Sehenswürdigkeiten

Sightseeing in Berlin: Auf den Dächern über der Stadt

Zwischen Kunst von Weltrang und gehobener Gastronomie: Birgit Zander, Organisatorin des „Festival Of Lights“, zeigt ihre Berliner Lieblingsplätze – in luftiger Höhe.

Fotos Lukas Spörl

Wenn man in Berlin-Mitte ein Gebäude bestaunt, kann man ziemlich sicher sein, dass Birgit Zander da schon mal auf dem Dach war. 

„Ich kenne Berlin von oben wie wenige andere“, sagt sie. „Ich war schon auf der Humboldt-Uni, dem Brandenburger Tor, sogar auf der Staatsoper – da wurde sie gerade restauriert, und ich bin mit Helm oben draufgestiegen. Wir müssen ja die Dächer häufig in Augenschein nehmen, damit wir sehen, ob wir dort Projektoren für die Lichtinstallationen aufstellen können.“

Lieblingsplätze in Berlins Zentrum

© Lukas Spörl

Seit 2005 organisiert Birgit Zander das „Festival Of Lights“ in Berlin, bei dem imposante Gebäude in Mitte professionell angestrahlt werden, begleitet von Musik. Berlin-Mitte ist der Arbeitsplatz von Birgit Zander, was sind für sie die Orte, an denen man den Stadtteil besonders gut spüren kann? 

Der Spaziergang mit ihr beginnt am Berliner Dom, unter Kaiser Wilhelm II. errichtet, obwohl der damals vorhandene Dom es auch noch ganz gut getan hätte – aber die preußische Monarchie wünschte, mit Wucht zu repräsentieren, und das tut das Gebäude mit seinen überbordenden Verzierungen ja nun durchaus. „Eine Tour durch den Dom führt durch den Kirchenraum bis zum Ring, der außen die Kuppel umgibt“, sagt Birgit Zander. 

Highlights der Museumsinsel in Berlin

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„Der Blick auf Fernsehturm, Museumsinsel und Humboldt-Forum ist grandios!“ Doch heute hat sie ein anderes Ziel, als sie durch den Lustgarten vor dem Dom schlendert: Wir gehen auf die Museumsinsel, das Ensemble aus fünf Museen von Weltrang, das auf einer Halbinsel in der Spree liegt. Doch wo soll man da anfangen bei dieser geballten Ladung Kunst? Zander empfiehlt die 2019 eingeweihte James-Simon-Galerie, die aufwendig auf mehr als 1200 Stahlpfählen in den morastigen Boden der Spreeinsel gebaut wurde. „Mit ihrem Infozentrum und ihrem Café der perfekte Ort, um auf der Museumsinsel anzukommen“, erklärt sie. 

Mit dem nahen Pergamonmuseum verbindet Birgit Zander eine besonders schöne Erinnerung: „Ich habe mal zu einer Wirtschaftskonferenz ein Konzert mit der Philharmonie der Nationen von Justus Frantz vor dem riesigen Pergamon-Altar aus dem 2. Jh. v. Chr. organisiert“, sagt sie mit leuchtenden Augen. „Danach gab es ein Dinner vor dem blauen Ischtar-Tor, einem der berühmten Stadttore von Babylon – solche Abende erlebst du nur einmal im Leben!“

Abstecher ins Bodemuseum

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Ihr zweiter Favorit auf der Museumsinsel ist das Bodemuseum, ganz oben auf der nördlichen Spitze: „Schon das Gebäude selbst ist ein Grund, das Museum zu besuchen“, sagt Zander. „Durch den Eingang, über dem sich eine riesige Kuppel erhebt, tritt man in ein Foyer mit einer Statue von Kurfürst Wilhelm, hoch zu Ross sitzend. Geschwungene Treppen führen ins Café im Obergeschoss“. 

Tipp: ein Tisch im Treppenhaus mit seinen hohen Säulen und üppigen Goldverzierungen. Aber so prächtig die Museumsinsel auch ist, sie ist nur ein Teil von Mitte. 

