Aschau bis Wendelstein: 12 Sehenswürdigkeiten um den Chiemsee

Der glitzernde Chiemsee, sein blau leuchtendes Umland und die schroffen Alpengipfel am Horizont bilden die einzigartige Kulisse des Chiemgaus. Auf den Spuren des Märchenkönigs Ludwig II., an Bord nostalgischer Dampfer und an Aussichtspunkten in schwindelerregenden Höhen erschließt sich, warum das oberbayerische Chiemgau zu den beliebtesten Urlaubsregionen des Landes zählt. Zwischen Kultur und Natur finden sich hier vielfältige Sehenswürdigkeiten, von denen wir im Folgenden zwölf vorstellen.
Mit der Kampenwandbahn zum Gipfelkreuz

„I gang so gern auf dʼ Kampenwand, wenn i mit meiner Wampn kannt.“ Heißt für alle Nichtbayern: Wer zu viele Chiemgauer Schmankerl genossen hat, nimmt nach oben die Bahn ab Aschau und schwebt in einer gemächlichen Viertelstunde auf 1461 Meter. Das steile Bergmassiv aus Kalk und Dolomit zählt zu den bedeutendsten Wander- und Klettergebieten des Chiemgaus. Unterhalb der Baumgrenze wachsen erstaunlich vielfältige Pflanzen – auch deshalb wird die Gegend sehr geschätzt. Bei klarem Wetter eröffnen sich wunderbare Aussichten auf Chiemsee und Alpen, besonders auf dem Panoramaweg zur Steinlingalm. Wer Zeit (zwei Stunden), Kondition (343 Höhenmeter) und gutes Schuhwerk (vier Kilometer) mitbringt, schafft es bis zum Gipfelkreuz.
Chiemsee-Schifffahrt: Ausflug auf dem Dampfer

Touristisches Pflichtprogramm: per Dampfer zu den Chiemseeinseln schippern. Die größte Ablegestelle liegt am westlichen Seeufer in Prien, weitere Anleger finden sich in Gstadt oder Seebruck. Wer einst wie in den Goldenen Zwanzigern übersetzen will, geht am besten an Bord der Ludwig Feßler. Das historische Seitenradschiff, das ursprünglich als Raddampfer vom Stapel lief, tuckert schon seit 1926 über den See. Ob auf dem Sonnendeck oder im hellblauen Salon: Der nostalgische Charme ist hier allgegenwärtig. Neben der MS Ludwig Feßler pendeln zwölf weitere Passagierschiffe über den See. Die Überfahrt ab Prien zur Herreninsel dauert nur 15 Minuten, es sind aber auch 2,5-stündige Rundfahrten sowie private Charterfahrten für Events möglich.
Fahrt mit der Chiemsee-Bahn

Ebenso ikonisch wie die historischen Schiffe ist die noch ältere Chiemsee-Bahn. Seit dem späten 19. Jahrhundert verbindet sie den Bahnhof Prien (von München Hauptbahnhof in einer Stunde zu erreichen) mit dem 1,8 Kilometer entfernten Hafen Stock. Dass es für die kurze Strecke eigentlich kein Verkehrsmittel braucht – geschenkt! Die grüne Schmalspurbahn ist nicht nur eng mit der Historie des Chiemsees verbunden, sondern auch mit dem Stadtbild von Prien. Von Mitte Mai bis Mitte September ruckelt und zuckelt das Gefährt mit seinen winkenden Fahrgästen lautstark durch den Ort. Übrigens: Auftraggeber der Bahn war Reeder Ludwig Feßler, der auch den Grundstein der Schifffahrt legte.
Ludwigs Schatz: Neues Schloss Herrenchiemsee

König Ludwig II. ließ auf der Herreninsel ein Schloss errichten, das sich sichtbar an Versailles orientiert. Von außen wirkt die knapp 100 Meter lange Schlossfront fast zurückhaltend, verglichen mit dem, was sich hinter ihr verbirgt. Ein Höhepunkt ist, neben der Großen Spiegelgalerie, das Treppenhaus, das deutliche Parallelen zur Versailler „Gesandtentreppe“ aufweist. Als damals hochmodern hingegen gilt das überspannende Glasdach, für dessen Konstruktion man sich moderner Techniken des 19. Jahrhunderts bediente. Noch beeindruckender: das Paradeschlafzimmer. Dieser goldene Schlafpalast sollte Macht und Reichtum des Märchenkönigs einmal mehr unterstreichen. Allein seine Restaurierung hat mehr als 280.000 Euro gekostet. Geschlafen hat in dem überbordend ausgeschmückten Raum übrigens nie jemand. Ab 1886 kamen die Bauarbeiten aus finanziellen Gründen zum Erliegen.
Dass das Ensemble nie ganz fertiggestellt wurde, stört heute niemanden. Besucher können die Prunksäle des Neuen Schlosses Herrenchiemsee im Rahmen einer geführten Tour bestaunen, das Museum rund um den Märchenkönig und das Museum im Augustiner-Chorherrenstift können auf eigene Faust erkundet werden.
Wunder im Fels: Wendelsteinhöhle

Zwischen Chiemsee und Tegernsee liegt der gewaltige Berg Wendelstein und in ihm die mit gut 1.700 Metern höchste, besuchbare Höhle des Landes. Nur ein kleiner Teil des tiefliegenden Systems, das 1864 entdeckt wurde, ist erschlossen. Völlig ausreichend, um Besuchern einen spannenden Einblick in die geologischen Prozesse und die Geschichte der Alpenregion zu gewähren. Unbedingt warme Kleidung einpacken: Weil sich Schnee und Eis jenseits der Sonne in den Höhlen absetzen, steigen die Temperaturen selten über den Gefrierpunkt. Und wer schon einmal auf der Bergstation ist, kann von hier aus die Aussichtsplattform besuchen, im Gasthaus einkehren oder einfach weiter rund um den Wendelsteingipfel wandern.
Fraueninsel und Abtei Frauenwörth

