Kirgisistan

Wissenswertes über Kirgisistan

Natur und Klima:

Kirgisistan (oft auch Kirgistan oder Kirgisien) ist ein ausgesprochenes Hochgebirgsland. Fast die Hälfte der Landesfläche liegt höher als 3000 Meter, mehr als drei Viertel höher als 1500 Meter. Der Norden und Osten werden von den zum Teil vergletscherten mittleren und westlichen Gebirgsketten des Tian Shan eingenommen, die im Pik Pobedy mit 7439 Meter die höchste Erhebung des Landes bilden. Dazwischen sind breite Täler und trockene Beckenlandschaften (Tschu- und Talastal, Issyk-Kul-Becken) eingeschoben. Im Südwesten hat Kirgisistan einen kleinen Anteil am vom Syrdarja durchflossenen Ferganabecken. Südlich davon erheben sich die ebenfalls vergletscherten, vom Alaital getrennten Gebirgsketten des Alai und Transalai.

Kontinentales Gebirgsklima:

Wegen des streng kontinentalen Trockenklimas nehmen Steppen, Halbwüsten und Wüsten etwa die Hälfte des Landes ein. Nennenswerte Niederschläge erhalten nur die teils bewaldeten Nord- und Westflanken der Gebirgshänge. In den Hochlagen der Gebirge folgt oberhalb von alpinen Matten die Zone des ewigen Eises. Im Ferganatal herrscht subtropisches Klima.

Bevölkerung:

Die Kirgisen, ein Turkvolk, machen heute 65 Prozent der Bevölkerung aus; vor der Unabhängigkeit waren es nur etwa 50 Prozent. Viele Russen (heute 12,5 Prozent) und Ukrainer haben das Land seitdem verlassen. Auch die meisten unter Stalin zwangsangesiedelten Deutschstämmigen sind in den vergangenen Jahren ausgewandert. Zwischen Kirgisen und Usbeken, mit knapp 14 Prozent die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe, kam es wiederholt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Kirgisen und Usbeken bekennen sich mehrheitlich zum Islam sunnitischer Richtung; viele Russen sind orthodoxe Christen. Das Bildungswesen ist trotz knapper Kassen gut ausgebaut; mit mehr als 96 Prozent ist der Alphabetisierungsgrad sehr hoch.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 2007 ist Kirgisien eine präsidentiell-parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der Präsident, der für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählt wird. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. An der Spitze der Regierung steht der Ministerpräsident, der vom Parlament bestimmt wird. Die Legislative, das Einkammerparlament, hat 90 Abgeordnete (Legislaturperiode fünf Jahre). Wichtigste Partei ist Ak Schol ("Heller Pfad"), die Partei des Präsidenten.

Wirtschaft und Verkehr:

Nach Tadschikistan ist Kirgisien der ärmste GUS-Staat. Obwohl nur rund sieben Prozent der Landesfläche als Ackerland genutzt werden können, ist die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig. In den Tälern und bewässerten Beckenlandschaften werden Baumwolle, Weizen, Tabak, Obst und Zuckerrüben angebaut. Bedeutender ist die Viehwirtschaft, insbesondere die überwiegend nomadisch betriebene Schaf- und Ziegenhaltung, die vor allem der Wollgewinnung dient. Auch die Seidenraupenzucht spielt eine Rolle.

Wichtige Industriezweige sind die Nahrungsmittelverarbeitung und die Textilindustrie, in der die heimische Baumwolle, Wolle und Seide verarbeitet werden. Bergbaulich genutzt werden die Antimon- und Goldvorkommen im Ferganabecken. Große Bedeutung hat die Erzeugung von Elektroenergie aus Wasserkraft.

Das Verkehrsnetz ist bedingt durch die ungünstigen Geländeverhältnisse unterentwickelt; die Straßenpässe liegen oft höher als 3000 Meter. Von Issyk-Kul führt eine 370 Kilometer lange Eisenbahnstrecke über Bischkek nach Kasachstan. Große Bedeutung hat der Luftverkehr.

Geschichte:

Russische Herrschaft:

Kirgisische Stämme kamen in größerer Zahl erst ab dem 10. Jahrhundert n. Chr. in die Region, die zu Beginn des 13. Jahrhunderts von den Mongolen erobert wurde. Seit dem 19. Jahrhundert gehörte das kirgisische Gebiet zum Herrschaftsbereich des Chanats von Kokand. Mit der Annexion Kokands 1876 kamen die Kirgisen endgültig unter die Herrschaft des russischen Zarenreichs. 1916 nahmen sie an dem großen antirussischen Aufstand in Mittelasien teil. 1918 wurde Kirgisien Teil der Turkestanischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik. 1926 wurde die Kirgisische ASSR im Rahmen der RSFSR gebildet; sie erhielt 1936 den Status einer Unionsrepublik. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine verstärkte Russifizierung ein. Nationale Bestrebungen konnten sich erst in den späten achtziger Jahren regen.

Unabhängigkeit:

1990 wurde Askar Akajew Staatsoberhaupt der Unionsrepublik. Unter seiner Führung erklärte sich Kirgisien am 31. August 1991 für unabhängig. Es wurde auch Mitglied der GUS. Von Akajew eingeleitete marktwirtschaftliche Reformen sollten die desolate ökonomische Lage verbessern. 1995 wurde er erneut zum Staatsoberhaupt gewählt. Auseinandersetzungen mit islamistischen Rebellen aus Tadschikistan bedrohten seit 1999 die Sicherheit des Landes. Gleichzeitig verfiel Akajew in einen zunehmend autoritären Regierungsstil. In dem Jahr 2000 bestätigte ihn die Bevölkerung dennoch wieder im Präsidentenamt.

Nach den von Manipulationen begleiteten Parlamentswahlen brachen 2005 Unruhen aus, die zum Sturz Akajews führten. Nachfolger wurde Kurmanbek S. Bakijew. Er sah sich nach neuerlichen Unruhen 2006 gezwungen, eine Verfassung zu unterzeichnen, die die Rechte des Staatsoberhauptes reduzierte. Durch vom Parlament verabschiedete Verfassungsrevisionen konnte er seine Rechte aber teilweise zurückgewinnen. Das Verfassungsgericht verwarf 2007 die Grundgesetzänderungen des Vorjahrs. Nach der Annahme einer neuen Verfassung im Oktober 2007 per Referendum löste der Präsident das Parlament auf und setzte Neuwahlen an, die von seiner Partei Ak Schol gewonnen wurden.


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