Afrika Südafrika: "Grüne Sterne" als Bewertung

Mit 1,2 Millionen Quadratkilometer Fläche gehört Südafrika zu den Ländern, die, außerhalb der Metropolen, weitflächig dünn besiedelt sind. Umweltschutz war daher bis vor einigen Jahren noch kein Thema. Das Recycling ist in Städten wie Kapstadt, Durban und Pretoria zwar in Gang gekommen, steckt aber noch in den Kinderschuhen.

Kaum ein Hotel oder Restaurant verdient es, als "ökologisch" oder "biologisch" beschrieben zu werden. In Zukunft mag sich das aber ändern, denn es sind Bestrebungen im Gange, Unterkünfte offiziell mit "grünen Sternen" zu bewerten - etwa, wenn die Betreiber Solarstrom benutzen, Schmutzwasser filtern und umweltverträgliche Putzmittel benutzen. Immerhin: Seitdem Plastiktüten etwas kosten, sieht man sie viel seltener als früher herumfliegen, immer häufiger wird bleifrei getankt, und jedes neu gebaute Haus muss heißes Wasser mit Solarzellen auf dem Dach produzieren. Und eine Wegwerfgesellschaft ist Südafrika wahrlich nicht. Fast alles - Kleidung, Möbel, Fernseher - wird dankbar wiederverwendet oder sinnvoll zweckentfremdet: Aus alten Reifen entstehen beispielsweise robuste Sandalen.

ÜBERNACHTEN

Singita Ebony Lodge
Wenn man nach sechs Stunden Fahrt aus Johannesburg auf dem Parkplatz der Ebony Lodge eintrifft, kann man sich durchaus verwundert fragen, ob man sich vielleicht doch verfahren hat. Nichts deutet darauf hin, dass man an einer der feinsten (und teuersten) Safari-Lodges von ganz Afrika eingetroffen ist: Außer Gebüsch und Bäumen ist nichts zu sehen, die Natur ist unberührt geblieben. Ein Ranger kommt einen schmalen Buschpfad herunter und sagt lächelnd: "Hi, welcome." Singita ist Shangaan und heißt "Wunder ". Genauso empfinden es viele Gäste, denn für alles ist gesorgt, jeder Wunsch wird erfüllt. Die Pirschfahrten sind ein individueller, abenteuerlicher Genuss. Die Mahlzeiten werden immer frisch zubereitet, der Weinkeller lässt keine Wünsche offen. Man speist entweder in der traditionellen Boma (umzäunter, runder Platz) neben dem Lagerfeuer, beleuchtet von Dutzenden Laternen, oder auf der Veranda des Restaurants, von wo man unter Umständen eine Elefantenherde, keine 50 m entfernt, am Fluss entlangziehen sieht. Die opulent ausgestatteten Bungalows sind aus Stroh, Holz, Bambus, Felsen und Lehm erbaut und schmiegen sich perfekt zwischen Bäumen in die Natur ein. Zu den einheimischen Shangaan hat man eine enge Beziehung: Die Angestellten kommen aus den umliegenden Dörfern, umgekehrt lernen Besucher aus aller Welt in diesen Dörfern auf Wunsch ihre Traditionen, Speisen und Gesänge kennen. Die Singita-Lodges - es gibt außer Ebony noch zwei Häuser im Sabi Sand und zwei im Kruger Park selbst - sind mehrfach als beste Safari-Lodges der Welt ausgezeichnet worden. Info: Sabi Sand Reserve • Tel. 013/735 54 56 • 12 Bungalows • €€€€

Bulungula Lodge
Diese Lodge ist die umweltfreundlichste Unterkunft Südafrikas. An der malerischen Mündung des Bulungula-Flusses gelegen, an einem langen Sandstrand an der Wild Coast, wohnt man hier in einer den authentischen Rundhütten preiswert und grün. Die Idee, mitten im Land der Xhosa eine Herberge für Rucksacktouristen aufzubauen, kam Dave Martin vor zehn Jahren, nachdem er die gesamte Küste hinaufgewandert war. Gemeinsam mit den Bewohnern des Dorfes Nqileni - denen 40% der Lodge gehört - verwirklichte er seinen Traum. Inzwischen bestreiten schon 40 Familien ihren Lebensunterhalt durch die Lodge, indem sie kochen, putzen und Besucher auf Ausflüge zu Fuß, zu Pferd, per Kanu und zum Fischen begleiten. Außerdem kann man das Dorf erkunden und von einem Sangoma (Heiler) seelisch durchleuchtet werden. Die Strandparties im Sommer sind legendär. Und noch etwas: Wer bei klarem Nachthimmel binnen einer Stunde keine Sternschnuppe sieht, übernachtet umsonst. Garantiert. Info: Elliotdale, Farm 37 • Tel. 047/577 89 00 • 13 Zimmer (Hütten und Luxuszelte) • €

