Demokratische Republik Kongo

Wissenswertes über Demokratische Republik Kongo

Natur und Klima:

Zwei Drittel des Staatsgebietes werden vom dicht bewaldeten Kongobecken mit seinem weit verzweigten Flusssystem eingenommen, das von geologisch alten Randschwellen umgeben ist. Ein gebirgiges Relief nimmt die ansonsten plateauähnliche Beckenumrahmung lediglich im Osten an, wo sie in den aufgewölbten Rand des Zentralafrikanischen Grabens übergeht und im vergletscherten Ruwenzori-Massiv (5110 Meter) ihren höchsten Punkt erreicht.

In der Grabensenke liegen mehrere Binnenseen, darunter der Albert- und der Tanganjikasee. In der südlichen Randschwelle, der durch Rumpfflächen und Inselberge gekennzeichneten Lundaschwelle, entspringt der Lualaba, Hauptquellfluss des Kongo. Im Westen besitzt das Land nur einen schmalen Zugang zum Atlantik. Bevor der Kongo hier in einem Ästuar in den Atlantischen Ozean mündet, durchbricht er in einer engen Schlucht in 32 Katarakten (Livingstonefälle) die westliche Randschwelle.

Feuchtheißes Tropenklima:

Das Klima des Landes, das vom Äquator durchschnitten wird, ist überwiegend tropisch heiß und ganzjährig feucht. Die Temperatur beträgt im Jahresmittel 27 Grad, in Höhenlagen 19 Grad. Im zentralen Becken, wo die Luftfeuchtigkeit meist über 90 Prozent liegt, fallen jährlich etwa 2000 mm Niederschlag. Im Süden herrscht, bei stärkeren Temperaturunterschieden, von Mai bis September Trockenzeit, mit einem Jahresniederschlag von 1200-1500 mm.

Üppige Vegetation:

Das zentrale Kongobecken ist von immergrünen tropischen Regenwäldern, im Überschwemmungsgebieten auch von Sumpfwäldern bedeckt. Im Bereich der nördlichen und südlichen Randschwellen schließt sich Feuchtsavanne an mit Galeriewäldern entlang der Flüsse. Der trockenere Süden des Landes wird von Trockenwald (Miombowald) beherrscht. Den Mündungstrichter des Kongo säumt Mangrovedickicht. Es bestehen mehrere Nationalparks und Wildreservate, die aber durch unkontrollierte Abholzungen und Wilderei in ihrem Bestand gefährdet sind.

Bevölkerung:

Die Demokratische Republik ist ein Vielvölkerstaat mit rund 300 Ethnien; der Großteil gehört zu den Bantuvölkern. Daneben gibt es Sudanvölker und Gruppen nilotischer Abstammung sowie 30.000 Pygmäen.

Das Land ist dünn besiedelt, weite Regenwaldgebiete sind praktisch unbewohnbar. Doch ist die Bevölkerungszahl in den letzten Jahrzehnten bei durchschnittlich 6,5 Geburten je Frau deutlich angestiegen. Dabei treibt die Armut in den ländlichen Regionen, wo heute noch zwei Drittel der Menschen leben, immer mehr, besonders junge Menschen in die Städte. Hauptanziehungspunkte sind die Millionenstadt Kinshasa sowie die Bergbau- und Industriestädte im Süden. Aufgrund der politischen Unruhen flohen zahlreiche Menschen ins Ausland, Tausende sind als Binnenflüchtlinge ohne festen Wohnsitz.

Bildung:

Das Schulsystem wurde von der früheren Kolonialmacht Belgien geprägt. Es umfasst eine sechsjährige Grundschule und eine ebenfalls sechsjährige, zweistufige Sekundarausbildung. Durch Diktatur und Kriegswirren ist das staatliche Bildungswesen jedoch in schlechtem Zustand. So ist die Grundschulausbildung auf die Unterstützung durch ein 2002 eingeführtes Notprogramm der Vereinten Nationen angewiesen.

