Die 9 schönsten Orte in Litauen

Von der Hauptstadt Vilnius über Kurorte an der Ostsee bis hin zu Nationalparks voller Moore und Seen: Das sind die Must-Sees in Litauen. 
Text Merian Redaktion
Datum16.08.2026

Der südlichste und zugleich größte Staat im Baltikum vereint Wälder und Moore, Seen und Strände, die Ostsee und das naturbelassene Hinterland – und dazu hübsche Städte, die ihre Akzente setzen. Die bekannteste ist die litauische Hauptstadt Vilnius, in der rund 611.000 der insgesamt drei Millionen Einwohner des Landes leben. Hier finden Reisende unter anderem eine überraschende architektonische Vielfalt, mehr als 50 Kirchen und ein kreatives Vorzeigeviertel. Doch auch kleinere und noch weniger bekannte Orte wie Kaunas oder Klaipèda rücken immer mehr in den Fokus von Urlaubern – auch deshalb, weil Litauen das perfekte Reiseziel für eine Coolcation ist und gleichzeitig entspannt ruhig bleibt. Mit Menschenmengen ist hier noch lange nicht zu rechnen.

Merian verrät im Folgenden die neun schönsten Orte im baltischen Land Litauen.

1

Wichtiger Wallfahrtsort: Berg der Kreuze

Der wichtigste Wallfahrtsort in Litauen ist der Berg der Kreuze.

Die Bezeichnung „Berg“ ist für diesen nur zehn Meter hohen, sattelförmigen Doppelhügel im Norden Litauens eigentlich eine Übertreibung. Doch die spirituelle und historische Dimension dieses katholischen Wallfahrtsortes ist dafür umso größer. Eine schmale Treppe aus Holzbohlen führt über das Areal, auf dem Ende der 1990er-Jahre bereits weit über 40.000 Kreuze gezählt wurden – eine genaue Zahl lässt sich heute kaum noch beziffern.

Die Tradition, hier Kreuze mit Wünschen oder Dankesworten aufzustellen, wurzelt tief in der Identität des Landes. Eine der bekanntesten Legenden erzählt von einem verzweifelten Vater, dem im Traum am Bett seiner schwerkranken Tochter eine weiße Frauengestalt erschien. Sie trug ihm auf, ein Kreuz auf dem Hügel zu errichten. Als er nach getaner Arbeit heimkehrte, war das Mädchen gesund. Historisch gesehen handelt es sich bei dem heutigen Wallfahrtsort um einen mittelalterlichen Hügel, auf dem einst die Burg Jurgaičiai gestanden haben soll, bis Kreuzritter sie im Jahr 1348 zerstörten. Schon damals diente der Ort vermutlich als Gebets- und Opferstätte. Zum mächtigen Symbol des Widerstands gegen die russische Obrigkeit und für den tiefen Glauben der Litauer wurde der Hügel schließlich im 19. Jahrhundert. Damals begannen die Menschen, dort Denkmäler für ihre im Kampf gefallenen Familienmitglieder zu setzen.

Selbst radikale Zerstörungsaktionen während der sowjetischen Ära konnten diesen Geist nicht brechen: Als der Ort 1961 mit Bulldozern dem Erdboden gleichgemacht und Tausende Kreuze vernichtet wurden, ließen sich die Gläubigen nicht aufhalten. Trotz weiterer Abrisse brachten sie immer wieder neue Kreuze dorthin, bis das Land seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Heute pilgern Menschen völlig individuell und ohne feste Termine an diesen Ort. 

2

Die Kulturhauptstadt Litauens: Kaunas

Ehemalige Hauptstadt, zweitgrößte Stadt Litauens und Kultur-Hotspot: Kaunas.

Die Kombination aus moderner Streetart und geschichtsträchtiger Architektur macht das Ambiente von Kaunas unverwechselbar. Wer durch die Straßen der zweitgrößten Stadt Litauens spaziert, stößt am Rathausplatz auf ein barockes Prachtstück von 1542, das wegen seiner eleganten, hellen Silhouette liebevoll „Weißer Schwan“ genannt wird. Wo früher Händler feilschten und Richter urteilten, befindet sich heute das Stadtmuseum im Rathausgebäude. Nur wenige Schritte entfernt ragt die gewaltige Peter-und-Paul-Kathedrale empor – das größte gotische Sakralbauwerk des Landes, in dessen Inneren eine prachtvolle historische Orgel thront.