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Lazanou Organic Vineyards
In Wellington, knapp eine Stunde Fahrt östlich von Kapstadt, liegt diese kleine Weinfarm, die hervorragende Weine produziert und garantiert keinerlei Pestizide, Herbizide oder chemische Düngemittel verwendet. Josef Lazarus und Candice Stephanou - aus den beiden Nachnamen ergab sich der Name der Farm - schufen etwas Neues in der immer größer werdenden Weinindustrie Südafrikas: Boutique-Weine der Sorten Chenin Blanc, Chardonnay, Viognier, Syrah und Mourvedre, die auf nur 5,5 ha Terroir produziert werden. Groß genug, um profitabel zu sein, aber so klein, dass jeder Aspekt des Anbaus penibel kontrolliert werden kann. Außerdem werden Oliven, Käse, Gemüse, Früchte und Salate für Besucher und für den Eigenbedarf produziert - selbstverständlich ebenfalls biologisch angebaut. Während der Wintermonate Mai bis August wird intensiv kompostiert und mithilfe von Gräsern natürlicher Stickstoff gebunden. Wer die Weine direkt bei Josef Lazarus bestellt, erhält Rabatt. Info: Wellington, PO Box 834 • Tel. 083/265 63 41

Mielie
Was sich die Kapstädter Designerin Adri Schutz vor fast zehn Jahren als eine Mischung aus sozialem Engagement und dem Recyling von Baumwollresten von Textilfabriken ausgedacht hatte, ist zu einer landesweit bekannten Marke mit immer neuen, typisch afrikanischen Entwürfen geworden, die mittlerweile 50 Familien gut ernährt. Apropos ernähren: Als "Mielie" bezeichnen Südafrikaner übrigens Maiskolben, das wichtigste Grundnahrungsmittel des Landes. Inzwischen findet man die bunten Handtaschen, Kissen und Teppiche von Mielie sogar in Nordamerika, Europa und Australien. Alle Produkte werden von Frauen mit der Hand geflochten, der einzige Mann im Unternehmen fertigt die Lederteile. Wer in Kapstadt ist, sollte unbedingt den Mielie-Laden in der Newlands Ave. aufsuchen und ein paar Souvenirs mit nach Hause nehmen. Sie sind sowohl authentisch als auch originell. Info: Kapstadt, 31 Newlands Ave. • Tel. 021/686 20 26

Waldorf Märkte
Es gibt 24 private Schulen in Südafrika, die den pädagogischen Prinzipien des Österreichers Rudolf Steiner (1861-1925) folgen. Einige dieser Waldorfschulen, etwa in Constantia (bei Kapstadt) und in Stellenbosch betreiben einmal pro Woche Märkte, auf denen man sehr gute biologische Produkte bekommt. In Constantia verkaufen die Produzenten jeden Freitag Brot, Früchte, Gemüse, Honig und Säfte. Ferner gibt es an dieser Schule auch einen guten Laden, in dem man schönes Handwerk mit afrikanischem Flair erhält. Der Farmer's Market in Stellenbosch findet jeweils samstags statt; man kann dort auch sehr lecker frühstücken - alle Produkte sind natürlich auch hier rein biologisch. Info: Constantia Waldorf School: Constantia, Spanschemaat River Rd. • Fr 11-15 Uhr; Stellenbosch Waldorf School: an der R 44 neben dem Technopark Stellenbosch • Sa 8-12 Uhr

AKTIVITÄTEN

The Green Cab
Kaum jemand besucht Kapstadt, ohne sich den dramatischen Cape Point, Afrikas südwestlichsten Punkt, anzusehen. Warum selbst fahren, wenn es jetzt mit stark verminderter Umweltbelastung geht? Man steigt im neu renovierten Hauptbahnhof (Cape Town Railway Station) an drei Tagen der Woche (Di-Do) auf Bahnsteig 5 in die Southern Line und fährt bis Fish Hoek. Dort wird man von einem Öko-Taxi abgeholt und zur Kapspitze gebracht. Auf dem Rückweg hält das "grüne Taxi" noch bei den Pinguinen am Boulders Strand. Es ist übrigens eine hochinteressante Bahnfahrt, quer durch Kapstadts Vororte und, ab Muizenberg, direkt am Ozean entlang. Die Green Cabs fahren mit Gas und Bio-Diesel. Die Firma gehört ausschließlich Frauen und auch die Busse werden nur von Frauen gefahren, die gleichzeitig als Reiseführerinnen fungieren. Man bucht direkt übers Internet, Telefon oder bei Cape Town Tourism. Info: Tel. 086/184 34 73 • Ticket 600 Rand

Hogsback
Dieses kleine Dorf, etwa 140 km nordwestlich von East London, darf als Geheimtipp für Urlauber gelten, die erholsame Stille bei Wanderungen suchen. Auf 1300 Meter Höhe in den Amatola-Bergen gelegen, besteht der Ort nur aus ein paar Unterkünften, Restaurants und Geschäften. Mehrere der gut beschilderten Wege führen zu Wasserfällen, wobei "Madonna and Child" die bekanntesten Fälle sein dürften. Es gibt in Südafrika kaum echte Waldgebiete, rund um Hogsback aber findet man ausgedehnte Kiefern- und Eukalyptus-Regenwälder. Einmalige Aussichten bieten die Bungalows von "The Edge": Fast alle Zimmer blicken auf eine tiefe Schlucht und die dahinterliegende Talebene hinab. Einen Besuch wert ist auch der Skulpturen-Garten der Künstlerin Diana Graham, deren Werke die Verbundenheit des Menschen mit dem Universum zelebrieren.

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Dieser Text von Thomas Knemeyer ist ein Auszug aus dem MERIANlive-Reiseführer "Südafrika".