Wo Wachträume wahr werden: 9 außergewöhnliche Cafés weltweit

Kaffeetrinken und Beiläufigkeit passen eigentlich nicht zusammen, und doch wird der Kaffee als schnelle To-go-Nummer millionenfach im Papp- oder Thermobecher aus seiner natürlichen Umgebung, dem Café, entführt und wie eine eilige Notwendigkeit behandelt.
Wir feiern hier das andere Kaffeetrinken und nehmen Platz auf den Kaffee-Bühnen dieser Welt, auf denen die Koffeinreise richtig zelebriert wird. Schließlich ist das Café zum Kultort geworden, indem Menschen dort Zeit verbringen, sich ihren geschärften Sinnen hingeben und manchmal hier, mitten im Leben, Großes erschaffen. Albert Camus schrieb beispielsweise oft und viel im Pariser Café de Flore. Ganze Denkschulen, Kunststile und Bücher wurden in Cafés wie dem Central in Wien geboren. Dieser überbordende, fast sakrale Raum ist dadurch zu einer internationalen Berühmtheit geworden – die im kommenden April ihren 150. Geburtstag feiert.
Opulenz ist aber nicht alles, heute setzen einige Cafés auch auf maximalen Purismus. Manch Barista fasst Milch, zumal die von der Kuh, nur noch mit spitzen Fingern an und lässt Zucker nicht mehr über die Türschwelle. Optisch spiegelt sich diese Zurückhaltung in Industriecharme, gerne gepaart mit farblicher Eintönigkeit. Und good old Europe ist nur eines der Kaffee-Zentren der Welt. Die höchste Dichte an Cafés hat unter anderem die südkoreanische Hauptstadt Seoul, die allein um die 40.000 Cafés haben soll. Auch Melbourne und Sydney reiten ganz oben auf der dritten und vierten Kaffeewelle, rösten Single-Origin-Bohnen und bereiten daraus pure Geschmackserlebnisse wie Cold Brew.
In den Räumen, die wir Ihnen hier zeigen und die sich um den Globus ziehen, wird der Kaffee zusammen mit seiner Bühne zu einem Gesamterlebnis, das ganz bestimmt gute Geschichten schreibt.
Bacha Coffee, Marrakesch

Eine Siebträgermaschine wird man hier nie schnarren hören, denn „Bacha“-Kaffee wird seit 1910 von Hand gebrüht. Im Palast von Thami El Glaoui wurden internationale Gäste empfangen. Nach dem Tod des Paschas 1956 geriet auch die Kaffeemarke in Vergessenheit. Seit 2019 gibt es sie wieder – auch in einem Salon im ehemaligen Palast, der heute ein Museum ist.
Anh Coffee Roastery, Ho-Chi-Minh-Stadt

Als würde der gute Kaffee der jungen Rösterei Anh nicht schon genug Sogkraft entwickeln, lotst die Architektur Gäste in die Tiefe des Raums: Die Terrakotta-Ziegel der Fassade ziehen auch innen ihre Runden, ein Tischband breitet sich aus, geschmeidig wie ein Schuss Milch.
New York Café, Budapest

Es war nicht Fernweh, das dem 1894 eröffneten Café New York seinen Namen gab, sondern der Bauherr: Die New York Life Versicherung ließ für ihre erste europäische Dependance einen Palast errichten, inklusive Kirchenschiff für Kaffeejünger – heute Teil des Hotels New York Palace Budapest.
Metal Hands, Peking

Das alte Gerätehaus im Innenhof des einst größten Geschäfts für ausländische Produkte in der Volksrepublik China erhielt einen Gewächshaus-Look. Ein besonderer Rückzugsort für Gäste der jungen Kaffee-Kette Metal Hands.
Feya, London

Wer hier eine Inszenierung aus Licht, poppigen Farben und süßen Kleinigkeiten erkennt, sollte erst einmal etwas bestellen bei Feya: Blüten zieren Gerichte, Bärchen so manches Getränk. Seit Zahra Khan ihre Ausbildung bei Rüpel-Chef Gordon Ramsay mit Auszeichnung abschloss, lebt sie ihren Mädchentraum in zwei Cafés und einer Eisdiele – und mit einer Mission: die Gleichstellung von Frauen mit ihrer Initiative „Feya Cares“.
Vits Coffee, München

Kaffee ist eine Wissenschaft für sich. Alexander Vits reicht in Sensorik-Seminaren Details weiter über die zwei Röstmaschinen im Lokal, Mahlgrade, Anbaugebiete. Seit über 20 Jahren gibt es hier richtig guten Kaffee.
Bean There, Johannesburg

Nur eine Frage der Zeit, wann Cafés so einfallsreich in der Namensfindung werden wie Friseure. Bean there in Johannesburg ist eines der ersten – würdigt die Bohne und lässt zudem anklingen, dass man genau dort schon war: in der ersten Fair-trade-Kaffeerösterei Südafrikas.
Café Tropique, Amsterdam

Es gibt so Läden, da kehrt man ein, um sich kurz auf einen Kaffee zu treffen, und dann hat man sich plötzlich doch so viel zu erzählen, vielleicht sogar zu sagen, und dann trifft es sich gut, dass das Café Tropique ebenfalls die Bar Botanique ist, in der es jede Menge herzhafte Speisen gibt und auch noch gute Cocktails. Und wenn es draußen längst dunkel ist und die Palmenblätter sich in den Fensterscheiben spiegeln, dann könnte man eigentlich gut noch einen Kaffee bestellen.
Emporio Armani Ristorante & Caffè, Mailand

Der Modeschöpfer Giorgio Armani (1934–2025) erweiterte seine Kundschaft früh mit einer günstigen Zweitlinie, mit Kosmetikartikeln und Gastrokonzepten. Er gilt als Erfinder der Farbe Greige – sein Café ist ein Kontrastprogramm.