© Isabela Pacini
Kultur

Aufregendes, engagiertes Theater in Saarbrücken

Bodo Busse bezieht als Intendant des Saarländischen Staatstheaters Stellung: Der Kulturbetrieb soll sich nicht zurücklehnen, sondern aufstehen gegen Selbstgerechtigkeit und Populismus. Das Programm der Dreisparten-Bühne ist engagiert und aufregend.

Text Andreas Molitor

 „Wie finde ich nur eine Antwort auf dieses Gebäude?“, fragte sich Bodo Busse, bevor er im Sommer 2017 als Generalintendant des Saarländischen Staatstheaters in Saarbrücken antrat. 

Das musste sich jeder Theater-Macher hier fragen, schließlich stammt das neoklassizistische Haus aus der Nazizeit – von Joseph Goebbels als „Bollwerk deutscher Kultur“ gedacht.

Kultur soll sich auflehnen

Busses Antwort ist klar und kommt dem Ruf der Bühne zugute: sehr europäisch, vielfältig, engagiert. Die traditionelle Ensemblebegrüßung zu Beginn seiner zweiten Spielzeit eröffnete Busse, herausgefordert durch die zunehmenden Umtriebe rechter Populisten und Extremisten, mit einem klaren politischen Statement: Es sei Aufgabe der Kultur, „sich aufzulehnen, auch gegen populistische Stimmungsmache und eitle Selbstgerechtigkeit.“

Nichts Plattes mit Busse

© Isabela Pacini
Theater Saarbrücken

Die Rede schlug hohe Wellen, auch über das Saarland hinaus. In den Dienst politischer Moden und Stimmungen will Busse seine Arbeit allerdings nicht stellen. „Jetzt schnell was zu Me Too in den Spielplan nehmen oder ein Stück, in dem Flüchtlinge sich selbst darstellen und sogar ein Schlauchboot über die Bühne tragen – so etwas Plattes wird es bei mir nicht geben.“ 

Stattdessen, zum Beispiel, wartete das Theater im Corona-Sommer 2020 mit dem Stück „Glück. Ein Abend mit sieben Gewinnern und den besten Momenten in Zeitlupe" auf – laut Rezension im Saarländischen Rundfunk haben sie dabei „aus der Not eine Kunst gemacht“.

Schauspiel, Oper, Staatsballett

Das Saarländische Staatstheater ist, wie es sich für ein Landestheater gehört, gut ausgestattet und bedient drei Sparten – Theater, Ballett, Orchester – plus den Club „U21“, wo Jugendliche sich kostenlos als Darsteller ausprobieren können.

Im Saarland ist der frankophile Kulturmanager Busse mittlerweile gut angekommen. Er schätzt den Zusammenhalt und die Zurückhaltung, „die Leute pflegen nicht so eine überbordende Leutseligkeit.“ Er mag die entspannte Stimmung, man sei hier den schönen Dingen des Lebens sehr zugewandt.

Gern würde Busse „kulturelle Barrieren“ zum Nachbarland Frankreich abbauen und noch mehr Menschen ins Theater holen, die nicht Deutsch sprechen. Die Opern lässt er jetzt französisch untertiteln, mehrsprachige Produktionen sollen fester Bestandteil des Programms werden.

www.staatstheater.saarland

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