Die 7 schönsten Orte in Lettland

Größenmäßig bleibt Lettland überschaubar, auf einer Fläche knapp so groß wie Bayern leben nicht einmal zwei Millionen Einwohner. Dennoch gibt es erstaunlich viel Raum für Vielfalt: Das baltische Land zwischen Estland und Litauen prägen weite Ostseestrände, ausgedehnte Wälder, Moränenhügel und mehr als 2.000 Seen, die zusammen rund zweieinhalb Prozent der Landesfläche bedecken. Vier Nationalparks schützen einen Teil dieser Landschaften.
Auch kulturell zeigt sich Lettland abwechslungsreich. Das Land gliedert sich in die fünf historischen Regionen Kurzeme, Vidzeme, Zemgale, Sēlija und Latgale; im Zentrum steht die Hauptstadt Riga mit ihren berühmten Jugendstilfassaden und traditionellen Holzhäusern. Kalte Winter und mäßig warme Sommer mit bis zu 23 Grad machen Lettland zudem zu einem Ziel für Reisende, die an der Ostsee eher Weite und frische Luft als flirrende Hitze suchen.
Merian zeigt im Folgenden sieben der schönsten Orte in Lettland.
Die Hauptstadt Lettlands: Riga

Wo der Fluss Düna in den Rigaischen Meerbusen mündet, behauptet sich eine der größten Metropolen des Baltikums: Rund 600.000 Menschen leben in Riga. Die Stadt wurde 1201 vom Bremer Bischof Albert von Buxhoeveden gegründet – und schon wenig später stolzes Mitglied der Hanse. Ihr Unesco-prämiertes Herzstück, die Altstadt Vecrīga, ist besonders sehenswert. Hier schmiegen sich die Drei Brüder – das älteste Wohnhausensemble aus dem 15. Jahrhundert mit seinen verspielten Renaissance-, Manierismus- und Barockgiebeln – dicht aneinander.
Nur wenige Schritte weiter ragt der Dom zu Riga empor, der seit 1211 den Ton als größte mittelalterliche Kirche der Region angibt. Den besten Rundumblick auf die Stadt haben Besucher von der 72 Meter hohen Aussichtsplattform der Petrikirche. Auch das Melngalvju nams am Rathausplatz gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Riga: Einst Treffpunkt unverheirateter Kaufleute, wurde das im Krieg zerstörte Haus aus dem 14. Jahrhundert in den 90er-Jahren mit viel Liebe zum Detail rekonstruiert.
Über 800 Bauwerke machen die Stadt Riga außerdem zu einem Jugendstil-Hotspot Europas. Flaniert man durch die Straßen Alberta iela oder Elizabetes iela, blickt man in die extravagant verzierten Fassadenwelten des Stadtarchitekten Michail Eisenstein. Dem heutigen Riga geht man am besten in den Zentralmarkthallen auf die Spur: In den gigantischen ehemaligen Zeppelin-Hangars aus den 1920ern probiert man sich durch geräucherten Fisch, graue Erbsen mit Speck und dunkles Roggenbrot.
Übrigens: Hier finden Sie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Riga auf einen Blick.
Nationalpark Gauja: Größter Nationalpark Lettlands

Wer den Trubel der Hauptstadt hinter sich lassen möchte, findet knapp anderthalb Autostunden nordöstlich von Riga ein völlig konträres Lettland. Über 920 Quadratkilometer erstreckt sich der Gauja-Nationalpark – das älteste und zugleich flächenmäßig größte Schutzgebiet des Landes. Namensgeber ist der Fluss Gauja, der sich hier durch die Landschaft schlängelt. Das visuelle Markenzeichen des Schutzgebiets sind darüber hinaus die imposanten, rot und goldgelb leuchtenden Sandsteinfelsen, die steil über den Ufern aufragen und immer wieder von durch Erosion geformten Höhlen, Quellnischen und Klüften durchzogen werden. Berühmtestes Beispiel ist die Gutmannshöhle (Gūtmaņala): Mit knapp 19 Metern Tiefe und zwölf Metern Breite gilt die in der Nacheiszeit entstandene Felsgrotte als größte des Baltikums.
Auch die Flora und Fauna des Tals ist sehr sehenswert: Über 900 Pflanzenarten – darunter seltene Orchideen, Moose und Flechten – teilen sich das Revier mit knapp 150 Vogelarten, Lachsen in den Flussläufen und gelegentlich sogar Bären. Ob man auf den dicht geknüpften Wanderpfaden die Aussichtspunkte ansteuert, das Flusstal aus der Perspektive von Kanu und Kajak erkundet oder die Wintersportmöglichkeiten in den Hügeln um Sigulda auslotet: Das Gauja-Tal ist das ganze Jahr über ein beliebtes Reiseziel.
Sigulda bildet zusammen mit Cēsis und Līgatne das touristische wie kulturelle Gerüst des Parks. Wer hier unterwegs ist, wandelt auf Schritt und Tritt zwischen Epochen: In Sigulda begegnen sich die Trümmer der mittelalterlichen Ordensburg aus dem 13. Jahrhundert und das neugotische Neue Schloss, während das nahe Turaida-Museumsreservat mit seiner markanten roten Backsteinburg samt Bergfried den Blick weit über die Wälder freigibt.
Cēsis wiederum glänzt mit Kopfsteinpflaster, Bürgerhäusern und den Ruinen der Burg Wenden, dem einstigen Machtzentrum des Livländischen Ordens. Und das alte Papierdorf in Līgatne gewährt faszinierende Einblicke in die Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts. Dank der guten Bahn- und Straßenanbindung von Riga aus ist dieser Nationalpark zudem gut zu erreichen.
Das Ende von Lettland: Kap Kolka

