Die 9 schönsten Orte in Kalabrien

Von bekannten Küstenstädten bis hin zu fast vergessenen Bergdörfern: Kalabrien hält einige der schönsten Flecken Süditaliens bereit. Neun Orte, die zeigen, wie vielfältig die Region ist.
 
Text Milena Härich
Datum03.04.2026

Kalabrien bildet die südlichste Spitze des italienischen Festlands – die vordere Stiefelspitze also – und wird eingerahmt vom Tyrrhenischen Meer im Westen sowie dem Ionischen Meer im Osten. Dazwischen begegnet Reisenden eine überraschend wilde Landschaft aus Gebirgen, Nationalparks und langen Küstenlinien. Viele Orte sind klein und abgelegen, andere – wie Tropea – sind längst als Must-Sees in zahlreichen Instagram-Feeds angekommen. Kalabrien hat sich dennoch seine Ursprünglichkeit bewahrt und setzt heute ein Gegengewicht zu den bekannteren und volleren Regionen Italiens, etwa der Toskana oder der Lombardei.

Wir nehmen Sie mit an den südlichsten Teil des italienischen Stiefels und zeigen die neun schönsten Orte in Kalabrien.

1

Scilla

Herrlich: der Blick von oben auf Scilla mit dem Castello Ruffo.

Direkt an der Meerenge östlich von Sizilien liegt Scilla, einer der markantesten Küstenorte Kalabriens. Die Kleinstadt teilt sich geografisch in zwei gegensätzliche Bereiche: das moderne Zentrum mit der weitläufigen Marina Grande und den historischen Kern Chianalea. Letzterer ist für seine Architektur bekannt, bei der die Häuser unmittelbar auf den Klippen am Wasser errichtet wurden, was dem Viertel den Beinamen „Venedig des Südens“ einbrachte. Doch dieser Vergleich greift eigentlich zu kurz: Hier gibt es keine Kanäle, sondern das offene Meer, das direkt gegen die Fundamente der alten Fischerhäuser brandet. Boote parken hier wie Autos direkt vor den Haustüren, stets bereit für die nächste Ausfahrt. 

Das markanteste Wahrzeichen von Scilla ist aber das Castello Ruffo, das auf einem 72 Meter hohen Felsen über dem Meer thront. Die antike Festung markiert den Übergang zwischen den Ortsteilen und bietet einen weiten Blick über die Straße von Messina bis zur sizilianischen Küste. Kulturell und kulinarisch ist die 5.000-Einwohner-Gemeinde bis heute tief in der Schwertfischerei verwurzelt. Im Mai und Juni wird dieser hier noch auf traditionelle Weise mit speziellen Harpunen-Booten gefangen. Entsprechend prägt der „Pesce Spada“ die Speisekarten der lokalen Restaurants, die sich im Fischerviertel Chianalea oft auf Plattformen direkt über dem Wasser befinden.

2

Catanzaro

Hier zu sehen: das Dorf Badolato in der Provinz Catanzaro .

Die Hauptstadt Kalabriens thront auf drei Hügeln an einer der schmalsten Stellen des italienischen Stiefels. Diese Lage hat Catanzaro den klangvollen Beinamen „Stadt der zwei Meere“ eingebracht, denn von ihren Höhenzügen aus lässt sich an klaren Tagen sowohl das Ionische als auch das Tyrrhenische Meer erahnen. Einst war Catanzaro übrigens das europäische Zentrum der Seidenproduktion, und noch heute finden sich in der Provinz Spuren dieses Erbes, das fast nirgendwo sonst in Italien so lückenlos überlebt hat. So gibt es in der Stadt noch immer Menschen, die Maulbeerbäume anbauen und Seide produzieren.

Das architektonische Wahrzeichen der Stadt ist unübersehbar: die Ponte Bisantis. Dieses 110 Meter hohe Viadukt ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst und verbindet die Außenbezirke über das Fiumarella-Tal hinweg mit dem historischen Zentrum. Dort, in der Altstadt, schlägt das pulsierende Herz von Catanzaro, und zwar entlang des Corso Mazzini. Die Fußgängerzone ist gesäumt von Cafés und Geschäften, in den Seitenarmen ist vor allem der im 12. Jahrhundert gegründete Dom sehenswert. 

