Baumwipfelpfad © Isabela Pacini
Wohin im Saarland

Kleines Land ganz groß

Die Saarländer sind es gewohnt, dass man ihr kleines Bundesland immer wieder als Vergleichsgröße für Wälder, Seen, Städte anführt. Dabei setzt das Land ganz eigene Maßstäbe. MERIAN-Redakteurin Tinka Dippel verrät, welche Highlights Sie nicht verpassen sollten

Text Tinka Dippel
1

Baumwipfelpfad Saarschleife

Seit 2016 bietet der 1250 Meter lange Baumwipfelpfad neue Perspektiven auf die Ikone des Saarlands. Die Holzkonstruktion steht auf dem Felsmassiv Cloef und führt hoch zu einem 42 Meter hohem Aussichtsturm. Der Eintritt lohnt sich – auch wenn die Lichtverhältnisse vor und nach den Öffnungszeiten (9.30 - 16 Uhr, im Sommer länger) oft stimmungsvoller sind. Wer die Saarschleife morgens oder abends erleben will, besucht den unterhalb des Baumwipfelpfades gelegenen Aussichtspunkt am Cloef.

Mettlach, www.baumwipfelpfad-saarschleife.de

2

Völklinger Hütte

Völklinger Huette © Lukas Spörl

Nehmen Sie sich einen ganzen Tag Zeit! Die 1986 stillgelegte Eisenhütte zählt nicht umsonst zum UNESCO Weltkulturerbe. Das Gebirge aus ros roten Hochöfen, Gichtrohren und Hängebahnen ist eine Mischung aus Abenteuerspielplatz und zeitgeschichtlichem Monument. Tafeln und Filme erklären, wie hier zu Hochzeiten  17 000 Männer in Schichten rund um die Uhr malochten. Manche von ihnen führen heute Besuchergruppen durch die Hütte, eine eindrückliche Erfahrung. Nehmen Sie Ihre Kinder ruhig mit  auf die Tour – und auch Proviant, das Gelände ist riesig, und ein Café gibt  es erst am Ausgang.

Völklingen, www.voelklinger-huette.org

3

Moderne Galerie

Moderne Galerie © Lukas Spörl

Dieses Haus zeigt, wie gut Neuanfänge gelingen können. Lange Jahre stritt man über den Neubau eines vierten Pavillons. 2017 eröffnete er schließlich  – und überzeugt heute als ganz große Museumsarchitektur (S. 50). Die Querelen sind nicht vergessen, sie sind dem Bau vielmehr eintätowiert  – in Form von Satzfragmenten aus einer Landtagsdebatte. So spektakulär der Neubau auch ist, verlieren Sie nicht die Pavillons von Hanns Schönecker aus den 60er und 70er Jahren aus dem Blick! Die darin gezeigte Sammlung Moderner Kunst birgt große Schätze, allen voran Franz Marcs »Blaues Pferdchen«. Meine Entdeckung dort ist der saarländische Maler Albert Weisgerber, dessen Bilder zwischen Impressionismus und Expressionismus stehen.

Saarbrücken, www.kulturbesitz.de

4

Erlebniszentrum Villeroy & Boch

So viel mehr als ein Keramikmuseum! In einer ehemaligen Abtei am Ufer der Saar geht es auch um die Entwicklung der Tischkultur in den letzten drei Jahrhunderten – und um die Geschichte der Familien Villeroy und Boch, einer Dynastie, die im Saarland überaus präsent ist. Die Anfänge ihres Unternehmens reichen zurück bis ins Jahr 1748. Sehr schön: das Café im hübschen »Milchladen«.

Mettlach, www.villeroy-boch.de

5

Bostalsee

Natürliche Seen gibt es im Saarland kaum, dafür hat man umso schönere aufgestaut, der mit Abstand größte entstand 1979. Im Sommer wird am Bostalsee gesegelt, gesurft und gebadet. 2013 eröffnete am Ufer ein Center Parc, 2017 das Wellnesshotel »Seezeitlodge«. Dort sitze ich sehr gern: mit Seeblick und  einem Drink auf der Terrasse.

www.bostalsee.de

6

Ludwigskirche

So schlichter Barock ist selten, eine so umwerfend schöne Kirche auch. Friedrich Joachim Stengels Meisterwerk (S. 78), schmückt Saarbrücken, der Architekt hat auch den Platz vor der Kirche gestaltet. Kommen Sie am Samstagvormittag, dann findet dort ein Markt mit Produkten aus der Region statt.

Ludwigsplatz

7

Bliesgau

Eine der schönsten Ecken des Saarlands: Die hügelige Landschaft mit Streuobstwiesen und dem Flüsschen Blies ist ideal zum Runterschalten. Man legt hier großen Wert auf Nachhaltigkeit, 2009 wurde ein großer Teil des Gebiets zum Biosphärenreservat erklärt.Ausflugsziele sind die Burgruine Kirkel und die barocke Altstadt von Blieskastel. Genießen Sie unbedingt das gute Essen! Sie finden in der Region großartige Restaurants – von Gourmetküche bis zum rustikalen Gasthaus.

8

Tholey

Es gibt zwei gute Gründe, diesen Ort zu besuchen. Erstens: die alte Benediktinerabtei, in der noch Teile aus der Zeit um 1300 erhalten sind. Wenn Sie die gotisch-barocke Klosterkirche betreten, achten Sie auf die kunstvoll gestalteten Fenster, die um 1960 entstanden und das Licht auf ganz besondere Art in die Kirche fallen lassen. Zweitens: der Schaumberg, auf dessen knapp 570 Meter hohes Plateau Wanderwege (und eine Straße) führen. Oben können Sie auf den 38 Meter hohen Schaumbergturm klettern und den Blick bis in die Vogesen genießen. Tipp: Gönnen Sie sich in der »Schauber-Alm« am Turm ein Eis der St. Wendeler Manufaktur »Charlotte«.

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Dreiländereck

Im Nordwesten an der Mosel ballen sich Weingüter, Römer-Relikte und ein starkes Europa-Gefühl. In und um die Gemeinde Perl wetteifern zig Winzer um den besten Auxerrois, und das luxemburgische Schengen mit dem Europa-Museum liegt gleich nebenan. 

 

10

Saarpolyg

Am schönsten ist es auf der Halde Duhamel in Ensdorf kurz vor Sonnenuntergang. Dann hat die 2016 dort aufgestellte begehbare Stahlskulptur der Berliner Architekten Katja Pfeiffer und Oliver Sachse etwas Magisches. Sie erinnert an den Bergbau und symbolisiert den Strukturwandel – je nach Position des Betrachters wechselt sie die Form.

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