Das sind die spannendsten Foodie-Städte in Spanien


Die spanische Esskultur wird maßgeblich von Geselligkeit geprägt: Ob am Wochenende oder abends im Lokal, hier sitzen Menschen lange zusammen, genießen Tapas, Hauptgang und Dessert – und tauschen sich über ihren Tag aus. Je nach Region sehen die Gepflogenheiten und die Spezialitäten vor Ort anders aus: Im Baskenland finden Besucher viele Bars mit Pintxos, kleinen Speisen auf Spießen, die den Tapas recht ähnlich sind. An der Mittelmeerküste dominieren Reisgerichte wie die klassische Paella – die man üblicherweise mittags und nicht abends bestellt – die Speisekarten, in Andalusien ist Gazpacho als eines von vielen Gerichten sehr beliebt.
Die spanische Kulinarik wurde in der Historie vielerorts von den Mauren beeinflusst, heute kommen Einflüsse aus europäischen Nachbarländern und internationalen Küchen dazu. Besonders die Metropolen Barcelona und Madrid warten nicht nur mit regionalen Highlights auf, sondern haben über die letzten Jahrzehnte eine Gastro-Szene etabliert, die mit Sternelokalen und Fusionsküche überzeugt.
Auch wenn man die spanische Küche im ganzen Land erleben kann, eignen sich diese sieben Foodie-Städte besonders gut für eine kulinarische Reise.
Madrid (Autonome Gemeinschaft Madrid)

Als weltgewandte Metropole bündelt Madrid die kulinarische Vielfalt der gesamten Iberischen Halbinsel – ergänzt unter anderem durch lateinamerikanische, indische und japanische Einflüsse. Wer die Königsklasse sucht, kommt an Dabiz Muñoz nicht vorbei: Sein Restaurant DiverXO ist das einzige der Stadt, das sich über drei Michelin-Sterne freuen durfte. Insgesamt beherbergt die Hauptstadt 31 Sterne-Restaurants, zu denen auch Schwergewichte wie das Coque und das Smoked Room (je zwei Sterne) gehören.
Doch man kocht hier auch auf bodenständigerer Flamme, am liebsten in Tontöpfen: zum Beispiel für den traditionellen Cocido Madrileño, einen gehaltvollen Kichererbseneintopf mit Gemüse, Hähnchen, Schweinefleisch sowie den Wurstspezialitäten Chorizo und Morcilla. Das Traditionslokal La Bola unweit des Königspalasts gart diesen Klassiker seit über 150 Jahren über Eichenholzkohle. Auch Callos a la Madrileña, ein geschmorter Eintopf aus Rinder- oder Schafsmagen samt Wurstspezialitäten, gehört in den urigen Tabernas fest zur kalten Jahreszeit.
Für den schnellen Hunger zwischendurch schlägt das Herz der Madrilenen für ihr unangefochtenes Streetfood-Heiligtum: Das Bocadillo de Calamares wandert rund um die Plaza Mayor als knuspriges Brötchen voll frittierter Tintenfischringe über die Theke. Beliebt als Dessert: Seit 1894 tunkt man in der Chocolatería San Ginés nahe der Puerta del Sol rund um die Uhr frische Churros in dickflüssige Schokolade.
Das gesellschaftliche Leben spielt sich auf den Straßen und in den Markthallen ab. Beliebte Anlaufstellen sind der prachtvolle gusseiserne Mercado de San Miguel von 1916 oder der etwas entspanntere Mercado de San Antón in Chueca mit seiner Dachterrasse. Zum Ausgehen geht es ins historische Tapas-Mekka La Latina oder in die Bar-Meile Calle Ponzano im Viertel Almagro. Und auch wer rein pflanzlich genießt, kommt voll auf seine Kosten: Adressen wie VEGA oder Thunder Vegan La Latina zeigen, wie modern die Hauptstadtküche heute aufgestellt ist.
Barcelona (Katalonien)

