Bangladesch

Wissenswertes über Bangladesch

Natur und Klima:

Bangladesch liegt im Bereich des Unterlaufs und Zusammenflusses von Ganges und Brahmaputra sowie ihres riesigen Mündungsdeltas. Es umfasst den östlichen Teil des Tieflandes von Bengalen, das nur geringe Höhenunterschiede aufweist und größtenteils nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegt. Lediglich im Südosten des Landes steigen die Chittagong-Berge - Ausläufer der südostasiatischen Faltengebirge - bis auf etwa 1000 Meter Höhe an. Im Süden geht das Tiefland in eine stark gegliederte Seichtwasserküste mit ausgedehnten Sumpfgebieten (Sundarbans) und riesigen Mangrovenwäldern über (Weltnaturerbe seit 1997).

Ingesamt sind nur noch 15 Prozent der Landesfläche bewaldet. Die ursprüngliche Pflanzen- und Tierwelt wurde durch die Erweiterung landwirtschaftlicher Nutzflächen entweder vernichtet oder in kleine siedlungsferne Refugien verdrängt. Immergrünen Regenwald gibt es in den Chittagong-Bergen sowie in Resten im Landesinnern.

Vom Monsun geprägt:

Das subtropische Klima ist gekennzeichnet durch die beständig wehenden Monsunwinde. Der Nordostmonsun sorgt in den Wintermonaten (November bis März) für trockene Luft und Durchschnittstemperaturen von 19 Grad. In den heißen Sommermonaten mit Temperaturen von 28 und 40 Grad liegt das Land im Einflussbereich des Regen bringenden Südwestmonsuns (Juni bis Oktober). In nahezu jedem Landesteil fallen mehr als 1500 mm Jahresniederschlag, in den östlichen Gebieten zum Teil bis 5000 mm.

Fluch und Segen der Überschwemmungen:

Da der Regen bringende Sommermonsun und die Hochwasser von Ganges und Brahmaputra, die Schmelzwasser aus dem Himalaya bringen, zur gleichen Jahreszeit einsetzen, kommt es regelmäßig zu Überflutungen. Ihnen verdankt das von zahlreichen Flussläufen und Mündungsarmen durchzogene Tiefland seine fruchtbaren Böden.

Durch zunehmendes Abholzen großer Waldflächen im Gebirge und der dadurch verursachten Bodenerosion werden jedoch mit den Fluten große Schlammmassen in die Tiefebene transportiert, so dass die Flüsse versanden. Vor allem während der Schneeschmelze im Hochgebirge können sie die gewaltigen Wassermassen nicht mehr aufnehmen und treten immer weiter über die Ufer. Wenn dann tropische Wirbelstürme (Zyklone), die über dem Golf von Bengalen entstehen, meterhohe Flutwellen ins Landesinnere treiben, kommt es immer wieder zu Hochwasserkatastrophen. Der unter dem Klimawandel beobachtete Anstieg des Meeresspiegels verschärft noch die Ausmaße der Katastrophen.

Bevölkerung

Bangladesch ist der am dichtesten besiedelte Flächenstaat der Welt. Schon in früheren Zeiten lebten in der Region viele Menschen, doch erst nach dem Ende der britischen Kolonialzeit setzte ein rasantes Bevölkerungswachstum ein, das sich bis heute fortsetzt. Durch die zwischenzeitlich eingeleiteten Programme zur Familienplanung konnte zwar die Geburtenrate je 1000 Einwohner von 35 (1993) auf 25 (2006) gesenkt werden, doch sorgt der hohe Anteil von jungen Menschen für weiter steigende Geburtenzahlen.

Überbevölkerung als Kernproblem:

Schon heute lebt fast die Hälfte der Bewohner unter dem Existenzminimum; eine ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln ist kaum noch gewährleistet. Zunehmend erhoffen sich die Menschen eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen durch Abwanderung in die wenigen Städte. Zwar leben noch etwa drei Viertel der Bevölkerung in ländlichen Gebieten, doch gehört die Hauptstadt Dhaka mittlerweile zu den am schnellsten wachsenden Städten der Welt. Für die Mehrzahl der Neuankömmlinge gibt es dort jedoch weder ausreichend Arbeitsplätze noch genügend Wohnraum. Aus Mangel an Anbauflächen werden auch zunehmend die überschwemmungsgefährdeten Tieflagen kultiviert und besiedelt, so dass das regelmäßig auftretende Hochwasser oft katastrophale Folgen hat.

