Die besten Pubs in Großbritannien und Irland

Traditionelle Pubs sind weit mehr als Orte für ein Pint. Sie gehören zur Alltagskultur in England, Schottland, Wales und Irland, sind Treffpunkt, Wohnzimmer, Musikbühne und manchmal sogar ein kleines Parlament – nicht umsonst ist Pub die Abkürzung für Public House. Zwischen dunklem Holz, alten Fotografien, Dartscheibe und Zapfhahn begegnen sich Stammgäste, Reisende und Nachbarn – oft ungezwungener als anderswo. Manche dieser historischen Pubs blicken auf mehrere Jahrhunderte zurück, andere wurden durch Folk-Musik, berühmte Gäste oder ihre ungewöhnliche Architektur bekannt. Sie erzählen und bewahren Geschichten und sind gleichzeitig wichtige Lebens- und Begegnungsräume.
Merian hat seine persönlichen Pub-Favoriten zusammengetragen. Unsere Auswahl führt zu einigen der schönsten und außergewöhnlichsten Pubs in Großbritannien und Irland – von London über Edinburgh und Wales bis nach Dublin.
The Churchill Arms, London

Ein bisschen Exzentrik hat noch keinem geschadet, auch keinem Pub aus dem Jahr 1750. Im Sommer verschwindet die Fassade beinahe unter Blumen, im Winter übernehmen Tannenbäume und Lichterketten. Ein gewisses Durcheinander wird hier auch im Inneren fortgesetzt: Pflanzen, alte Schilder und Erinnerungsstücke an Winston Churchill, dessen Großeltern sollen den Pub regelmäßig besucht haben. Bei so viel Geschichte dürfte die Speisekarte überraschen: Seit mehr als 35 Jahren kommt hier thailändisches Essen auf den Teller. Ein ziemlich legendärer Pub mit ziemlich eigenen Spielregeln.
London, 19 Kensington Church Street; churchillarmskensington.co.uk
Royal Oak, Edinburgh
Im Royal Oak braucht es weder Bühne noch große Ankündigung: Oft genügen ein paar Instrumente, bis aus dem kleinen Pub eine Folk-Session wird. In der schmalen Bar an der Infirmary Street in Edinburgh sitzen Musiker, Stammgäste und Besucher dicht beieinander; im Untergeschoss veranstaltet der Wee Folk Club Konzerte. An den Wänden stehen Liedzeilen und Verse, hinter dem Tresen warten Fassbier und Whisky. Auch der schottische Krimiautor Ian Rankin ließ seinen Edinburgher Ermittler John Rebus hier einkehren. Vor allem aber ist das Royal Oak bis heute ein lebendiger Treffpunkt der Folkszene.
Edinburgh, 1 Infirmary Street; royal-oak-folk.com
Peveril of the Peak, Manchester

Der putzigste Pub der Stadt Manchester steht etwas verloren auf einer Verkehrsinsel zwischen großen Bürobauten, als ob die Stadtplanung das Gebäude einfach übersehen hätte. Hinter seiner Fassade von 1820, einem Kachel-Sammelsurium von Grüntönen, verbirgt sich eine winzige, urige Bar, die immer bestens besucht und von innen noch schöner ist. Dort wird es eng, warm und meist schnell voll. Rund um die geschwungene Bar verteilen sich mehrere kleine Gasträume mit Holzvertäfelungen, Buntglas und einem historischen Tischkicker. Gelegentlich stehen auch Livemusik oder ein Pubquiz auf dem Programm.
Manchester, 127 Great Bridgewater St
O’Donoghue’s Pub, Dublin

Einer der wichtigsten Pubs in Dublin. Seit Paddy und Maureen O’Donoghue das Lokal 1934 eröffneten, entwickelte es sich zu einem festen Treffpunkt der Folk-Szene. In den 1960er-Jahren traten hier vier Musiker gemeinsam auf, die später die weltweite Popularität irischer Folkmusik entscheidend prägen sollten: The Dubliners. Bis heute steht die Musik im Mittelpunkt. Jeden Abend treten irische Künstler auf, oft in unmittelbarer Nähe zum Publikum und ohne große Bühne. Zwischen dunklem Holz, alten Fotografien und dicht besetzten Tischen gehört sie im O’Donoghue’s ganz selbstverständlich zum Abend.
15 Merrion Row; odonoghues.ie
Philharmonic Dining Rooms, Liverpool

The Philharmonic Dining Rooms sind nicht für Zurückhaltung gebaut: Dunkles Holz, geschnitzte Details, Buntglas und üppige Ornamente füllen die Räume des viktorianischen Pubs von 1898. Vieles ist erstaunlich gut erhalten, bis hin zu den berühmten, reich dekorierten Herrentoiletten, die längst selbst zur Sehenswürdigkeit geworden sind. In Liverpool kennt man den Pub meist nur als „The Phil“. Er liegt direkt gegenüber der Philharmonic Hall und gehört seit Generationen zum kulturellen Leben der Stadt.
Auch Paul McCartney ist hier mehrfach aufgetreten. Heute kommen Stammgäste, Konzertpublikum und Besucher zusammen – nicht nur wegen des Biers, sondern auch, um einen der eindrucksvollsten historischen Pubs der Stadt zu sehen.
Liverpool, 36 Hope Street; nicholsonspubs.co.uk
Ye Olde Trip to Jerusalem, Nottingham