Kaunas befindet sich dort, wo der Fluss Neris in die Memel mündet. Diese strategische Lage machte die rund 100 Kilometer westlich von Vilnius gelegene Stadt schon im 14. Jahrhundert zu einem bedeutenden Knotenpunkt für Handel und Verteidigung. Einen besonders schönen Blick auf dieses Zusammenspiel aus Flusslandschaft und Altstadt bieten zwei historische Standseilbahnen aus der Zwischenkriegszeit. Sie rattern bis heute hinauf zu den Hochterrassen des Memeltales und belohnen Fahrgäste mit einem weiten Panorama.

Ihre wohl glanzvollste Epoche erlebte Kaunas zwischen 1920 und 1940, als sie vorübergehend zur Landeshauptstadt aufstieg. Aus dieser Ära des Aufbruchs zeugen noch immer die markanten Bauhaus-Fassaden entlang der großen Boulevards. Dass dieser kreative Geist nie verschwunden ist, beweist die einstige europäische Kulturhauptstadt nicht zuletzt durch ihre lebendige Kunstszene. Neben der bekannten Textilkunst-Biennale prägen riesige Wandgemälde das Stadtbild. Wer tiefer in die Kultur eintauchen möchte, findet in der Neustadt eine dichte Museumslandschaft. Das Spektrum reicht von der Galerie meno parkas mit zeitgenössischen Werken über das traditionsreiche Čiurlionis-Kunstmuseum bis hin zu einer weltweit wohl einzigartigen Kuriosität: dem Teufelsmuseum, das weit über 3.000 düstere Sagengestalten und Schnitzereien beherbergt.

3

Nationalpark Dzūkija: Größtes Schutzgebiet des Landes

Ein beachtlicher Teil des Nationalparks Dzūkija gilt noch heute als unberührte Wildnis.

Wer hier nachts genau hinhört, kann tief aus dem Dickicht das Heulen der Wölfe oder den Ruf des Uhus vernehmen: Der Nationalpark Dzūkija im äußersten Süden Litauens ist ein Naturraum, wie es ihn in Europa nur noch selten gibt. Das direkt an Belarus grenzende Areal wurde 1991 unter Schutz gestellt und ist mit einer Fläche von über 58.000 Hektar der größte Nationalpark des Landes. Ein beachtlicher Teil davon ist sogar offiziell als unberührte Wildnis zertifiziert. 

Die Landschaft besticht vor allem durch ihren Wasserreichtum: Insgesamt 36 Flüsse und Bäche schlängeln sich durch das Terrain. Entlang der Uferlandschaften wechseln sich Binnendünen, Moore und Kiefernwälder ab. Letztere locken im Herbst Scharen von Pilzsammlern an, die bei geführten Touren die Schätze des Waldes aufspüren und oft direkt im Anschluss zubereiten. Der Dzūkija-Nationalpark ist außerdem ein Zufluchtsort für eine faszinierende Tierwelt: Vogelbeobachter kommen besonders im Frühling und Sommer auf ihre Kosten, wenn Eisvögel, Schwarzstörche oder Wachtelkönige an den Sandbänken brüten. Wer viel Glück hat, kann im streng geschützten Čepkeliai-Moor die Paarungstänze der Auerhühner beobachten.

In den historisch gewachsenen Walddörfern wird bis heute die traditionelle Zeidlerei – eine Urform der Waldimkerei – betrieben, außerdem wird Brot aus Buchweizen gebacken und die Kunst der Schwarzbrandkeramik gepflegt. Besucher können in den regionalen Siedlungen in Workshops sogar selbst in diese Handwerkskunst eintauchen.

Wer die unendlich scheinenden Waldflächen lieber aus der Vogelperspektive betrachten möchte, findet zwei spektakuläre Aussichtspunkte: Die Pyramide in Marcinkonys erlaubt einen weiten Blick über die Wipfel, während der 26 Meter hohe Aussichtsturm in Merkinė die Baumgrenze durchbricht. Durch seine besondere Architektur verschmilzt dieser Turm optisch so perfekt mit der Natur, dass er im Volksmund auch den Spitznamen „Kleiner Kiefernwald“ trägt.

4

Das Rom des Ostens: Die Hauptstadt Vilnius

Hier zu sehen: die St.-Anna-Kirche und das Bernhardinerkloster in Vilnius.

