Moskauer Metro-Station: Komsomolskaya © Leonid Andronov - stock.adobe.com
Zugreisen

Fünf spektakuläre Bahnhöfe für exklusiv Reisende

Goldverzierte Wände, Stuck an den Decken, Kronleuchter: Weltweit finden sich spektakuläre Bahnhöfe, die an sich bereits eine Reise wert sind. Wir stellen Ihnen fünf besondere Gebäude vor.

Wussten Sie, dass der weltweit erste Bahnhof im nordenglischen Darlington eröffnet wurde? Das war 1826. In dieser Zeit entstanden grandiose Bauwerke, Zeugen für den Aufbruch in die moderne Reiselandschaft. Mit ihren oft überdimensionierten Hallen wurden sie als „Kathedralen des 19. Jahrhunderts” bezeichnet. 

Bis heute werden an Bahnhöfen nicht nur die Weichen immer wieder neu gestellt. Sie sind auch Sehnsuchtsorte all jener, die sich auf den Weg machen und besondere Reisen antreten – sei es von Manhattan ins amerikanische Hinterland oder von Pretoria aus durch den afrikanischen Kontinent. Manche dieser Knotenpunkte beeindrucken allein durch ihre Größe wie der Grand Central in New York: Millionen Reisende kommen hier an und fahren von hier weg. Andere bestechen durch künstlerische Monumente oder ihre ungewöhnliche architektonische Gestalt. Doch welches sind die imposantesten Bahnhöfe? Unsere Top 5:

Nowosibirsk-Glawny: Ein Traum in türkis

Bahnhof Nowosibirsk © Roland Jung

Der türkisfarbene Anstrich des markanten Gebäudes springt Reisenden schon aus weiter Ferne ins Auge – absolut pittoresk mutet der Bahnhof der Millionenstadt Nowosibirsk im Süden Russlands an. Gebaut wurde er, als die Transsibirische Eisenbahn den Fluss Ob erreichte, eröffnet 1894. Und bis heute ist der Knotenpunkt eine zentrale Haltestelle der weltberühmten Transsib-Zugverbindung von Moskau nach Ostsibirien. Auch gibt es eine Direktverbindung zwischen dem Berliner Bahnhof Zoo und Nowosibirsk-Glawny, sie ist 5000 Kilometer lang und gilt als eine der längsten Zugstrecken Europas. Das Markenzeichen des typisch russischen Bahnhofs ist seine architektonische Form – er ist einer Lokomotive nachempfunden. Und auch im Inneren macht er durchaus etwas her mit der imposanten Bogenstruktur in der zentralen Halle. Die hatte ein Ingenieur namens Nikolai Nikitin in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts entworfen, denn da erhielt der Durchgangsbahnhof sein neues Design. Wer sich mit einem der diversen Zarengold-Sonderzüge auf spektakuläre Fahrt Richtung Sibirien oder auch in die Mongolei und nach China begibt, wird unweigerlich hier Station machen – und staunen dürfen.

Bejing South: Das Raumschiff von Peking

Bejing South Station © ZHANG Ying

Von oben betrachtet sieht er ein bisschen aus wie ein Raumschiff aus einer fernen Galaxie. Bei dem Pekinger Südbahnhof handelt es sich um einen, wenn nicht sogar den verkehrsreichsten Fernbahnhof Asiens. Die Erbauer rechneten mit 30.000 Fahrgästen – pro Stunde wohlgemerkt und 250 Millionen im Jahr. Gigantisch ist auch die Wartehalle, die jeder Reisende durchquert. Das Dach ist in Form einer Ellipse gebaut, erstreckt sich auf 500 Meter Breite und ist 380 Meter lang. Design und Verwirklichung stammen aus einer britisch-chinesischen Koproduktion. Der britische Architekt Terry Farrell verwirklichte seine Ideen gemeinsam mit dem Tianjin Design Institute. Die Bauzeit betrug lediglich drei Jahre. 2008 pünktlich zu den damaligen Olympischen Sommerspielen war er fertiggestellt und ersetzte den Yongdingmen Südbahnhof, der nach über 100 Jahren Dienstzeit (Eisenbahn)-Geschichte ist. Die Baukosten für seinen Nachfolger beliefen sich auf 6,3 Milliarden chinesischer Yuan.