Barcelonas Top-Gastronomie ist durch das Erbe des El Bulli im nahe gelegenen Roses geprägt. Viele der damaligen Weggefährten von Ferran Adrià, der das Lokal groß gemacht hat, blieben in der Gegend und formen heute die Szene von Barcelona, das sich mit 29 vom Guide Michelin prämierten Adressen schmücken darf.
Ein leuchtendes Aushängeschild gründeten drei ehemalige El-Bulli-Schüler im Viertel Eixample: Das Restaurant Disfrutar von Oriol Castro, Eduard Xatruch und Mateu Casañas erklimmt mit seinen gewagten 30-Gänge-Degustationsmenüs regelmäßig die Spitze und wurde 2024 zum besten Restaurant der Welt gekürt. Es reiht sich nahtlos ein in ein dichtes Netz aus Spitzenadressen wie Lasarte, Cocina Hermanos Torres und ABaC (alle drei Sterne).
Trotz all der Sterne-Eleganz und der Dichte an spanischen Spitzenköchen fußt Barcelonas kulinarische Seele auf herrlicher Einfachheit. Der unangefochtene Grundpfeiler katalanischer Identität steht auf jeder regionalen Speisekarte: Pa amb Tomàquet – krosses Brot, das mit saftigen, reifen Tomaten eingerieben und mit Olivenöl beträufelt wird. Wer tiefer in die regionale Tradition eintaucht, genießt Escalivada (im Ofen geröstetes Gemüse), die deftige Bratwurst mit Bohnen Botifarra amb Mongetes oder den wärmenden Eintopf Escudella i Carn d’Olla. Erwähnenswert ist auch die Tapas-Kultur der Metropole: Während in der urigen Familienbar El Xampanyet seit 1929 der Cava fließt, nehmen Locals im angesagten Bar del Pla für moderne katalanische Häppchen gerne lange Wartezeiten in Kauf.
Um das pralle Leben der Stadt zu schmecken, zieht es Locals wie Gäste in die Markthallen, so etwa in den Mercat de la Boqueria. Das bunte Wahrzeichen an den Ramblas punktet mit Fisch auf Eis, reifem Käse und Meeresfrüchten unter dem geschwungenen Dach – am besten ganz früh zwischen 9 und 10 Uhr besuchen, bevor die Massen hierherströmen. Wer es entspannter mag, weicht auf den 2018 aufwendig sanierten Mercat de Sant Antoni aus oder bewundert das knallbunte Mosaikdach des Mercat de Santa Caterina.
Bilbao (Baskenland)

Jahrelang stand die Metropole kulinarisch im Schatten des nahegelegenen San Sebastián – mittlerweile hat Bilbao sich längst zu einem Schwergewicht auf der gastronomischen Landkarte Spaniens entwickelt. Das spiegelt sich auch in der Spitzengastronomie wider: Nur etwa 15 Autominuten außerhalb des Zentrums führt Ausnahmekoch Eneko Atxa im dreifach besternten Restaurant Azurmendi vor, wie spektakulär die moderne avantgardistische Baskenküche schmecken kann.
Doch die wahre Leidenschaft der Bewohner schlägt im Alltag für eine ganz bestimmte Esskultur: das Pintxo-Hopping. Anders als klassische Tapas sind diese aufwendigen Miniatur-Gerichte meist kunstvoll auf einer Brotscheibe geschichtet und mit einem kleinen Holzspieß, dem namensgebenden Pinto, fixiert. Man zieht von Bar zu Bar, nimmt einen Bissen, trinkt dazu den spritzigen regionalen Weißwein Txakoli und zieht weiter.
Wer sich mitten ins Getümmel stürzen möchte, findet in der kopfsteingepflasterten Altstadt (Casco Viejo) die besten Adressen. An der malerischen Plaza Nueva reihen sich über ein Dutzend Top-Bars aneinander – Lokalitäten wie Gure Toki, Sorgínzulo oder La Olla de la Plaza Nueva. Außerhalb der Altstadt gilt die trubelige Calle Ledesma als zweites großes Pintxo-Mekka der Stadt. Das kulinarische Rückgrat bilden bis heute außerdem die sogenannten Txokos. Diese privaten, im 19. Jahrhundert entstandenen Kochvereine prägen die Esskultur bis hinauf in die Sterneküche.
Und wer nach all den herzhaften Spezialitäten etwas Süßes braucht? Der macht es wie die Locals und steuert die traditionsreiche Konditorei Arrese an der Prachtstraße Gran Vía an – eine echte Institution, an der man in Bilbao kaum vorbeikommt.
Palma de Mallorca (Balearen)