Staat und Politik:

Nach der 2006 in Kraft getretenen Verfassung ist das Land eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt ist der direkt gewählte Präsident. Der Premierminister als Chef der Exekutive wird vom Parlament gewählt. Das Parlament, die Legislative, hat zwei Kammern (Senat mit 120 Mitgliedern, Nationalversammlung mit 500 Abgeordneten). Stärkste politische Kraft in der Nationalversammlung ist die Volkspartei für Wiederaufbau und Demokratie (PPRD), die den Präsidenten stützt.

Wirtschaft und Verkehr:

Obwohl das Land durch seine Bodenschätze über ein enormes wirtschaftliches Potential verfügt, ist es aufgrund von Missmanagement, Korruption und Kriegen heute eines der ärmsten Länder der Welt. Das hohe Bevölkerungswachstum, die aufgeblähte Bürokratie und eine extrem hohe Auslandsverschuldung erschweren wirtschaftliche Fortschritte.

Tropische Landwirtschaft:

Für den Großteil der Bevölkerung bietet die Landwirtschaft, meist nur zur Selbstversorgung betrieben, die einzige Überlebenschance. Wanderhackbau mit Brandrodung ist noch weit verbreitet. In den zahlreichen Binnengewässern wird Fischfang für den Inlandsmarkt betrieben. In den Export gelangen Kaffee, Kakao, Kautschuk und Palmöl. Die riesigen Wälder mit ihren Edelholzbeständen sind noch wenig genutzt.

Reiche Rohstoffvorkommen:

Ausgeführt werden vor allem Bergbauerzeugnisse, darunter Kupfer und Cobalt aus der Provinz Katanga sowie Zinn, Zink, Mangan, Wolfram, Cadmium, Tantalit und Columbit. Im Nordosten des Landes werden Gold und Silber gewonnen, im Gebiet des Kasai Industriediamanten. Im Küstenbereich wird Erdöl gefördert. Die Industrie, die vor allem die Nahrungsmittel- und Textilindustrie sowie die Metall- und Holzverarbeitung umfasst, bedarf zu ihrer Entwicklung einer besseren Nutzung der großen Wasserkraftreserven (bisher erst zehn Prozent).

Unterentwickelte Infrastruktur:

Das auf die Industriezentren im Süden ausgerichtete Verkehrsnetz besteht hauptsächlich aus Wasserstraßen und Eisenbahnstrecken. Aufgrund mangelnder Wartung sind aber immer wieder Teilstrecken außer Betrieb. Dem Straßennetz fehlen asphaltierte Strecken und Brücken über die vielen Flussläufe. Zahlreiche Flugplätze und Landepisten dienen dem Binnenluftverkehr.

Geschichte:

Vorkoloniale Zeit:

Außer dem Kongoreich gab es in dem Gebiet des heutigen Staates vor der europäischen Kolonisation noch andere bedeutende afrikanische Staaten, unter anderem der Luba, Lunda und Kuba. 1482 erreichte der Portugiese Diego Cão die Mündung des Kongo. Portugiesische Missionare bewegten die einheimische Herrscherschicht zur Annahme des christlichen Glaubens. Dadurch vertieften sich die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Portugal. In der Folgezeit wurde das Küstengebiet beiderseits der Kongo-Mündung zu einem Zentrum des Sklavenhandels.

Belgische Kolonie:

Seit 1876 erwarb Henry Morton Stanley weite Teile des Kongo für König Leopold II. von Belgien. Die Großmächte erkannten 1884/85 diese Erwerbungen auf der Berliner Kongokonferenz als unabhängigen Staat an und beschlossen Handelsfreiheit für das Kongobecken. Die grausame Ausbeutung der Einwohner führte zu einem internationalen Skandal, worauf Belgien 1908 das Gebiet in direkte Kolonialverwaltung nahm (Belgisch-Kongo). Unruhen in Léopoldville (Kinshasa) 1959 veranlassten Belgien zu Reformen. Schließlich gab Brüssel dem wachsenden Druck nach und entließ Kongo am 30. Juni 1960 in die Unabhängigkeit.