Ohnehin hat die 83.000-Einwohner-Stadt kulturell so einiges zu bieten: Das MARCA (Museo delle Arti di Catanzaro) zeigt in einem beeindruckenden Kontrast zur historischen Umgebung zeitgenössische Kunst und Werke regionaler Meister. Einen gelungenen Dialog zwischen Natur und Kreativität findet man im Parco della Biodiversità Mediterranea, einer großzügigen Anlage mit modernen Skulpturen. 

Übrigens: Die umliegende Provinz heißt ebenfalls Catanzaro, Bergdörfer wie Badolato sind beliebte Ziele für Tagesausflüge.

3

Nationalpark Sila

Der Sila-Nationalpark ist eine grüne Ruheoase in Kalabrien.

Nur eine knappe Autostunde trennt die Hitze der kalabrischen Küste von einer Welt, die so gar nicht in das gängige Italien-Klischee passen will. Wer die Serpentinen bezwingt und das Hochplateau des Sila-Gebirges erreicht, taucht ein in eine Landschaft aus weiten Ebenen, tiefblauen Seen und Wäldern, die so dicht und alt sind, dass sie eher an Skandinavien oder Kanada erinnern als an den tiefen Süden Europas. Auf einer Höhe zwischen 1.200 und 1.900 Metern herrscht hier eine angenehme Frische, auch im Hochsommer.

Das wahre Herzstück dieses 737 Quadratkilometer großen Nationalparks sind die „Giganten der Sila“. In diesem geschützten Primärwald, einem der letzten seiner Art im Mittelmeerraum, stehen über 400 Jahre alte Schwarzkiefern, die mehr als 40 Meter in den Himmel ragen. 

Das Sila-Gebirge wird darüber hinaus durch die großen Seen geprägt. Der Lago Cecita, der größte von ihnen, ist ein Paradies für Fotografen, besonders wenn im Herbst der Nebel über die Wasseroberfläche zieht. Während der Lago Arvo mit dem idyllischen Örtchen Lorica zu entspannten Spaziergängen einlädt, findet man am abgelegenen Lago Ampollino jene einsame Ruhe, die die Sila so besonders macht. Hier oben gibt es keinen internationalen Massentourismus; man begegnet eher Einheimischen, die in Camigliatello Silano einkehren oder die geschichtsträchtigen Gassen von San Giovanni in Fiore besuchen, einem Ort, dessen Wurzeln bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

4

Rocca Imperiale

Rocca Imperiale gehört zu den „borghi più belli d’Italia“, den schönsten Dörfern Italiens.

Rocca Imperiale ist ein architektonisches Kuriosum: Aus der Ferne betrachtet wirkt das historische Zentrum wie eine steinerne Kaskade, die sich terrassenförmig den Hügel hinab gießt. Diese markante Struktur hat dem Dorf einen Platz auf der Liste der „borghi più belli d’Italia“, der schönsten Orte Italiens, gesichert. Rocca Imperiale ist zweigeteilt – oben ragt die mittelalterliche Altstadt empor, unten an der Marina pulsiert das moderne Strandleben am Ionischen Meer.

Das dominierende Wahrzeichen ist das Castello Svevo, eine Stauferburg, die im 13. Jahrhundert unter Friedrich II. errichtet wurde. Von den massiven Mauern aus bietet sich ein beeindruckender Panoramablick über die Küste und das Meer. Ein Alleinstellungsmerkmal des Ortes ist außerdem die hiesige Landwirtschaft, speziell die Limone di Rocca Imperiale spielt eine große Rolle. Diese Zitrone mit geschützter Herkunftsbezeichnung (IGP) prägt nicht nur die umliegenden Haine, sondern die gesamte lokale Identität. Ihr Duft liegt besonders im Frühjahr während der Blütezeit über der Region, und in der Küche findet die Frucht in fast jedem Gericht Verwendung – von Fischspezialitäten bis hin zu Desserts. 

5

Diamante

Diamante ist eine Kunststadt durch und durch – und ein Must-See in Kalabrien.

