Reisen zu Pantones „Color of the Year“ 2026

Alljährlich gibt der Farbhersteller Pantone seine „Color of the Year“ bekannt – und setzt damit immer wieder Trends. Die Veröffentlichung dieser Farbe wird mittlerweile vielfach erwartet, umso ernüchternder war die Reaktion vieler, als sie die „Color of the Year 2026“ zum ersten Mal sahen: einen Weißton, je nach Lichteinfall mit dezentem Graustich, namens „Cloud Dancer“. So schön der Name klingt, so unaufgeregt ist die Farbe. Zumindest, wenn man sie sich im eigenen Wohn- und Schlafzimmer vorstellt, wo zuletzt eher Knallfarben und Color Blocking den Ton angaben.
Spektakulär sehen die Farbe, ähnliche Töne und Schattierungen aber in der Natur oder an Gebäudefassaden aus. Ob Salzpfannen, Wanderdünen oder gigantische Bauwerke: Wir reisen mit Ihnen zu Pantones „Color of the Year“.
Nationalpark Lençóis Maranhenses, Brasilien

Die weißen Wanderdünen im Nationalpark Lençóis Maranhenses im Nordosten von Brasilien kommen sehr nah an den Originalton von „Cloud Dancer“ heran. Gemeinsam mit den azurblauen bis smaragdgrünen Lagunen und den Salzwiesen vermischen sie sich zu einem fantastischen Konglomerat aus Farben. Bereits 1981 wurde der Nationalpark gegründet, rund zwei Drittel der 1.550 Quadratkilometer großen Fläche werden von den Dünen eingenommen.
Das Landschaftsbild im Lençóis Maranhenses ist weltweit einzigartig, die Lagunen schmiegen sich an die Dünen, der Anblick wirkt surreal. Entstanden ist diese Natur durch äolische Erosion. Der Wind, der vom nahen Atlantik landeinwärts weht, hat über die Jahre immer mehr Sandpartikel mitgebracht, die sich mittlerweile bis zu 40 Meter hoch aufgetürmt haben und die berühmten Dünen bilden. Auch der hiesige Fluss Parnaíba spielte eine Rolle. Während er Sedimente in Richtung Atlantik spült, drückt das Meer diese zurück Richtung Küste. So entstand eine Wechselwirkung aus Fluss- und Meeresströmung sowie den atlantischen Winden, die die Ansammlung von Sand und Sedimenten im heutigen Nationalpark begünstigt. Die Lagunen hingegen werden durch Regenwasser gebildet.
Je nach Jahreszeit sieht der Nationalpark Lençóis Maranhenses anders aus, in der Regenzeit zwischen Januar und Mai ist der Kontrast aus weißen Dünen und blauen Süßwasserlagunen ein Highlight, von Juni bis Dezember sind diese in der Regel ausgetrocknet. Durch die Wetterbedingungen verändert sich die Landschaft außerdem immer weiter – und steht nie still. Besuchen lässt sich der Nationalpark Lençóis Maranhenses in der Regel nur mit Guides; es werden beispielsweise Touren ab Barreirinhas, Santo Amaro oder Atins angeboten. Je nach Saison lässt es sich dann wandern oder sogar baden.
Übrigens: Hier haben wir die 13 schönsten Orte in Brasilien zusammengestellt.
Die Kreidefelsen von Dover, England

