Die 10 schönsten Orte in Ligurien

Im Nordwesten Italiens, angrenzend an die Regionen Piemont und Lombardei, schmiegt sich Ligurien ans Mittelmeer. Die italienische Riviera ist insbesondere für die Orte Portofino sowie Cinque Terre bekannt, dabei hält dieser Küstenstreifen zwischen der französisch-italienischen Grenze bis hin zur Toskana viel mehr bereit. Da wären mittelalterliche Bergdörfer im Hinterland, ein wildromantischer Nationalpark und Städte wie Sanremo, das mit seinem mondänen Kurort-Flair an Nizza und Monaco erinnert, aber ganz viel eigenen Charakter ausstrahlt. Die Hauptstadt Genua ist indes zwar nicht gerade ein Geheimtipp, im Gegensatz zu vielen anderen italienischen Großstädten geht es hier aber noch entspannt zu.
Wir zeigen, wo es in der italienischen Region Ligurien am schönsten ist.
Die Hauptstadt: Genua

Ursprung des köstlichen Pesto alla Genovese, dank der Universität Heimat vieler junger Menschen und gleichzeitig voller Geschichte: In Genua fließen zahlreiche Einflüsse zusammen. Die Hauptstadt von Ligurien zählt rund 575.000 Einwohner. Im Mittelalter war sie neben Pisa, Amalfi und Venedig eine der wichtigsten Seerepubliken, heute ist die Metropole noch immer als wichtige Hafenstadt bekannt. Sehenswert ist insbesondere die Altstadt, die in Teilen seit 2006 zum UNESCO-Welterbe zählt.
Vor allem die Palazzi dei Rolli prägen das Stadtbild; die prunkvollen Paläste im Renaissance- und Barockstil wurden einst von wohlhabenden Familien aus Genua und Umgebung erbaut und als offizielle Gasthäuser genutzt. Ebenfalls ein Muss beim Besuch: die Via Garibaldi. Sie markiert das Zentrum des historischen Stadtkerns und wird von edlen Palazzi und bunten Wohnhäusern sowie Museen gesäumt.
Apropos Museen: Genua hat einige kulturell bedeutende Häuser vorzuweisen, etwa die Nationalgalerie Palazzo Spinola, die in einem Adelssitz aus dem 16. Jahrhundert untergebracht ist. Oder das Diocesan Museum, das die Entwicklung der genuesischen Kirche über die Jahrhunderte hinweg eindrucksvoll darlegt. Für den abendlichen Spaziergang empfiehlt sich das Fischerviertel namens Boccadasse, dessen Häuschen mit pastellfarbenem Anstrich und grünen Fensterläden eines der beliebtesten Fotomotive der Umgebung bilden.
Das Ende von Ligurien: Porto Venere

Am südöstlichen Ende von Ligurien finden Reisende diesen Ort, der aussieht wie aus einem Bilderbuch. Gelb, Rot, Blau und Grün, in allen erdenklichen Farben leuchten die Häuser, die sich an der Küste von Porto Venere wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen. Dahinter ragt das Castello Doria dramatisch in die Höhe. Optisch erinnert die Gemeinde mit ihren bunten Gebäuden, die sich über das Meer erheben, stark an die nahegelegenen Dörfer der Cinque Terre, jedoch geht es hier etwas ruhiger zu. Die Altstadtgassen ähneln einem Labyrinth, so eng und verwinkelt schlängeln sie sich durch den Ort, und immer wieder laden Cafés und Restaurants auf eine Pause ein.
Ein Wahrzeichen von Porto Venere ist die Kirche San Pietro, die am Meeresufer auf einem Felsvorsprung thront. Beliebt bei Reisenden ist darüber hinaus die Grotta di Lord Byron, benannt nach dem britischen Dichter, der hier einst geschwommen sein soll. Solche Grotten und kleinere Buchten sind typisch für die Gemeinde, richtige Sandstrände bietet sie nicht. Diese sind auf der vorgelagerten Insel Palmaria zu finden. Mit nur rund 50 Einwohnern und wenig Infrastruktur hat das Eiland vor den Toren von Porto Venere sich bis heute seine wilde Ursprünglichkeit bewahrt und beeindruckt mit schroffen Klippen, verborgenen Höhlen und Badebuchten.
Mondäner Kurort: Sanremo

