9 besondere Sehenswürdigkeiten in Estland

Spätestens seit der Begriff „Coolcation“ die Reisetrends bestimmt, wandert die Aufmerksamkeit deutscher Urlauber zunehmend auch aufs Baltikum. Mit ihren schattigen Wäldern, den naturbelassenen Hochmooren und erfrischenden Ostsee-Brisen eignen sich Estland, Lettland und Litauen bestens als kühlere Alternativen zum immer heißer werdenden Mittelmeersommer.
Im Folgenden widmen wir uns dem facettenreichen Estland, das auf einer Fläche kleiner als Niedersachsen vielfältige Landschaften, traditionsreiche Kulturen und spannende Städte wie die Hauptstadt Tallinn und die Kulturhauptstadt Tartu vereint. Hier folgen weitere Sehenswürdigkeiten und besondere Orte in Estland.
Tallinn

Unmittelbar an die Ostsee grenzt Estlands Hauptstadt Tallinn. Bereits im Mittelalter florierte der historische Hafen als nördlichstes Handelszentrum der Hanse. Die schmalen Gassen, die massiven Stadtmauern und viele der schmucken Kaufmannshäuser rund um den Marktplatz gehen auf das 13. bis 16. Jahrhundert zurück. Dank der Hanglage und der gut geschützten Festung konnte Tallinn seinen Reichtum und seine Stellung über Generationen und Konflikte hinweg bewahren.
Seit 1997 zählt das zentrale Altstadtensemble zum Kulturerbe der Unesco; besonders ist vor allem die hiesige Apotheke, die als älteste durchgehend betriebene der Welt gilt. Für den ersten Überblick lohnt ein Spaziergang auf der Stadtmauer oder ein Aufstieg zur Kohtuotsa-Aussichtsplattform. Danach lässt man sich am besten einfach treiben, vorbei an Galerien, Cafés und Kunsthandwerk.
Hier geht's zu den Top Sehenswürdigkeiten von Tallinn.
Estnische Moore

„Egal, wo in Estland du deine Reise startest, irgendwann landest du immer im Moor“, so sagt man hier. Wie wahr! Das feuchte Klima, Senken aus der Eiszeit und ein lehmiger, undurchlässiger Boden sorgen dafür, dass im ganzen Land weite Moorflächen gedeihen. Allein in der südöstlich von Tallinn gelegenen Region Kõrvemaa erstrecken sie sich über ein Gebiet von 1.000 Hektar.
Flache Moorteiche, Seen und dichter Nadelwald laden zu ausgiebigen Wanderungen ein. Im Winter kann man Schlittschuhlaufen, Langlaufen oder mit den Schneeschuhen über das gefrorene Moor spazieren. Unterwegs entdecken Besucher eine überraschend vielfältige Fauna aus Torfmoos, Heidekraut, Sumpfporst, Schnabelried, Sonnentau, Moosbeeren und Wollgras. An mehreren Orten führen zudem hölzerne Rundwege und ausgeschilderte Wanderrouten durch die ursprüngliche Natur.
Saaremaa

Gleich mehrere weitläufige Ostseeinseln gehören zu Estland; die größte von ihnen, Saaremaa, ist mit rund 2.700 Quadratkilometern dreimal so groß wie Rügen. Die Anreise erfolgt in der Regel mit der Fähre. Von Virtsu in West-Estland geht es zunächst nach Kuivastu auf die Insel Muhu und anschließend weiter über einen Damm nach Saaremaa. Was nach einer langen Überfahrt klingt, dauert bei wenig Verkehr nur rund 30 Minuten.
Sehenswert sind die Inselhauptstadt Kuressaare mit ihrer gut erhaltenen Bischofsburg aus dem 14. Jahrhundert sowie das Örtchen Angla und dessen historische Holzwindmühlen. Abgesehen davon spielen hier Natur, Landwirtschaft und Entschleunigung die Hauptrolle. Steilküsten, Badestellen, Wander- und Radrouten laden von Frühjahr bis Herbst zu ausgiebigen Ausflügen ein.
Hinweis: In den gut besuchten Sommermonaten ist es ratsam, ein Ticket für die Fähre zu reservieren.
Tartu

Spätestens seit der Ernennung zur europäischen Kulturhauptstadt 2024 macht die zweitgrößte Stadt Estlands von sich reden. Als Tor zum südlichen Teil des Landes vereinen die 100.000 Einwohner verschiedene regionale Sprachen, Traditionen und Lebensbereiche. Als Sitz der ältesten Universität des Baltikums zieht Tartu nicht nur viele Studierende, sondern auch ambitionierte Gründer, Visionäre und Kreative an. Neben dem entspannten Flair, das sich in Cafés, Bibliotheken und Galerien ausbreitet, hat Tartu mit dem Estnischen Nationalmuseum, dem AHHAA Science Centre und den verschiedenen Museen der Universität ein interessantes Portfolio an Ausstellungshäusern. Einen Abstecher wert sind zudem das Holzhausviertel Karlova und der Kreativ-Campus Aparaaditehas.
Ostseeküste vor Pärnu

