Aserbaidschan

Wissenswertes über Aserbaidschan

Natur und Klima:

Der Norden und Westen des Landes werden von den südöstlichen Ausläufern des Großen und Kleinen Kaukasus eingenommen. Zwischen den beiden bis über 4400 Meter ansteigenden Gebirgszügen erstreckt sich das Tal der Kura. Im Unterlauf bildet sie mit ihrem Nebenfluss Aras eine in weiten Teilen von Steppe und Halbwüste eingenommene Niederung. Im Südosten schließt sich das Tiefland von Lenkoran an, das von den nördlichen Ausläufern des Talyschgebirges begrenzt wird. Im Osten schiebt sich die erdölreiche Halbinsel Apscheron weit ins Kaspische Meer. Südwestlich des Landes liegt - durch armenisches Staatsgebiet von Aserbaidschan getrennt - die gebirgige Exklave Nachitschewan.

Aserbaidschan liegt in der subtropischen Klimazone, doch herrschen je nach Höhenlage unterschiedliche klimatische Bedingungen. Die Niederschlagsmengen erreichen in der Kura-Aras-Niederung nur 200 bis 300 mm im Jahr, im feuchten Tiefland von Lenkoran 1800 mm. In den kühleren Gebirgsregionen nehmen die Niederschläge mit der Höhe zu und erreichen regional bis zu 1000 mm.

Bevölkerung:

Der Konflikt zwischen den islamischen Aserbaidschanern (Aseri) und den mehrheitlich in Bergkarabach lebenden christlichen Armeniern löste Anfang der neunziger Jahre erhebliche Wanderungsbewegungen aus. Hunderttausende Armenier flohen aus Aserbaidschan nach Armenien, ebenso viele Aserbaidschaner aus Armenien nach Aserbaidschan. Noch immer lebt ein Teil dieser Menschen unter ärmlichen Bedingungen in Flüchtlingslagern.

Staat und Politik:

Nach der Verfassung von 1995 ist Aserbaidschan eine präsidiale Republik, die dem Staatsoberhaupt weit reichende Vollmachten einräumt. Der auf fünf Jahre direkt gewählte Präsident ernennt den Ministerpräsidenten und die Minister und kann das Parlament, dessen 125 Abgeordnete ebenfalls für fünf Jahre gewählt wrden, auflösen. Die Partei Neues Aserbaidschan (YAP) stellt die Regierung.

Wirtschaft:

Die Wirtschaft basiert auf den reichen Bodenschätzen, insbesondere auf den Vorkommen von Erdöl und Erdgas; daneben gibt es Eisen-, Zink- und Kupfererzlager. Durch Investitionen ausländischer Firmen, mit denen neue Erdöllagerstätten im Kaspischen Meer erschlossen werden, verzeichnet der junge Staat äußerst hohe Wachstumsraten (2008: 42 Prozent). Die EU-Staaten und die Türkei haben Russland als wichtigsten Außenhandelspartner abgelöst. Der angestrebte Wandel von der Plan- zur Marktwirtschaft und die Sanierung der veralteten industriellen Großbetriebe aus Sowjetzeiten gehen jedoch nur langsam voran. Auch das Bankenwesen liegt noch in staatlichen Händen. Ein breiter Mittelstand konnte sich bislang nicht entwickeln, da der Großteil der Bevölkerung keinen Anteil an den Gewinnen aus der Ölindustrie hat.

Die Landwirtschaft, in der noch über ein Drittel der Erwerbstätigen arbeiten, ist unterentwickelt. Die Infrastruktur (Verkehrsnetz, Strom- und Wasserversorgung) ist auf dem Land noch sehr lückenhaft. Angebaut werden in der Kura-Aras-Niederung, wo die fruchtbaren Böden künstlich bewässert werden müssen, Baumwolle, Getreide und Gemüse, im Tiefland von Lenkoran Tee und Zitrusfrüchte, in den Vorbergen und Tälern Obst, Wein und Tabak.

Wichtigster Verkehrsknotenpunkt, Zentrum der Erdölförderung und -verarbeitung sowie bedeutendster Industriestandort ist die Hafenstadt Baku. Seit 2005 führt von hier aus eine Pipeline über Tbilissi (Georgien) an den türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Die Pipeline wurde 2006 in Betrieb genommen.

Geschichte:

Im persischen Machtbereich:

Die fruchtbare Region am Südostrand des Kaukasus gehörte im Altertum zum Meder-Reich und zum achämenidischen Perserreich. Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. war das Gebiet Teil des Reichs der Sassaniden. Im 7. Jahrhundert wurde das Land von Arabern unterworfen, die die Bevölkerung zum Teil islamisierten. In den folgenden Jahrhunderten blieb Aserbaidschan Spielball konkurrierender Mächte. Es war in zahlreiche Kleinstaaten unter mongolischer, persischer oder osmanischer Herrschaft zersplittert.

Unter russischer Herrschaft:

Nach kriegerischen Auseinandersetzungen wurde die Region 1828 zwischen Persien und Russland geteilt. An Russland fiel das nördliche Aserbaidschan. Die russische Provinz konnte 1918 die Unabhängigkeit erringen, doch bereits 1920 erzwang die Rote Armee die Wiedereingliederung. 1936 erhielt Aserbaidschan den Status einer Unionsrepublik. Im Zuge des Zerfalls der UdSSR Ende der achtziger Jahre erhielten die nationalen Kräfte Auftrieb. Zeitgleich eskalierte der schon lange schwelende Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien um die auf aserbaidschanischen Territorium liegende Enklave Bergkarabach.

Die Entwicklung seit der Unabhängigkeit 1991:

Am 18. Oktober 1991 erlangte Aserbaidschan seine Unabhängigkeit. Nach inneren Wirren konnte sich 1993 der ehemalige kommunistische Parteichef Gejdar Alijew als Staatspräsident durchsetzen. Die Spannungen um Bergkarabach entluden sich in einem blutigen Krieg, bei dem aber keine Seite die Oberhand gewinnen konnte. 1994 einigte man sich auf eine Waffenstillstand, eine politische Lösung des Konflikts gelang in der Folgezeit jedoch nicht. 2003 trat Staatspräsident Alijew aus gesundheitlichen Gründen zugunsten seines Sohnes Ilham Alijew zurück, der bei umstrittenen Wahlen von der Bevölkerung im Amt bestätigt wurde. Die Präsidentenpartei YAP konnte auch die Parlamentswahlen 2005 für sich entscheiden.

Für die Regierung Alijew stand in der Außenpolitik der nach wie vor ungelöste Bergkarabach-Konflikt im Mittelpunkt. Die Nutzung der großen Erdöl- und Erdgasvorkommen begünstigte das Wirtschaftswachstum und steigerte die Bedeutung Aserbaidschans als Drehscheibe für den Energiehandel zwischen Europa und Asien. 2008 wählte die Bevölkerung Alijew erneut zum Präsidenten.