Pamukkale
Natur

Pamukkale, das weiße Wunder

Nach Jahren des Niedergangs leuchten sie wieder: Die Kalksinterterrassen von Pamukkale sind der schönste weiße Fleck auf der türkischen Landkarte.

Kurz hinter Denizli zeigt der Busfahrer zum Horizont und ruft: Da ist es! Alle Hälse recken sich nach vorn, und tatsächlich: ein weißer Fleck. Seit Jahrtausenden liegen die weißen Terrassen von Pamukkale an einer Felskante, über die heißes Wasser fließt. Beim Abkühlen setzt sich Kalk ab – und hat damit jene märchenhafte Landschaft geschaffen, die seit 1988 zum UNESCO-Welterbe zählt.

Pamukkale: warmes Wasser in künstlichen Becken

Pamukkale Türkei © Oleksandr Kurchev/Unsplash

Besucher dürfen nur auf festgelegter Strecke nach oben laufen. Sie müssen die Schuhe ausziehen, aber viele belassen es nicht dabei, sondern gehen in Bikini oder Badehose. Wenn sie dabei in eines der mit Wasser gefüllten Becken steigen, ertönt sofort eine Trillerpfeife, und ein Aufpasser scheucht sie zurück.

Baden darf man nur in einigen künstlich angelegten, flachen Betonbecken – und in der künstlichen Rinne, durch die das Wasser über den bis zu 100 Meter hohen Abhang läuft. Da sitzen dann hintereinander wasserumtoste Touristen, als spielten sie Eisenbahn. Manche sind von der Aussicht auf Kühlung auch derart hingerissen, dass sie sich in voller Kleidung hineinlegen und enttäuscht werden: Das Wasser ist 35 Grad warm.

Pamukkale: im Schatten der Ruinen von Hierapolis

Kalksteinterrassen Pamukkale © Vladyslav Cherkasenko/Unsplash
Kalksteinterrassen von Pamukkale

Oben auf dem Plateau liegen die Ruinen von Hierapolis. In der antiken Stadt ist ein römisches Bad mit hohen Gewölben besonders gut erhalten. Es beherbergt ein archäologisches Museum, das einige reich verzierte Sarkophage zeigt. 

Entschädigung für das Badeverbot in den Terrassenbecken bietet gleich hinter dem Museum der „Kleopatra Pool“ (auch „Antique Pool“ genannt). In dem angenehm warmen Quellwasser schwimmt man zwischen Säulenteilen umher, und sicher haben hier auch schon Römer ihre Wehwehchen kuriert, wie es heute Besucher aus aller Welt erhoffen – aber das Bad selbst ist der Rest eines Hotelpools.

Naturerbe in Gefahr

Naturwunder Pamukkale © Klaus Bossemeyer

Damals hatten schlaue Unternehmer ihre Anlagen direkt über die Terrassen gebaut, das Wasser erst in ihre Pools geleitet und dann auf den Abhang. Mit fatalen Folgen: Das Wasser kühlte schon dort oben ab und bildete den weißen Sinter, auf die Terrassen aber floss Schmutzwasser, und es bildete sich kein neuer Travertin mehr. Den Rest erledigten die Touristen, die vor 20 Jahren noch in Schuhen herumlaufen und in allen Becken baden durften.

Vom leuchtenden Pamukkale-Weiß war kaum noch etwas zu sehen, der Hang lag so grau und unansehnlich da, dass Umweltorganisationen Alarm schlugen. Die Regierung geriet unter Druck und ließ die Hotels schließen, im Jahr 2000 wurde das letzte abgerissen. Nur die Fundamente blieben – und der „Kleopatra Pool“. Für Archäologen der Zukunft könnte er ein großes Rätsel werden.

Karahayıt und Pamukkale bei Nacht

Pamukkale Türkei © Pixabay

Das Phänomen von Pamukkale wiederholt sich nur gut fünf Kilometer entfernt. Das Dorf Karahayıt hat seinen eigenen Wunderfelshang – nur diesmal in Farbe. Auch hier sprudelt heißes Wasser, aber hier färben Eisen und Schwefel die Felsen in knalligem Rot, Gelb und Grün. Eindrucksvoll, jedoch keine Konkurrenz für die Sinterterrassen. Weiß liegt bei den Besucherzahlen weit vorn. Die meisten Touristen sind Tagesausflügler, die zum Abendessen wieder zurück in ihren Hotels an der Küste sind.