Am Kap Kolka (Kolkasrags), der nördlichsten Spitze der historischen Region Kurland im Westen Lettlands, treffen die offene Ostsee und der Rigaische Meerbusen aufeinander. Wer an dieser schmalen Sand- und Kieszunge steht, blickt auf ein Spiel gegensätzlicher Strömungen und Wellen – ein Spektakel, das die Gewässer rund um die Landspitze seit jeher zu einem tückischen Revier für die Schifffahrt macht. Baden ist wegen der stürmischen Naturgewalten strengstens untersagt, doch das Kap entschädigt mit etwas im Baltikum Einzigartigem: Dank der exponierten Lage lässt sich hier sowohl der Sonnenaufgang als auch der Sonnenuntergang direkt über dem Meer beobachten.
Rund sechs Kilometer vor der Küste ragt der Leuchtturm von Kolka empor, 1884 auf einer künstlichen Insel errichtet, um Schiffe durch die gefährliche Passage zu lotsen. Das Kap selbst ist eingebettet in den Slītere-Nationalpark, eines der ältesten und kleinsten Schutzgebiete des Landes. Statt geschäftiger Promenaden dominiert hier unberührte Natur aus urwüchsigen Dünen, vom Salz gebleichtem Treibholz und verwitterten Kiefernwäldern, durch die heute naturnahe Wanderpfade führen. Im Frühjahr und Herbst ziehen Hunderttausende Greifvögel, Kraniche, Gänse und Watvögel über den Küstenstreifen, der eines der wichtigsten Nadelöhre für den Vogelzug im Baltikum bildet. Mit etwas Glück zeigen sich im Wasser vor dem Kap zudem Kegelrobben.
Interessant: Das direkt am Kap gelegene Dorf Kolka und die umliegenden Siedlungen gelten als das Land der Liven, einer finno-ugrischen Volksgruppe. Zwischen Bootsstegen, alten Scheunen und historischer Holzarchitektur aus dem 18. Jahrhundert spürt man bis heute den entschleunigten Takt des traditionsreichen Fischerlebens.
Das Versailles des Baltikums: Barockschloss Rundāle

Ein architektonisches Statement, das seinesgleichen sucht: Wer dieses Ensemble rund 80 Kilometer südlich von Riga betritt, begreift, warum die Anlage ehrfürchtig als das „Versailles des Baltikums“ gefeiert wird. Kein Geringerer als Bartolomeo Francesco Rastrelli – der Baumeister hinter dem St. Petersburger Winterpalast – entwarf dieses barocke Bauwerk im Auftrag der russischen Zarin Anna Iwanowna für den Herzog Ernst Johann von Biron. Dass das alte Vorgängerschloss für den Neubau im Jahr 1736 bis zum letzten Mörtelrest abgetragen wurde, passt zum maßlosen Charakter dieses Projekts.
Die Geschichte des Schlosses verlief allerdings dramatisch: Herzog von Biron konnte seine Residenz gerade einmal drei Jahre genießen, ehe ihn die Verbannung nach Sibirien traf. Erst Jahrzehnte später, unter Katharina II., kehrte der Herzog zurück und ließ das Bauwerk mit Berliner Bildhauerkunst und italienischer Deckenmalerei vollenden. Von den insgesamt 138 Räumen zeugen heute vor allem der Weiße Saal und der Goldene Saal vom beispiellosen Prunk des 18. Jahrhunderts. Neben den edel restaurierten herzoglichen Gemächern und Wechselausstellungen zur adligen Mode und Ahnenkunst zieht vor allem der zehn Hektar große Französische Garten, ein nach strengen Versailler Idealen gezirkeltes Kunstwerk aus Hecken, Alleen und Beeten, Besucher an.
Beliebter Kurort: Jūrmala

