Clans und Castles: 7 besondere Schlösser in Schottland

Hinter dicken Mauern spielten sich einst dunkle Kapitel der schottischen Geschichte ab. Heute geht es wesentlich freundlicher zu: Diese sieben Schlösser nehmen Besucher mit auf eine spannende Zeitreise.
Text Annette Streck
Datum05.03.2026

Magisch, düster, mysteriös: Eine sagenumwobene Atmosphäre umgibt die Schlösser im Norden des Königreichs. Clans und Adelige bauten sich in den grünen Highlands einst ihre prächtigen Anlagen. Hinter den historischen Mauern spielten sich Dramen, Fehden und Ereignisse ab, die bis in die Gegenwart wirken. 

Heute können Besucher auf den Spuren der Vergangenheit durch Geheimgänge, prunkvolle Säle und Ausstellungen schlendern. Wir zeigen einige der schönsten Schlösser von Schottland.

Stirling Castle: Schottlands Herzstück

Strategisch bedeutend: Stirling Castle

Wie Edinburgh in Miniatur – so fühlt sich Stirling an. Und gewissermaßen war die Stadt an Schottlands engster Stelle über Jahrhunderte auch Hauptstadt. Wer sie einnahm, kontrollierte das Land. Hoch auf einem Vulkanfelsen steht Stirling Castle für das blutige Herz Schottlands: umkämpft und belagert, mal in den Händen Schottlands, mal in denen Englands. Die Grundfesten gehen auf eine Kapelle aus dem Jahr 1110 zurück, die prunkvollsten Gebäude aber entstanden zwischen 1496 und 1583. Um seiner Ehefrau, der Französin Marie de Guise, zu imponieren, wandelte James V. damals die Festung in einen Palast um. Ihre Tochter Maria Stuart wurde hier getauft und gekrönt.

Die Great Hall von Stirling Castle ist der eindrucksvollste Renaissancesaal, der je in Schottland gebaut wurde. Zwischen 1800 und 1964 diente das Schloss als Kaserne, und die Soldaten gingen nicht gerade behutsam mit ihm um. Nach fast zwei Jahrzehnten Restaurierung strahlt Stirling Castle wieder in altem Glanz. Mittelalterliche Wandteppiche wurden von Hand nachgewebt, altes Mobiliar stilecht rekonstruiert. Gegen den Widerstand der Bevölkerung wurde die Great Hall sogar mit der gleichen ockergelben Tünche überzogen wie zu Zeiten James V. – ein farbenfroher Kontrast zum eher düsteren Schloss in Edinburgh. 

Stirling Castle ist ganzjährig geöffnet.

historicenvironment.scot

Dunrobin Castle: Burg der grausamen Gräfin

Nicht besonders schottisch wirkt die Fassade von Dunrobin Castle.

Die Silhouette wirkt wie eine Kreuzung aus französischem Château und bayerischem Märchenschloss. Dabei gehört Dunrobin Castle zu Schottland wie sonst kaum ein anderes Anwesen. Der Bau ist Stammsitz des Clans Sutherland, einst eine der mächtigsten Familien des Landes. Im Innenhof steht der Burgfried von 1275: steinernes Zeugnis ewiger und blutiger Clan-Fehden. Später, Anfang des 19. Jahrhunderts, waren es die eigenen Pächter, gegen die die Gräfin von Sutherland, gemeinsam mit ihrem Mann Lord Stafford, in den „Highland Clearances“ vorging. Den meisten Schotten ist die Brutalität, mit der das Paar das kulturelle Erbe der Highlands zerstörte, noch heute unvergessen. 

Fast 15.000 Menschen ließen sie zwangsvertreiben, um Weideflächen für ihre Schafe zu schaffen. Dank ihrer enormen Besitztümer konnten die Erben der Gräfin 1845 Sir Charles Barry, der auch den Londoner Westminster-Palast entwarf, für den Umbau ihres Schlosses gewinnen. Die opulenten Innenräume, von denen etwa zwanzig zu besichtigen sind, wurden 1915 nach einem schweren Brand perfekt restauriert. Am schönsten ist Dunrobin jedoch vom Garten aus, der 1850 nach dem Vorbild von Versailles entstand. Dort präsentiert Falkner Andy Hughes die Flug- und Jagdkünste seiner Königsadler, Wanderfalken und Eulen. Das angrenzende Museum zeigt neben 1500 Jahre alten Ritzzeichnungen auf Steinen aus der Zeit der Pikten auch eine Sammlung von Großwildtrophäen: Die Familie Sutherland liebte es, in Afrika auf Jagd zu gehen.

Dunrobin Castle ist von Ende April bis Oktober geöffnet.

dunrobincastle.co.uk

Cawdor Castle: Auf den Spuren von Macbeth

Von einstigen Gräueltaten ist auch Cawdor Castle heute auf den ersten Blick nichts mehr zu sehen.

