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Asturien: Spaniens Geheimtipp zwischen Bergen und Atlantik

In Asturien reichen die schneebedeckten Gipfel des Kantabrischen Gebirges, dessen bekanntester Abschnitt die Picos de Europa sind, bis auf wenige Kilometer ans Meer heran. Dazwischen leben Bären in grünen Tälern und Pilger wandern auf dem ältesten Teil des Jakobswegs. Entdecken Sie, was den Reiz der nordspanischen Urlaubsregion ausmacht.
Datum17.09.2026

Vom Strand in die Berge, vom Wald in die Stadt, vom Dorf an den Hafen: Auf einer Fläche kleiner als Schleswig-Holstein vereint die autonome Region Asturien im Norden Spaniens die Vielfalt des gesamten Landes. Nicht nur die Städte Oviedo, Gijón und Avilés sind einen Besuch wert, vor allem wegen ihrer einnehmenden Landschaften und freien Natur schätzen Reisende das noch eher unbekannte Urlaubsziel am Atlantik.

Große landschaftliche Vielfalt auf kleinem Raum

Die Asturcon-Ponys leben teilweise wild in den Tälern Asturiens.

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Asturiens zählt der Nationalpark rund um die Bergkette Picos de Europa, die sich bis nach Kantabrien und Kastilien-León erstreckt. Eine weitere Besonderheit sind die prähistorischen Höhlenmalereien, die als eines der ältesten Relikte der Menschheitsgeschichte gelten. Im Folgenden stellen wir die schönsten Orte in Asturien vor.

Unterwegs an der Costa Verde

Asturien grenzt im Norden an den Atlantik und den Golf von Biskaya. Umschlossen wird die Region im Westen von Galicien und im Osten von Kantabrien. Die mehr als 400 Kilometer lange Küste hat unterschiedliche Bezeichnungen. Manchmal ist von der „Costa Cantábrica“ die Rede, neuer ist der Name „Costa Verde“ („Grüne Küste“). Er verweist nicht nur auf die üppigen Wälder und Wiesen im Hinterland, sondern auch auf die rund 200 Strände und die zahlreichen Schutzgebiete direkt am Meer: Dazu zählen das Kap Cabo Peñas, die Naturreservate von Barayo und der Ría de Villaviciosa sowie Strände wie Peñarronda, Frexulfe oder Vega, die als Naturdenkmäler ausgewiesen sind. Hinzu kommen die Bufones von Arenillas und Santiuste. Das sind Felsspalten, aus denen bei starkem Seegang meterhohe Wasserfontänen emporschießen. Außerdem gibt es an der sogenannten „Costa de los Dinosaurios“ Fundstellen versteinerter Dinosaurierspuren, sogenannte Ichniten. Sie alle machen die asturische Küste zu jeder Jahreszeit zu einem lohnenden Reiseziel.

Fischerdörfer von Asturien

Spektakulär stapeln sich die Fischerhäuser von Llastres über dem Meer.

Oft szenisch an den Hängen und Kliffs gelegen, thronen Asturiens charmante Fischerorte an der Küste. Nach wie vor leben hier viele Menschen vom Fischfang und der Seefahrt. Lokale Meeresfrüchte wie Muscheln und atlantischen Fisch kann man auf den Märkten und Tresen dieser Orte direkt kaufen oder in Restaurants fangfrisch probieren. Zu den schönsten Dörfern zählt Llastres, dessen Häuser sich so steil über dem Hafen auftürmen, dass die Gassen in Treppen übergehen. Im ältesten Viertel, dem Barrio de los Balleneros, gibt es historische Steinhäuser aus dem 16. Jahrhundert, die einst von Walfängern bewohnt waren. Einen sensationellen Ausblick hat man vom Mirador de San Roque, die Sicht geht bis hin zu den Picos de Europa. 

Rund 130 Kilometer weiter westlich schmiegt sich der Küstenort Luarca an beide Uferseiten des Flusses Río Negro, der von mehreren Brücken überspannt wird. Wegen der weißen Häuser im Zentrum El Cambaral trägt das Städtchen den Beinamen „Villa Blanca de la Costa Verde“. Spektakulär sind die tiefe Bucht Playa de las Arreas, die man nur von der Wasserseite aus erreicht, sowie der Friedhof, der auf einer steilen Klippe über ihr thront. Im Museo del Calamar Gigante gewährt der Ort seit 2022 Einblicke in das Leben unterhalb der Wasseroberfläche des Kantabrischen Meeres. Besonderes Augenmerk liegt auf den sagenumwogenen Riesenkalmaren und ihrem faszinierenden Lebensraum. 

Noch weiter westlich, unmittelbar an der Grenze zu Galicien, liegt der Ort As Figueiras zwar nicht direkt am Meer, aber unweit der Mündung des Flusses Ría del Eo. Lokal bekannt ist die hiesige Werft, die seit mehr als hundert Jahren Spezialschiffe baut. Rund um den Hafen reihen sich Fischerhäuser aneinander. In den höher gelegenen Teilen des Dorfes stehen edle Residenzen wie der Peñalba-Palast, ein interessantes Beispiel der sogenannten Indiano*-Architektur mit Jugendstil-Einflüssen, in dem heute ein Hotel untergebracht ist.