Ferienhäuser, Wellness-Resorts und etliche Freizeitmöglichkeiten: Der Ostseeort Pärnu gilt als Sommerparadies Estlands. Mit gut 600 Kilometern Küstenlinie finden Badeurlauber in Pärnu und dem zugehörigen Landkreis ausreichend Platz am feinsandigen Ostseestrand. Die geschützte Bucht sorgt für mildes Flachwasser und ist deshalb besonders bei Familien mit Kindern beliebt. Dazu versorgen Bootsverleihe, Segel- und Surfschulen alle Wasserfans mit dem passenden Equipment. Wer lieber zu Land unterwegs ist, kann den hölzernen Wanderpfad an der Strandwiese oder die Promenade entlanglaufen. Und bei schlechtem Wetter findet man in den Wellness- und Day-Spas sowie in den Saunen wohltuenden Unterschlupf.
Nationalpark Lahemaa

Ganze sechs Nationalparks gibt es in Estland – viel für ein solch kleines Land. Lahemaa, der älteste von ihnen – noch in Sowjetzeiten gegründet –, schmiegt sich an die nördlichste Küste. Hier bilden unberührte Strände, Hochmoore und alte Wälder aus Birken, Kiefern, Tannen und Lichtungen eine mystische Symbiose. Sichtbar durch die letzte Eiszeit geprägt, finden sich in Lahemaa einige beachtliche Ansammlungen an Findlingen. Spazierwege führen vorbei an den moosbewachsenen Zeugen der Erdgeschichte.
Ein weiterer außergewöhnlicher Bewohner ist der Europäische Luchs, der hier durch die menschenleeren Waldgebiete streift. Um die scheue Raubkatze zu erspähen, braucht es neben einer großen Portion Glück in der Regel auch das Wissen eines geschulten Guides. Gut, dass ein gutes Dutzend erfahrener Naturführer Besucher auf Anfrage durch den Nationalpark begleitet.
Bären und Elche im Nationalpark Alutaguse

Mit seinen dichten Wäldern, Seen und Mooren zählt der Nordosten Estlands zu den wildesten Gebieten in ganz Europa. Kein Wunder also, dass sich hier die größten Säugetiere des Kontinents heimisch fühlen. Neben Hirschen, Wölfen und Elchen leben rund 1.000 Braunbären im Land und bilden eine der größten Populationen Europas. Gut beobachten lassen sie sich im Nationalpark Alutaguse. Zu diesem Zweck eingerichtete Häuschen bieten Naturfans sicheren Unterschlupf und geben mit etwas Glück den Blick auf die dämmerungsaktiven Tiere frei.
Allerdings gilt: Selbst wenn sich die Bären nicht in unmittelbarer Nähe befinden, sollte das Schutzhäuschen unter keinen Umständen verlassen werden. Das nächtliche Abenteuer ist komplett, wenn am Morgen die majestätischen Elche vorbeiziehen. Äußerst selten zeigen sich zudem die letzten freilebenden Vertreter des Europäischen Gleithörnchens. Ihr Bestand wird auf nur noch 300 bis 500 Exemplare geschätzt.
Hinweis: Wer mit Outdoor-Erlebnissen und der hiesigen Natur nicht vertraut ist, sollte zunächst eine geführte Beobachtungstour buchen.
Estnische Rauchsauna

Dieses Kulturgut ist den Finnen vorbehalten? Von wegen! Auch in Estland hat der Saunagang lange Tradition, allen voran die Rauchsauna in der südlichen Region Võromaa, die seit 2014 von der Unesco als immaterielles Kulturerbe gelistet wird. Die Besonderheit: Anders als in der geläufigen Finnischen Sauna gibt es in den meist urigen Häuschen keinen Kamin, also keine Abluft.
Über Stunden hinweg wird das Feuer im Ofen gefüttert, kurz vor Beginn des Saunagangs wird der Rauch aus dem Raum gewedelt. Was bleibt, ist ein mitunter etwas kratziger, dunkler Räucherduft. Anschließend kühlen sich die Estinnen und Esten im Wasserbad, im See oder mit Eis ab. Estnische Rauchsaunen gibt es im ganzen Land. Eine große Auswahl bietet zum Beispiel das Viking Village, rund 30 Kilometer südlich von Tallinn. Ganz nebenbei kann man hier in die Geschichte, das Leben und die Kultur der Wikingerzeit eintauchen.
Viljandi

Zwischen Pärnu an der westlichen Ostseeküste und Tartu im Osten des Landes lädt das beschauliche Viljandi zu einem Zwischenstopp ein. Die Hansestadt schmiegt sich an den gleichnamigen See, an dessen Ufer die Ruinen einer mittelalterlichen Ordensburg die Jahrhunderte überdauert haben. Die Spazierwege am See, der Altstadtkern mit seinen Holzhäusern und der nahe Nationalpark Soomaa eignen sich für Ausflüge. Vor allem in den Sommermonaten kommen Besucher aus ganz Estland, wenn hier eines der größten Folk-Festivals im Baltikum stattfindet.
Reise-Tipp für das Baltikum: Vilnius, Riga und Tallinn mit dem Zug
Praktisch: Seit Februar 2025 lässt sich die Strecke Vilnius–Riga–Tallinn bequem mit dem Zug bereisen. Die estnische Bahngesellschaft Elron, die litauische Gesellschaft LTG Link und die lettische Vivi haben eine durchgehende Verbindung zwischen allen drei baltischen Hauptstädten initiiert. Die Fahrt dauert insgesamt zehn Stunden, lediglich im estnischen Valga ist ein unkomplizierter Umstieg erforderlich. Für die Strecke benötigen Passagiere nur ein Ticket.