11 spektakuläre Hollywood-Drehorte in Deutschland

Der internationale Filmtourismus schlägt unter dem Trendbegriff „Set-Jetting“ seit einigen Jahren hohe Wellen. Doch um Schauplätze und Kulissen zu besuchen, müssen Cineasten gar nicht weit reisen: Auch in Deutschland sind zahlreiche Hollywood-Blockbuster gefilmt und produziert worden.
Von historischen Prachtbauten in Bayern bis hin zur futuristischen Architektur Berlins bieten deutsche Städte eine beeindruckende filmische Vielfalt. Dabei glänzen die Schauplätze mal in ihrer originalen Szenerie, mal verwandeln sie sich in andere Metropolen wie Paris, London oder Moskau. Merian zeigt einige der spannendsten Drehorte in Deutschland.
Würzburg: Residenz und Marienberg

Großer Auftritt für die Residenzstadt am Main: Gleich mehrfach ist Würzburg in der Hollywood-Produktion „Die Drei Musketiere“ (2010) von Paul W.S. Anderson zu sehen. Die Wahl als Drehort kommt nicht von ungefähr. Bekannt für ihren prächtigen Barock und Rokoko, passt Würzburg ideal zur Handlung der Geschichte, die im Paris des 17. Jahrhunderts spielt. Die Würzburger Residenz, die Festung Marienberg und die Alte Mainbrücke dienten dem Team als lebendige Kulisse. Übrigens: Neben den Hauptdarstellern Orlando Bloom, Christoph Waltz und Milla Jovovich waren auch zahlreiche Würzburger Statisten Teil der Crew.
Potsdam: Filmstudios Babelsberg

Schon 1912 wurden hier die ersten Filme gedreht, bis heute gilt das Potsdamer Studio Babelsberg als eines der bedeutendsten in Europa sowie eines der ältesten der Welt. Zu den legendärsten Produktionen zählen Fritz Langs Klassiker „Metropolis“ (1927) und „Der blaue Engel“ (1930) mit Marlene Dietrich. Auch Alfred Hitchcock fand hier – zunächst als Regieassistent – zu seinem Handwerk. Seit den 2000er Jahren ist regelmäßig auch Hollywood zu Gast. Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ (2008), „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ (2008), „The First Avenger: Civil War“ (2016) und „Uncharted“ (2022) sind nur einige von vielen hier produzierten Filmen.
Sofern keine Filmaufnahmen stattfinden, steht das Studio Babelsberg Besuchern offen. Diese können durch die Originalkulissen von Filmen wie „Metropolis“ oder deutschen Serienproduktionen wie etwa „GZSZ“ laufen. Darüber hinaus ermöglichen Stunt-Shows, Führungen und Schauwerkstätten einen wortwörtlichen Blick hinter die Kulissen.
Berlin: Glienicker Brücke

Den Babelsberger Studios ist es auch zu verdanken, dass in und um Potsdam viel gedreht wird. Beim Agententhriller „Bridge of Spies“ (2025) aber lag der Grund woanders. Der Historienfilm von Regisseur Steven Spielberg mit Tom Hanks in der Hauptrolle handelt von einem Agentenaustausch während des Kalten Krieges. Auf seinen Wunsch hin sollte der Film möglichst an Originalschauplätzen gedreht werden. Praktisch: Nur rund fünf Kilometer nördlich vom Filmstudio ragt die Glienicker Brücke über die Havel. Gleich dreimal kam es in DDR-Zeiten hier zu einem Austausch von Spionen.
Berlin: Internationales Congress Centrum