Die Ära Mobutu:

Erster Präsident wurde Joseph Kasavubu. Das Amt des Ministerpräsidenten übernahm Patrice Lumumba. Unmittelbar nach der Unabhängigkeit erklärte sich die reiche Provinz Katanga (das heutige Shaba) für unabhängig. Lumumba rief die Vereinten Nationen zu Hilfe. Im September 1960 wurde Lumumba verhaftet, im Januar 1961 ermordet.

1963 beendeten Uno-Truppen gewaltsam die Sezession Katangas. 1965 putschte sich mit westlicher Hilfe General Joseph-Désiré Mobutu an die Macht und übernahm das Präsidentenamt. 1967 erließ er eine neue Verfassung mit zentralistischen Zügen und gründete die Einheitspartei Revolutionäre Volksbewegung (MPR). Im Zuge einer Kampagne für "Eigenständigkeit" wurde das Land 1971 in Zaire (nach einem alten Namen des Flusses Kongo) umbenannt. Eine Kampagne gegen Relikte aus der kolonialen Vergangenheit, besonders gegen die katholische Kirche, setzte ein, so wurden zum Beispiel sämtliche europäischen Namen durch afrikanische ersetzt. 1977 und 1978 fielen Rebellen von Angola aus in Katanga ein. Sie wurden mit marokkanischer, französischer und belgischer Militärhilfe zurückgeschlagen.

Das diktatorische und korrupte Regime Mobutus geriet seit Ende der achtziger Jahre zunehmend unter außen- und innenpolitischen Druck. Um diesem Druck auszuweichen, ließ Mobutu 1991 zwar ein Mehrparteiensystem zu. Der antidemokratische Charakter seiner Herrschaft änderte sich aber nicht. Im Osten des Landes entwickelte sich 1996 aus den Spannungen zwischen dem einheimischen Tutsivolk der Banyamulenge und den rund 1,2 Millionen Hutu-Flüchtlingen aus Burundi und Ruanda eine von Laurent-Désiré Kabila geführte Rebellion gegen das Mobutu-Regime. 1997 wurde Mobutu gestürzt. Der neue Machthaber Kabila verfügte die Umbenennung Zaires in Demokratische Republik Kongo.

Kriegswirren und Suche nach Stabilität:

1998 erhoben sich Tutsi-Milizen mit Unterstützung ruandischer Soldaten gegen Kabila, zu dessen Gunsten angolanische, namibische und simbabwische Truppen in den Konflikt eingriffen. Ruanda und Uganda unterstützten die Rebellen (Kongolesische Befreiungsbewegung und Kongolesische Sammlung für Demokratie), die weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle brachten. Die Kämpfe drohten das gesamte zentralafrikanische Staatensystem zu destabilisieren. Die Vereinten Nationen beschlossen die Entsendung einer Friedenstruppe. 2001 kam Kabila durch ein Attentat ums Leben. Einer seiner Söhne, der Generalstabschef der Armee Joseph Kabila, wurde zum neuen Präsidenten ernannt. Er bemühte sich mit internationaler Hilfe um eine politische Stabilisierung.

2003 trat eine Übergangsverfassung in Kraft, auf die sich die verschiedenen Konfliktparteien bei Friedensverhandlungen in Südafrika geeinigt hatten. Allerdings blieb die Sicherheitslage weiterhin prekär. Wiederholt kam es zu Massakern an der Zivilbevölkerung und zu Kämpfen zwischen der Armee, rivalisierenden Milizen und Uno-Soldaten.

2005 votierte die Bevölkerung in einem Referendum für eine neue Verfassung. Auf Basis dieser Verfassung fanden 2006 Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt, die von Joseph Kabila und der PPRD gewonnen wurden. An der Überwachung dieser Wahlen beteiligten sich im Rahmen einer Eufor-Mission auch deutsche Soldaten. Auch nach den Wahlen hielten die inneren Wirren an. Militärische Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen, Mai-Mai-Milizen und Tutsi-Rebellen unter Führung von Laurent Nkunda führten 2008 im Osten des Landes zur Massenflucht von Zivilisten. Der Uno-Sicherheitsrat beschloss die Aufstockung der im Land stationierten Blauhelmtruppen.