Eritrea

Wissenswertes über Eritrea

Natur und Klima:

Eritrea wird im zentralen Bereich von den nördlichen Ausläufern des Äthiopischen Hochlandes eingenommen. Nach Norden senkt sich das Hochland allmählich zum zerklüfteten, überwiegend aus Steinwüste bestehenden Hügelland, nach Westen in das zwar fruchtbare, aber trockene Tiefland. Ostwärts fällt es steil zur Küstenebene am Roten Meer hin ab. Vor dem schmalen Küstenstreifen erstreckt sich der aus mehr als hundert Koralleninseln bestehende Dahlak-Archipel. Östlich des zentralen Hochlands fällt das Land zur Danakil-Senke bis zu 75 Meter unter den Meeresspiegel ab.

Eritrea hat ein teils trockenes, teils wechselfeuchtes Tropenklima; die Unterschiede sind vorwiegend durch die Höhenlage bedingt. Im zentralen Hochland liegen die jährlichen Temperaturmittelwerte bei 18 Grad Celsius und die durchschnittlichen Niederschlagsmengen bei 600 mm. Im nördlichen Küstenbereich fallen bei einer Durchschnittstemperatur von 30 Grad Celsius 200 mm, im Süden nur noch 50 mm Regen pro Jahr. Die Danakil-Senke bleibt weitgehend trocken.

Bevölkerung:

Krieg und Dürre führten zu massiven Bevölkerungsbewegungen. Derzeit kehren ins Ausland geflüchtete Bürger in ihre Heimat zurück. Dem dünn besiedelten, weithin öden Küstenland steht das dicht besiedelte zentrale Hochland gegenüber. Nur jeder Fünfte lebt in einer Stadt; einzige Großstadt ist die Hauptstadt Asmera.

Staat und Politik:

Nach der 1997 verabschiedeten Verfassung ist Eritrea eine präsidiale Republik. Die Verfassung wurde jedoch nicht real umgesetzt, Parlaments- und Präsidentschaftswahlen fanden bisher nicht statt. Der mit weitreichenden Vollmachten ausgestattete Präsident bestimmt an der Spitze der Einheitspartei People's Front for Democracy and Justice (PFDJ) das gesamte politische Leben. Oppositionsparteien sind nicht legalisiert. Als Übergangsparlament fungiert die Nationalversammlung mit 150 Abgeordneten.

Wirtschaft und Verkehr:

Bürgerkrieg, anhaltende Grenzkonflikte mit Äthiopien und eine Dürreperiode haben Eritrea in seiner wirtschaftlichen Entwicklung stark gehemmt und die Armut seiner Bewohner verschärft. Dennoch hält die Regierung an dem Vorhaben fest, das Land weitgehend ohne ausländische Hilfe aus der Misere zu führen.

Die Agrarproduktion reicht bei weitem nicht aus, um den Bedarf an Nahrungsmitteln zu decken. Im klimatisch begünstigten fruchtbaren Hochland werden außer Gemüse, Knollenfrüchten und Hirse auch Kaffee, Baumwolle und Tabak angebaut. In den trockeneren Landstrichen wird extensive Weidewirtschaft betrieben. Der Fischfang spielt in der Küstenregion eine wichtige Rolle.

Entwicklungsperspektiven:

Zu den bisher größtenteils noch nicht erschlossenen Bodenschätzen des Landes gehören unter anderem Gold, Kupfer, Nickel, Chrom, Salz und Erdöl. Die wenig entwickelte Industrie beschränkt sich auf die Herstellung von Textilien, Lederwaren und Nahrungsmitteln. Entwicklungshemmend ist das unzureichende Verkehrsnetz. Der Wiederaufbau und Ausbau der während der Kolonialzeit angelegten Infrastruktur erfordert gewaltige Investitionen. 2003 konnte die im Bürgerkrieg streckenweise demontierte Bahnlinie zwischen der Hafenstadt Mitsiwa und Asmera wieder eröffnet werden.

Geschichte:

Die Entwicklung bis zur Unabhängigkeit:

Eritrea war seit alters ein Teil Äthiopiens und wurde 1890 italienische Kolonie. 1941 kam das Gebiet zunächst unter britische Verwaltung. Auf Beschluss der Uno wurde Eritrea trotz starker Unabhängigkeitsbestrebungen 1952 als autonomes Gebiet Äthiopien angeschlossen. In der Folgezeit beschnitt Äthiopien die Autonomierechte systematisch und gliederte Eritrea 1962 endgültig als Provinz ein, nachdem ein Jahr zuvor eine Befreiungsbewegung (Eritrean Liberation Front) den bewaffneten Kampf aufgenommen hatte. Von ihr spaltete sich 1970 die Eritrean People's Liberation Front(EPLF) ab. Nach dem Sturz der Monarchie in Äthiopien 1974 spitzte sich der Konflikt zu. Gemeinsam mit äthiopischen Rebellen gelang es der EPLF 1991, das herrschende Militärregime in Addis Abeba zu stürzen.

Der unabhängige Staat:

Die neue äthiopische Regierung erkannte den Souveränitätsanspruch Eritreas an, das am 24. Mai 1993 endgültig unabhängig wurde. Erster Staats- und Regierungschef wurde Isayas Afewerki , der Führer der ELPF. 1998 eskalierten Handels- und Grenzstreitigkeiten zum Krieg mit Äthiopien. Er wurde 2000 unter internationaler Vermittlung beigelegt, das Grenzproblem jedoch nicht endgültig gelöst. Mit Verweis auf den schwelenden Konflikt unterband Afewerki innenpolitische Reformbestrebungen. Freie Wahlen wurden mehrfach angekündigt, aber immer wieder verschoben. Ebenfalls aufgrund von Grenzstreitigkeiten kam es 2008 zu Kämpfen zwischen Truppen aus Eritrea und Dschibuti.

 


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