Es war eindeutig künstlerische Freiheit, die Shakespeare veranlasste, den Mord an König Duncan in Macbeth mit den Ländereien von Cawdor in Verbindung zu bringen. „Ich wünschte, der Barde hätte dieses verdammte Stück nie geschrieben“, sagte schon der 1970 verstorbene fünfte Earl von Cawdor. Dennoch: Das Schloss mit seiner Zugbrücke und dem mittelalterlichen Turm hat durchaus etwas Theatralisches. 

Die eigentliche Geschichte von Cawdor Castle beginnt zwar erst Ende des 14. Jahrhunderts, 300 Jahre nach Macbeths grausiger Tat, aber was die Legendenbildung betrifft, steht sie der schottischen Tragödie in nichts nach: Einst träumte der Gutsherr von Cawdor, ein mit Gold beladener Esel werde ihm den günstigsten Platz für seine neue Burg weisen. Daraufhin wurde ein Tier losgeschickt, legte sich unter einen Baum, und der Graf baute seine Festung. Heute erinnert ein trockenes Baumskelett im Thorn Tree Room an den Gründungsmythos. 

Aus dem bewegten Leben auf Cawdor Castle erzählt der sechste Earl im Schlossführer, etwa von seiner Ahnin Muriel, die schon als Baby zwecks Zwangsheirat entführt wurde. Die Schurken lauerten vor der Tür, als die Amme dem Mädchen geistesgegenwärtig die Fingerkuppe abbiss, damit sie später identifiziert werden konnte. Oder von der Countess, die gerne mit ungewöhnlichen Gartenkräutern experimentierte und dabei drei Dinnergäste vergiftete. Neben Geheimgängen und dem erst 1979 wiederentdeckten Kerker bietet das Schloss zudem ein Sammelsurium alter Wandteppiche, Waffen und Porträts.

Cawdor Castle ist von Ende April bis Oktober geöffnet.

cawdorcastle.com

Glamis Castle: Heimat von Queen Mum

Wo Macbeth einst wütete: Glamis Castle

Bereits seit 1372 ist Glamis Castle Stammsitz der Earls of Strathmore and Kinghorne, jener adligen Familie, der auch Elizabeth Angela Marguerite Bowes-Lyon, bekannt als „Queen Mum“ entsprang. Gemeinsam mit ihrem Bruder verbrachte die Mutter der späteren Königin Elizabeth hier ihre Kindheit. 

Berühmtheit hat Glamis Castle – ebenso wie Cawdor Castle – William Shakespeares Macbeth zu verdanken. Zwar lebte die historische Figur hier offensichtlich nie, wurde das Schloss doch erst nach deren Tod erbaut. Dennoch findet der Ort zu Beginn des Dramas Erwähnung, als Macbeth als Than von Glamis vorgestellt wird. Shakespeares Spuren kann man bei einem heutigen Besuch der Anlage trotzdem folgen, zum Beispiel bei einer Führung oder auf dem Macbeth-Weg. 

Doch Vorsicht: Auch auf Glamis Castle sind allerhand Geister und Spukgestalten unterwegs. Die wohl schaurigste Legende, die sich auf dem Anwesen nördlich von Dundee abspielt, erzählt die Geschichte des „Monster von Glamis“. Dabei handelt es sich um einen mysteriösen Erben, der zeitlebens in einem geheimen Raum versteckt wurde. Eine weitere Erzählung handelt von Earl Beardie, der angeblich bis in alle Ewigkeit mit dem Teufel um seine Seele Karten spielt. Wer sich von all den Schauermärchen nicht abhalten lässt, kann das Schloss und seine weitläufige Parkanlage in der Sommersaison besuchen.

Glamis Castle ist von März bis Oktober geöffnet. 

glamis-castle.co.uk

Inveraray Castle: Musizierende Gespenster

Von außen grau von innen bunt: Inveraray Castle

Als Clanchef der Campbells kann man sich allerhand erlauben: Weil er die Fischer um ihr lauschiges Plätzchen auf einer Anhöhe über Loch Fyne beneidete, ließ der dritte Duke of Argyll im Jahre 1743 das kleine Dorf Inveraray prompt abreißen und etwas weiter südlich als Planstadt neu errichten. Auf dem abgeschiedenen Hügel baute sein Clan anschließend das neue Inveraray Castle, dessen streng symmetrische Form sich wunderbar von der wilden Landschaft abhebt. 

So düster ­grau und abweisend die Außenfassade, so verspielt und farbenfroh ist das Interieur. Der kunstvoll bemalte State Dining Room und der Tapestry Drawing Room, im Stile eines Pariser Salons, täuschen allerdings darüber hinweg, dass die Macht der Campbells auf militärischer Stärke beruhte. Daran erinnert der gewaltige, 21 Meter hohe Waffensaal, in dem Musketen, Lochaber-Äxte und Schwerter wie Schmuck an den Wänden hängen. 