Sanremo strahlt eine ganz andere Atmosphäre aus und erinnert damit eher an Nizza oder Monte-Carlo. Prächtige Belle-Époque-Gebäude und eine von Palmen gesäumte, blitzblanke Promenade, an der einst schon Grace Kelly flanierte, lassen direkt ein Gefühl von Entspannung aufkommen. Die Stadt in der Nähe der französischen Grenze war einst ein bedeutender Kurort, ein Grund hierfür ist unter anderem das Klima mit milden Wintern und nicht zu heißen Sommern.
Genau dieses Klima brachte Sanremo auch den Spitznamen „Città dei Fiori“ („Stadt der Blumen“) ein: Die Stadt und ihre Umgebung haben sich vor allem durch die Kultivierung von Blumen wie Ranunkeln, Strelitzien, Rosen, Nelken und Anemonen einen Namen gemacht. Diesen Ruf, der weit über die Grenzen der Stadt hinaus geht, zelebrieren die Sanremesi jedes Jahr im Frühling mit einer opulenten Parade.
Am bekanntesten ist Sanremo jedoch für das seit 1951 alljährlich im Februar stattfindende Festival della Canzone Italiana, das schon den ein oder anderen weltberühmten Gewinner wie Eros Ramazzotti oder Laura Pausini hervorgebracht hat.
Neben dem Belle-Époque-Flair im modernen Teil der Stadt – unter anderem gilt das prächtige Casino von Sanremo aus dem Jahr 1905 als Wahrzeichen – ist die Altstadt namens La Pigna sehenswert. Mit ihren Dutzenden steinernen Gassen und Torbögen wirkt sie auf den ersten Blick wie ein Labyrinth, an zahlreichen Ecken öffnen sich die überdachten Pfade und führen zu charmanten Lokalen. Eines davon ist beispielsweise das Babeuf, ein neues Farm-to-Table-Restaurant, das auf einfache Zutaten setzt, diese aber auf kreative Weise neu interpretiert. Das Highlight ist eines der Desserts: Pistaziencreme mit gesalzenem Kakao-Crumble.
Naturrefugium: Parco Naturale Regionale dell'Antola

Wer Ligurien vor allem mit Küstenorten verbindet, wird im Parco Naturale Regionale dell’Antola eines Besseren belehrt. Nur rund eine Stunde von Genua entfernt eröffnet sich hier eine völlig andere Welt: Dichte Wälder, sanfte Hügel und schroffe Berglandschaften prägen das Bild dieses weitläufigen Naturparks im ligurischen Hinterland. Statt Meeresrauschen hört man hier das Zwitschern der Vögel und das Rascheln der Blätter im Wind.
Der Parco Naturale Regionale dell’Antola wurde 1995 ins Leben gerufen und erstreckt sich heute über rund 4.800 Hektar. Namensgebend für den Schutzraum ist der Monte Antola, mit 1.597 Metern der höchste Gipfel der Region. Von oben reicht der Blick an klaren Tagen bis zum Meer. Zahlreiche gut ausgeschilderte Wanderwege führen durch das Gebiet, vorbei an alten Hirtenpfaden, kleinen Seen und abgelegenen Almen. Auch kulturell hat die Region ihren Reiz: Immer wieder stößt man auf kleine, fast vergessene Dörfer. Hier wird traditionelle ligurische Küche gepflegt, etwa mit deftigen Gerichten wie Polenta oder hausgemachter Pasta.
Malerisches Dorf im Hinterland: Dolceacqua