Es heißt, selbst Napoleon Bonaparte sei im Jahr 1812 so hingerissen von der filigranen, tiefroten St.-Anna-Kirche gewesen, dass er sie am liebsten auf seiner Handfläche mit nach Paris getragen hätte. Tatsächlich blickt Vilnius auf eine über 800-jährige Geschichte zurück, die architektonisch tiefe Spuren hinterlassen hat. Während die Schwesterstädte Tallinn und Riga von nordischer Backsteingotik und lutherischem Hansegeist geprägt sind, dominieren in Litauens Metropole prachtvolle Barockbauten. Italienische Baumeister formten ab dem 16. Jahrhundert das Stadtbild. Wegen der über 50 Gotteshäuser trägt die Stadt auch die Beinamen „Rom des Ostens“ beziehungsweise „Rom des Nordens“ – je nach Perspektive.

Die Hauptstadt schmiegt sich im Südosten des Landes, etwa 40 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt, in eine waldreiche Hügellandschaft an der Mündung des namensgebenden Flusses Vilnia in die Neris. Wer hierher reist, stellt schnell fest, wie grün die Metropole ist: Ganze 61 Prozent des Stadtgebiets bestehen aus Naturflächen. Das Herzstück bildet aber die 1994 zum UNESCO-Welterbe ernannte Altstadt – die größte im gesamten Baltikum. Sie lässt sich wunderbar vom Wasser aus per Boot erkunden – oder bei einer Fahrt mit dem Heißluftballon, wenn das warme Licht des Sonnenuntergangs die roten Ziegeldächer in eine romantische Kulisse verwandelt.

Im 14. Jahrhundert ließ Großfürst Gediminas hier seine Residenz errichten; die Ruinen seiner Burg thronen noch heute auf einem 142 Meter hohen Hügel über dem rekonstruierten Großfürstlichen Schloss. Einen ganz eigenen Kosmos bildet indes das Viertel Užupis. Einst Heimat der jüdischen Gemeinde und nach dem Holocaust völlig verwahrlost, hauchten ihm Kreative neues Leben ein. Im Jahr 1997 riefen Künstler hier eine eigene, bis heute bestehende Freigeist-Republik aus. 

Übrigens: Hier haben wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Vilnius gesammelt.

5

Nationalpark Aukštaitija: Zwischen Natur und Tradition

70 Kilometer Wasser schlängeln sich durch den idyllischen Nationalpark Aukštaitija.

Kiefern und Eichen, deren Wurzeln zum Teil seit über zwei Jahrhunderten in der Erde verankert sind, prägen das Bild des urwüchsigen Azvinka-Waldes. Wer dieses dichte Grün durchstreift, befindet sich im Herzen des Nationalparks Aukštaitija. Gegründet im Jahr 1974, erstreckt sich die Naturregion im Nordosten des Landes über mehr als 40.000 Hektar im Dreiländereck zu Lettland und Belarus. Fast 70 Prozent des zweitgrößten Nationalparks sind von dichten Wäldern bedeckt, die fließend in Moore, weite Wiesen und Heideflächen übergehen. Sie bieten zahlreichen Säugetierarten, darunter Wölfe, Luchse und Elche, eine Heimat. An den Gewässern laichen Lachse, über 200 Vogelarten finden hier geschützte Rückzugsorte. Die Seen Asėkas und Kretuonas gelten dabei als wahre Hotspots für die Vogelbeobachtung.

Die eigentliche Magie des Nationalparks liegt jedoch in seiner blauen Ader: 126 funkelnde Seen sind durch ein natürliches Labyrinth aus Kanälen und Flüssen miteinander verbunden und bilden ein gut 70 Kilometer langes Netz aus Wasserwegen. Unter den Gewässern sticht der Tauragnas hervor, der mit 60,5 Metern als der tiefste See Litauens gilt. Wer das gesamte Panorama des Aukštaitija-Nationalparks auf sich wirken lassen möchte, steigt auf den Ladakalnis-Hügel. Von diesem Gipfel aus schweift der Blick weit über die bewaldete Seenlandschaft. 

Als kulturelles Herzstück des Nationalparks gilt die historische Wassermühle von Ginučiai aus dem 19. Jahrhundert, die heute als technisches Denkmal eine Ausstellung beherbergt. Insgesamt verzeichnet der Park über 100 archäologische Meilensteine, darunter alte Hügelgräber und Überreste einer mittelalterlichen Verteidigungslinie.