Auf diese Sehenswürdigkeit sind die Engländer besonders stolz – dabei ist sie ganz natürlich, ohne menschliche Einflüsse, gewachsen. Die Kreidefelsen von Dover ragen im Südosten des Landes, in der Grafschaft Kent, in die Höhe und sind damit ein Teil der Küstenlinie des Ärmelkanals. Mit einer Höhe von bis zu 106 Metern über dem Meeresspiegel bilden sie eine imposante Steilküste, und auch die Farbe ist besonders: Neben der weißen Kreide, die Pantones „Cloud Dancer“ erstaunlich ähnlich sieht, finden sich in den Felsen auch schwarze Elemente aus Feuerstein, die sich wie Adern hindurchziehen. Besonders eindrucksvoll ist der Anblick bei Nebel, dann scheinen die Felsen mit dem Himmel und dem Meer zu verschmelzen und eine hellgraue Masse zu bilden.
Vor 70 bis 100 Millionen Jahren nahmen die White Cliffs of Dover ihren Anfang. Sie entstanden aus den Überresten abgestorbener Algen und anderer Lebewesen, deren Skelette auf dem Meeresgrund lagen und sich über einen sehr langen Zeitraum hinweg zu Kalkstein verfestigten. Sowohl Hebungen der Erdkruste als auch die Erosion der Küste sorgten immer wieder für Veränderungen der Steilküste.
Für Großbritannien sind die Kreidefelsen von Dover ein wichtiges Wahrzeichen. Schon immer boten sie einen prägnanten Anhaltspunkt für Seefahrer, und in Zeiten des Krieges stellten sie zumindest symbolisch Schutz gegen Angreifer dar, die vom Ärmelkanal kamen und hier die engste Stelle des Wasserweges passierten. Rundherum haben sich über die Jahre viele Wanderwege mit phänomenalen Panoramen entwickelt, bei geeigneten Witterungsbedingungen sieht man bis zur französischen Küste.
Pamukkale, Türkei

Dieser Ort gilt als einer der schönsten in der Türkei: Pamukkale mit seinen Sinterterrassen aus Travertin, einem weichen Kalkstein. Die Stadt Pamukkale befindet sich im Südwesten der Türkei. Gemeinsam mit der antiken Nachbarstadt Hierapolis, die noch Überreste aus dem 2. Jahrhundert vor Christus aufweist und ebenfalls sehr sehenswert ist, ist Pamukkale UNESCO-Welterbe. Bereits in der Antike war dieser Ort für seine mineralhaltigen Quellen bekannt. Aus den Quellen tritt kontinuierlich heißes Wasser aus, beim Abkühlen lagert sich Calciumcarbonat ab und bildet die strahlend weißen Terrassen, die Pamukkale und seine Quellen heute prägen.
Um diesen Ort vor Schäden durch Tourismus zu schützen, wurden bestimmte Schutzmaßnahmen getroffen. Baden ist seit mehr als 20 Jahren nicht mehr erlaubt, auf den Terrassen darf man nur auf ausgewiesenen Bereichen und barfuß gehen. So sollen menschliche Einflüsse minimiert und die Natur sich selbst überlassen werden. Tipp: Frühmorgens kommen, dann ist es noch nicht ganz so voll.
Übrigens: Hier gibt es noch mehr Infos über Pamukkale.
Salar de Uyuni, Bolivien

Kaum zu glauben, aber diese Landschaft existiert tatsächlich: Die Salar de Uyuni im Südwesten Boliviens ist die größte zusammenhängende Salzpfanne der Welt. Je nach Jahreszeit kommt die Salar de Uyuni anders daher: Zwischen Ende Dezember und April, also in der Regenzeit, sammelt sich auf der 10.500 Quadratkilometer großen Salzkruste Wasser und sie wird zu einem Salzsee. Boden und Himmel scheinen dann miteinander zu verschmelzen, da das Wasser den Himmel spiegelt. Zu dieser Saison ist die Salar de Uyuni nur eingeschränkt befahrbar, viele nutzen daher lieber die Trockenzeit für eine Reise. Dann überzieht die weiße Salzkruste die Landschaft, so weit das Auge blickt – ein perfektes Fotomotiv. Am Rand der Salzpfanne gibt es außerdem einige Lagunen, die Lebensraum für Flamingos bieten.
Meist werden Besuche im Rahmen von geführten Jeep-Touren à ein bis drei Tage organisiert, individuelle Reisen sind unüblich und nicht empfohlen. Inkludiert in solchen Ausflügen sind häufig Besuche von Salzhotels, die sich rund um die Salar de Uyuni angesiedelt haben, sowie Salzverarbeitungsstätten. Manchmal verschlägt es Reisende auch auf die Incahuasi-Insel inmitten der Salzwüste – zumindest in der Trockenzeit, dann ist der Weg dahin frei.
Entstanden ist die gigantische Salzwüste durch das Austrocknen des einstigen Paläosees Tauca, die Salzkruste, die zurückblieb, ist mehrere Meter dick. Interessant: Unter ihr befinden sich Lithiumreserven, die für die Wirtschaft immer attraktiver werden. Bleibt zu hoffen, dass die Salar de Uyuni sich ihre Ursprünglichkeit bewahren darf.
Hier gibt es weitere Infos über Boliviens größte Naturwunder und die Salar de Uyuni.
White Sands Nationalpark, USA