Hotel de Rome: Aperitif auf dem Dach

Also weiter zum Hotel de Rome, hier sitzt Birgit Zander etwas später auf dem Dach des Hotels. Das Gebäude wurde 1889 fertiggestellt und war bis 1945 Stammsitz der Dresdner Bank. Die Architektur vermittelt genau die Melange aus beruhigender Schwere und höflichem Selbstbewusstsein, die sich bei einem Luxushotel gut macht. 

Jetzt lässt sie ihren Blick von der Dachterrasse über den Bebelplatz vor dem Hotel schweifen, an dem sich die Staatsoper und die Juristische Fakultät der Humboldt-Uni im Gebäude des früheren Alten Palais gegenüberstehen. „Von hier oben erkennt man die Statuen auf der Humboldt-Uni und der Staatsoper wirklich gut“, sagt sie und hält einen Moment inne.

„Für mich ist das einer der schönsten Plätze der Stadt.“ Kann man den Aperitif an so einem beeindruckenden Ort überhaupt noch mit einer Location zum Abendessen toppen?

Gendarmenmarkt und Adlon-Terrasse

Ja, schon, aber erstmal macht sie einen Schlenker über den Gendarmenmarkt, der seine Gestalt den Planungen von Friedrich II. verdankt. „Das Ensemble aus Deutschem Dom, Französischem Dom und Konzerthaus imponiert mir jedes Mal aufs Neue“, sagt Zander und hat auch hier noch einen Tipp für den späteren Abend: „Lassen Sie den Tag in der Newton Bar ausklingen, bei schönem Wetter draußen auf dem Platz, bei schlechtem Wetter drinnen mit Blick auf die faszinierenden Fotos von Helmut Newton.“

Aber heute geht sie weiter zum Hotel Adlon am Brandenburger Tor und setzt sich dort auf die Terrasse vor dem Haus. Lorenz Adlon aus Mainz ließ das Hotel 1907 eröffnen – fast 100 Jahre später hielt hier Michael Jackson im fünften Stock seinen neun Monate alten Sohn aus dem Fenster, vor Scharen von erschrockenen Fans.

„Ich genieße es, abends auf den Pariser Platz und das Brandenburger Tor zu blicken“, sagt Birgit Zander. „Es ist ein Ort, an dem Geschichte und Gegenwart Berlins sich überlappen wie an wenigen anderen.“ Und was ist mit dem Essen? Birgit Zander bestellt eine Currywurst, bestäubt mit Krümelchen aus Blattgold. „Currywurst mit Champagner ist eine Kombination, die viele Gäste hier mögen“, sagt sie, während das Gold in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne funkelt. „Berlin bedeutet Gegensätze, und die sollte man auch genießen.“

1

Berliner Dom

Prunk im Stil der italienischen Renaissance – Ende des 19. Jh. wurde der Berliner Dom errichtet und 1905 geweiht.

2

James-Simon-Galerie

Die James-Simon-Galerie ist benannt nach dem jüdischen Unternehmer und Kunstsammler, der den Berliner Museen rund 10.000 Objekte schenkte.

3

Pergamonmuseum

Rund 780.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Pergamonmuseum mit der Antikensammlung, dem Vorderasiatischen Museum und dem Museum für Islamische Kunst.

4

Bodemuseum

Die Schwerpunkte des Bodemuseums sind etwa ein großes Münzkabinett und Byzantinische Kunst der Antike – mit Sarkophagen, Mosaiken und rund 1700 Skulpturen.

5

Bebelplatz

Einer der schönsten Plätze Berlins – mit trauriger Vergangenheit: Eine Glasplatte, unter der sich eine Bibliothek befindet, erinnert an die Bücherverbrennung durch die Nazis 1933.

6

Hotel De Rome

Erholung ist Gold wert. Der Wellnessbereich des Hotel de Rome in dem einstigen Bankgebäude liegt in den alten Tresorräumen.

7

Gendarmenmarkt

Im Deutschen Dom befindet sich heute eine Ausstellung des Deutschen Bundestags, im Französischen Dom das Hugenottenmuseum.

8

Hotel Adlon

Viele große Gäste: Charlie Chaplin, der Dalai Lama und Queen Elizabeth II. Das Hotel Adlon ist eine der bekanntesten und luxuriösesten Adressen der Stadt.

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