*ⓘ Als Indianos bezeichnete man Auswanderer, die in Lateinamerika zu Wohlstand gekommen waren und nach ihrer Rückkehr prachtvolle Villen errichten ließen.

Strände von Asturien

Bei Llanes führt der Jakobsweg „Camino de la Costa“ direkt an der Küste entlang.

Ein Paradies für Freunde des Meeres: Auf mehr als 400 Küstenkilometern hat Asturien rund 200 Sandstrände zu bieten. Die Landschaft reicht von schmalen, steilen Buchten bis hin zu langen Abschnitten für ausgedehnte Spaziergänge entlang des Atlantiks. Für einen ausgiebigen Badeurlaub eignen sich dabei nur die geschützteren Buchten zwischen Juli und September. Den Rest des Jahres zeigt sich der Atlantik kühl, die Strömungen und Gezeiten an den breiteren Küstenabschnitten können sehr stark sein. 

Ihrer Schönheit tut das keinen Abbruch. Das glasklare Wasser, den feinen Sand und den Ausblick auf die grüne Hügellandschaft hat man an einigen Orten fast für sich allein. Zu den schönsten Stränden Asturiens zählen unter anderem die Playa de Borizu und die Playa de Poo unweit von Llanes.

Besonders familienfreundlich und zum Schwimmen geeignet sind die zwei Strände „Primera“ und „Segunda“ von Luarca, denn hier halten Wellenbrecher die Kraft des Atlantiks gering. Vor Ort gibt es eine Promenade mit Einkehrmöglichkeiten und Sanitäranlagen. Während der Saison werden die Strände von Rettungsschwimmern überwacht. 

Wer lieber den Ausblick genießt, findet an der Playa del Silencio nahe Castañeras nicht nur die namensgebende Ruhe, sondern auch ein gewaltiges Panorama. Die weißen Steilhänge und das türkisfarbene Wasser erinnern an die Klippen von Étretat in Frankreich oder an die berühmten Kreidefelsen auf Rügen. Mit passendem Schuhwerk können Besucher die vielen Treppen hinuntergehen. Andernfalls ist der Blick von oben spektakulär genug.

Oviedo, Gijón und Avilés: Städte in Asturien

Am Monte Naranco oberhalb von Oviedo thront die Santa María del Naranco.

Asturiens Städte verteilen sich auf einen schmalen Streifen zwischen dem Atlantik und den Bergen. Oviedo, Gijón und das deutlich kleinere Avilés bilden gemeinsam eine Art „urbanes Dreieck“, das den Ballungsraum der Region ausmacht. Zwischen den Zentren liegen oft nicht mehr als 50 Kilometer, so lassen sich Citytrips entspannt miteinander verbinden.

Die Stadt Oviedo gilt seit dem 8. Jahrhundert als Hauptstadt Asturiens. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt die Kathedrale San Salvador, die Reliquien aus der Zeit des Königreichs Asturien verwahrt. Unter den Schätzen sind auch die goldenen Kreuze, die bis heute ein Symbol der Region sind. Am Hang des Hausberges Monte Naranco stehen zwei weitere, sehenswerte Bauten: Im Jahr 842 ließ König Ramiro I. die Santa María del Naranco zunächst als Palast errichten, erst im 12. Jahrhundert weihten Geistliche den Komplex zur Kirche. Hundert Meter weiter steht mit der San Miguel de Lillo eine bedeutende vorromanische Kirche. Die drei Sakralbauten sind seit den 1980er Jahren von der Unesco gelistet. Wer durch die Altstadt und die zentrale Calle Gascona flaniert, sollte unbedingt in einer der Sidrerías Platz nehmen, um den lokalen Apfelwein zu probieren.

Einen Gegensatz zur Hauptstadt bildet die größte Stadt der Region, Gijón. Hier schlägt das wirtschaftliche Herz Asturiens, viele der 270.000 Einwohner gehen Tätigkeiten am Hafen oder in der örtlichen Stahlindustrie nach. Zu einem Spaziergang lädt das alte Fischerviertel Cimavilla auf der Halbinsel Santa Catalina. Hier finden sich viele traditionelle Sidrerías, in denen Fisch, Tapas und Cidre serviert werden. Auf dem Hügel zwischen Meer und Stadt thront die umstrittene Betonskulptur Elogio del Horizonte. 1990 vom Künstler Eduardo Chillida erbaut, hatten die Bewohner für das Werk zunächst nicht viel übrig. Heute jedoch ist es ein beliebter Aussichts- und Treffpunkt zum Sonnenuntergang. Zu den interessanten Orten zählen die Ruinen einstiger Römer-Thermen aus dem 1. Jahrhundert und die Laboral Ciudad de la Cultura, ein monumentaler Bau, der in den 1950er Jahren unter Franco entstand und heute Ausstellungen, Theater und eine Kunsthochschule beherbergt. 