Dass die teils brutalistische und betonlastige Architektur Berlins so mancherorts an eine Endzeit-Dystopie erinnert, hat sich längst bis nach Hollywood herumgesprochen. Nicht selten ist die Hauptstadt daher in internationalen Sci-Fi- und Action-Produktionen zu sehen. Hauptakteur der vergangenen Jahre: das erfolgreiche Franchise „Tribute von Panem“. Insbesondere im vierten Teil „Mockingjay 2“ (2025) sowie im Prequel „The Ballad of Songbirds & Snakes“ (2023) ist Berlin gleich mehrfach zu sehen.
Zu den bekanntesten Drehorten zählen das Berliner Olympiastadion, das im Prequel ebenfalls als Arena dient, sowie der geschlossene Flughafen Tempelhof, der Distrikt 2 und das Rebellenzentrum darstellt. Besonders markant sind auch die Aufnahmen, die im Fußgängertunnel unter dem Messegelände ICC (Internationales Congress Centrum) entstanden. Vor den orangefarbenen Kacheln befreit sich Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) aus den Fängen des Kapitols.
Berlin: Karl-Marx-Allee

Als sogenannter „Chamäleon“-Drehort ist Berlin immer wieder in nationalen sowie internationalen Filmen und Serien zu sehen. In dieser Rolle ist die Bundeshauptstadt allerdings nicht als sie selbst zu erkennen, sondern mimt immer wieder andere europäische Metropolen. Weil Dreharbeiten an Schauplätzen wie London oder Paris oft mit deutlich mehr Aufwand und Kosten verbunden sind, nimmt Berlin nämlich nicht selten andere Identitäten an.
In der Verfilmung von Jules Vernes „In 80 Tagen um die Welt“ (2004) wurde aus dem Gendarmenmarkt ein Londoner Platz, der Dom zur „Bank of England“ und das Schloss Charlottenburg verwandelte sich in Paris. Auch „Die Bourne-Verschwörung“ (2004) mit Matt Damon und Franka Potente in den Hauptrollen spielte an mehreren Orten in Berlin, darunter in der Karl-Marx-Allee, im Tiergartentunnel und am Alexanderplatz, die im finalen Film als Straßenzüge von Moskau dienten.
Görlitz: Jugendstilkaufhaus

Als Schauplatz für das „Grand Budapest Hotel“ (2014) stellte sich Regisseur Wes Anderson ein europäisches Hotel aus den Goldenen Zwanzigern vor. Zur Recherche reiste er nach Wien, Budapest und Marienbad – und entschied sich am Schluss für Görlitz. Die Kleinstadt ist längst ein Hollywood-Liebling, was ihr den Spitznamen „Görliwood“ verpasste. Anderson fand in dem 1913 eröffneten Kaufhaus Görlitz die ideale Hotellobby. Seit 2009 steht der denkmalgeschützte Jugendstilbau leer. Langfristig soll er saniert und neu eröffnet werden.
Hamburg: Hotel Atlantic

An Schönheit und Infrastruktur mangelt es Hamburg nicht, trotzdem taucht die zweitgrößte Stadt des Landes eher selten in internationalen Produktionen auf. Zwei Agentenfilme jedoch spielen zwischen Elbe und Alster: Im Bond-Film „Tomorrow Never Dies“ (1997) steigt Pierce Brosnan im Hotel Atlantic ab; auch der Hamburger Flughafen ist zu sehen.
Noch mehr Hansestadt bietet der Thriller „A Most Wanted Man“ (2014) des Starfotografen und Regisseurs Anton Corbijn. Die packende Verfilmung eines Romans von John le Carré, in der Philip Seymour Hoffman den Leiter einer geheimen deutschen Anti-Terror-Einheit spielt, nutzte ebenfalls das Hotel Atlantic, dazu die Alster, die Landungsbrücken und die Skyline-Bar 20up des Riverside Hotels, die eine feine Aussicht auf den Hafen bietet.
München: Bavaria Filmstadt