Eine geschwungene Steinbrücke, dahinter eine Burgruine auf einem Hügel: Dolceacqua liefert genau das Bild, das man sich von einem ligurischen Bergdorf erhofft. Die Ponte Vecchio aus dem 15. Jahrhundert verbindet die beiden Ortsteile Terra und Borgo über den Fluss Nervia hinweg und gilt als eines der ikonischen Fotomotive der Region. Selbst Claude Monet war so angetan von der Szenerie, dass er sie 1884 malte und die Brücke als ein „Juwel der Leichtigkeit“ beschrieb.
Rund um dieses Postkartenmotiv entfaltet sich ein Ort, der zu den „borghi più belli d’Italia“, den schönsten Dörfern Italiens, zählt. Über allem thront das Castello dei Doria, dessen Ruine nicht nur das Ortsbild prägt, sondern auch einen weiten Blick über das Nervia-Tal bietet.
Trotz seiner Bekanntheit hat sich Dolceacqua eine angenehm ruhige Atmosphäre bewahrt. Kleine Galerien und Kunsthandwerksläden wie Bomb’Art Studio oder Sogni per Dame e Cavalieri zeigen, dass der Ort seit jeher Kreative anzieht. Umgeben von Olivenhainen und Weinbergen, liegt er nur wenige Kilometer von der Küste entfernt und eignet sich ideal für einen entspannten Abstecher ins Hinterland – besonders in den Abendstunden, wenn die untergehende Sonne die Szenerie in warmes Licht taucht.
Portofino: Wo die Reichen und Schönen urlauben

Ein kleiner Naturhafen, eingerahmt von pastellfarbenen Häusern und sanften Hügeln: Portofino ist eines dieser Postkartenmotive, die man sofort wiedererkennt. Was einst ein beschauliches Fischerdorf war, hat sich längst zu einer der exklusivsten Adressen Europas entwickelt. Yachten schaukeln im halbmondförmigen Hafen, Designer-Boutiquen reihen sich aneinander und auf der Piazzetta, dem kleinen Platz direkt am Wasser, sitzt man bei Espresso oder Aperitivo und beobachtet das internationale Publikum.
Der Ort steht seit Jahrzehnten für Glamour. Schon in den 1950er-Jahren zog es Hollywood-Größen wie Elizabeth Taylor und Richard Burton, aber auch Sophia Loren oder Humphrey Bogart hierher – und bis heute hat Portofino nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Entsprechend hoch ist das Preisniveau: Luxushotels wie das Splendido Mare der Belmond-Gruppe oder das Eight Portofino sowie exklusive Restaurants prägen das Angebot.
Oberhalb des Hafens von Portofino liegt das Castello Brown, eine ehemalige Festung, deren Geschichte bis in die Römerzeit zurückreicht und die einen der schönsten Ausblicke über die Küste bietet. Wer noch weiter hinaus möchte, spaziert bis zum Leuchtturm am äußersten Zipfel der Halbinsel.
Ruhiger Ort an der italienischen Riviera: Camogli

Während es im nahen Portofino glamourös zugeht, zeigt sich Camogli angenehm bodenständig. Die bunten, schmalen Häuser entlang der Uferpromenade sind dicht aneinandergereiht, dahinter steigen die Hügel steil an. Davor erstrecken sich ein breiter Kiesstrand und das klare Wasser des Ligurischen Meeres.
Camogli blickt auf eine lange Fischereitradition zurück, die bis heute spürbar ist. Im kleinen Hafen, dem Porticciolo, schaukeln noch immer Boote. Der Name des Ortes gibt indes Rätsel auf: Oft wird er als „Casa delle Mogli“ – Haus der Frauen – interpretiert, weil viele Männer früher zur See fuhren und ihre Frauen den Ort und die Haushalte aufrechterhielten. Belegt ist diese Herkunft allerdings nicht.
Ein besonderes Highlight in Camogli ist die jährlich im Mai stattfindende „Sagra del Pesce“: Dann wird direkt am Hafen Fisch in riesigen Pfannen gebraten, oft begleitet von einem Feuerwerk. Dank der guten Zugverbindung von Genua aus eignet sich die 5.000-Einwohner-Gemeinde perfekt für einen Tagesausflug – auch, um das ligurische Lebensgefühl einmal ganz ohne großen Trubel zu erleben.
Das grüne Gold Liguriens: Valle dell’Olivo
Nur wenige Kilometer von der Küste bei Imperia entfernt öffnet sich im Valle dell’Olivo ein ruhiges, von Hügeln und Bergen geschütztes Tal, in dem seit Jahrhunderten Oliven angebaut werden. Charakteristisch sind die aufwändig angelegten Terrassenhänge aus Stein, die sich entlang der sanften Bergrücken ziehen. Der Boden aus Schiefer und Kalkstein bietet ideale Bedingungen unter anderem für die Taggiasca-Olive, aus der eines der bekanntesten ligurischen Olivenöle gewonnen wird. In Orten wie Dolcedo lässt sich diese Tradition hautnah erleben – etwa in kleinen Ölmühlen wie dem Frantoio Ghiglione.
Das Valle dell’Olivo beherbergt neben den weitläufigen Hainen mehrere Dörfer wie Prelà, Vasia oder Pantasina, die sich malerisch in die Landschaft einfügen. Enge Gassen, alte Steinhäuser und kleine Plätze prägen das Bild, oft ergänzt durch Brücken und versteckte Cafés. Wer die Gegend aktiv erkunden möchte, findet zahlreiche Wanderwege, die durch Olivenhaine und zwischen den Dörfern verlaufen.
Das Hexendorf: Triora