Wenn es ein Produkt gibt, das die kulinarische Seele Mallorcas auf den Punkt bringt, dann ist es die Sobrasada. Die weiche, streichfähige Rohwurst verdankt ihren charakteristischen orangefarbenen Ton lokalem Paprikapulver und ist aus der täglichen Esskultur der Insel und der Stadt Palma de Mallorca nicht wegzudenken – ob auf warmem Brot, in Gebäck gebacken, in deftige Reisgerichte gerührt oder ganz klassisch mit etwas Honig als süß-salziges Zusammenspiel.
Zu den deftigen Klassikern zählt außerdem der Arròz Brut – ein rustikaler Schmorreis mit Lamm- oder Schweinefleisch, Gemüse und Kartoffeln, der durch Fenchel und Chilischoten eine feurige Note erhält. Dass die Inselküche auch ohne Fleisch brilliert, beweist das Tumbet. Das herzhafte Gericht entstand ursprünglich, um überschüssiges Saisongemüse zu verwerten: Frittierte Schichten aus Kartoffeln, Auberginen, Paprika und frischen Tomaten verbinden sich in Olivenöl zu einer Art Gemüselasagne ohne Pasta.
Auch für Naschkatzen bietet Palma eine reiche Tradition, in der sich die katalanische Sprache und Identität der Insel widerspiegeln. Die berühmte Ensaïmada, ein luftiges Spiralgebäck aus Hefeteig, verdankt ihren Namen dem Schweineschmalz (saïm), mit dem sie gebacken wird. Es gibt sie pur mit Puderzucker oder gefüllt. Ebenfalls unverzichtbar ist der Gató de Almendra, ein feuchter, glutenfreier Mandelkuchen aus den Erzeugnissen der inselweiten Mandelbäume, der traditionell mit Mandeleis serviert wird.
Im Trendviertel Santa Catalina hat sich der gleichnamige Markt zum Hotspot für junge Köche etabliert. Das Viertel selbst punktet mit kreativen Restaurants und Tapas-Bars, während man entlang der Uferpromenade Paseo Marítimo edle Meeresfrüchte mit Blick auf die Bucht genießt. Auch in der absoluten Spitzenklasse mischt Palma mit – und zählt aktuell drei Michelin-Sterne. Neben den Restaurants Zaranda und DINS Santi Taura hält auch der Briten-Koch Marc Fosh, der seit Jahren zu den bekanntesten Gesichtern der Inselgastronomie gehört, einen Stern.
Tipp für Sauerteig und Süßspeisen: In der Full Proof Bakery backt Jo Semola einige der besten Teilchen Palmas.
San Sebastián (Baskenland)

Wenn von europäischen Kulinarik-Hotspots die Rede ist, fällt ein Name häufig an erster Stelle: San Sebastián. Kein Wunder, denn die Nähe zur französischen Grenze prägt die hiesige Gastronomie seit jeher. Das Ergebnis ist eine tief verwurzelte und trotz aller Einflüsse eigenständige baskische Küchenidentität.
San Sebastián glänzt mit 13 Michelin-Stern-Restaurants. Als Legenden gelten die Drei-Sterne-Restaurants Arzak und Akelarre. Juan Mari Arzak und seine Tochter Elena Arzak, die das Arzak führen, gelten als Ikonen der heutigen „Nueva Cocina Vasca“ („Neue baskische Küche“). Die Bewegung stammt ursprünglich aus den 1970er Jahren und war die kreative Antwort auf die französische Nouvelle Cuisine.
Der Abend beginnt in den urigen Gassen der Altstadt von San Sebastián traditionell mit dem Txikiteo – einem ausgiebigen Rundgang von Bar zu Bar. Am Tresen stehen Pintxos bereit, kleine und raffiniert zusammengestellte Happen. Als Hotspots für diese Genusstour gelten die Calle 31 de Agosto und die Calle Fermín Calbetón. Schmeichelnd für die Gaumenfreuden sind der leicht perlende, trockene Weißwein Txakoli aus der Region sowie der traditionelle Apfelwein Sidra.
Wer es bei der Kneipentour etwas moderner und experimentierfreudiger mag, überquert den Fluss Urumea in den Stadtteil Gros, der als junge, aufstrebende Alternative zur historischen Altstadt gilt. Und wer zum Abschluss etwas Süßes sucht, stolpert über ein Phänomen mit Weltruhm: die Tarta de Queso aus der Bar La Viña. Dieser cremige, innen fast flüssige Käsekuchen ist mittlerweile eine weltweite Ikone, die in zahllosen Ländern kopiert wird. Wie zentral die Stadt für die globale Branche ist, zeigt auch die jährlich stattfindende „Gastronomika“, einer der bedeutendsten Kongresse für die internationale Feinschmecker-Elite.
Oviedo (Asturien)