Das Städtetrio komplettiert Avilés. Die Hafenstadt an der gleichnamigen Flussmündung überrascht mit einer gut erhaltenen Altstadt voller Arkadengassen und Adelspaläste. Einen modernen Kontrast bildet das Centro Niemeyer, ein Kulturzentrum, das der brasilianische Architekt Oscar Niemeyer entworfen hat.

Täler und Naturparks in Asturien

Zwischen der Küste und dem Kantabrischen Gebirge, das die südliche Grenze Asturiens zu Kastilien-León bildet, liegt das grüne Hinterland von Asturien mit seinen Flusstälern und Kastanienwäldern. Die berühmten Picos de Europa bilden dabei nur den östlichen Teil dieses Gebirgsmassivs. Die Gegend ist ländlich geprägt und in weiten Teilen naturbelassen. Steinerne Speicherhäuser, die traditionellen Hórreos, sind ein fester Bestandteil der Landschaft. Wie ursprünglich die Natur hier ist, zeigt sich im Westen der Region: Im Parque Natural de Somiedo und im Parque Natural de las Fuentes del Narcea, Degaña e Ibias leben heute noch immer wilde Braunbären. Im benachbarten Trubia-Tal folgt die Route „Senda del Oso“ (Bärenweg) der Trasse einer stillgelegten Bergwerksbahn. Radfahrer und Wanderer können sich hier auf hervorragend ausgebauten 50 Kilometern durch Schluchten und Täler bewegen.

Ein besonderer Ort für Naturaktivitäten ist zudem der Buchenwald La Biescona südöstlich von Llastres. Wanderpfade führen durch kühle Schluchten, vorbei an Kaskaden, Bachläufen und kleinen Wasserfällen. Weiter hoch über dem Tal liegt die Área Recreativa El Fitu mit einer Plattform, die Besuchern einen Rundumblick über Berggipfel, Wälder und Meer eröffnet. 

Durch das fast märchenhafte Hinterland zieht sich auch der Camino Primitivo, der älteste Teil des Jakobswegs. König Alfons II. brach im 9. Jahrhundert von Oviedo aus zum Apostelgrab auf, heute laufen Pilger die asturische Etappe bis Grandas de Salime in rund sieben Tagen, seit 2015 zählt die Route zum Unesco-Welterbe.

Hoch in die Berge: Nationalpark Picos de Europa

Der Wanderweg führt entlang eines ehemaligen Goldwasch-Tunnels Montefurado.

Der Nationalpark Picos de Europa erstreckt sich über Asturien, Kantabrien und Kastilien-León, wobei die bekanntesten Orte des spanischen Gebirges auf der asturischen Seite liegen. Die gesamte Region eignet sich für Wanderungen und Kletterausflüge. Wer es etwas bequemer mag, kann Wallfahrtsorte wie Covadonga mit seiner Marienfigur und einem Wasserfall und einige malerische Bergdörfer auch mit dem Auto erreichen.

Beliebte Fotomotive sind die zwei Gletscherseen Lago Enol und Lago Ercina inmitten der weiten Karstlandschaft, in der Kühe und Pferde uneingezäunt weiden. Um das Verkehrsaufkommen rund um die zwei „Lagos de Covadonga“ in der Hochsaison so gering wie möglich zu halten, sperrt die Parkverwaltung die Serpentinen zwischen Juni und Mitte Oktober für Privatwagen. Ab Cangas de Onís oder an den Parkplätzen davor fahren dann regelmäßig Shuttlebusse. 

Besonders: Am Mirador de la Reina reicht der Blick an klaren Tagen nicht nur bis zu den Bergspitzen, sondern auch zum Meer. Von den Seen aus gibt es mehrere Wanderwege, etwa zur Hochweide Vega de Ario oder zum Aussichtspunkt Ordiales. Wer schwindelfrei, trittfest und bergaffin ist, wandert auf der Ruta del Cares ab Poncebos durch eine Schlucht, deren spektakulären Pfad die Arbeiter eines Wasserkraftwerks in den 1940er-Jahren in den Fels schlugen. 

Slow Travel und „Respekttourismus“ in Asturien

Als Geheimtipp und noch weniger bekannte Region hat sich Asturien in den vergangenen Jahren zu einer idealen Destination für Slow Travel entwickelt. Die Dichte an unterschiedlichen Landschaften, der Mix aus Küsten und Bergen und die Abwesenheit von Massentourismus ermöglichen Reisenden einen abwechslungsreichen Aufenthalt ohne Planungsstress, Bucket-Listen und buchbare Time-Slots. Selbst an den bekannteren Orten bilden sich keine Schlangen, stattdessen bleibt viel Raum und Zeit, die Region in Ruhe kennenzulernen.

Die örtlichen Gegebenheiten laden daher auch zum „Respekttourismus“ ein, auf Spanisch „Respeturismo“. Gemeint ist ein respektvoller Tourismus, ohne Hast und Eile. Stattdessen können Besucher die regionale Geschichte, Kultur, Kulinarik und Natur Asturiens ausgiebig erleben und verstehen. Die touristischen Angebote der Region umfassen daher oft bewusst entschleunigende Tätigkeiten wie Vogelbeobachtungen, Naturwanderungen oder Besuche in traditionellen Käsereien und Sidra-Keltereien.

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