Das charmante Örtchen Palūšė mit seiner kleinen Holzkirche ist der perfekte Ausgangspunkt für Touren durch den Park, von hier aus starten etwa verschiedene Naturlehrpfade. Für Aktivurlauber stehen Campingplätze bereit, und selbst im Winter zieht die Region Besucher an: Nahe der Nachbarstadt Ignalina lockt ein Wintersportzentrum mit verschiedenen Loipen und Pisten.

aparkai.lt

6

Berühmtes Fotomotiv: Trakai mit Wasserburg

Die Wasserburg von Trakai ruht wie ein Juwel auf dem Galvė-See.

Dass eine Ortschaft mit gerade einmal rund 4.300 Einwohnern im Mittelalter für sieben Jahre die Hauptstadt des litauischen Großfürstentums war, verdankt sie angeblich Fürst Gediminas: Er soll im frühen 14. Jahrhundert im dichten Wald bei der Jagd auf einen idyllischen Hügel gestoßen sein und kurzerhand beschlossen haben, seinen Regierungssitz hierher zu verlegen. Die Rede ist von Trakai, dessen historische Keimzelle 1337 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Da sich das Städtchen aufgrund seiner Lage zwischen den Gewässern nach dem Mittelalter nie wirklich ausdehnen konnte, blieb es ein beschauliches Juwel, das heute auf einer Fläche von knapp zwölf Quadratkilometern ruht. Die unter Schutz stehende Altstadt verzaubert Gäste vor allem durch die einstöckigen, historischen Holzhäuser und die gotisch-barocke Basilika Mariä Heimsuchung.

Das unbestrittene Herzstück liegt jedoch auf einer Insel im Galvė-See: die Wasserburg von Trakai. Sie gilt als Meisterwerk mittelalterlicher Wehrarchitektur. Ursprünglich im 14. Jahrhundert unter Kęstutis begonnen und 1409 von dessen Sohn Vytautas vollendet, trotzte die rote Backsteinfestung allen Angriffen der Kreuzritter. Den intensivsten Eindruck dieser uneinnehmbaren Trutzburg bekommen Entdecker, wenn sie sich ein Ruderboot mieten und über den Galvė-See gleiten, der mit 21 Inseln und einer Tiefe von fast 47 Metern das markanteste der rund 200 Gewässer in der Umgebung ist.

Nachdem die Ruinen der Anlage im 20. Jahrhundert wieder aufgebaut wurde, zog 1962 das Historische Museum von Trakai in die trutzigen Gemäuer ein. Der Fundus umfasst heute fast 400.000 Exponate. Ein Rundgang führt Besucher durch das strenge Interieur des Hauptgebäudes sowie durch 16 zusätzliche Ausstellungsräume in den bombenfesten Kasematten. Außerdem dient die Kulisse heute regelmäßig als Bühne für Konferenzen, Musikfestivals und Aufführungen. Wer im August anreist, kann beim „Fest der alten Handwerke“ eine Zeitreise ins Mittelalter erleben.

trakaimuziejus.lt

7

Klaipèda: Ruhiger Ostsee-Ort

Laue Abendstimmung im Alten Hafen von Klaipèda

Wer durch die kopfsteingepflasterten Gassen der Altstadt blickt, mag sich kurz an eine norddeutsche Küstenstadt erinnert fühlen: Gut erhaltene Fachwerkhäuser aus dem 17. bis 19. Jahrhundert prägen in Klaipèda das Stadtbild. Mit ihren rund 170.000 Einwohnern beherbergt die Stadt den bedeutendsten Seehafen des Landes. Geografisch erstreckt sie sich auf dem Festland direkt an der Mündung der Dange in das Kurische Haff, genau gegenüber der Nordspitze der Kurischen Nehrung und etwa 120 Kilometer nordöstlich von der russischen Exklave Kaliningrad. Obwohl das maritime Juwel unmittelbar an der Ostsee liegt, entgeht es den meisten Touristen – selbst in den Sommermonaten können Reisende hier entspannt flanieren, ohne auf überlaufene Straßen zu stoßen.

Einen regelrechten Boom erlebte der Standort nach der litauischen Unabhängigkeit im Jahr 1990, als die Stadt zur freien Wirtschaftszone erklärt wurde und ein bis heute anhaltender Aufschwung einsetzte. Das pulsierende Geschäftszentrum hat sich mittlerweile jenseits der Dange in der Neustadt etabliert, die im 18. und 19. Jahrhundert angelegt wurde. Ein markanter Blickfang auf dem Fluss selbst ist das einstige Segelschulschiff Meridianas, das heute als Restaurant Gäste empfängt. 