Ein Spektakel, das man im Jahr 2024 mit dem UNESCO-Titel des immateriellen Kulturerbes würdigte, prägt den Alltag in Asturiens Mitte: das Escanciador. Dabei wird naturtrüber Cider aus schwindelerregender Höhe über den Kopf hinweg ins tief gehaltene Glas geschüttet, um das Getränk zu belüften und kurz aufschäumen zu lassen. Als Heimat von über 70 Cider-Mühlen ist die Region einer der weltgrößten Produzenten des Apfelweins.
Wer dieses Schauspiel hautnah erleben will, besucht die Calle Gascona in Oviedo – die Straße heißt im Volksmund nicht ohne Grund „Boulevard des Apfelweins“ und ist dicht an dicht mit traditionellen Sidrerías gesäumt. Es überrascht kaum, dass Oviedo 2024 von spanischen Tourismus- und Gastronomieverbänden offiziell zur „Spanischen Gastronomie-Hauptstadt“ gekürt wurde.
Als Herzstück Asturiens führt Oviedo die besten Rezepte aus den Gebirgen und Küstendörfern der gesamten Region auf den Speisekarten zusammen. Über allem thront die Fabada Asturiana: ein gehaltvoller Bohneneintopf mit Chorizo, Morcilla, Speck und Schweineschulter, der in vielen Lokalen der Stadt dampfend serviert wird. Ein weiteres Schwergewicht ist das Cachopo, eine XL-Variante des gefüllten Schnitzels, bei der zwei gewaltige Kalbsschnitzel mit Serrano-Schinken und Käse geschichtet, paniert und kross frittiert werden.
Für feine Gaumen hält Nacho Manzano – Asturiens bekanntester Koch, der im nahen Arriondas das Zwei-Sterne-Lokal Casa Marcial führt – mit dem Restaurante Gloria eine Filiale in Oviedo bereit, die täglich wechselnde Traditionsgerichte modern interpretiert.
Cádiz (Andalusien)

Phönizier, Römer, Mauren und Jahrhunderte des atlantischen Handels hinterließen ihre Spuren auf den Tellern einer Stadt, die buchstäblich mitten im Meer liegt: Cádiz gilt als eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte Europas und ragt als schmale Halbinsel tief ins Meer. Genau diese Geografie bestimmt den Speiseplan mit Atlantikfisch und Meeresfrüchten aus dem Golf von Cádiz.
Das unangefochtene Gericht der Stadt: Pescaíto Frito. Dieser bunte Mix aus frittierten Meeresfrüchten und Fisch vereint je nach Saison und Angebot etwa Sardellen, kleine Tintenfische, marinierte Katzenhaie, Kalamari, Sepia, Merlan und Fischrogen – schlicht mit etwas Meersalz gewürzt. Einwohner holen sich das knusprige Sammelwerk am liebsten auf die Hand in einer Freiduría, einer spezialisierten Imbissbude, wo es kochend heiß in braunen Papiertüten über die Theke wandert.
Wenn im Frühjahr die Fangzeit beginnt, dreht sich in Cádiz alles um die wohl spektakulärste Zutat der Region: den Blauflossenthunfisch. Mit der Almadraba, einem jahrtausendealten Netz-Labyrinth im Meer, wird der Fisch von Ende April bis Juni gefangen. In diesen Wochen servieren die Lokale der Stadt das Fleisch fangfrisch in den unterschiedlichsten Teilstücken.
Das geschäftige Herzstück der Stadt bildet der Mercado Central de Abastos an der Plaza de la Libertad, der in einem ehemaligen Klostergebäude residiert. Wer urtümliche Atmosphäre sucht, zieht weiter in das Fischerviertel Barrio de la Viña zur Taberna Casa Manteca, deren Wände dicht an dicht mit historischen Plakaten gepflastert sind. Und wer die kulinarische Geschichte der Stadt schließlich in hochmoderner Form erleben möchte, bucht einen Tisch im Código de Barra. Küchenchef Leon Griffioen und seine Frau Paqui Márquez wurden für ihre innovative Küche mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet – ihre Menüs schöpfen ihre Inspiration direkt aus der 3.000-jährigen Historie und den einzigartigen Aromen dieser alten Hafenstadt.
Mehr Informationen unter www.spain.info/de/spanische-kueche-weine


