Brunei Ein Besuch beim Sultan

Royal Regalia Museum  in Bandar Seri Begawan

Der Muezzin ruft zum Gebet. Palmwipfel rascheln leise im Wind, die Sonne geht langsam unter und wirft ein betörend schönes rotes Licht auf die Sultan-Omar-Ali-Saifuddin-Moschee. Die goldene Kuppel des 1958 erbauten Prachtgebäudes und der weiße Marmor glänzen um die Wette. Aus fast jeder Ecke Bandar Seri Begawans ist die Moschee zu sehen. Das Besondere: kein Gebäude der bruneiischen Hauptstadt darf höher sein als das 54 Meter in den Himmel ragende Minarett.

Doch in den Straßen Bandar Seri Begawans funkelt und glitzert es noch mehr: Nur 2,5 Kilometer von der Innenstadt entfernt ließ Hassanal Bolkiah Mu'izzaddin Waddaulah, der heute amtierende Herrscher in Brunei, eine noch prächtigere religiöse Stätte bauen, die Jame'Asr-Hassanil-Bolkiah-Moschee (die Sultan-Omar-Ali-Saifuddin-Moschee errichtete bereits sein Vorgänger). Die Moschee ist die größte des Landes und beeindruckt unter anderem mit ihren edlen Teppichen. 29 Stufen führen im Inneren hinauf zum Gebetsraum unter der imposanten Kuppel - die parallellaufende Rolltreppe ist allerdings allein dem Sultan und seinen Angehörigen vorbehalten.

Zurück im Zentrum Bandar Seri Begawans ist das Royal Regalia Museum einen Besuch wert - ebenfalls mit einer schon aus der Ferne sichtbaren imposanten Kuppel. In der Dauer-Ausstellung sind unter anderem Dolche, Fotos der fürstlichen Familie, die Senfte des staatlichen Oberhaupts und wertvolle Geschenke von Staatschefs aus der ganzen Welt zu bestaunen - und sämtliche Orden, die "Seiner Majestät" im Laufe seiner mehr als 45-jährigen Amtszeit verliehen worden sind.

Brunei, das islamische Sultanat an der Nordküste der Insel Borneo, ist durch Öl und Flüssiggas reich geworden. Noch fließt das "schwarze Gold", noch muss sich der Sultan - einer der reichsten Männer der Welt, sein Vermögen wird auf mehr als 20 Milliarden US-Dollar geschätzt - keine Sorgen machen. Warum also nicht großzügig sein und ein wenig des Geldes mit den "Untertanen" teilen, denn das sorgt für gute Stimmung im Land: Die 400.000 Einwohner Bruneis müssen keine Einkommenssteuer zahlen, das Gesundheitssystem kann kostenlos in Anspruch genommen werden und auch die Ausbildung - von der Schulzeit bis zu den Lehrjahren an der Universität - ist gratis.

Das Staatsoberhaupt selbst lässt es sich aber ebenfalls gutgehen. Sein Anwesen, der Istana Nurul Iman, gilt als einer der größten Paläste der Welt. Knapp 1800 Zimmer sind in dem prunkvollen Gebäude untergebracht, in der Garage des Fürsten stehen mehrere Hundert Fahrzeuge, darunter zahlreiche Ferraris. Auch Privatflugzeuge, in denen vergoldete Wasserhähne zu finden sind, zählen zum Besitz des Sultans. Normalerweise ist das Gelände nicht aus der Nähe zu besichtigen, nur einmal im Jahr, im September, werden die Türen des Palastes drei Tage lang geöffnet - zu den Festivitäten des Hari Raya am Ende des Ramadans.

Kampong Ayer in Banda Seri Begawan
Susanna Bloß
Das größte Wasserdorf Südostasiens: Kampong Ayer.
Bandar Seri Begawan punktet nicht nur mit fürstlichen Bauten, sondern auch mit dem größten und berühmtesten Wasserdorf in Südostasien. In Kampong Ayer leben heute etwa 30.000 Menschen. Die mehr als 3000 Pfahlbauten sind über Stege von insgesamt 36 Kilometern Länge miteinander verbunden. Schulen, Moscheen, Restaurants, Geschäfte und sogar ein kleines Krankenhaus sind in den Holzhäusern untergebracht, die im Inneren durchaus modern ausgestattet sind: mit Klimaanlage, Internetzugang und Satellitenfernsehen. Das Viertel ist seit mehr als 1300 Jahren bewohnt und bildet den geschichtlichen Kern von Brunei. Außer auf den Stegen, erfolgt die Fortbewegung in kleinen Schnellbooten, die zwischen den beiden Ufern des Brunei River hin und her düsen, und die Bewohner ins Zentrum von Bandar Seri Begawan auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses bringen.

Beim Stadtrundgang durch Bandar Seri Begawan kommt man meist schnell ins Gespräch mit den Einheimischen, ob in einem der zahlreichen Restaurants, an der Promenade in einem Café mit Aussicht aufs Wasser oder auf dem quirligen Sonntagsmarkt, auf dem Obst, Gemüse und getrockneter Fisch verkauft werden. Es ist ein gastfreundliches Volk, das offen auf die (noch) wenigen Touristen zugeht. Die bruneiische Gesellschaft ist multi-religiös geprägt. Der Islam ist zwar Staatsreligion, doch Einflüsse aus dem Buddhismus, Taoismus, Christentum und Hinduismus sind allgegenwärtig. Nur beim abendlichen Drink, wenn der Muezzin wieder ruft und die Sonne ein betörend schönes rotes Licht auf die Sultan-Omar-Ali-Saifuddin-Moschee wirft, muss man Abstriche machen: In Brunei ist Verkauf und Ausschank von Alkohol verboten.

Nur etwa eine Stunde von Bandar Seri Begawan entfernt liegt der Ulu Temburong Nationalpark. Dort streift der Besucher durch dichten Regenwald und trifft auf eine faszinierende Tierwelt.

Autor

Susanna Bloß