Die Legende lebt. Ye Olde Trip to Jerusalem soll der älteste Pub Englands sein. 1189 gegründet, diente er der Überlieferung nach Kreuzfahrern als letzte Station vor der Reise ins Heilige Land. Belegt ist das nicht – aber was ist schon ein altes Gemäuer ohne Legenden. Und historisch genug ist er allemal. Am Fuß des Nottingham Castle schmiegt sich das Haus an den Castle Rock; einige seiner kleinen Gasträume und Keller wurden direkt in den Sandstein geschlagen. Fachwerkfassade, niedrige Durchgänge, Nischen, Stuben und Felswänden. Ein über Jahrhunderte gewachsenes Gesamtkunstwerk.
Nottingham, 1 Brewhouse Yard; greeneking.co.uk
Drei Pubs in Doolin, Irland

Die Pubs im kleinen Dorf Doolin, ehemals ein überschaubares Fischerdorf, keine zehn Kilometer von den bekannten Cliffs of Moher entfernt, sind das Herzstück des Ortes – und sein Aushängeschild. Inzwischen ist Doolin weit über seine Ortsgrenzen bekannt, so gut wie jeden Abend bekommt man hier traditionelle Live-Sessions in mindestens einem von drei Pubs – perfekt für einen ausgiebigen Pub Crawl!
McDermott’s wird in vierter Generation von Patsy und Steven McDermott geführt. Live-Musik gibt es jeden Abend ab 21 Uhr.
Doolin, Toomullin; mcdermottspub.com
McGann’s liegt nur knapp 80 Meter weiter. Für den Sommer hat der Pub auch eine nette Terrasse.
Doolin, Co. Clare; mcgannsdoolin.com
O’Connor’s ist Doolins älteste und traditionellste Kneipe. Zwischen Februar und November wird jeden Abend musiziert, im Dezember und Januar an den Wochenenden.
Doolin, Fisher Street; gusoconnorsdoolin.com
Lord Poulett Arms, Somerset
Pub-Gemütlichkeit trifft auf eine feine Note. Mit seinem Reetdach und den honigfarbenen Steinmauern fügt sich das Lord Poulett Arms wunderbar in sein Dorf Hinton Saint George in Somerset ein. Das Gasthaus wurde 1680 gegründet, dazu passen gemütlich-niedrige Decken, offene Feuerstellen und eine klassische Bar. Gleichzeitig übt sich die Küche an einer etwas eleganteren Auslegung englischer Pub-Küche und engen Verbindungen zu lokalen Produzenten. Wer länger bleiben möchte, findet sechs hübsche Zimmer zum Einchecken. Von London ist das Lord Poulett Arms etwa zwei Autostunden entfernt.
Hinton Saint George, High Street; lordpoulettarms.com
The Sunflower, Belfast

In Belfasts lebhaftem Cathedral Quarter gehört der Sunflower Pub zu den Adressen, an denen man leicht länger bleibt als geplant. Schon der Eingang erzählt ein Stück Stadtgeschichte: Vor der Tür steht noch immer ein Metallgitter, ein Relikt aus der Zeit des Nordirland-Konflikts. Heute dient es nicht mehr der Sicherheit, sondern erinnert an eine Vergangenheit, die in Belfast vielerorts noch sichtbar ist.
Hinter der Fassade einer klassischen Eckkneipe treffen sich Nachbarschaft, Musikszene und Reisende; bei gutem Wetter verlagert sich das Geschehen in den beliebten Biergarten. Guinness sucht man hier allerdings vergebens. Stattdessen stehen lokale Biere auf der Karte, darunter Sorten der genossenschaftlich organisierten Boundary Brewing. Dazu gibt es täglich Pizza aus dem Holzofen – und natürlich Livemusik.
Belfast, 65 Union St; sunflowerbelfast.com
Dick Mack’s, Dingle
Seit 1899 ist Dick Mack’s eine Institution in Dingle, im irischen County Kerry. Der Pub befindet sich noch immer in Familienbesitz und genießt den Ruf, Irlands beste Whiskey-Bar zu sein. In den Regalen drängen sich unzählige Flaschen – nicht nur aus Irland, sondern auch aus Japan und den USA. Natürlich gibt es auch Bier und andere Getränke und sogar einen kleinen Shop, der Lederwaren wie Gürtel und Portemonnaies verkauft. Das Ambiente ist herrlich urig; wer einen Vorgeschmack auf die besondere Atmosphäre bekommen möchte, sollte sich das Musikvideo zu Lisa Hannigans Song „I Don’t Know“ ansehen, das genau hier gedreht wurde.
Dingle, 47 Green Street; dickmackspub.com
Tipp: Pubtouren in Wales
Weniger ein Pub, als eine ganze Pub-Wanderung durch Wales: Mal führt der Weg über Klippen zu einem Gasthaus direkt am Strand, mal durch Moorland, vorbei an Burgruinen oder entlang alter Handelswege. Besonders schön liegt das Tŷ Coch Inn in Porthdinllaen: Das autofreie Dorf auf der Llŷn-Halbinsel ist nur zu Fuß erreichbar, der Pub steht direkt am Meer.
Andere tolle Pubs auf der Strecke sind das aus Wellblech gebaute Tafarn Sinc in den Preseli Hills und Dylan Thomas’ Stammhaus in Laugharne. Mit solchen Zielen fällt das Laufen leicht – sofern man sich vom letzten Pub loseisen kann.