Burundi

Wissenswertes über Burundi

Natur und Klima:

Burundi ist ein meerfernes Binnenhochland im ostafrikanischen Zwischenseengebiet. Die mehr als 2600 Meter hohe Randstufe des Zentralafrikanischen Grabens, die das Land von Norden nach Süden durchzieht, fällt nach Osten hin auf etwa 1500 Meter, nach Westen zur Grabensohle am Tanganjikasee und dem Ruzizi-Fluss auf 800 Meter ab. Es herrscht tropisch-wechselfeuchtes Hochlandklima mit zwei Regenzeiten. In der Grabenzone am Tanganjikasee ist es wärmer und trockener. Die Hochflächen werden von Feuchtsavannen, die Grabensohle von Trockensavannen eingenommen.

Bevölkerung:

Burundi gehört zu den am dichtesten besiedelten Ländern Afrikas, ist dabei aber wenig verstädtert; rund 90 Prozent der Bevölkerung leben in ländlichen Siedlungen. Einzige Großstadt des Landes ist die Hauptstadt Bujumbura.

Die Hutu, ein Ackerbau treibendes Bantuvolk, stellen rund 80 Prozent der Bevölkerung. 19 Prozent gehören zu den Vieh züchtenden Tutsi. Eine kleine Minderheit bilden die Twa, ein mit den Pygmäen verwandtes Volk. Die Auseinandersetzungen zwischen den Hutu und Tutsi kosteten bislang Hunderttausende das Leben und machten mehr als eine Million Menschen zu Flüchtlingen.

Staat und Politik:

Gemäß der Verfassung von 2005 ist Burundi eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt und Regierungschef ist der Präsident, der vom Parlament für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt wird. Das Parlament besteht aus zwei Kammern (Nationalversammlung mit hundert Abgeordneten und Senat mit 44 Migliedern) mit fünfjähriger Legislaturperiode. Die großen Parteien sind in erster Linie den jeweiligen ethnischen Interessen verpflichtet: Als Hutu-Parteien gelten das Nationalkomitee zur Verteidigung der Demokratie-Kräfte für die Verteidigung der Demokratie (CNDD-FDD), die Partei des regierenden Präsidenten, und die Front für Demokratie in Burundi (FRODEBU).

Die Partei Einheit für den nationalen Fortschritt (UPRONA) vertritt die Tutsi.Wirtschaft und Verkehr: Der Bürgerkrieg mit seinen Begleiterscheinungen, besonders das Flüchtlingsproblem und das Wirtschaftsembargo der Nachbarstaaten, haben zu einem anhaltenden Niedergang der Wirtschaft geführt. Zur Versorgung der Bevölkerung ist Burundi auf Finanzhilfe und Nahrungsmittellieferungen aus dem Ausland angewiesen. Grundlage der Wirtschaft ist der Agrarsektor. Die ehemals funktionsfähige Subsistenzwirtschaft der Kleinbauern kann jedoch die wachsende Bevölkerung nicht mehr ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgen.

Auf einigen Plantagen wird in geringem Umfang Kaffee, Baumwolle und Tee für den Export angepflanzt. Die Industrie beschränkt sich auf die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Daneben werden einfache Gebrauchsgüter und Baustoffe zur Eigenversorgung hergestellt. An Bodenschätzen gibt es geringe Vorkommen von Nickel, Vanadium, Uran, Kupfer und Erdöl, die aber noch nicht erschlossen sind. Abgebaut und exportiert wird lediglich in geringem Maß Gold. Die wirtschaftliche Entwicklung wird durch die schlechte Infrastruktur stark behindert. Das Land ist nur zum Teil durch Straßen erschlossen; eine Eisenbahn existiert nicht. Der Ex- und Import muss größtenteils per Schiff über Tansania abgewickelt werden.

Geschichte:

Präkolonial- und Kolonialzeit:

Nachdem die Hutu im 14. Jahrhundert die Urbevölkerung des Landes, die Twa, verdrängt hatten, wurden sie selbst in den folgenden Jahrhunderten von den aus Äthiopien stammenden Tutsi unterworfen. Das hamitische Hirtenvolk etablierte ein Feudalsystem mit einem König (Mwami) an der Spitze. An den Verhältnissen änderte sich auch während der Kolonialherrschaft wenig. Seit 1890 war Burundi Teil von Deutsch-Ostafrika. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es als Völkerbundsmandat unter belgische Herrschaft (seit 1946 Uno-Treuhandgebiet) und wurde erst 1962 in die Unabhängigkeit entlassen.

Entwicklung seit der Unabhängigkeit:

Langwierige innere Unruhen führten 1966 zur Abschaffung der Monarchie und zur Ausrufung der Republik. Bis 1976 stand das Land unter der Militärdiktatur des Tutsi Michel Micombéro. Die Spannungen zwischen den Ethnien nahmen zu und entluden sich schließlich 1972 in einem Massaker, dem fast 100.000 Hutu zum Opfer fielen. Auch in der Folgezeit bestimmte der ethnische Konflikt die Geschicke des Landes. Ende der achtziger Jahre leitete der Tutsi Pierre Buyoya eine Demokratisierung ein. In einem Referendum stimmte die Bevölkerung 1992 einer neuen Verfassung zu.

1993 wurde der Hutu Melchior Ndadaye zum Präsidenten gewählt. Er wurde im gleichen Jahr ermordet. Daraufhin brachen erneut blutige Kämpfe zwischen den verfeindeten Volksgruppen aus. Der neue Präsident Cyprien Ntaryamira kam 1994 zusammen mit dem Präsidenten Rwandas bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Nach einem Putsch 1996 übernahm erneut Buyoya die Macht. Im Jahr 2000 einigten sich die Konfliktparteien unter Vermittlung des südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela auf ein Friedensabkommen.

Der Friedensprozess blieb jedoch fragil. 2003 übergab Buyoya das Präsidentenamt an den Hutu Domitien Ndayizeye. 2004 wurden Uno-Friedenstruppen stationiert. Im folgenden Jahr fanden ein Verfassungsreferendum und Parlamentswahlen statt, die von der Hutu-Partei CNDD-FDD gewonnen wurden. Ihr Führer Pierre Nkurunziza wurde Staatspräsident.


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