Kap Verde

Wissenswertes über Kap Verde

Natur und Klima:

Der vor der Westküste Afrikas im Atlantik liegende Archipel besteht aus zehn größeren und mehreren kleineren Inseln, von denen nur neun bewohnt sind. Ihrer Lage im Einflussbereich des Nordostpassats verdanken die nördlichen Inseln die Bezeichnung "über dem Winde" (Barlavento); die südlichen liegen dagegen "unter dem Winde" (Sotavento). Die vulkanische Entstehung zeigt sich in dem überwiegend aus Basalt aufgebauten Untergrund, über den sich stellenweise große Dünenfelder gelegt haben. Während die drei östlichen Inseln maximal 400 Meter hoch sind, erheben sich auf den anderen Inseln bis zu 1000 Meter hohe Vulkane. Der Pico de Cano auf Fogo ist nach 44 Jahren Ruhe wieder seit 1995 aktiv.

Die ursprünglichen Wälder wurden größtenteils abgeholzt, heute bestimmen Dornstrauchsteppen und exotische Pflanzen wie Akazien und Agaven das Bild.

Trockenes Klima: Im Einflussbereich des Nordostpassats, der trockenheiße Luft aus dem Norden Afrikas bringt, fällt nur von Ende Juli bis Anfang November etwas Regen. Diese spärlichen Niederschläge, an den Küsten im Jahresdurchschnitt 200 mm, bleiben mitunter ganz aus, dann kommt es zu Dürren und Missernten. Die kaum schwankenden Temperaturen betragen im Jahresdurchschnitt 24,5 Grad.

Bevölkerung:

Mehr als zwei Drittel der Einwohner sind Mulatten, die Übrigen meist Schwarze; Weiße portugiesischer Abstammung bilden eine kleine Minderheit. Rund die Hälfte lebt auf São Tiago, der größten Insel des Archipels. Doch leben insgesamt weniger Kapverdier auf den Kapverdischen Inseln als im Ausland (700.000), die meisten in den USA, Italien, Portugal und den Niederlanden.

Staat und Politik:

Kap Verde ist nach der Verfassung von 1992 eine parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der Präsident. Er wird alle fünf Jahre direkt gewählt und hat überwiegend repräsentative Aufgaben. An der Spitze der Regierung steht der vom Parlament gewählte Premierminister. Die 72 Abgeordneten der Nationalversammlung stehen alle fünf Jahre zur Wahl. Regierungspartei ist die ehemals sozialistische und heute sozialdemokratische Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit von Kap Verde (PAICV). Wichtigste Oppositionspartei ist die liberale Bewegung für Demokratie (MpD).

Wirtschaft und Verkehr:

Die Unterstützung aus der Entwicklungszusammenarbeit deckt fast die Hälfte des Staatshaushaltes. Auch ist Kap Verde auf internationale Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Der Wassermangel schränkt die Landwirtschaft stark ein. Die meisten Bauern arbeiten als Kleinpächter oder in eigenen Kleinstbetrieben und bauen Mais, Süßkartoffeln, Kartoffeln und Hülsenfrüchte an. Für den Export werden unter künstlicher Bewässerung unter anderem Bananen, Zuckerrohr und Südfrüchte, in der Nebelstufe der Vulkane auch Kaffee angepflanzt.

Dem Fischfang, insbesondere von Thunfisch, kommt große Bedeutung zu. Die schwach entwickelte Industrie hat ihre Schwerpunkte in der Textil-, Schuh- und Fischkonservenindustrie.

Immer wichtiger wird der Tourismus: Seit Mitte der neunziger Jahre hat sich die Zahl der Auslandsgäste mehr als verfünffacht. Die meisten zieht es zu den weiten Sandstränden der östlichen Inseln und in die Vulkanberge. Ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts tragen die Überweisungen der im Ausland lebenden Kapverdier bei. Das Verkehrsnetz auf den Inseln ist rudimentär, zwischen den Inseln verkehren Linienflugzeuge und Motorboote.

Geschichte:

Portugiesische Kolonie:

Die Portugiesen entdeckten und besiedelten die ursprünglich unbewohnten Kapverdischen Inseln ab Mitte des 15. Jahrhunderts und bauten sie zu einem Zentrum des Sklavenhandels aus. Als Portugal 1876 die Sklaverei untersagte, verlor die Inselgruppe ihre Bedeutung. 1951 verlieh das Mutterland Kap Verde den Status einer Überseeprovinz. 1963 begann unter Führung von Amilcar Cabral der bewaffnete Kampf gegen Portugal in Guinea-Bissau, das mit Kap Verde zu einem unabhängigen Staat vereinigt werden sollte.

Staatliche Unabhängigkeit:

Nach dem Sturz des portugiesischen Caetano-Regimes 1974 erklärte sich Kap Verde am 5. Juli 1975 für unabhängig. Als erster Präsident errichtete Aristides Pereira (1975-1991) ein sozialistisches Einparteiensystem. Ein Militärputsch in Guinea-Bissau 1980 verhinderte die angestrebte Föderation. Nach der Einführung eines Mehrparteiensystems gewann 1991 die liberale Bewegung für die Demokratie (MpD) die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen. Bedingt durch die schlechte Wirtschaftslage konnte die PAIC bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2001 die politische Macht zurückgewinnen. Dieser Erfolg wurde bei den Wahlen 2006 bestätigt. Staatspräsident ist seit 2001 Pedro Pires, Premierminister seit 2001 José Maria Neves.


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