Ein Hauch von Aristokratie, der Duft harziger Kiefern und das sanfte Rauschen der Ostsee: Jūrmala gilt als das historische Herzstück baltischer Bäderkultur. Auf einer Länge von rund 40 Kilometern schmiegen sich die verschiedenen Ortsteile, einst eigenständige Dörfer, an den Rigaischen Meerbusen. Der Name Jūrmala bedeutet schlicht „Meeresküste“, was sehr passend ist: Hier breitet sich ein fast 26 Kilometer langer, feinsandiger Traumstrand aus. Wer dem flirrenden Sommer des europäischen Südens entfliehen will, findet bei frischen Meeresbrisen und angenehmen Wassertemperaturen um die 20 Grad ein wunderbar entschleunigtes Ausweichquartier.
Schon im 19. Jahrhundert zog es die High Society aus Moskau und St. Petersburg wegen der heilenden Schwefelquellen und der jodhaltigen Luft an diese Riviera des Nordens. Aus jener Zeit stammt auch das architektonische Gesicht des Ortes: Hunderte denkmalgeschützte Holzvillen – ein verspielter Mix aus filigranem Jugendstil und Historismus mit kunstvollen Veranden und Türmchen – säumen Straßen wie die noble Jūras iela.
Ebenfalls sehr sehenswert: der Dzintari-Waldpark, ob beim Radeln unter Wipfeln, auf der Aussichtsplattform hoch über den Kiefern oder bei Kulturabenden in der hölzernen Konzerthalle von 1936. Wer es noch wilder mag, radelt einfach weiter nach Ķemeri, wo der Übergang vom feinen Sandstrand in die mystischen Hochmoorlandschaften des angrenzenden Nationalparks fließend verläuft.
Magisches Moorgebiet: Nationalpark Ķemeri

1997 gegründet und rund 36.000 Hektar groß, schützt dieses Reservat am Golf von Riga ein Mosaik aus Sümpfen, Seen, Dünen und urwüchsigen Wäldern. Herzstück dieser urzeitlichen Kulisse sind die Feuchtgebiete: Ein Viertel des Parks wird von Feuchtzonen eingenommen, in deren Zentrum das riesige Große Ķemeri-Moor ruht. Ein hölzerner Pfad führt in diese Welt des Großen Moors; Besucher wählen zwischen einer kleineren Runde von 1,4 Kilometern und dem 3,4 Kilometer langen Hauptweg. Wer den hölzernen Aussichtsturm auf dem großen Rundweg erklimmt, blickt über eine schier endlose Kulisse – das Schauspiel ist besonders in den frühen Morgenstunden sehenswert, wenn dichte Nebelschwaden über den Wasserflächen stehen.
Die ökologische Bedeutung des Gebiets ist groß: Neben seltenen Wasserfledermäusen, Ottern, Schwarzstörchen und Flussschnecken verwandeln vor allem die Seen Kaņieris und Sloka den Park im Frühjahr in ein Mekka für Ornithologen. Fast 240 der 340 in Lettland heimischen Vogelarten lassen sich hier beobachten. Und auch unter der Erde arbeitet die Natur für die Region: Schwefelhaltige Mineralquellen und heilender Moor-Schlamm legten im nahen Ort Ķemeri schon im 18. Jahrhundert den Grundstein für den Aufstieg zum bekannten Kurort.
Die schönsten Orte in Lettland: Nationalpark Rāzna

Wer an Lettland denkt, hat meist die Ostseeküste vor Augen – doch das Herz des Landes schlägt tief im Binnenland. Im Nationalpark Rāzna ist das Wasser ebenfalls ein maßgeblicher Taktgeber: Rund 14 Prozent der knapp 60.000 Hektar großen Schutzfläche bestehen daraus. Das unbestrittene Zentrum dieses Labyrinths ist der gut 57 Quadratkilometer große Rāzna-See. Wegen seiner strahlenden Klarheit, den versteckten Buchten und feinen Sandstränden nennen die Menschen in der Region Lettgallen ihr Gewässer schlicht und stolz das „Lettgallische Meer“.
Dabei verblüfft der jüngste Nationalpark des Landes, der erst 2007 ins Leben gerufen wurde, mit einer schier endlosen Dichte an Naturwundern. Gleich nebenan ruht der Ežezers, der mit seinen über 30 dicht bewaldeten Eilanden als der inselreichste See Lettlands gilt. Hier, in geschützten Reservaten wie dem reinen Eichenwald Piloru, teilen sich seltene Spechtarten den Lebensraum mit Exoten wie dem Gelben Frauenschuh. Wer die Dimensionen dieser hügeligen Wald- und Seenlandschaft begreifen will, steigt auf den 247 Meter hohen Mākoņkalns, den Wolkenberg, und genießt den Panoramablick im Licht der Abendsonne.