Bhutan

Wissenswertes über Bhutan

Natur und Klima:

Das Königreich im Norden des indischen Subkontinentes ist ein schwer zugängliches Gebirgsland an der Südabdachung des östlichen Himalayas. Im Norden bildet der Hohe Himalaya mit seinen über 7000 Meter hohen Gipfeln und mächtigen Gletschern die Grenze zu China. Nach Süden schließt sich der üppig bewaldete Vorderhimalaya mit Höhen zwischen 2000 und 5000 Meter an. Die Flüsse haben hier tiefe und breite in Nord-Süd-Richtung verlaufende Täler geschaffen. An der Südgrenze liegt als schmaler Streifen die von tropischen Regenwäldern bedeckte Duar-Ebene mit den Siwalikketten.

Das Klima reicht vom subtropischen Monsunklima in der Duar-Ebene über kühlgemäßigte Zonen im zentralen Landesinneren bis zum rauen, stürmischen und kalten Hochgebirgsklima im Norden. Die Niederschläge fallen überwiegend von Juni bis Oktober, oberhalb von 5000 Meter ganzjährig als Schnee.

Bevölkerung:

Der Großteil der Bevölkerung ist tibetischer Abstammung und lebt in Zentralbhutan, dem kulturellen und religiösen Zentrum. Touristen, die nur in beschränkter Zahl zugelassen werden, dürfen die heiligen Stätten nicht stören und Zuwanderer sich nicht in ihrer Nähe ansiedeln. Deshalb bewohnen die aus Nepal stammenden hinduistischen Lhotshampas den Süden des Landes.

Die Bevölkerungsmehrheit lebt in Dörfern oder Streusiedlungen. Der Lebensstandard ist niedrig, Hunger jedoch weitgehend unbekannt. Durch den Ausbau des Bildungs- und Gesundheitswesens konnte die Alphabetisierungsrate und die Lebenserwartung spürbar erhöht werden.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung vom 18. Juli 2008 ist Bhutan eine konstitutionelle Monarchie. Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Armee ist der König (Druk Gyalpo, "Drachenkönig"). Bei Verstößen gegen die Verfassung kann der Monarch vom Parlament und durch ein Referendum seines Amtes enthoben werden. Der König muss spätestens mit Erreichen des 65. Lebensjahres zurücktreten. Er ernennt den Premierminister und auf dessen Vorschlag hin die übrigen Kabinettsmitglieder.

Das Zweikammerparlament besteht aus der Nationalversammlung (Unterhaus) mit maximal 55 (zurzeit 47) Abgeordneten und dem Nationalrat (Unterhaus) mit 25 Mitgliedern, von denen 20 in den Distrikten gewählt und fünf vom König ernannt werden. Beide Kammern haben eine fünfjährige Legislaturperiode. Wichtige Parteien sind die royalistischen Gruppierungen Druk Phuensum Tshogpa (DPT, Partei für Frieden und Wohlstand) und People's Democratic Party (PDP).

Gemessen an ökonomischen Größen gehört Bhutan zu den armen und wenig entwickelten Staaten. Der mit Abstand wichtigste Wirtschafts- und Handelspartner ist Indien. Die Wirtschaft basiert auf der Landwirtschaft; die kleinbäuerlichen Familienbetriebe dienen überwiegend der Selbstversorgung. Die Anbauflächen liegen stellenweise bis in 4000 Meter Höhe. In niedrigen Lagen wird Reis, ansonsten vor allem Mais, Weizen, Hirse und Gerste angebaut. Bei der Viehzucht dominiert in den Höhen über 2000 Meter das Yak.

Die wertvollsten Ressourcen des Landes liegen in den Waldbeständen und der reichlich vorhandenen Wasserkraft. Strom ist das bedeutendeste Exportprodukt. Die Erlöse fließen in die Entwicklung der Landwirtschaft und den Ausbau der Infrastruktur. Besonders das Verkehrsnetz ist noch lückenhaft. Noch immer sind Lasttiere wichtige Transportmittel. Die erste befestigte Straße wurde erst 1961 angelegt. Darüber hinaus wird eine flächendeckende Stromversorgung angestrebt, um den Einschlag von Brennholz deutlich zu vermindern. Zum Schutz der Wälder unterliegt die Holzwirtschaft strengen Auflagen.

 

Geschichte

Entwicklung bis zur Reichseinigung:

 

Archäologische Funde belegen, dass die Region seit 4000 Jahren besiedelt ist, doch liegt die Geschichte Bhutans bis zum 7./8. Jahrhundert weitgehend im Dunkeln. Im 8. Jahrhundert hielt der Buddhismus Einzug. Vom 9./10. Jahrhundert bis zum 17. Jahrhundert rivalisierten mehrere unabhängige Fürstentümer auf dem Gebiet des heutigen Staates. Im 17. Jahrhundert gelang es dem von Tibet nach Bhutan geflüchteten Drupka-Lama Ngawang Namygal eine theokratische Herrschaft nach tibetischem Vorbild zu errichten.

Bhutans Weg in der Neuzeit:

Außenpolitisch geriet Bhutan im 18. und 19. Jahrhundert in Konflikt mit britischen Expansionsbestrebungen. In dieser Phase brachen auch jahrzehntelange Auseinandersetzungen zwischen geistlichen und weltlichen Führern um die Vormachtstellung im Staat aus. Schließlich setzte sich die Wangchuk-Dynastie durch, 1907 löste die erbliche Monarchie die Theokratie als Staatsform ab.

1910 wurde Bhutan britisches Protektorat. Großbritannien gewährte dem Land innere Autonomie und militärischen Schutz, bestimmte dafür aber die Außenpolitik. Nach dem Rückzug der Briten aus der Region wurden diese Verpflichtungen 1949 von Indien übernommen.

In dem nun unabhängigen Bhutan leitete Jigme Dorji Wangchuk (1952-1972) innenpolitische Reformen und eine außenpolitische Öffnung ein. Sein Nachfolger Jigme Singhye Wangchuk setzte die vorsichtige Modernisierungspolitik auf Basis der Staatsphilosophie der sogenannten Gross National Happiness ("Bruttosozialglück") fort.

Blutige Unruhen erschüttern das Land Anfang der neunziger Jahre:

Religiös-ethnische Spannungen zwischen dem buddhistischen Staatsvolk und hinduistischen beziehungsweise nepalesischen Bevölkerungsgruppen führten zu einer Massenflucht nach Nepal und Indien. Ende der neunziger Jahre begann der König mit einem nachhaltigen Demokratisierungsprozess. 2005 konnte der Entwurf einer neuen Verfassung (Einführung der konstitutionellen Monarchie) vorgestellt werden. Jigme Singhye Wangchuk dankte 2006 ab und legte die Macht in die Hände seines Sohnes Jigme Khesar Namgyel Wangchuk. Bei den ersten demokratischen Wahlen zur neuen Nationalversammlung im März 2008 gewann die DPT 44 von 47 Sitzen.

 


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