Deutschland Fünf Städte für Entdecker

Pfarrkirche St. Oswald in Traunstein

Frankenberg: Stadt für Entdecker

Frankenberg sieht aus wie Rothenburg ob der Tauber, bevor es vom Tourismus entdeckt wurde«, sagt einer, den es vom Niederrhein ins hügelige Ederbergland verschlagen hat. Auf einer Bergnase über der Eder bauten die Franken schon im 6. Jahrhundert eine Festung gegen die Sachsen. Sie sollte die Weinstraße, die von Frankfurt hierherführte, sichern. Als Handelsplatz gelangte die Stadt später zu großem Reichtum. Steile Gassen, Fachwerkhäuser, ein gotischer Steinbau, eine Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert und ein zehntürmiges Rathaus zieren die Altstadt. Dieser 1509 errichtete Fachwerkbau allein und der samstägliche Markt in der Rathausschirn sind eine Reise wert. Ebenso wie das Museum der weltbekannten Möbelmanufaktur Thonet, die hier ihren Sitz hat. Und auch das Hotel Sonne bedarf der Erwähnung: Ein örtlicher Unternehmer hat hier in mehreren Fachwerkhäusern ein Viersternehotel, Restaurants und einen Laden mit regionalen Spezialitäten eingerichtet. So wird die malerische Altstadt vor dem Veröden bewahrt. Denn unten im Tal locken Lidl und Co. Doch die heile Welt - sie ist hier oben.

Traunstein: Wo das Herz des Chiemgaus schlägt

Traunstein hält sich an ein altes Gesetz: "Städte leben durch ihre Plätze". Der Stadtplatz ist bis heute Nabel des Geschehens, hier trifft man sich in den Cafés, spaziert vor stattlichen Bürgerhäusern. Vor dem Lindlbrunnen, Wahrzeichen der Stadt, und der barocken Pfarrkirche St. Oswald flanieren Alt und Jung und genießen die eigenwillige Atmosphäre Traunsteins - das als Herz des Chiemgaus gilt. Die pastellfarbenen Fassaden der Häuser leuchten, Geschäfte und Märkte bieten ihre Waren feil. Nur 15 Kilometer nördlich der Chiemgauer Alpen liegt die "Stadt vor den Bergen" - und die ragen scheinbar direkt hinter den roten Dächern empor.

Kulturell hingegen hält Traunstein keineswegs hinterm Berg: Alle sind auf den Beinen, wenn beim Georgiritt Reiter in traditioneller Tracht die Pferde satteln. Beim Chiemgauer Musikfrühling verwandeln sich die Straßen zu Bühnen, auf denen junge Künstler auftreten. Neben Klassik bekommen die Ohren Ungewohntes zu hören, orientalische Klänge oder Musik vom Balkan. Längst kein Geheimnis mehr ist, dass Papst Benedikt XVI. seine Jugendjahre in Traunstein verbrachte. Am ehemaligen Wohnhaus der Ratzingers startet der Traunsteiner Benediktweg. Doch nichts ist schöner, als nach einem Spaziergang die Beine auszustrecken, ein kühles Bier der heimischen Brauereien zu trinken und zu genießen, was hier unbezahlbar ist: die Atmosphäre einer mittelalterlichen Stadt mit großer Lust am Leben.

Rosenheim: Die Stadt am Inn mit einem ganz eigenen Charme

Wo sonst werden so schön Verbrecher gejagt? Wo sonst wird ein Rathaus, das von 1858 bis 1878 ein Bahnhof war, als Polizeistation berühmt? Eben, in Rosenheim, dieser reizenden Stadt am Inn - bekannt geworden durch die Krimiserie "Die Rosenheim-Cops", in der der urbayerische TV-Komissar Korbinian Hofer seine Fälle löst. Gäste besuchen heute die Drehorte der beliebten TV-Serie, ganz Rosenheim ist bei den heiteren Ermittlungen schon zur Kulisse geworden. Sogar das Ausstellungszentrum Lokschuppen wurde zu einem "Polizeiarchiv" umfunktioniert.

Aus ganz anderem Grund hat Rosenheim sogar internationalen Ruf - als alte Stadt des Holzhandwerks. Ausbildungsstätten wie das "Lehrinstitut der Holzwirtschaft und Kunststofftechnik" bringen Innovationen in die Traditionsstadt. Seinen Charme aber verdankt Rosenheim weder dem Fernsehen noch dem Holz. 1864 erhob König Ludwig II. den Ort zur Stadt: Seitdem pulsiert die Kulturmetropole. Hier herrscht ein Mix aus städtischem Flair und Alpenland-Tradition. Mondän steht der Gillitzerblock in der Stadt, ein neobarockes Häuser-Ensemble des 19. Jahrhunderts. Der Besucher spaziert durch Gassen, zwischen malerischen Bürgerhäusern und den Zwiebeltürmen der Kirchen. Das Mittertor aus dem 14. Jahrhundert führt zum zentralen Max-Josefs-Platz. Straßencafés haben geöffnet, vor den Geschäften und auf Märkten brodelt das Leben. Und natürlich darf "die Wiesn" nicht fehlen: Jedes Jahr im August/September sorgt das Rosenheimer Herbstfest für Stimmung. Köstlich und fast schon Kult.