Bildung:

Das Bildungswesen ist aufgrund jahrzehntelanger Versäumnisse und angesichts der enormen Bevölkerungszunahme sehr lückenhaft. Zwar besteht eine allgemeine, kostenfreie fünfjährige Schulpflicht ab dem sechsten Lebensjahr, doch liegen Einschulungsraten - unter anderem wegen der immer noch verbreiteten Kinderarbeit - nur bei etwa 75 Prozent; entsprechend hoch ist die Analphabetenrate. Auf die Grundschulzeit folgt eine siebenjährige Sekundar- sowie eine vier- bis fünfjährige Tertiärstufe an Colleges und Universitäten. Außer staatlichen gibt es private Erziehungseinrichtungen und islamische Religionsschulen (Madrasahs).

Staat und Politik

Nach der 1991 revidierten Verfassung ist Bangladesch eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der für maximal zwei Amtszeiten von je fünf Jahren vom Parlament gewählte Präsident, der repräsentative Aufgaben hat. Das Parlament, die Nationalversammlung, hat 300 Abgeordnete, die für fünf Jahre direkt gewählt werden. Die vom Premierminister geleitete Regierung ist als Exekutive dem Parlament verantwortlich. Führende Parteien sind die rechtskonservative, proislamische Bangladesh Nationalist Party (BNP) und die gemäßigt sozialistische Awami-Liga (AL). An der Spitze des Gerichtswesens steht der Oberste Gerichtshof (Supreme Court) in Dhaka.

Wirtschaft und Verkehr

Das einst "Goldene Bengalen" erlitt während der Kolonialzeit einen wirtschaftlichen Niedergang, von dem sich das Land bis heute nicht erholt hat. Rohstoffmangel, Überbevölkerung, fehlende Infrastruktur und eine unterentwickelte Industrie bilden einen wirtschaftlichen Teufelskreislauf, aus dem sich Bangladesch mit eigener Kraft nicht befreien kann. Da die wirtschaftlichen Probleme zusätzlich durch die regelmäßig auftretenden Naturkatastrophen verschärft werden, ist das Land trotz des jährlichen Wirtschaftswachstums von etwa sechs Prozent auf internationale Finanzhilfen und die Geldüberweisungen der im Ausland lebenden Bangladescher angewiesen.

Dominierende Landwirtschaft:

Wichtigster Wirtschaftssektor ist die Landwirtschaft. Insgesamt werden zwei Drittel der Gesamtfläche agrarisch genutzt, der Großteil davon entfällt auf den Anbau von Reis, dem wichtigsten Grundnahrungsmittel. Zwar ermöglichen das Klima und die fruchtbaren Böden zwei bis drei Ernten im Jahr, doch sind die Erträge insgesamt wenig ergiebig, da die Anbauflächen stark parzelliert sind und darüber hinaus mit häufig veralteten Methoden ohne Maschineneinsatz bewirtschaftet werden. Zudem vernichten Überschwemmungen immer wieder die Ernte und vereiteln damit das Bestreben, von Nahrungsmittelimporten unabhängig zu werden. Für den Export wird vor allem Jute angebaut; Bangladesch ist weltweit der größte Produzent von Jutefasern.

Schlechte Rahmenbedingungen für die Industrie:

Dem rohstoffarmen Bangladesch bieten sich nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur industriellen Entwicklung, die sich daher auf die Verarbeitung von Agrarprodukten konzentriert. Auf die Textil- und Bekleidungsindustrie entfallen insgesamt drei Viertel der Warenausfuhr. Die Erdgasvorkommen im Osten des Landes decken einen Teil des Energiebedarfs und erlaubten den Aufbau einer petrochemischen Industrie.

Verkehr zu Wasser:

Bangladesch ist infrastrukturell schlecht erschlossen und die ohnehin unzureichenden Straßen- und Eisenbahnverbindungen sind während der Monsunzeit häufig unterbrochen. Hauptverkehrswege für Menschen und Güter sind die über 8000 Kilometer schiffbaren Wasserläufe.

