Saudi-Arabien

Wissenswertes über Saudi-Arabien

Natur und Klima:

Saudi-Arabien umfasst rund drei Viertel der Arabischen Halbinsel, die ein riesiges Tafelland bildet, das sich nach Nordosten zum Persischen Golf in Schichtstufen abdacht. Abgesehen von den schmalen Küstenstreifen und wenigen Oasen besteht das Land aus Wüste und Wüstensteppe. Im Süden und Südosten erstreckt sich die mehr als 700.000 Quadratkilometer große Arabische Sandwüste oder arabisch Rub al-Khali ("das leere Viertel"), das größte geschlossene Sanddünenmeer der Erde. Über die Wüste Dahna ist sie mit der im Norden liegenden roten Sandwüste Nafud verbunden.

Nach Westen steigt das von steilwandigen, abflusslosen Senken durchzogene Hochplateau Nadjd mit Stein- und Kieswüsten auf Höhen zwischen 600 und 1000 Meter an. Noch weiter westlich durchziehen das Bergland Hedjas (im Norden) und das bis über 3000 Meter aufragende Asirgebirge (im Süden) das Land, das steil zum schwülheißen schmalen Küstenstreifen Tihamah am Roten Meer abfällt. Die Küstenabschnitte sind vielerorts von Korallenriffen gesäumt.

Trockenheißes Wüstenklima:

Mit Ausnahme der heißen, unangenehm schwülen Küstenstriche ist das Klima trockenheiß. Im Jahresdurchschnitt liegen die Niederschläge auch an der Küste unter 100 mm. Im Landesinnern fällt oft jahrelang kein Regen. Nur im Asir ist es mit Jahresniederschlägen von 600 mm feuchter. Im Norden fallen die spärlichen Niederschläge im Winter, im Süden im Sommer. Die Temperaturen sind das ganze Jahr über hoch; im Landesinneren werden Tagestemperaturen über 50 Grad erreicht.

Bevölkerung:

Die Bevölkerung konzentriert sich auf die Städte und die wenigen Oasen. Noch immer leben rund 30 Prozent als Nomaden oder Halbnomaden. Rund ein Viertel der Bevölkerung sind Ausländer; sie stammen vor allem aus den Philippinen, Bahrain, Ägypten, Jemen, Jordanien und Pakistan und sind als Gastarbeiter tätig. Das Bevölkerungswachstum gehört mit durchschnittlich 2,9 Prozent pro Jahr zu den höchsten weltweit. Eine allgemeine Schulpflicht besteht nicht; den Mädchen ist der Schulbesuch erst seit 1960 erlaubt. Die Analphabetenquote beträgt 23 Prozent, obwohl der Unterricht kostenlos ist. Der Islam sunnitischer (wahhabitischer) Richtung als Staatsreligion bestimmt weitgehend das gesellschaftliche Leben.

Staat und Politik:

Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie, die keine geschriebene Verfassung besitzt. Der König steht gleichzeitig an der Spitze der legislativen und exekutiven Gewalt. Er ist nominell auch geistliches Oberhaupt. Die Mitglieder des Ministerrates und des beratenden 150-köpfigen Konsultativrates werden vom König alle vier Jahre ernannt. Parteien und Gewerkschaften sind verboten.

Wirtschaft und Verkehr:

Der Reichtum Saudi-Arabiens beruht auf dem Erdöl. Mit über 32 Milliarden Tonnen sicherer Vorkommen besitzt das Land 25 Prozent aller bekannten Weltreserven und ist noch vor Russland und den USA der größte Erdölproduzent der Welt. Der größte Teil der Einnahmen aus dem Export (Saudi-Arabien ist mit Abstand größter Erdölexporteur) wird für die Industrialisierung verwendet. Außer Erdölraffinerien, petrochemischen Werken und Meerwasserentsalzungsanlagen gibt es Stahlwerke und eine Baustoffindustrie, aber nur wenig Konsumgüterhersteller.

Nur ein Prozent der Staatsfläche ist mit Hilfe künstlicher Bewässerung ackerbaulich nutzbar. Angebaut werden unter anderem Weizen, Gemüse und vor allem Dattelpalmen. Von wirtschaftlicher Bedeutung ist der Pilgerverkehr nach Mekka und Medina. Erst seit 1999 sind geführte Gruppenreisen aus dem westlichen Ausland möglich.

Saudi-Arabien verfügt über ein weitmaschiges, aber gut ausgebautes Straßennetz. Nach Bahrain im Persischen Golf besteht eine Brückenverbindung. Die wichtigste Eisenbahnlinie verbindet Riad mit Dammam. Von großer Bedeutung ist das dichte Netz von Erdöl- und Erdgaspipelines, das weiter ausgebaut wird.

Geschichte:

Das Wahhabitenreich:

Mitte des 15. Jahrhunderts hatten sich in der Nähe von Riad die Vorfahren der heute regierenden Dynastie Saud angesiedelt und eine kleine Herrschaft gebildet. Mohammed Ibn Saud (1726-1766) einte im Zusammenwirken mit dem islamischen Religionsgelehrten Mohammed Bin Abd al-Wahhab die zersplitterten Stämme des Nadjd im Zentrum der Arabischen Halbinsel. Das Osmanische Reich beendete 1818 zunächst die Wahhabitenherrschaft.

Das Königreich Saudi-Arabien:

Bin Saud Abd al-Aziz III. gelang es seit 1902, das Reich im Nadjd neu zu errichten. Mitte der zwanziger Jahre eroberte er auch das Hedjas mit den Pilgerstätten Mekka und Medina und vereinigte 1932 beide Herrschaften zum Königreich Saudi-Arabien. Nach dem Tod Bin Sauds 1953 bestieg sein Sohn Saud den Thron. Er musste 1964 zugunsten seines Bruders Faisal II. abdanken, der 1975 ermordet wurde. Unter den Nachfolgern Chaled Bin Abd al-Aziz und Fahd Bin Abd al-Aziz erhöhte das Land durch seinen enormen Ölreichtum sein außenpolitisches Gewicht.

2005 verstarb König Fahd. Der bisherige Kronprinz Abdullah Bin Abd al- Aziz, der bereits seit 1996 die Amtsgeschäfte für den erkrankten Fahd geführt hatte, wurde neuer König. Die Instabilität im Nachbarland Irak sowie die Bedrohung durch fundamental-islamische Strömungen entwickelten sich in jüngster Zeit zu den Hauptproblemfeldern für die saudische Politik.

 


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