Im White Sands Nationalpark im US-Bundesstaat New Mexiko finden Besucher genau das, was sein Name verspricht: weißen Sand, wohin das Auge blickt. Auf rund 590 Quadratkilometern Fläche erstreckt sich das größte Gipdsdünenfeld der Welt. Vor rund 250 Millionen Jahren befand sich genau hier, im heutigen Tularosa Basin, ein Meer, an dessen Grund eben jener Gips lag, der heute die Wanderdünen des Nationalparks bildet. Ursprünglich kam das Material von den San Andres und Sacramento Mountains und wurde in den Tularosa Basin gespült.
In den Sommermonaten werden im White Sands Nationalpark – der übrigens erst seit 2019 als solcher ausgewiesen wird – Führungen mit Rangern angeboten. Allerdings sind genau diese Monate auch sehr heiß, schließlich liegt der Nationalpark am nördlichen Ende der Chihuahua-Wüste. Bis zu 40 Grad sind nicht selten. Die Wintermonate hingegen sind sehr kühl, für einen Besuch empfehlen sich die Zeiträume März bis Mai und Oktober sowie November. Besonders bei Sonnenauf- oder -untergang ist die Naturlandschaft ein Spektakel: Dann vermischt sich das „Cloud Dancer“-Weiß mit den schönsten Pastelltönen, die sich hinter den Dünen zeigen.
Hinweis: Der Nationalpark wird von der Raketenbasis namens White Sands Missile Range umgeben. Während Raketentests wird der Park aus Sicherheitsgründen gesperrt, ebenso der Highway 70/82 zwischen dem Park und Las Cruce. Solche Tests finden in der Regel ein- bis zweimal pro Woche dort statt.
Scheich-Zayid-Moschee in Abu Dhabi, VAE

Auch Gebäude können den Eindruck erwecken, auf Wolken zu tanzen – so beispielsweise die Scheich-Zayid-Moschee in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Sie ist noch vergleichsweise neu, wurde zwischen 1996 und 2007 erbaut und gilt seitdem als eine der größten Moscheen weltweit. An Prunk hat man auch sonst nicht gespart: Mehr als 1.000 Säulen wurden integriert, Kronleuchter mit 24-karätigem Gold verziert und der größte handgeknüpfte Teppich der Welt besorgt. Außerdem nutzte man für den Bau sage und schreibe über 165.000 Quadratmeter weißen Marmor und mehr als 20 verschiedene Marmorarten. Der Großteil kam aus Mazedonien, vieles davon aber auch aus italienischen Steinbrüchen.
Je nach Lichteinfall scheint die Fassade der Scheich-Zayid-Moschee schneeweiß, elfenbeinfarben oder gebrochen-weiß, wie „Cloud Dancer“. Gleiches gilt für den Innenhof des Gotteshauses. In der Moschee ist jeder Besucher willkommen, egal, welcher Religion er sich zugehörig fühlt. Die Kleiderordnung sollte jedoch beachtet werden. Der Eintritt ist kostenlos. Wir empfehlen, frühmorgens oder am späteren Abend zu kommen, denn die Sehenswürdigkeit zieht viele Besucher an.
Taj Mahal, Indien

Ein weiteres Bauwerk, das dank seiner Materialien in Weiß mit leichtem Graustich erstrahlt: der Taj Mahal im indischen Agra. Bei dem Hauptmaterial des Taj Mahal handelt es sich um einen sehr harten, beständigen Quarzstein aus Brasilien. Beständigkeit kommt aber auch an ihre Grenzen – etwa durch Smog und generelle Umweltverschmutzung. Nachdem man feststellte, dass sich über die Jahre immer mehr Ablagerungen an der Fassade des Taj Mahal zeigten, errichtete man eine Umweltzone um das Gebäude. Es gilt etwa ein Rauchverbot, außerdem ist es untersagt, die Wände zu berühren.
Noch ist der Taj Mahal aber ein perfektes Beispiel für ein Pantone-Cloud-Dancer-Reiseziel. Erbaut wurde er ursprünglich als Mausoleum: Großmogul Shah Jahan ließ den Palast zwischen 1632 und 1648 als letzte Ruhestätte für seine geliebte Frau Mumtaz Mahal, die 1631 starb, errichten. Etwa 20.000 Arbeiter und Kunsthandwerker trugen zu dem spektakulären Ergebnis bei, das heute auf jeder Bucketlist steht, wenn es um Reisen durch Nordindien geht. Ins Auge stechen neben dem weißen Quarzstein auch die 58 Meter hohe Kuppel sowie die symmetrische, extrem genaue Ausrichtung des gesamten Mausoleums. In den Quarzstein wurden fast 30 verschiedene Sorten an Edel- und Halbedelsteinen eingelassen, manche Wände sind mit feinen Kalligrafien, die Koranverse wiedergeben, verziert. Seit 1983 wird der Taj Mahal als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet.
Milos, Griechenland