Vellberg: Das Städtle im Ländle

Überschaubar und heimelig: Nahe Schwäbisch Hall wartet Vellberg darauf, entdeckt zu werden. Fahren Sie nicht gleich durch den Torturm. Folgen Sie lieber der Straße "Am Zwinger" (aus Richtung Schwäbisch Hall bergab) bis zum Parkplatz und steigen dann durch den Fels nach oben. Schon dieser Gang - Kinder werden ihn lieben - lohnt die Fahrt nach Vellberg. Er führt ins Städtle, und wenn Sie sich im Berg nicht verlaufen, werden Sie es durchs Pömpelestor betreten. Vellberg hat knapp 4500 Einwohner und ist kommunal-politisch gesehen tatsächlich eine Stadt.

Vellberg
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Mittelalterlicher Hauch: schöne Gassen in Vellberg.
Das Städtle wiederum ist das Konzentrat dieses Städtchens, ein ummauertes Dreieck auf einem Bergsporn über dem Bühlertal, in dem kaum mehr als zwei Dutzend Häuser stehen, fast alle mit Fachwerk und ziegelroten Dächern. Bewacht wird das Idyll von einer Mauer mit runden Türmen und einem mächtigen Torturm. Der entstand ab 1466, als die Herren von Vellberg "ihren Vorhof befestigten", wie eine Inschrift verrät, und hat die Postadresse "Im Städtle 9" - der Einfachheit halber sind die Gebäude hier oben durchnummeriert. Nummer 27 gehört dem Rathaus im Alten Amtshaus (1528), standesgemäß die Hausnummer 1 trägt das mit schmuckem Renaissance-Giebel versehene, 1543-46 in heutiger Form errichtete Untere Schloss. Es befindet sich in Privatbesitz, doch die 1549 mit Fresken ausgeschmückte Kapelle ist von außen zugänglich. Sollte die Tür versperrt sein, fragen Sie im "Ochsen", wer gerade den Schlüssel haben könnte.

Bautzen: Türme und Knäste

Wer Bautzen sagt, hat die Strafanstalten im Hinterkopf und, kennt er den Ort näher, eine der schönsten deutschen Stadtsilhouetten vor Augen: 17 Türme und Bastionen bilden ein beeindruckendes Panorama der alten Hauptstadt der Oberlausitz, das man am besten von der Friedensbrücke aus genießt. Den Hauptmarkt mit dem "RitterDutschmann" auf dem Marktbrunnen begrenzt im Norden das Rathaus. In der heutigen Form entstand es 1729-32. An dem 54 Meter hohen Turm befinden sich drei Uhren (eine Sonnenuhr, zwei mechanische), rechts neben der oberen erinnert ein Türkenkopf an die Türkenkriege, die der Stadt erspart blieben. Den Hauptmarkt säumen stattliche Bürgerhäuser, darunter Stadtapotheke und "Jahreshaus". Nach Osten führt die Reichenstraße. Den schiefen Reichenturm an ihrem Ende kann man besteigen.

Bautzen
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Stadtansicht von Bautzen.
Der Dom St. Peter: Seit der Reformation dient der 1213 begonnene, im 15. Jahrhundert vollendete Bau als Simultankirche: Die katholische Gemeinde nutzt den Chor, die protestantische das Langhaus. Es gibt zwei Orgeln und zwei große Altäre. Im katholischen Teil sind der Hochaltar und das von Balthasar Permoser gefertigte Kruzifix sehenswert, im protestantischen der Renaissance-Altar und die Fürstenloge. Auf einem Felssporn hoch über der Spree entstand ab etwa 1000 die Festungsanlage Ortenburg. Nach ständigen Aus- und Umbauten erhielt sie 1698 ihre charakteristischen Renaissancegiebel. Der spätgotische Matthiasturm wurde 1483-86 errichtet. Heute hat hier das Sächsische Oberverwaltungsgericht seinen Sitz. Im benachbarten Salzhaus präsentiert das Sorbische Museum Kultur und Geschichte der westslawischen Minderheit, die in Bautzen eine Tageszeitung, ein Rundfunkprogramm und das Deutsch-Sorbische Volkstheater betreibt.

1900-04 wurde im Norden der Stadt ein Zuchthaus errichtet, das wegen seiner Klinkerfassade so genannte "gelbe Elend" Bautzen I. Hier saß unter anderem Ernst Thälmann ein. 1902-06 erfolgte an der Lessingstraße der Bau eines Gerichtsgebäudes mit angeschlossenem Untersuchungsgefängnis, der berüchtigte Stasi-Knast Bautzen II, in dem Regimegegner weggesperrt wurden. Die 1992 aufgelöste Anstalt (Bautzen I ist als JVA noch in Betrieb) dient heute als Gedenkstätte. Eine Ausstellung informiert über die Haftbedingungen in den Bautzener Gefängnissen und erinnert an die Opfer.