Auch München ist über die Landesgrenzen hinaus als Filmstadt bekannt. Der Dreh- und Angelpunkt des cineastischen Geschehens liegt rund zehn Kilometer südlich des Zentrums am Perlacher Forst: Seit 1919 wird in der Bavaria Filmstadt gebaut, gedreht und produziert. Große deutschsprachige Filme wie „Das Boot“ (1981) und „Die unendliche Geschichte“ (1984) entstanden hier in aufwändig ausgestatteten Kulissen. Auch Hollywood hat gleich mehrfach Station gemacht, darunter Cast und Crews des Sci-Fi-Thrillers „Stowaway – Blinder Passagier“ (2021). Auch das Biopic „Snowden“ über Whistleblower Edward Snowden wurde zu großen Teilen in den Bavaria Filmstudios gedreht, nachdem sämtliche US-Studios das Projekt verweigert hatten.
Neben dem Filmbetrieb zählt die Bavaria Filmstadt zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten von München. Besucher können auf den Spuren bekannter Produktionen wandeln und Originalkulissen wie den Drachen Fuchur aus „Die unendliche Geschichte“ oder das U-Boot aus Wolfgang Petersens Filmklassiker bestaunen.
Sachsen: Rakotzbrücke

Wer es nicht weiß, dem dürfte dieser Auftritt wohl entgangen sein. 2021 erschien mit „Matrix Resurrections“ der mittlerweile vierte Teil der Sci-Fi-Reihe mit Keanu Reeves in der Hauptrolle. Die Aufnahmen entstanden inmitten der Covid-19-Pandemie in Los Angeles sowie zwischen März und November 2020 in den Babelsberger Filmstudios. Die deutsche Produktion übernahm das hiesige Studio Volucap, das auf hochauflösende 3D-Aufnahmen, sogenannte Volumetric Capture, sowie Computersimulationen spezialisiert ist. Ihnen ist es auch zu verdanken, dass eine sächsische Sehenswürdigkeit im Film zu sehen ist: die ikonische Rakotzbrücke im Rhododendronpark Kromlau. Basisaufnahmen der Brücke, Studio-Sequenzen und computergenerierte Elemente wurden schließlich zu einer neuen, digitalen Welt zusammengesetzt.
Sachsen: Flughafen Leipzig/Halle

Showdown in Leipzig: Keine geringere Szene als der finale Kampf zwischen den Marvel-Superhelden Captain America (Chris Evans) und Iron Man (Robert Downey Jr.) in „The First Avenger: Civil War“ (2016) entstand am Flughafen Leipzig/Halle. Die moderne, futuristisch anmutende Architektur des Airports, der als einer der größten Cargo-Umschlagplätze Europas täglich mehr als eine Million Tonnen Frachtgut umschlägt, diente als ideale Kulisse für die Sci-Fi-Welt.
Trotz dessen, dass der Flughafen (inklusive deutscher Beschriftung) deutlich erkennbar ist, waren die Hauptdarsteller auch hier nicht tatsächlich vor Ort. Wie auch bei „Matrix“ kombinierte das Produktionsteam Basisaufnahmen des Flughafens mit Greenscreen-Szenen aus den Pinewood Studios in Atlanta.
Düsseldorf: Dreischeibenhaus

Dass die US-Regisseurinnen Lily und Lana Wachowski deutsche Drehorte schätzten, bewiesen sie vor „Matrix Resurrections“ bereits mit den Dreharbeiten zu „Cloud Atlas“ (2012). Eine Sequenz der erfolgreichen Literaturverfilmung mit Halle Berry und Tom Hanks in den Hauptrollen entstand mitten in Düsseldorf. Zu sehen ist das Dreischeibenhaus, das als bedeutendes Beispiel deutscher Nachkriegsarchitektur unter Denkmalschutz steht. Statt eines modernen Bürogebäudes stellt das Haus im Film jedoch die Kulisse von San Francisco in den 1970er Jahren dar. Moderne Aspekte wie Straßenschilder, Reklamen und Laternen wurden im Nachhinein retuschiert. Grund für die Drehortwahl ist auch eine Finanzspritze der Filmstiftung NRW, die die Produktion mit einer Investition von einer Million Euro unterstützte.