Kefalonia: 3 besondere Erlebnisse auf der Ionischen Insel

Zitronengelb leuchtet der Wein im Glas. Ioanna Haritatos steht auf der Terrasse und schenkt Probierschlucke ein. Mit ihrem Mann und ihren zwei Brüdern produziert sie auf der Halbinsel Paliki im Westen Kefalonias Weine aus Rebsorten der Insel. Dem Weißwein folgen ein kräftiger Rosé und zwei Rote.
Dazu erzählt die Ex-Diplomatin, wie alles begann. Seit dem 19. Jahrhundert kelterte ihre Familie hier Wein für den Eigenbedarf. Vor fünfzehn Jahren beschlossen sie, die Sache größer aufzuziehen.
Besuch und Verkostung auf dem Weingut
Obwohl Ioanna so fest verwurzelt ist wie die Rebstöcke des Guts es sind, hat sie den Großteil ihres Berufslebens im Ausland verbracht: Montreal, Moskau, Madrid und New York waren Stationen ihrer Karriere als Diplomatin. „Die Rückkehr nach Kefalonia war ein Sprung zurück in meine Kindheit“, sagt sie.
Die Familie, ein Dutzend nach Rebsorten benannter Katzen, zwei Hunde und das Anwesen selbst erfüllen sie. Im August sind sie alle da und versammeln sich Abend für Abend an der langen Tafel im Garten. Und auch wer nur die veganen Bio-Weine verkostet ist schnell verzaubert von dem Gut und der Hausherrin, die ihre Gäste in jeden Winkel schauen lässt.

„Wir lieben Farbe in diesem Teil Griechenlands“, sagt sie und öffnet die Tür der pinkfarbenen Kapelle hinter dem 1863 erbauten Haus, das als eines von wenigen das Erdbeben von 1953 überstand. Hier finden Trauungen und Taufen der Familie statt. Ein Sternenhimmel prangt an der Decke, Ikonen schmücken die Wände.
Wein-Tasting
Auf ihrem malerischen Anwesen bieten Ioanna Haritatos und ihre Familie Verkostungen, Führungen und Picknicks an. Reservierung erforderlich. Ganz in der Nähe: der Strand von Petani.
Die Insel Kefalonia liegt in einer der seismologisch aktivsten Gegenden Griechenlands. Nach dem Erdbeben von 1953, bei dem Hunderte verletzt und die Architektur aus der 300 Jahre dauernden Herrschaft der Venezianer zerstört wurde, schrumpfte die Bevölkerung von 125.000 auf 25.000.
Die Menschen, die die Insel nicht verließen, gaben die alten Dörfer auf und bauten sie an anderer Stelle neu. Die verlassenen Orte sind mit den Ruinen, aus denen Bäume wachsen, zu Denkmälern der Naturgewalt geworden. Sie prägen die Insel ebenso wie ihre Berge und Buchten. Seit der Katastrophe wurde anders gebaut. Das letzte starke Beben 2014 richtete nur Sachschaden an, und der fiel moderat aus. Doch die Fossilien im Gestein der Insel sind von den Beben vieler Jahrtausende geborsten.
Von Meeresschildkröten und Madonna

Am deutlichsten sieht man es an den Felswänden im UNESCO-Geopark Kefalonia-Ithaka, die von zersplitterten Versteinerungen geradezu übersät sind. Über allem wacht der mit 1628 Metern höchste Gipfel der Insel, der Enos. Mittlerweile hat auch die Prominenz die Insel mit den perfekten Badebuchten entdeckt. William und Kate ankerten mit den Kindern vor der Küste, Mark Zuckerberg kam mit drei Jachten: eine für sich, eine fürs Personal und eine für den Hubschrauber.
Segler steuern gern den kleinen Hafen von Fiskardo an der Nordküste an, wo schon Madonna, Tom Hanks und Bruce Springsteen im 1972 eröffneten Restaurant Tassia dinierten. Doch so schön die Küsten Kefalonias sind: Bootsurlauber laufen Gefahr, etwas zu verpassen. Die Türme, die im venezianischen Stil neben Kirchen stehen, die Meeresschildkröten, die im Hafen von Argostoli die Köpfe aus dem Wasser recken, der Klangteppich aus Stimmen und das Lärmen der Vögel am Abend über dem zentralen Platz der Inselhauptstadt: Das alles erfordert mehr als einen Landgang.
Eselwanderungen auf Kefalonia