Geschichte

Bengalen:

Die Geschichte des heutigen Bangladesch, des östlichen Teils der historischen Landschaft Bengalen, ist seit alters eng mit der von Indien verbunden. Bereits seit 1000 v. Chr. besiedelt, war die Region über viele Jahrhunderte Bestandteil indischer Großreiche, so des Maurya-Reiches (3. Jahrhundert v. Chr.), des Gupta-Reiches (4. Jahrhundert n. Chr.), des islamischen Sultanats Delhi (13. Jahrhundert) und des Mogul-Reiches (ab 1576). Nach dessen Niedergang geriet das Land unter den Einfluss der englischen Ostindienkompanie und war ab 1757 Teil des britischen Kolonialreiches. Der damit einhergehende wirtschaftliche Niedergang löste 1857/58 eine Revolte gegen die Kolonialmacht aus, nach deren Niederschlagung der britische Vizekönig 1905 eine - vorübergehende - Spaltung der Provinz Bengalen in einen hinduistischen westlichen und einen islamisch geprägten östlichen Teil durchsetzte.

Ostpakistan:

1947 entließen die Briten Indien in die Unabhängigkeit. Mit ihrem Rückzug ging eine Neuordnung des Subkontinents einher. Westbengalen wurde Indien zugeschlagen. Ostbengalen bildete als Ostpakistan gemeinsam mit Westpakistan den neuen muslimischen Staat Pakistan, dessen beide Landesteile aber durch mehr als 1600 Kilometer indisches Staatsgebiet voneinander getrennt waren. Außer dieser räumlichen Distanz führten in den folgenden Jahren auch kulturelle, sprachliche und besonders wirtschaftliche Differenzen zu wachsenden Spannungen zwischen den beiden Landesteilen. Als die Zentralregierung den Autonomieforderungen der von Mudschib ur-Rahman geführten Awami-Liga die Anerkennung verweigerte, sagte sich Ostpakistan von Pakistan los und proklamierte am 26. März 1971 den Staat Bangladesch.

Der junge Staat:

Die Erhebung wurde zunächst von der Zentralregierung niedergeschlagen. Nach der Intervention indischer Truppen konnte sich zur Jahreswende 1971/72 die Autonomiebewegung behaupten und das souveräne Bangladesch errichten. Mudschib ur-Rahman wurde erster Premierminister. Die demokratischen Ansätze zu Beginn seiner Regierungszeit hatten nur kurz Bestand. Seit 1975 regierte er mit diktatorischen Vollmachten. Noch im selben Jahr wurde er vom Militär gestürzt.

Bei den folgenden Machtkämpfen konnte sich schließlich General Zia ur-Rahman durchsetzen und - mit Hilfe der von ihm gegründeten Nationalist Party (BNP) - den schrittweisen Übergang zu einer Zivilregierung herbeiführen. 1981 wurde Zia von Putschisten ermordet. Sein Nachfolger Abdus Sattar wurde 1982 durch den Armeechef Hussein Mohammed Ershad abgelöst, der das unter Kriegsrecht stehende Land autoritär regierte. Anhaltende Massendemonstrationen unter Führung von Sheikh Hasina Wajed, einer Tochter Mudschib ur-Rahmans, und Khaleda Zias, der Witwe Zia ur-Rahmans, erzwangen 1990 seinen Rücktritt.

Gefährdete Demokratie:

Bei freien und demokratischen Wahlen am 27. Februar 1991 siegte die BNP unter Khaleda Zia, die Premierministerin wurde. Eine Verfassungsänderung im selben Jahr ebnete den Weg vom bisherige Präsidialsystem zu einer parlamentarischen Demokratie. In der Folgezeit kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition, die zu schweren Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens führten. Die Parlamentswahlen 1996 gewann die AL, geführt von Hasina Wajed. Aufgrund ausbleibender Erfolge musste die AL bei den Wahlen 2001 eine schwere Niederlage hinnehmen, so dass das Amt der Premierministerin wieder an Khaleda Zia fiel. Die innenpolitische Lage blieb weiterhin instabil. Staatspräsident wurde 2002 Iajuddin Ahmed.

Im Vorfeld der für Januar 2007 geplanten Parlamentswahlen kam es zu schweren Unruhen, so dass der Ausnahmezustand verhängt und der Urnengang abgesagt wurde. Ein von der Armee gestütztes Notstandskabinett unter Leitung von Fakhruddin Ahmed übernahm die Regierungsgeschäfte. Hasina Wajed und Khaleda Zia befanden sich wegen Korruptionsverdachts zeitweise in Untersuchungshaft. Im Dezember 2008 konnten wieder Parlamentswahlen stattfinden, die von der AL mit überwältigender Mehrheit gewonnen wurden. Hasina Wajed wurde erneut Regierungschefin und Zillur Rahman (AL) übernahm von Iajuddin Ahmed das Amt des Staatsoberhauptes.


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