Wer den Trubel der Herreninsel scheut, besucht am besten diesen Mikrokosmos mitten im See: Die Fraueninsel ist deutlich kleiner und ruhiger als der Nachbar und bis heute bewohnt. Die rund 300 hier lebenden Menschen gruppieren sich um den lauschigen Dorfplatz mit seinen uralten Linden und die südlich gelegene Abtei Frauenwörth. Das Benediktinerinnenkloster geht auf das Jahr 782 zurück. Nicht ganz so alt ist das angeschlossene Münster, dem 1626 die im Chiemgau so weit verbreitete Zwiebelhaube aufgesetzt wurde. Im 19. und 20. Jahrhundert entdeckten Künstler und Kreative diesen Zufluchtsort, wovon noch heute Kunsthandwerksbetriebe, Galerien und Geschäfte zeugen.
Tagungsort mit Geschichte: Kloster Seeon

Einen ruhigen Gegenpol zum Prunk und Protz der Könige bildet das schlicht-weiße Kloster Seeon. Auf einer Halbinsel gelegen, scheint es von weitem fast auf dem Wasser zu schweben. Die weitläufige Anlage geht auf das Jahr 994 zurück und zählt mit ihren romanischen Elementen und barocken Einflüssen zu einer der wichtigsten historischen Anlagen des Chiemgaus. Seit 1993 dient das Gelände als Kultur- und Tagungszentrum. Besucher wandeln unter anderem auf den Spuren von Haydn und Mozart, der hier als junger Mann zu Gast war.
Schloss Hohenaschau

Seit dem Mittelalter erhebt sich das Schloss Hohenaschau über dem ihm zu Füßen liegenden Ort Aschau. Die beeindruckende Anlage, die sich über mehrere Gebäude und Ebenen zusammensetzt, war ursprünglich Sitz der Adelsbrüder Hirnsberger, die hier einen strategischen Verwaltungssitz gründeten. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs der Bau stetig und wurde um eine barocke Schlosskapelle und ein Benefiziatenhaus erweitert. Heute kann das Schloss Hohenaschau im Rahmen von einstündigen Führungen besichtigt werden. Da Autos auf dem Gelände nicht erlaubt sind, erfolgt der Aufstieg vom Parkplatz – etwa 70 Höhenmeter unterhalb – zu Fuß. Alternativ kann man den Ausblick aufs Schloss auch entspannt von einem der umliegenden Biergärten oder aus der Kampenwandbahn genießen.
Cops und Charakter: Rosenheim

Nicht wegen seiner TV-Cops, sondern aus ganz anderem Grund genießt Rosenheim internationalen Ruf. Die Stadt ist bekannt für ihr traditionsreiches Holzhandwerk. Seinen Charakter aber verdankt Rosenheim weder dem Fernsehen noch dem Holz. Seitdem König Ludwig II. die Siedlung 1864 offiziell zur Stadt ernannte, pulsiert hier die Kultur. Heute spazieren Besucher zwischen schicken Bürgerhäusern, neobarocken Ensembles und den Kirchen mit ihren Zwiebeltürmen. Besonders lebhaft wird es in der 65.000-Einwohner-Stadt übrigens ab Ende August, wenn das Rosenheimer Herbstfest ansteht.
Mammut–Museum Siegsdorf

1975 war das Jahr, das hier alles veränderte: Der Fund eines 45.000 Jahre alten Mammutskeletts löste nicht nur im bayerischen Siegsdorf, sondern in der Archäologiewelt Euphorie aus. Zwanzig Jahre später widmete man dem außergewöhnlichen Fund – das Skelett gilt als größtes, besterhaltenstes in ganz Europa – ein ganzes Museum. Abseits der bedeutenden Knochen umfasst die Sammlung Fossilien, Mineralien und interaktive Modelle.
Tor zum Chiemsee: Prien

Als nach dem Tod von Ludwig II. das Schloss Herrenchiemsee öffentlich zugänglich wurde, erlebten die Uferstädte einen wahren Ansturm. Schnell konzentrierte sich das Besucheraufkommen auf den Ort Prien, war dieser doch dank seines Bahnhofs gut an das Schienennetz und die Großstadt München angeschlossen. Ein Abstecher lohnt, zum Beispiel für die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt mit ihrem prächtigen Deckengemälde, einen Spaziergang an der Promenade oder sommerlichen Badespaß an der Seewiese Schraml.
Eggstätt-Hemhofer Seenplatte

Große Seen, kleine Tümpel, stehendes Gewässer, fließende Bäche und Gräben und am Ufer gesunde Schilfgürtel und magere Streuwiesen, Buchen und Tannen: Das 3,5 Quadratkilometer große Areal und seine 17 Seen östlich von Rosenheim stehen schon seit 1939 unter Naturschutz. Vor mehr als 10.000 Jahren schufen die großen Gletscher bei ihrem Rückzug diese urzeitlichen Landschaften mit Moränen, Kuhlen und Erhebungen. Unter Geröll und Schotter blieben abgespaltene Eisblöcke zurück, die später schmolzen und schließlich zu Seen und Tümpeln, Mooren und Sümpfen wurden und bis heute weitgehend unberührt sind. Insgesamt ziehen sich 28 Kilometer Rad- und Wanderwege durch die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte. Auch geführte Naturwanderungen finden regelmäßig statt. Das Baden ist nur an ausgewiesenen Stellen erlaubt.