Besonders bei Vollmond lohnt es sich, die Nacht in Pamukkale zu verbringen. In dem kleinen See unterhalb des Abhangs darf man auch nach Einbruch der Dunkelheit baden. Das fahle Licht legt sich über die menschenleeren Terrassen, und man kann nur noch schweigen, schauen und staunen.

Pamukkale: Informationen zu den Sinterterrassen

Pamukkale © Pixaby

Der magische Ort zwischen Izmir und Antalya zieht seit Jahren Besucher in seinen Bann. Das türkische Wort „Pamukkale“ bedeutet „Watteburg“ oder „Baumwollburg“. Tatsächlich wirken die Kalkterrassen von Weitem wie flauschige Wolle oder Wolken, die sich auf der Erde niedergelassen haben. Über Jahrtausende lief an diesem Ort kalkhaltiges Wasser aus Thermalquellen die Hügel hinunter. Wenn das Wasser verdunstet, bildet sich Travertin, das strahlend weiße Kalkgestein, das sich am Hang in Form von Terrassen ablagerte. Das Travertin kann dabei auch rötlich, gelblich oder bräunlich gefärbt sein. 

Bereits die Römer versprachen sich vom warmen Wasser der Quellen heilende Wirkung und ließen an der Spitze des Hügels Hierapolis errichten. Noch heute sind die Reste der Bäder und Gebäude zu sehen. Eine weitere antike Sehenswürdigkeit der Umgebung ist die Stadt Ephesus, die einen Abstecher lohnt. Besonders faszinierend ist die Landschaft von Pamukkale übrigens bei Sonnenauf- und -untergang. Dann wird es ruhiger an den Hängen, während die weißen Terrassen in buntes Licht eintauchen. 

Nachdem das Welterbe durch den Massentourismus lange Zeit in Mitleidenschaft gezogen wurde, der Kalkstein bröckelte und heftig verschmutzte, wurde die Anlage für Badegäste gesperrt. Mittlerweile ist der Besuch möglich, aber reguliert. 

Eintritt und Besuch in Pamukkale

Pamukkale Türkei Terrassen © Pixabay

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Pamukkale zu besuchen. Geführte Touren, meist mit dem Bus, starten zum Beispiel in Antalya, Istanbul, Bodrum und Kusadasi. Natürlich können Besucher auch eigenständig mit dem Auto anreisen. Der Eintritt für die Terrassen kostet 11 Euro. Heute ist nur noch ein begrenzter Bereich zugänglich. Hier führen Holzstege über die Terrassen, um die Anlage nicht zu beschädigen. Auch müssen die Schuhe ausgezogen werden, um Schmutz auf den Kalkformationen zu vermeiden. Daher ist es ratsam, neben Badesachen, Sonnenschutz und Getränken auch eine Tasche für das Schuhwerk mitzunehmen. 

Die Öffnungszeiten variieren nach Saison. Weitere Informationen über Pamukkale und Hierapolis erfahren Sie auf der offiziellen Webseite. 

Pamukkale: Badeverbot und Alternativen

Pamukkale © Daniela Cuevas/Unsplash

Das Baden in den natürlichen Kalkbecken von Pamukkale ist seit mehr als 20 Jahren nicht mehr möglich. Stattdessen können Besucher in die künstlichen Becken eintauchen und dort ein Bad nehmen. Das Wasser ist rund 35 Grad warm, etwa knietief und eignet sich daher nicht zum Schwimmen. Dafür bietet die Kulisse ein atemberaubendes Motiv für Fotos.

Wer sich ausbreiten will, findet am Fuß des Hügels eine Alternative: Im Kleopatra Pool können Besucher uneingeschränkt baden. Besonders spektakulär: die Becken sind inmitten von alten römischen Ruinen angelegt. Hier lässt es sich neben antiken Säulen und Gehwegplatten abtauchen. Auch diese Pools sind mit Thermalwasser gefüllt. Wie in einem Freibad kostet der Aufenthalt Eintritt; es gibt Umkleideräume, Schränke, Duschen und Toiletten. Wer mag, kann sich in einem Café versorgen. Mittlerweile ist der Kleopatra Pool ebenfalls beliebt und gut besucht. Die beste Zeit für ein Bad ist wie bei den Pamukkale-Terrassen früh am Morgen oder gegen Abend. 

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