Wer Fotos von Milos sieht, mag kaum glauben, dass diese griechische Insel bei vielen noch völlig unbekannt ist. Geformt durch vulkanische Aktivitäten, zieht sie vor allem Naturliebhaber in ihren Bann. Ein besonders surrealer Ort: Sarakiniko Beach an der Nordküste. Dort können Besucher von glatten, weißen Felsen ins Ägäische Meer springen, je nach Licht erinnert der Strand an eine unwirkliche Mondlandschaft. Der Grund hierfür: Die Felsen, die die Buchten einrahmen, sind zum einen extrem glatt geschliffen – und zum anderen so weiß, dass man fürchtet, geblendet zu werden. Sie bestehen vorwiegend aus Tuff, also Überbleibseln der vulkanischen Aktivitäten auf Milos.
Das Meer hat die Felsen über die Jahrhunderte hinweg ausgewaschen und gemeinsam mit dem rauen Küstenwind glatt geschliffen. Dass die Felsen so hell strahlen, liegt am hohen Gehalt von Siliziumdioxid im Tuffgestein – im Sonnenlicht scheinen die Felsen gar zu leuchten. Im Kontrast zu dem tiefblauen Meer der Ägäis ist der Sarakiniko-Strand das beste Beispiel für Farbgewalt auf Milos. Die glatte Oberfläche der Steine variiert je nach Lichteinfall in ihrer Farbgebung.
Übrigens: Hier haben wir weitere griechische Inseln, die noch nicht jeder kennt, gesammelt.
Nationalpark Jasmund, Deutschland

Auch in Deutschland können wir uns auf die Spuren der Farbe „Cloud Dancer“ begeben – und zwar in Mecklenburg-Vorpommern, genauer: auf der Insel Rügen. Dort wartet der kleinste Nationalpark des Landes auf Besucher. Im Nationalpark Jasmund finden sich nahezu unberührte Buchenwälder, die einen besonderen Zauber ausstrahlen, doch meistens zieht etwas anderes Reisende an: die Kreidefelsen, die sich über die Ostsee erheben und die mit der Steinformation namens Königsstuhl auf eine Höhe von 118 Metern über dem Meeresspiegel kommen. Erst 2023 hat die Aussichtsplattform namens „Skywalk Königsstuhl“ über den spektakulären Kreidefelsen eröffnet. Die schroffe Steilküste steht in direktem Kontrast zu den lieblichen, ursprünglichen Buchenwäldern im Hinterland – unbedingt beides ansehen.
Entstanden sind die Kreidefelsen auf Rügen vor rund 70 Millionen Jahren, aus den übrig gebliebenen Kalkschalen von Mikroorganismen, die sich auf dem Meeresboden abgelagert haben. Tektonische Verschiebungen, aber auch die Eiszeiten, haben dazu beigetragen, dass die Kreideschicht nach und nach angehoben wurde und sich hier aufgetürmt hat. Auch auf Rügen gilt: Wind und Wetter verändern die Steilküste weiterhin kontinuierlich.
Das Weiß der Jasmunder Kreidefelsen sieht „Cloud Dancer“ überraschend ähnlich, es ist ein gebrochener Weißton, der je nach Wetter und Tageszeit changiert. Häufig zeigt sich der Himmel über der Ostsee rau und wolkig, dann entsteht eine besondere Farbenwelt, in der Grau, Blau und Weiß miteinander verschmelzen.
Hier haben wir weitere Sehenswürdigkeiten auf Rügen zusammengetragen.