8

Von Dünen und Brandung: Kurische Nehrung

Der litauische Teil der Kurischen Nehrung ist ein kleines Paradies in der Ostsee.

Laut einer regionalen Sage ist dieser spektakuläre Flecken Erde keineswegs das Werk von Wind und Wellen: Die Riesin Neringa soll den Sand in ihrer Schürze herbei geschleppt und aufgehäuft haben, um die heimischen Kuren vor dem Zorn des Meeresgottes zu schützen. Wahrscheinlicher ist die Entstehung der Kurischen Nehrung nach der letzten Eiszeit durch ein Zusammenspiel von Strömungen und Sandablagerungen. Dieser schmale, permanent in Bewegung befindliche Sandstreifen trennt das ruhige Kurische Haff von der offenen Ostsee. Die Halbinsel erstreckt sich über eine Gesamtlänge von 98 Kilometern – der 46 Kilometer lange Süden gehört zur russischen Oblast Kaliningrad, während der 52 Kilometer lange Norden Teil Litauens ist. 

Einst komplett bewaldet, führten historische Rodungen dazu, dass gigantische, bis zu 60 Meter hohe Sandberge entstanden, die an ihrer schmalsten Stelle nur rund 380 Meter Raum lassen. Diese Kulisse brachte der Parnidis-Düne bei Nida – einer der höchsten Wanderdünen Europas – einst den Spitznamen „ostpreußische Sahara“ ein. Heute ist sie mit ihrem markanten Sonnenuhr-Kalender ein Besuchermagnet. Neben den kargen Sandflächen prägen dichte Nadelwälder das Bild beidseits der Grenze, weshalb sowohl die russische als auch die litauische Seite als Nationalparks geschützt sind.

Das touristische Zentrum des litauischen Teils liegt in der charmanten Ortschaft Nida, die mit Hotels, Campingplätzen und Gastronomie perfekt auf Gäste eingestellt ist. Für ein erfrischendes Bad in der Ostsee braucht es allerdings etwas Abhärtung, denn das Wasser knackt selbst im Hochsommer selten die 17-Grad-Marke. 

Übrigens: Da die Landzunge im Norden durch das Memeler Tief vom Festland getrennt ist, führt der Weg von litauischer Seite aus ausschließlich über das Wasser. Zwei Fährverbindungen ab Klaipėda steuern die Nehrung an: Eine kleine Fähre bringt in der Hochsaison ausschließlich Fußgänger hinüber, während die große Fähre für Fahrzeuge bereit steht. Gäste landen in Smiltyne an.

9

Die schönsten Orte in Litauen: Palanga

Das litauische Seebad Palanga vereint Strände, Grünflächen und Kultur.

Mit der Übersetzung „Sumpf“ lockt das traditionsreiche litauische Seebad Palanga sprachlich zunächst auf eine falsche Fährte. In der südkurischen Landschaft Megowe, deren Name übersetzt „Wald“ bedeutet, erwartet Reisende nämlich eine maritime Postkartenidylle. Neben Mooren und heilenden Mineralquellen im Hinterland besticht der Ort vor allem durch einen schönen Sandstrand, der sich gut zehn Kilometer an der Ostsee entlang zieht. 

Als absolutes Wahrzeichen der 18.000-Einwohner-Stadt gilt die Seebrücke. Der Anleger ragt rund 470 Meter weit auf die Ostsee hinaus und bietet den perfekten Logenplatz für die angeblich schönsten Sonnenuntergänge des Landes. Anschließend erwacht die Basanavičius-Straße zum Leben. Diese zentrale Promenade wird von zahlreichen Cafés, Bars und Restaurants gesäumt. Vor allem in den Abendstunden pulsiert hier das Leben zwischen Straßenkünstlern, Live-Musik und Gästen.

Ruhesuchende zieht es stattdessen in den weitläufigen Birutė-Park. Zu diesem Areal gehört neben einem Skulpturenpark mit 80 Holzfiguren aus der litauischen Folklore auch der rund 100 Hektar große Botanische Garten mit seinen romantischen Spazierwegen. Mittendrin steht das im späten 19. Jahrhundert errichtete Schloss Tiškevičiai – ein neugotischer Prachtbau, entworfen vom Berliner Architekten Franz Schwechten für den Grafen Feliks Tyszkiewicz. Heute beherbergt das Gebäude das berühmte Bernsteinmuseum von Palanga, das mit einer beeindruckenden Sammlung des „baltisches Golds“ Einblicke in dessen Entstehung und kulturelle Bedeutung gewährt.