Grand Central: Die 67 Gleise von New York

Grand Central Terminal, New York © Steffen Thalemann

Seit mehr als 100 Jahren ist das New Yorker Grand Central Terminal in Betrieb. 1913 als Kopfbahnhof in Manhattan fertiggestellt, gilt er heute noch als größter Bahnhof der Welt. In der riesigen Haupthalle mag man sich mitunter ein bisschen verloren vorkommen: 143 Meter ist sie lang und reicht 45 Meter hoch. Was den Bahnhof auch zum Rekordhalter avancieren lässt, sind die 67 Gleise, die je nach Perspektive und Reiseziel aus der Stadt hinaus oder hineinführen. Außerdem ungewöhnlich: Es handelt sich um einen Etagenbahnhof mit zwei Stockwerken. Auf der unteren Ebene sind 26 Gleise angeordnet, auf der oberen Ebene gar 41. Jeder, der New York einen Besuch abstattet, kennt Grand Central. Der Terminal als Sehenswürdigkeit ist einen Besuch wert, selbst wenn Sie nicht planen, New York mit der Bahn zu verlassen. Attraktiv ist die Decke mit dem dunkelblaugrünen Sternenhimmel, ebenso berühmt der Hauptkiosk inklusiver seiner vier Uhren. Seit seinem hundertjährigen Jubiläum im Jahr 2013 rangiert das Bauwerk in der Liste of Historic Civil engineering Landmarks. Für die Kunstbeflissenen sei angemerkt: Dieser Bahnhof stammt aus der Epoche der Beaux-Arts. Eine halbe Million Menschen nutzen Grand Central täglich, darunter viele Pendler. Wer auf große Tour gehen will, kann von New York City aus eine einzigartige transkontinentale Reise starten und in einer 14-tägigen Zug-Erlebnisreise nicht nur weitere Metropolen, sondern auch wunderbare Nationalparks bestaunen.

Capital Park: Pretorias Privatschatz

Capital Park, Pretoria © Walter Schmitz

Noch nie gehört von diesem Bahnhof? Kein Wunder, Capital Park ist ein Kleinod, ein exklusiver Bahnhof in privater Hand. Wer sich so etwas leistet? Rohan Vos, 74. Er ist Gründer und Eigentümer der Rovos Rail, dem vermutlich exklusivsten Zug der Welt. 1989 startete der Selfmademan seinen ersten Zug mit vier Passagieren. Heute erstreckt sich sein erfolgreiches Bahnunternehmen von der Südspitze Afrikas bis zum Äquator. Vom Capital Park in Pretoria können Sie im 5-Sterne-Luxusstil auf Schienen nicht nur Richtung Kapstadt, sondern auch quer durch den afrikanischen Kontinent reisen. Das Foyer des Privatbahnhofs mutet an wie eine Szenerie eines großen privaten Salons im Fin de Siècle: Sessel, Sofamöbel, Ventilatoren fächern von der Decke einen angenehmen Windzug. Ein echter Sehnsuchtsort für Freunde exquisiter Reisen. Ein Abteil ist bei Rovos Rail kein Abteil, sondern eine Suite aus Mahagoniholz, in der sich der afrikanische Kontinent von seiner spektakulärsten Seite präsentiert. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, schaut sich das knapp einstündige Video zur Einstimmung an – traumhafter geht es kaum.

Moskauer Metro: Ein Museum unter der Erde

Moskauer Metro Station: Komsomolskaya © Marco Rubino - stock.adobe.com

Die Moskauer Metro stammt aus einer Zeit, als es der Sowjetpropaganda insbesondere darum ging, „Paläste für das Volk” zu bauen. 1935 wurde das gigantische unterirdische Geflecht eröffnet. Es ist ein Labyrinth voller Schätze: Marmorwände, die hoch aufragen, sind mit Mosaiken vergoldet. Skulpturen gefallener Herrscher sind zu sehen, ebenso Wandgemälde, geschmückt mit historischen Szenen. Kristalllüster werfen Licht auf die musealen Kostbarkeiten. Das Selbstverständnis zeigt sich auch mit Blick auf die Eröffnung der ersten 13 von inzwischen 212 Stationen: In den Tunnels gab der Chor des renommierten Bolschoi-Theaters dem Volk eine Open-Air-Vorstellung. Die Metro wurde in den 1930er-Jahren zu „einer der wichtigsten Arenen für die Produktion und den Konsum offizieller Kultur”, sagt der britische Professor für Kunstgeschichte Mike O’Mahony. Angesehene Architekten, Bildhauer und Künstler wurden in die Gestaltung eingebunden. Bis heute verunstalten keine Graffiti die Szenerie. Das Netz der Moskauer Metro hat sich übrigens aktuell auf über 346 Kilometer ausgebreitet. Wer seine Transsib-Reise individuell zusammenstellt, hat gute Gelegenheit, sich einer touristischen Führung in der Metro anzuschließen oder den beeindruckenden Untergrund eigenständig zu erkunden.

Neue Orte, Menschen und Kulturen entdecken – darauf freuen wir uns am meisten. Uns hat die Reiselust gepackt, darum haben wir zahlreiche Inspirationen und Empfehlungen für Ihre nächste Urlaubsreise oder Ihren nächsten Städtetrip zusammengestellt. Hier sind unsere Reisetrends 2022!

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