An der Nordwestküste Kalabriens, eingebettet zwischen Praia a Mare und Cetraro, liegt Diamante. Mit rund 5.000 Einwohnern ist der Ort groß genug für eine lebendige Infrastruktur, bleibt aber kompakt genug, um ihn bequem zu Fuß zu erkunden. Während viele Küstenorte der Region sich vor allem durch ihre Strände definieren, hat sich Diamante als kulturelles Zentrum am Tyrrhenischen Meer etabliert – vor allem durch eine Initiative aus dem Jahr 1981. 

Damals lud der Künstler Nani Razzetti über 80 Maler aus dem In- und Ausland ein, um die Fassaden der Altstadt als Leinwände zu nutzen. Heute ziehen sich über 300 Wandgemälde, die sogenannten Murales, durch die Gassen und machen den Ort zu einer der größten Open-Air-Galerien Italiens. Dieser künstlerische Aspekt prägt das Stadtbild ebenso wie die zahlreichen Cafés, Bars und kleinen Läden, die sich über die Jahre hinweg hier angesiedelt haben.

Ein kulinarisches Markenzeichen ist der Peperoncino, Diamante gilt als inoffizielle Hauptstadt der kalabrischen Chilischote. Das zeigt sich nicht nur in den Auslagen der Geschäfte, die von Ölen bis hin zu scharfer Pasta alles rund um die Schote anbieten, sondern gipfelt jährlich im September im Peperoncino-Festival. Das fünftägige Event mit Ausstellungen, Konzerten und der italienischen Chili-Essmeisterschaft ist eine der meistbesuchten Veranstaltungen Kalabriens.

6

Tropea

Tropea ist einer der bekanntesten Orte in Kalabrien und längst in vielen Instagram-Feeds angekommen.

Diese Stadt ist der unbestrittene Hotspot an der kalabrischen „Costa degli Dei“, der sogenannten „Küste der Götter”. Dramatisch auf einer rund 60 Meter hohen Felsklippe über dem Tyrrhenischen Meer erbaut, bietet Tropea eine der bekanntesten Silhouetten Süditaliens. Das Stadtbild wird von historischen Adelshäusern geprägt, die teils unmittelbar an der Abbruchkante der Klippen zu schweben scheinen. Wer durch das Centro Storico spaziert, bewegt sich durch ein Labyrinth aus engen Gassen und kleinen Piazzen, die immer wieder unvermittelt den Blick auf das offene Meer und die Äolischen Inseln freigeben. Besonders beliebt ist hierfür die Aussichtsterrasse namens Belvedere Piazza del Cannone, die einen weiten Blick über die Küstenlinie ermöglicht.

Das architektonische und spirituelle Wahrzeichen der Stadt ist das Santuario di Santa Maria dell’Isola. Die mittelalterliche Kirche thront auf einem markanten Sandsteinfelsen direkt vor der Stadt und ist über eine in den Stein gehauene Treppe erreichbar. Ein gepflegter Garten umgibt das Heiligtum, von dem aus man das karibisch anmutende Wasser der darunter liegenden Strände überblicken kann. Direkt zu Füßen erstrecken sich nämlich die Spiaggia della Rotonda sowie die Spiaggia Mare Piccolo, die von kalkweißen Klippen eingerahmt werden.

Ein bedeutendes kulturelles Zeugnis im Herzen der Altstadt ist der Normannendom aus dem 12. Jahrhundert. Die Concattedrale di Maria Santissima di Romania beherbergt die Schutzikone der Stadt, die „Madonna di Romania“, der zugeschrieben wird, Tropea im Jahr 1638 vor einem schweren Erdbeben bewahrt zu haben. Abseits der sakralen Bauten prägt der moderne Hafen das Leben am Fuße der Klippen; er dient als strategischer Ausgangspunkt für Bootsausflüge zum aktiven Vulkan Stromboli oder zu den weiteren Äolischen Inseln.

7

Praia a Mare mit der Grotta Azzurra

Von Praia a Mare aus blickt man direkt zur Dino Island.

Praia a Mare liegt malerisch an der nordwestlichen Küste Kalabriens, dort, wo das Tyrrhenische Meer bereits an die Basilikata grenzt. Der weitläufige Kies- und Sandstrand von Praia a Mare zieht sich in sanften Bögen entlang der Küste, das Wasser schimmert je nach Lichteinfall in intensiven Blau- und Türkistönen. Vor der Küste erhebt sich die Isola di Dino, eine markante, unbewohnte Insel, die das Panorama prägt und seit jeher Stoff für Geschichten liefert.