Nur etwa 350 Einwohner zählt dieses beschauliche Bergdorf im ligurischen Hinterland. Auch aus touristischer Sicht ist Triora deutlich ruhiger als die Orte an der Küste, für viele Reisende ist der Weiler noch ein echter Geheimtipp. Nicht so jedoch im eigenen Land, denn Triora ist hier auch als „Hexendorf von Italien“ („borgo delle streghe“) bekannt. Im 16. Jahrhundert fanden hier viele der sogenannten Hexenprozesse statt, bei denen allein zwischen 1587 und 1589 mindestens 30 Frauen in Triora vor Gericht gestellt und verurteilt wurden. Daran erinnert noch heute das Museo Etnografico e della Stregoneria (deutsch: Ethnographie- und Hexenmuseum). Gleichzeitig hat sich das Dorf mit seinen Bewohnern die Kultur der Magie zu eigen gemacht und zelebriert jedes Jahr, vorrangig an und rund um Halloween, die Hexerei – mit Märkten und verschiedenen Veranstaltungen rund um das Thema.
Auch abseits davon empfiehlt sich ein Besuch; der historische Ortskern von Triora wird von engen, gepflasterten Gassen, Torbögen und dicht aneinandergebauten Steinhäusern geprägt. Häufig ist man hier sogar alleine unterwegs, was die Atmosphäre umso mystischer macht.
Cinque Terre: Der berühmteste Ort Liguriens

Die schönsten Orte Liguriens kommen natürlich nicht ohne die Cinque Terre aus, auch wenn in der Hochsaison von einer Reise abzuraten ist – zu voll wird es dann in den Dörfern entlang der Küste. „Cinque Terre“ heißt übersetzt etwa „fünf Gebiete“ oder „fünf Lande“. Gemeint sind damit eben jene Urlaubsorte, die stellvertretend für den Küstenabschnitt stehen: Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore. Mindestens eines davon haben Sie sicherlich schon gesehen: Die bunten Häuser, die steil über dem Meer aufragen, sind charakteristisch für die Dörfer der Cinque Terre und gehören zu den beliebtesten Fotomotiven in ganz Italien.
Am besten baden lässt es sich in Monterosso al Mare, dem größten Dorf der Cinque Terre. Neben einem großen Sandstrand finden sich hier die meisten Unterkünfte für Urlauber. Corniglia ist der einzige Ort ohne direkten Meerzugang, die Häuser des Dorfes liegen auf einem Felsen über dem Meer. Von hier aus lassen sich der Ozean und der hübsche Guvano-Strand über die „Lardarina“, eine Treppe mit 382 Stufen, erreichen.
Hinweis: Der Autoverkehr in den einzelnen Dörfern ist teilweise eingeschränkt, aber für Wandernde ist der Abschnitt ein Paradies. An der Küste entlang zieht sich beispielsweise der Sentiero Azzurro (Blauer Weg), der von Weiler zu Weiler führt und auch in Etappen gegangen werden kann.