Der Victorian Room ist Princess Louise gewidmet, einer Tochter von Queen Victoria, die 1871 in die Familie einheiratete und als talentierte Künstlerin eindrucksvolle Porzellanskulpturen hinterließ. Wie es sich für ein echtes schottisches Schloss gehört, wird auch Inveraray von diversen Gespenstern heimgesucht, etwa von einem jungen irischen Harfenspieler, dessen sanftes Geklimper den Tod eines Familienmitglieds prophezeit, und einer schrill polternden Küchenmagd. Wer’s nicht glaubt, kann den 13. Duke of Argyll fragen. Wenn er nicht als Kapitän der schottischen Elefanten-Polomannschaft unterwegs ist, steht er gerne mal im Schlossladen und signiert Bücher.

Inveraray Castle ist von Ende März bis Ende Oktober geöffnet. 

inveraray-castle.com

Balmoral Castle: Refugium der Queens

Balmoral Castle diente Queen Victoria zeitlebens als Sommerresidenz.

Einer Fischgräte soll es zu verdanken sein, dass Queen Victoria und Prince Albert in den Besitz ihres „geliebten Paradieses in den Highlands“ kamen. Als der damalige Pächter, Sir Robert Gordon, sich an der Gräte verschluckte und plötzlich verstarb, pachteten die beiden das Anwesen und kauften es 1852. Den Jagdsitz aus dem 15. Jahrhundert fand Victoria zwar hübsch, aber zu klein für ihre damals sechs Kinder samt Entourage. 

Daraufhin entwarf Albert mit dem Architekten William Smith ein neues, größeres Schloss: Balmoral Castle. Vom Boden bis zur Decke war alles mit Tartan ausgelegt, und dieser sentimentale Enthusiasmus fürs Schottische gipfelte im Begriff „Balmorality“. Als romantische Sommerresidenz gedacht, diente es Victoria nach dem Tod ihres Mannes 1861 oft mehrere Monate im Jahr als Refugium. Zum Groll ihrer Minister und Hofdamen, die nach der 800-Kilometer-Anreise aus London das „miserable Wetter“ verfluchten, genervt waren von „Lakaien, die nach Whisky stanken“, und sich beklagten, dass die Königin ständig die Fenster offenhielt. 

Balmoral ist nichts für Schönwettertouristen, aber für Victorias Ururenkelin Queen Elisabeth II. war es ein zweites Zuhause. Von April bis Ende Juli ließ sie ihr Schloss für Besucher öffnen, jeder konnte die Stallungen und Gärten sowie den Ballsaal besichtigen. Interessant sind auch die Wanderwege am Ufer der Dee und die Außenanlagen, in denen Statuen und cairns, kleine Steinpyramiden, an schöne und traurige Momente im Leben der Royals erinnern.

Balmoral Castle ist von Ende April bis Mitte August geöffnet. 

balmoralcastle.com

Eilean Donan Castle: Juwel in den Highlands

Schauplatz endloser Gefechte: Eilean Donan Castle

Um mögliche Überfälle der Wikinger abzuwehren, ließ man auf einer Gezeiteninsel am Loch Duich zunächst eine Verteidigungsanlage errichten. Über die damaligen Bauherren herrschen Unklarheiten; sicher ist, dass der Clan Mackenzies of Kintail hier ab dem 13. Jahrhundert in einem ansehlichen Schlossbau herrschte. Ebenfalls historisch belegt ist die Tatsache, dass Schottenkönig Robert the Bruce während der Unabhängigkeitskriege hier Zuflucht fand. Übrigens nicht gerade zur Freude des Mackenzies, die dessen Exil alles andere als guthießen. 

Fortan war Eilean Donan Castle immer wieder Austragungsort blutiger Streitigkeiten zwischen Clans und Königen. Ihren Höhepunkt nahmen die Machtkämpfe 1719 als das Schloss während eines Jakobitenaufstands durch englische Kriegsschiffe fast vollständig zerstört wurde.

Mehr als 200 Jahre lang das einst so malerische Castle in Trümmern, bis John Macrae-Gilstrap es im frühen 20. Jahrhundert liebevoll und detailgetreu wieder aufbauen ließ. Umso schöner für alle Paare, die hier heutzutage regelmäßig heiraten. Und für alle Kino-Fans, die hier Schauplätze von Filmen wie „Highlander“ oder „James Bond – Die Welt ist nicht genug“ wiedererkennen dürften.

Eilean Donan Castle ist ganzjährig für Besucher geöffnet. 

eileandonancastle.com