Katharina Fehring Kallivoka nahm sich ein Sabbatical für Griechenland. Die Zeit sollte trotzdem nicht reichen, weil sie auf Kefalonia einem Mann begegnete. 2012 zog sie her und heiratete ihren Christos. Heute teilt sie ihre Zeit zwischen den Kindern, acht und zehn Jahre alt, ihrem Teilzeitjob in einer Tierarztpraxis und den eigenen Tieren: sechs Eseln, zwei Pferden sowie einem Dutzend Hunde und Katzen.
„Als Heilpädagogin hatte ich hier keine Chance. Ich wollte aber nicht in die normale Tourismusschiene“, erklärt die 41-Jährige. Sie ist selbst auf einem Hof groß geworden und ihr fiel auf, dass sie wenige Tiere mit Hufen sah.
„Arbeitsesel spielen in der Landwirtschaft keine Rolle mehr.“ Ihre Idee: Eselwanderungen auf der Insel. Bei den Touren zu Getreidemühlen und in verlassene Bergdörfer führen Erwachsene die Tiere am Zügel, nur Kinder dürfen auf die Eselsrücken. Einige ihrer Tiere hatten schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht. Auf ihrem Hof bei Grizata leben sie nun in einem kleinen Paradies, dem die 45-jährige Eselin Luise als Alterspräsidentin vorsteht.
Eselwanderungen
Zwischen zwei und fünf Stunden ist man mit Wiolätta, Grisella, Dora und Dixie unterwegs. Wer weniger als 50 Kilo wiegt, darf aufsitzen. Auf Wunsch gibt es ein griechisches Picknick.
Ausflug auf dem Fischerboot

Auch für Antonia Vassiliou bedurfte es einiger Zufälle, bis sie ihre Heimatstadt Athen gegen Kefalonia eintauschte. Die studierte Biolandwirtin lernte hier ihren Mann, den Hummer-Fischer Michalis, kennen und blieb. „Ich wusste nichts über die Fischerei“, sagt die 46-Jährige. „Ich wusste nicht mal, ob ich seekrank werde.“
Fischer dürfen ohne touristische Lizenz selbst ihre Partner nicht mitnehmen, und eine solche Lizenz besaß damals niemand in Griechenland. „Obwohl in Italien nach einer Idee der EU schon seit 1980 Fischer Urlauber mitnehmen dürfen, um Geld zu verdienen und die Fischbestände zu schonen.“
2015 erließ auch Athen ein entsprechendes Gesetz. Antonia und Michalis waren die ersten in Griechenland, die Touristen auf organisierte Fischertouren mitnahmen. Heute haben sie um die 1.000 Gäste pro Jahr. Die Urlauber erfahren, wie Netze vorbereitet und ausgelegt werden und wie immens die Kosten für die Wartung des Boots sind. Antonia erzählt, dass es sieben Jahre dauert, bis ein Hummer ein Gewicht von einem Kilogramm erreicht, dass die Reproduktionsraten der Tiere extrem niedrig und daher Schonzeiten und Zurückhaltung beim Fischen essenziell für ihren Erhalt sind.
Sie fangen nur für ihre Gäste, es ist ein kleiner Teil dessen, was Michalis früher an Restaurants verkaufte. Ein Festmahl aus Fischsuppe, Hummer-Spaghetti und Salat krönt den Ausflug. Antonia leitet als erste Frau die Panhellenische Vereinigung für Fischereitourismus für professionelle Fischer. Die Vereinigung soll sicherstellen, dass nur Profis Touren anbieten, die Meer, Schonzeiten und Fisch kennen. „Fischereitourismus ist keine Lösung aller Probleme“, sagt sie, „aber er hilft Fischern, schont die Bestände und gibt einen authentischen Einblick in das Leben auf unseren Inseln.“
Fischertour
Die Touren mit Antonia und Michalis Vassiliou beginnen um 8 Uhr mit einem kleinen Frühstück. Zum Ausflug gehört auch ein Badestopp, Lunch mit Fisch, Meeresfrüchten und Gemüse aus Antonias Biogarten und Wein von Michalis’ Vater. Der Trip endet gegen 16 Uhr.