partei) sowie die Nationaldemokratische Partei Selbstaufopferung. Sie sind alle dem Präsidenten gegenüber loyal. Eine wirkliche Opposition existiert nicht.

Die tragenden Säulen der vom Staat dominierten Wirtschaft sind der ausschließlich mit künstlicher Bewässerung betriebene Baumwollanbau sowie die Erdgasförderung. Usbekistan ist auf hohe Nahrungsmitteleinfuhren angewiesen. Züchter von Karakulschafen und Seidenraupen beliefern die Teppich-, Pelz- und Textilindustrie. Weitere Industriezweige sind die Nahrungsmittel- und die chemische Industrie (Kunstdüngerproduktion). Das Land ist reich an Bodenschätzen; außer Erdgas und Erdöl werden vor allem Gold, Buntmetalle und Braunkohle gefördert. Der Tourismus ist trotz kulturhistorischer Sehenswürdigkeiten (Samarkand, Buchara, Chiwa, Taschkent an der Seidenstraße) noch wenig entwickelt.

Das Verkehrsnetz ist relativ dicht, aber veraltet. Die teils elektrifizierten Eisenbahnstrecken verbinden Usbekistan mit der Transsibirischen Eisenbahn und dem Kaspischen Meer. Durch die Binnenlage ist der Außenhandel mit hohen Transportkosten verbunden.

Das Gebiet des heutigen Staates stand in der Antike unter wechselnden Herrschaften. Im 7. Jahrhundert drangen Araber ein, die den Islam mitbrachten. Im 13. Jahrhundert setzte die mongolische Eroberung ein. Der Mongolenherrscher Timur machte Samarkand im 14. Jahrhundert zum Zentrum seines Reiches. Seit dem 15. Jahrhundert drangen von Norden die Usbeken, die ihren Namen vom Mongolenchan Usbek (Özbeg) ableiteten, in das Gebiet vor. Sie gründten seit Ende des 16. Jahrhunderts die Chanate Buchara, Chiwa und Kokand.

Im 19. Jahrhundert fiel Usbekistan unter russische Herrschaft. 1924 wurde die Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik gegründet, aus der 1929 die Tadschikische Sozialistische Sowjetrepublik ausgegliedert wurde. Nationale Bestrebungen konnten sich erst in den achtziger Jahren wieder entfalten.

1991 erklärte Usbekistan unter Führung von Islam A. Karimow seine Unabhängigkeit und wurde Mitglied der GUS. Karimow errichtete ein autoritäres Präsdialregime, das oppositionelle Strömungen unterdrückte. Im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Krieg räumte Usbekistan 2001 US-amerikanischen Truppen Stationierungsrechte ein (bis 2005). 2002 wurden in Usbekistan auch deutsche Soldaten zur logistischen Unterstützung des Isaf-Einsatzes in Afghanistan stationiert.

2004 verschärften Selbstmordanschläge islamischer Terroristen das innenpolitische Klima. Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und oppositionellen Aufständischen in Andishan im Osten von Usbekistan forderten 2005 zahlreiche Todesopfer. Das rigorose Vorgehen gegen die Opposition verschlechterte die Beziehungen zu den USA und zur EU. Im selben Jahr schloss Usbekistan einen militärischen Beistandspakt mit Russland. Karimow ließ sich 2007 erneut zum Präsidenten wählen. Die Wahlen verfehlten weit gehend demokratische Standards.