Rund um die Insel eröffnen sich einige der schönsten Perspektiven der Region: Kajaks gleiten an Felswänden entlang, Boote steuern versteckte Buchten an, und unter Wasser locken klare Sicht und lebendige Meereswelten. Höhepunkt ist die Grotta Azzurra, eine leuchtend blaue Grotte, in der das Sonnenlicht das Wasser zum Strahlen bringt – am eindrucksvollsten an hellen Vormittagen, wenn man sich per Boot oder Tretboot hineintreiben lässt. 

Entlang der sommerlich belebten Promenade von Praia a Mare reihen sich Restaurants und Bars, in denen fangfrischer Fisch und kalabrische Klassiker mit Blick aufs Meer serviert werden. Mit seinen knapp 7.000 Einwohnern bleibt die Kleinstadt angenehm überschaubar und wirkt auch im Sommer fast nie überlaufen.

8

Nationalpark Pollino

Als größtes Schutzgebiet Italiens lockt der Pollino-Nationalpark mit zahlreichen wildromantischen Landschaften.

Ein gewaltiges, rund 1.920 Quadratkilometer großes Terrain, das sich bis heute seine raue Ursprünglichkeit bewahrt hat, ist der Parco Nazionale del Pollino, der sich als größtes Schutzgebiet Italiens über die Grenzregion von Kalabrien und Basilikata ausbreitet. In den südlichsten Ausläufern des Apennin türmen sich hier Gipfel wie die Serra Dolcedorme auf über 2.200 Meter, dazwischen schneiden sich tiefe Schluchten in die Landschaft, Flüsse bahnen sich ihren Weg durch dichte Wälder, und immer wieder öffnen sich weite, fast unberührte Hochflächen. Wahrzeichen dieses wilden Naturraums ist die Schlangenhaut-Kiefer, ein urtümlich wirkender Baum, der wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten an kargen, hochgelegenen Standorten überlebt.

Mit etwas Glück lassen sich Wölfe, Adler oder scheue Wildkatzen beobachten. Der Pollino ist außerdem ein Paradies für Aktivurlauber – von ausgedehnten Wanderungen auf den Monte Pollino bis zu anspruchsvollen Gipfeltouren oder Rafting-Abenteuern auf dem Lao-Fluss, wo sich das Wasser durch enge Schluchten zwängt, ist für jeden etwas dabei. Dazwischen liegen Orte wie Morano Calabro, das sich malerisch um eine Burg schmiegt, oder Civita, ein Dorf hoch über einer spektakulären Schlucht. 

9

Stilo

Wie aus einem Märchen: Stilo mit der Cattolica di Stilo

Stilo liegt im Südosten Kalabriens, nur wenige Kilometer vom Ionischen Meer entfernt, und wirkt doch wie eine eigene Welt – ein kleines Bergdorf, das an den Hängen des Monte Consolino liegt und seine mittelalterliche Seele bis heute bewahrt hat. Zwischen engen, verwinkelten Gassen, steinernen Häusern und steilen Treppen entfaltet sich eine ruhige Atmosphäre, fernab vom Trubel der Küste. Über dem Ort thront die berühmte Cattolica di Stilo, eine byzantinische Kirche aus dem 10. Jahrhundert mit fünf kleinen Kuppeln und charakteristischer Ziegelarchitektur – eines der bedeutendsten Bauwerke dieser Art in Italien und zugleich ein Aussichtspunkt mit weitem Blick über Täler und Olivenhaine. Noch höher, auf dem Monte Consolino, liegen die Ruinen der normannischen Burg, die Ruggero I. im 11. Jahrhundert errichten ließ und die heute einen eindrucksvollen Blick über die Landschaft freigeben.

Stilo lebt von seiner Mischung aus byzantinischen, normannischen und mittelalterlichen Einflüssen, die sich in jeder Ecke widerspiegeln. Die umliegende Natur lädt zu ruhigen Wanderungen ein, während in den kleinen Lokalen einfache, ehrliche Gerichte serviert werden – würzige ’Nduja, süße rote Zwiebeln aus Kalabrien und hausgemachte Spezialitäten.